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Dritte Abtheilung. Gründung der Klosterschule Roßleben

und Verluff des Wendelfteins.

1509–1661.

I. Abschnitt.

Heinrich von Witzleben, seine Geschwister.

und die Gründung der Klosterschule Rossleben.

1509–1561.

Heinrich von Witzleben des Doctors und Ritters Dietrich von Witz

leben und Anna's von Ende aus Rochsburg Sohn (s. Th. II. S. 80 u. 86), am 1. Novbr. 1509 auf dem Wendelstein geboren, erhielt in dem elterlichen Hause eine vorzügliche Erziehung, welche ihn frühzeitig für das Leben reifte.

Als sechszehnjähriger Jüngling war er, als die stürmischen Wogen des Bauernkrieges bis an die Burgmauern des Wendelsteins schlugen, trotz seiner Jugend eine wahre Stütze seines kriegserfahrenen Vaters gewesen. Spāter unternahm er, wie es zur Vollendung der Erziehung eines jungen und reichen Edelmannes damaliger Zeit erforderlich war, grössere Reisen, war drei Mal in Italien *), besuchte mehrere Hochschulen und erwarb sich daselbst die vom Adel so hoch geachtete und auch von seinem Vater innegehabte Würde eines Doctors beider Rechte.

*) wie auf dem Gedenksteine im Schlosshofe zu Beichlingen zu lesen ist.

Heinrich war 22 Jahre alt, als sein Vater starb, und gelangte demnach schon früh zur Selbstständigkeit. Von ritterlichem Sinn durchglüht, leicht erregbar, tapfer und fromm, besass er einen kräftigen Körper, grosse Weltkenntniss und erhielt sich bei all' seinen mannigfachen körperlichen und geistigen Vorzügen ein liebenswürdiges und anspruchsloses Wesen. Hierdurch wusste er auch seine jüngeren Geschwister an sich zu fesseln, welche so grosses Vertrauen zu ihm hatten, dass sie ihm ohne Hinzuziehung fremden Beistandes die Schlichtung aller Irrungen bei Erbschaften überliessen.

Heinrich hatte fünf Geschwister: Friedrich, Catharina, Margarethe, Barbara und Anna.

Friedrich, 1511 oder 1512 geboren und 1543 unvermählt gestorben, wurde gleichzeitig mit Heinrich 1532, nach dem Tode des Vaters, mit dessen Gütern belehnt, und zwar am 25. Juli vom Abt Peter zu Pforte mit dem Hofo Osfort und am 2. August vom Herzoge Georg zu Sachsen mit Wendelstein, Rossleben und den bekannten Pertinenzstücken, wie Alles ,, der hochgelartte Rath her Ditterich vonn witzleuben, Ritter vnd doctor, Ir vater seliger, herbracht vnd auf sie geerbet.“

Catharina, die älteste der Schwestern, 1514 geboren, vermählte sich, noch nicht 18 Jahre alt, mit Eckart Gans zu Dennstedt. Von ihren Brüdern ward ihr eine Ausstattung, wie sie sich für eine adeliche Jungfrau geziemte, und an dem Tage nach dem ehelichen Beilager eine Mitgift von 600 Fl. ausgesetzt.

Was die Ausstattung an Garderobe betraf, so mag sie nicht zu reich gewesen sein, denn Catharina klagte in ihren alten Tagen, dass sie nur alte Kleider ihrer Mutter bekommen habe, womit wohl auch heut zu Tage kein Fräulein vom Wendelstein zufrieden gestellt sein möchte.

Nach wenigen Jahren starb Eckart Gans, aber nicht lange trug Catharina den Wittwenschleier: sie reichte 1543 von Neuem ihre Hand Herrn Fritz von Brandenstein, einem Sohn Ewald's von Brandenstein zu Ranis, ward 1551 zum zweiten Male Wittwe und lebte als solche noch 1564.

Als am 16. Mai 1543 Catharina, ihre noch lebenden Geschwister und die Mutter in Leipzig zusammenkamen, um die Hinterlassenschaft ihres Bruders resp. Sohnes Friedrich zu theilen, nahm die Mutter vorläufiy das Silbergeschirr, die güldenen Ketten, die Kleinodien und Kleider Friedrich's für sich, bestimmte aber, dass nach ihrem Tode dieses, so wie die von ihr hinterlassene Baarschaft auf ihre Töchter vererben sollte, sofern sie

davon nicht ihrem Sohne Heinrich bei Lebzeiten schenken oder es ihm in ihrem letzten Willen vermachen würde.

Bei der Vorliebe, welche die Mutter für Heinrich hatte, war so die Erbschaft für die Töchter etwas unsicher. Deshalb fand sich Heinrich, dem die Lehnsantheile Friedrich's, die Pferde u: s. w. zugefallen waren, mit seinen Schwestern dahin ab, dass er an Catharina sofort 500 Fl. zahlte und den beiden unverheiratheten Schwestern, Barbara und Anna versprach, sie, sofern sie sich nicht verehelichen würden, mit nothdürftigem Unterhalt zu versehen, jeder aber, wenn sie sich verheirathen sollten, eine Mitgift von 2500 Fl. zu geben, und zwar die Hälfte am Tage nach vollzogenem Beilager, die andere Hälfte das Jahr darauf.

Margarethe, welche mit Melchior von Morungen vermählt gewesen, , war vor 1543 kinderlos gestorben.

Barbara und Anna trugen aber kein Verlangen, ledig zu bleiben, denn die Aussicht, vielleicht gleich den Tanten Barbara und Verona von Witzleben ihr Leben in dem Jungfrauen-Kloster zu Rossleben zuzubringen, war zu wenig verlockend, und als die Freier kamen, entschlossen sie sich daher schnell, ihnen Herz und Hand zu gewähren. Barbara wurde von Balthasar von Geusau und Anna, welche als Kind 1528 bei Anton von Werthern, „dem Pbilosophen“, Gevatter gestanden hatte, von Albrecht von Hacke zu Gutenberg heimgeführt.

Nach dem Tode seines Schwagers Eckart Gans übernahm Heinrich von Witzleben die Vormundschaft über die hinterlassenen unmündigen Gänse, Dietrich, Peter und Eckart, welche ihm dafür mit der grössten Dankbarkeit lohnten.

Aber nicht nur in seiner Familie genoss Heinrich grosses Vertrauen, sondern auch die benachbarte Werthern'sche Familie bezeugte ihm ein solches, indem sie ihn zum Vormund des unmündigen Wolfgang von Werthern auf Beichlingen, des ,, Orator Germaniae", und dessen Schwestern auserkor. Heinrich wählte zum Informator seines Mündels den später als Rector der Fürstenschule zu Meissen so berühmt gewordenen Gelehrten, Georg Fabricius, mit welchem er, wie wir sehen werden, auch später in Verbindung blieb.

Die Verwaltung seiner eigenen und der grossen Werthern'schen Besitzungen, sowie die Vormundschaft über die unmündigen Gänse zu Dennstedt nahmen Heinrich's Thätigkeit in vollem Masse in Anspruch, als der Ausbruch des schmalkaldenschen Krieges ihn diesen friedlichen Beschäf

tigungen entriss. Mit vier schuldigen Dienstpferden stiess er zum Heere seines Landesherrn, des Herzogs Moritz zu Sachsen, als dieser, um auf Befehl des Kaisers die Reichsacht gegen den Kurfürsten Johann Friedrich zu vollstrecken. sich 1546 in den Besitz der kursächsischen Länder setzte. Der Kurfürst, welcher zur Zeit im südlichen Deutschland an der Spitze des schmalkaldenschen Heeres den Kaiserlichen gegenüber stand, eilte auf diese Nachricht im November von Augsburg mit 10,0CO Mann nach seinen bedrohten Landen, vertrieb seinen Vetter Moritz daraus und setzte sich ausserdem in Besitz des grössten Theiles der diesem gehörenden Landschaften. Am 26. December 1546 eroberte er Heldrungen, später auch Sangerhausen und Weissenfels, und erliess an die Befehlshaber der festen Schlösser einen offenen Brief, worin er sein kurfürstliches Wort verpfändete, dass Allen, die sich ihm ergeben würden, Sicherung und Schutz ihrer Leiber, Weiber, Kinder und aller ihrer Güter zu Theil werden sollte.

Heinrich von Witzleben hatte, als er in voller Kriegsrüstung den Wendelstein verliess, das Kommando auf demselben Jason Witzleben, seinem Bastardbruder *), anvertraut, und dieser übergab, dem offenen Briefe

vor.

*) Heinrich's Vater, der Ritter und Doctor Dietrich von Witzleben, der erst spät heirathete, hatte aus der Zeit seines „Peregriniren's“ her zwei Bastardkinder: Jason Witzleben und eine Tochter. Seit 1532 war Jason Probst des Klosters Rossleben („Meine Vettern Heinrich und Friedrich haben auch ihren Bastard-Bruder zum Probst ins Kloster gesetzt, der bei 6 oder 7 Jahren das Kloster im Regiment gehabt,“ schreibt am 3. Februar 1539 der Ritter Friedrich von Witzleben zu Wolmirstedt) und als solcher verwaltete er nicht nur die Einkünfte des Klosters, sondern stand auch in Abwesenheit seines Junkers Heinrich von Witzleben der ganzen Herrschaft Wendelstein

Um der getreuen fleissigen Dienste willen, die er ihm vielfältig bewiesen, gab ibm Heinrich im Jahre 1552 einen im Dorfe Rossleben gelegenen freien Edelmannshof mit 10 ,Hintersetler - Höfen,“ etwa 4 Hufen zehntfreien Landes, 32 Ackern Wiesen, 30 Ackern Weinbergen, dem Ziegelofen zu , Mechtilroda“, EO Ackern Holz, einer Fischerei und bedeutenden Getreidezinsen, zu rechtem Mannlehn, wofür Jason Heinrich und dessen Erben, so oft sie es fordern würden, mit einem reisigen Knecht oder Pferde zu dienen schuldig sein sollten. In dem von Heinrich von Witzleben am Mittwoch nach vocem jucunditatis 1552 für den „Erbaren vesthen Jason Witzleben, die Zeidt vorwaltern zu Rossleben“ darüber ausgestellten Lehnbriefe (Orig. in einem Actenheft des Archivs zu Rossleben), zu dem auch Heinrichs Vetter Georg Friedrich von Witzleben zu Wolmirstedt als Mitbelehnter seine Zustimmung gab, wurde die Bestimmung aufgenommen, dass, im Fall Jason oline Söhne versterben sollte und etwa eine Tochter, Schwester oder Schwester-Kinder hinterlassen würde, diesen aus den dann heimfallenden Lehngütern 2000 Fl. auf ein Mal gezahlt oder dieselben im Besitz der Güter gelassen werden sollten.

Jason wohnto nun auf seinem Lehnhofe, dem sogenannten grossen Hofe, mit seiner

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