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Sein Neffe Witzleben, der an seiner Seite hielt, leistete ihm den zärtlichsten Beistand, pflegte ihn am Sterbelager und empfing von ihm den Auftrag, seine Gelöbnisse und Beerdigung in Altötting zu besorgen. *)

Am 30. April nahm Tilly's Schwäche bedeutend zu. Gegen 6 Uhr Abends deutete er auf das Krucifix und gab zu verstehen, dass er sich auf den Tod vorbereite. Er liess seinen Neffen Werner Tilly nahe an sein Bett treten und ertheilte ihm seinen Segen. Seine alten Freunde, der Baron Ruepp und sein Neffe Witzleben sanken laut weinend auf ihre Knie, Tilly ertheilte ihnen seinen Segen und hauchte eine Stunde später seine Seele aus. **)

Nach dem Tode Tilly's gehörte Witzleben zu dem Pappenheim'schen Heere, welches im October 1632 Hildesheim einnahm, am 28. dieses Monats von Mühlhausen aus nach Sachsen eilte, um Wallenstein zu verstärken und von diesem nach Halle a. d. S. detachirt wurde. Von hier aus eilte Pappenheim am 6. Nov. auf Befehl des Oberfeldherrn auf das Schlachtfeld von Lützen und erreichte dasselbe, als das Kaiserliche Heer unter Wallenstein den schwedischen Angriffen gegenüber bereits zu weichen begann.

Pappenheims Erscheinen belebte von Neuem den Muth des Kaiserlichen Heeres. Die bereits durch harten Kampf erschöpften Schweden vermochten den wuchtigen Angriffen der Pappenheimer keinen Widerstand zu leisten, nur General Kniphausen bildete mit 4 Regimentern zu Pferd und 2 Regimentern zu Fuss noch eine intacte Masse. Gegen ihn richtete Pappenheim seinen letzten Stoss, aber bald stürzte er tödtlich verwundet vom Ross, und auch Julius von Witzleben fiel an der Spitze seines Regiments ***) nach tapferster Gegenwehr und endete in der Blüthe seiner Jahre seine Heldenlaufbahn. t)

Drei Witzleben kämpften in der Schlacht von Lützen: der tapfere schwedische Kriegsoberst Georg Melchior von Witzleben aus dem Hause Liebenstein, und Wolf Friedrich von Witzleben aus Wolmirstedt, der hier den

*) Kriegsbericht, Ingolstadt, den 20. April 1632, im K. Bairisch. Archiv zu München.

**) Graf Villermont: Tilly, p. 617, und Onno Klopp, Tilly, II., p. 433.

***) Als Oberstinhaber des Nersen'schen Regiments, wie er im Kriegsbericht bezeichnet wird.

+) Kriegsbericht Weissenfels, den 20. November 1632. Wir verdanken die Mittheilungen aus dem bairischen Staats-Archive der Güte des Hofcaplans Dr. Schreiber, des Verfassers der so vorzüglichen Biographie des Kurfürsten Maximilian I. von Baiern.

Heldentodt starb, auf schwedischer Seite, und Graf Julius von Witzleben im kaiserlichen Heere.

Julius von Witzleben's reiche Güter in Belgien gingen, da er unvermählt war, auf seine Schwestern Ernestine und Anna über, und kaum wird auf seinen Schlössern in Heppignies, Charmoy, Gilet, Neuville, Franchoy-Bergaingne (Beauraing) ein Wappenschild bekunden, dass hier einst unser Geschlecht die Herrschaft ausübte.

III. Abschnitt.

Die alte Wolmirstedter Linie.

1529--1651.

(Hierzu Stammtafel II. 5.)

1. Georg Friedrich von Witzleben.

1537 — 1557.

W.

ir können diese Linie sehr kurz behandeln, da sich in derselben keine hervorragenden Männer befanden und ausserdem die in den Archiven aufgefundenen Nachrichten sehr spärlich und meist ohne jedes höhere Interesse sind.

Der Ritter Friedrich von Witzleben auf Schönewerda, Wolmirstedt, Tauchart und Kahlwinkel, der Stifter der alten Wolmirstedter Linie (s. II. Thl. S. 78), hatte von seiner Gemahlin Jacobe von Balgeth drei Kinder, nämlich Georg Friedrich, Jacobus und eine einzige Tochter Ursula, welche sich mit Julius Plug zu Groitzsch vermählte. *)

Von Jacobus wissen wir nur, dass er unverheirathet war und im Kriege gestorben ist. **)

Georg Friedrich von Witzleben,

welcher, während sein Vater das Amt Salza verwaltete, die Güter übernommen hatte, meldete auf die Aufforderung des Herzogs Georg zu Sachsen, sich zu Ross und zu Fuss zu rüsten, dem Grafen Günther zu Schwarzburg, des Landes in Thüringen Hauptmann, am 23. Juni 1537,

*) König Ad. Hist. III. p. 860.
**) S. die alte Wolmirstedter Stammtafel.

dass er erforderlichen Falls mit 4 gerüsteten Pferden und seine Unterthanen mit 16 Mann zu Ross und 24 zu Fuss erscheinen würden, wobei er jedoch bemerkte, dass die Unterthanen ziemlich ungeschickt und deren Pferde durch Kohlenfuhren und Ackerarbeit sehr abgetrieben seien.

Dergleichen Meldungen, welche zu dieser Zeit nicht selten sind, zeigen deutlich den Verfall der Lehnsheere.

Die Gegend von Wendelstein und Wolmirstedt gehörte, wie bereits erwähnt ist, seit der Erbtheilung zwischen dem Kurfürsten Ernst und seinem Bruder, dem Herzog Albrecht, zu dem dem Letzteren zugefallenen Theil, und so waren auch die Besitzer jener Güter Vasallen von Albrechts Enkel, dem Herzog Moritz. Als solche nahmen sie an der Schlacht bei Mühlberg, am 27. April 1547, in welcher Moritz mit dem Kaiser Carl V. den Kurfürsten Johann Friedrich d. Ä, zu Sachsen schlug, Theil und zwar Georg Friedrich von Witzleben auf Wolmirstedt mit 4 Dienstpferden und ausserdem noch mit 2 Pferden, darunter ein Schütze. Als nun in Folge jenes Sieges Moritz Kurfürst von Sachsen geworden war, blieb Georg Friedrich, der oft auch nur Georg von Witzleben genannt wird, als Rath in dessen Diensten und unterschrieb als Verordneter der Landschaft den durch die Vermittelung des Königs Christian von Dänemark zu Stande gekommenen Vertrag zwischen dem Kurfürsten August und dem unglücklichen Kurfürsten Johann Friedrich zu Sachsen, wonach Letzterer mit seinen drei Söhnen dem Kurfürsten August den Titel: des heil. Röm. Reichs Erzmarschall, Kurfürt und Burggraf zu Magdeburg lassen, August aber seinen Vetter Johann Friedrich d. Ä. den geborenen Kurfürsten nennen will. Mit ihm unterzeichneten den Vertrag der römische König Ferdinand, König Christian zu Dänemark, die Kurfürsten und Herzöge zu Sachsen und viele Andere.

1557 starb Georg Friedrich von Witzleben. Seine Gemahlin war Ottilia von Karpen aus Witzleben, eine Tochter von Achatz von Karpen auf Witzleben und Ilse von Schuffer aus Schuffer, die ihm, wie aus dem Stammbaum zu ersehen, sieben Kinder gebar.

Ein von Künstlerhand aus karrarischem Marmor gearbeitetes wundervolles, leider mit Sandsteinfarbe angestrichenes Grabmal, welches sich hinter der Kanzel in der Kirche zu Wolmirstedt befindet, zeigt Georg Friedrich als einen in voller Rüstung zum gekreuzigten Heiland betenden Ritter, während der Gedenkstein seiner Gattin, mit dem bekannten Mundtuche der damaligen Zeit, hinter dem Altare aufgestellt ist.

2. Die Brüder Hans Friedrich, Georg, Eitel Fritz

und Dietrich von Witzleben.

Die genannten Brüder besassen die väterlichen Besitzungen Wolmirstedt, Tauchart und Schönewerda Anfangs gsmeinschaftlich, theilten sich jedoch später in die Güter der Art, dass Hans Friedrich und Georg Wolmirstedt, Eitel Fritz Schönewerda und Dietrich Tauchart erhielt.

Dietrich „wich aber bereits am 11. November 1571 ohne Leibeserben aus diesem Jammerthal“, nachdem er nur kurze Zeit mit Maria von Bendeleben verheirathet gewesen war, welche sich später wiederum mit Christoph von Wiehe auf Burgscheidungen vermählte. Tauchart wurde von den Erben 1574 an Caspar von Guttershausen verkauft.

Hans Friedrich von Witzleben zu Wolmirstedt wurde nach dem Tode Jasons Witzleben zusammen mit Albrecht Hacke und Nicolaus von und zu Ebeleben Vormund des jungen Wolf Dietrich von Witzleben zum Wendelstein, des Sohnes des Gründers der KlosterSchule Rossleben. In dieser Eigenschaft finden wir ihn in vielfachen Verhandlungen und Urkunden, die bei Wolf Dietrich ausführlicher erwähnt werden. Ferner war er Vormund der Kinder seines Bruders Georg.

Um das Jahr 1577 musste in Brabant ein Verwandter seiner Grossmutter Jakobe von Balgeth mit Hinterlassung eines bedeutenden Vermögens gestorben sein. Um die Erbschaft antreten zu können, wandten sich Hans Friedrich und Eitel Fritz an den Kurfürsten August zu Sachsen und baten um die nöthigen Papiere, namentlich um ein Schreiben an Don Juan d'Austria und an den Grafen Peter Ernst zu Mansfeld, die Gouverneure in den Niederlanden waren, und um einen Ausweis über die Herkunft ihrer Grossmutter und ihre Abstammung von derselben.

Am 11. Juni 1577 schreibt darauf der Kurfürst: „Die Schrift an Don Juan schicken wir Euch hierbei, die andern aber, weil Graf Peter Ernst jetzt das hispanische Kriegsvolk aus den Niederlanden durch Italien begleitet, und, wie das gemeine Gerücht geht, im Königreich Neapel bleiben möchte, Ihr auch Eure Suplikation nicht doppelt, woran Du, Eitel Fritz, doch früher hier erinnert bist, überschickt habt, ist nicht angefertigt worden. Uns befremdet es aber nicht wenig, weil dies doch ein stattlicher Anfall (Erbschaft) sein soll, und Euch soviel daran gelegen ist, dass Ihr die schrift

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