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nannten. Diesem Bunde waren von dem Witzleben'schen Geschlechte beigetreten: Heinrich von Witzleben d. Ä., Dietrich von Witzleben zum Stein (10), Friedrich von Witzleben, Dietrich's (11) Sohn und Heinrich d. J. von Witzleben *). S. Stammtafel I. 1. u. II. 2.

Nach mancherlei Fehden zwischen den Markgrafen Friedrich dem Streitbaren und Wilhelm von Meissen einerseits und dem Landgrafen Friedrich von Thüringen und seinem Schwiegervater andererseits kam es endlich zu einem Vergleich, nach welchem die Markgrafen an der Herrschaft in Thüringen Antheil gewannen und sich von den landgräflichen Vasallen und Städten huldigen liessen. Der Graf Friedrich von Beichlingen, der Burggraf Albrecht von Kirchberg und der Ritter Dietrich von Witzleben (11) zum Wendelstein, wurden von ihnen zu Aufsehern von Thüringen ernannt, und diese pflegten fortan Hof und Regiment des Landgrafen **); in Folge dessen finden wir dieselben auch in allen von den Mark- und Landgrafen gemeinschaftlich ausgestellten Urkunden als Zeugen.

Der Ritter Dietrich (11) fiel, wie wir in Folgendem sehen werden, 1429 bei Grimma gegen die Hussiten.

6) Von Georg von Witzleben (12) haben wir nichts weiter gefunden, als die folgende kurze Notiz auf einer alten, ziemlich genauen Wolmirstedter Stammtafel: „Georg von Witzleben in Wendelstein ist ein Fähnrich gewesen im Kriege 1409. Nach seinem Tode ist er zu Erfurt in der Domkirche mit Helm und Schild begraben worden;" was aber eine Verwechselung mit seinem gleichnamigen Neffen zu sein scheint, der 1429 Bannerträger war.

7) Güterbesitz. Nach dem Ausscheiden Heinrich's (7) aus den Wendelstein hatten die Brüder und Vettern Kirstan d. Ä. (8), Kirstan d. J. (9), Dietrich (10) und der Ritter Dietrich (11), dessen Bruder Georg (12) früh verstorben war, ihre von den Eltern ererbten Besitzungen, wozu noch 1404 das Schloss Allerstedt kam, in gemeinschaftlichen Besitz gehabt. Sie wohnten aber nicht zusammen auf dem Wendelstein, vielmehr sassen 1409 Kerstan d. Ä.(8) und sein Vetter der Ritter Dietrich (11) auf dem Schlosse Aller

*, Das Händelbuch Ldgr. Friedrich's d Einf. im Geh. Arch. z. Weimar.

**) P. Jov. Chron. Schwarzb. bei Schöttgen & Kreysig. Dipl. et Script. hist. Germ. I. p. 416. cf. Döring Thür. Chron. p. 462. u. Herold Gesch. d. Kl. Sch. Rossleben p. 4 u. 5, der jedoch gewaltige genealogische Irrthümer auftischt.

stedt. Doch nicht zu lange dauerte diese Gemeinschaft, denn bald schied Kerstan d. Ä. daraus, als er am 22. Juli 1420 vom Kaiser Sigismund mit Tulleda (Tilleda) belehnt wurde und 1422 durch Kauf die Herrschaft Berka erwarb. Es scheint, als hätte er seinen Bruder Heinrich (7) zu Otterwisch beerbt, dieses aber veräussert und so die Kaufsumme für Berka erhalten. Von dem grossväterlichen Erbe behielt er Auerstedt, das Burglehn zu Buttstedt, Rödigsdorf und sonstige kleinere Besitzungen.

Es blieben nun auf der einen Seite Kerstan d. J. (9) und Dietrich (10) und auf der anderen nur der Ritter Dietrich (11), die sich derart theilten, dass die ersteren beiden zusammen und letzterer allein von den Hauptgütern Wendelstein und Allerstedt (mit Saubach, Zeisdorf und der Wüstung Harfurth), je die Hälfte besassen. Zu diesen Hälften kamen für Kerstan d. J. (9) und Dietrich (10) der bedeutende Hof Osfort, womit sie (beide nur) am 28. Januar 1425 vom Abt Ludwig zu Pforte belehnt wurden, und für den Ritter Dietrich das Dorf Willerstedt (mit dem Gericht umher, Kahlwinkel, Reisen und den Wüstungen Meissberg und Kalthausen), wie es aus dem Lehnbrief vom 19. Juni 1430 und den folgenden über Wendelstein deutlich ersichtlich ist.

Nachdem Dietrich (10) 1426 vor Aussig im Hussitenkriege gefallen war, hatte jede Hälfte nur einen Besitzer, nämlich Kerstan d. J. (9) und Ritter Dietrich (11).

Unter den sonstigen Besitzveränderungen der Wendelsteiner haben wir in diesem Zeitraum folgendes zu erwähnen. Heinrich (7) erwarb Otterwisch, welches aber 1420 der Familie nicht mehr gehörte.

Kerstan d. Ä. (8) erwarb Wallhausen, Tilleda und Berka und schied damit aus dem Wendelstein aus.

Kerstan d. J.(9) und seine Gemahlin wurden 1438 mit Seefeld und Prensdorf im Amt Dahme, aber nur für ihre Lebenszeit, belehnt.

1416 erwarb Ritter Dietrich (11) und Christian d. Ä. (8) Schloss und Städtchen Mühltroff im Voigtlande für 365 Mark Silber pfandweise von Landgraf Friedrich IV. Dagegen verkaufte Kerstan d. J. (9) seinen Antheil an Allerstedt, die Hälfte von Saubach und Zeisdorf an den Grafen Hans von Beichlingen und dieser an den Herrn von Werthern. Ritter Dietrich (11) und Kerstan (9) verkauften endlich am 9. Juli 1409 ihrem Vetter Albrecht von Witzleben, dem Landkomthur. des deutschen Ordens zu Thüringen, etliche Zinsen, die Hälfte des Halsgerichts und das Kirchlehn zu Wohlsborn, jetzt in Sachsen-Weimar gelegen.

Zieht man aus diesen Käufen und Verkäufen, aus dem Inpfandnehmen und Ausdempfandlassen das Facit, so finden wir die Wohlhabenheit und die Macht der Wendelsteiner im Steigen, denn der Erwerb von Wallhausen, Tilleda und der Herrschaft Berka überwog vielfach alle Verkäufe.

b. Die Witzleben im Hussitenkriege.

In Folge des Concils zu Costnitz und der Verbrennung von Johann Huss am 6. Juli 1415 brachen Unruhen in Böhmen aus, die sich auch über die angrenzenden meissen'schen Länder verbreiteten. Damit nun die Stadt Dresden und der Theil von Meissen, welchen der Markgraf Friedrich der Friedfertige 1408 erhalten hatte, nicht ohne Schutz blieben, ward Dietrich von Witzleben (10) zum Landvoigt von Meissen ernannt. Als solcher unterschrieb er u. a. neben seinem Vetter dem Ritter Dietrich (11) bereits am 4. Februar 1420 die Urkunde Friedrich's des Friedfertigen über die Stiftung des Klosters zu Alt-Dresden.

In Folge des Aufgebots des Kaisers, 1421 auf der Fürstenversammlung zu Nürnberg, gelobte der Markgraf Friedrich der Streitbare, mit seinem Bruder und Vetter, ihm gegen die Böhmen beizustehen. Das Reichsheer (100,000 Mann stark), welches sich vor Saatz gelagert hatte, trennte sich jedoch ohne Schwertstreich beim Herannahen der Hussiten unter Ziska. Doch gelang es dem Markgrafen Friedrich, der mit seinen meissen'schen Kriegern die dem Kaiser treu gebliebenen Städte und Burgen besetzt hatte, die Hussiten am 19. August 1421 bei Brüx zurückzuschlagen.

Die Hussiten hatten nämlich Brüx seit dem 22. Juli belagert. Die Besatzung war im Begriff zu capituliren, als sie auf die Nachricht, Friedrich der Streitbare sei mit einem Heere im Anmarsch, auszuharren beschloss. Sie machte oft Ausfälle, beging aber die Grausamkeit, die Gefangenen öffentlich unter Trompetenschall zu verbrennen, worauf natürlich die Hussiten in ähnlicher Weise verfuhren.

Am 19. August traf das meissen'sche Heer, das unter dem Markgrafen der Ritter Dietrich von Witzleben (11)*), welcher die Truppen des Landgrafen Friedrich IV. dem Markgrafen zugeführt hatte, befehligte, vor Brüx ein. Die Hussiten griffen es sofort an, wurden aber gleich beim ersten Angriff in die Flucht geschlagen und verloren 2000 Todte und alles

*) Eichler, Teplitz, p. 189 u. 190.

Geschütz. Ehe die Hussiten, nachdem sie am 30. August das Kloster zu Teplitz verbrannt hatten, mit Verstärkung zurückkamen, zogen jedoch die Mark- und Landgräflichen Truppen Ende Septembers wieder nach Meissen *) zurück, woselbst der Landvoigt Dietrich von Witzleben öffentliche Dankgebete, für die bei Brüx gewonnene Schlacht, hatte halten lassen **).

Im Jahre 1422 machte Kerstan d. J. (9) wie bereits S. 27 erwähnt ist, einen Kriegszug gegen die Hussiten in Böhmen unter dem Erzbischof von Magdeburg mit.

Auch an den Hussitenkriegen von 1426 bis 1430 nabmen die Besitzer des Wendelsteins wieder in hervorragender Weise Theil.

Im Jahre 1426 vereinigten sich die Hussiten, um die Meissner und Thüringer, die immer noch einzelne Ortschaften Böhmens, wie Aussig und Brüx, besetzt hatten, aus ihrem Lande zu vertreiben und Aussig und Brüx wieler mit der böhmischen Krone zu vereinigen. Nachdem sie am 1. Mai Leipe erobert und verbrannt hatten, schickten sie sich an, Aussig zu belagern. Es war schnelle Hülfe nöthig, sollte die schwache Besatzung nicht unterliegen. Von männlichem Muthe beseelt, sammelte die Kurfürstin Katharina in Abwesenheit ihres Gemahls, der sich mit dem Landgrafen Friedrich d. J. zu Ofen bei dem Kaiser befand, ein starkes Heer von Thüringern, Meissnern und Sachsen in der Nähe von Freiberg beim Dorfe Lobritz und geleitete dasselbe, nachdem sie eine kräftige Ansprache gehalten, bis zur böhmischen Grenze. Busso von Vitzthum befehligte das Heer, und Dietrich von Witzleben (10), der frühere Landvoigt von Meissen, war sein Feldoberster, während der Ritter Dietrich (11) sich mit dem Landgrafen Friedrich d. J. zu Ofen befand.

Am 6. Juni versuchten die Hussiten Aussig zu stürmen, wurden aber zurückgeschlagen und lagerten sich vor der Stadt in ihrer Wagenburg. Inzwischen kam das sächsische Heer den Belagerten zu Hülfe und traf, 20,000 Mann stark (einige Schriftsteller geben es jedoch auf 100,000 Mann an), am 15. Juni, dem St. Veits-Tag, den Böhmen gegenüber ein. Noch an demselben Abend fanden bereits heftige Gefechte statt.

Sonntags, den 16. Juni, „am Allerfrühesten ging die erbärmliche blutige Schlacht an.“ Die Böhmen standen in ihrer, aus 500 mit dop

*) Theobald, Hussitenkriege I. p. 201.

**) Fabric. Rer. Misnic. (Ann. Urbis Misn.) p. 143. Hauptsächlich für die dem Kaiser in diesem Kriege geleistete Hülfe erhielt Markgraf Friedrich der Streitb. 6. Jan. 1423 die Kurwürde von Sachsen.

pelten Ketten verbundenen Wagen bestehenden Wagenburg hinter den grossen Schildtartschen und warteten den Angriff des Feindes ab. Die Deutschen griffen muthig an, zerbieben mit den Hellebarden (die damals aufkamen) die Ketten, rissen die Schildtartschen um und brachen in den Feind; ,, weil sie sich aber mit dieser Arbeit sehr abgemattet, über das denselbigen Tag eine grosse Hitze war,“ sie auch seit dem Marsch am vorhergehenden Tage noch nicht zur Ruhe gekommen waren, so vermochten sie nicht einem jetzt unternommenen Ausfall der im Fusskampf sehr geübten Böhmen zu widerstehen und verloren die Schlacht.

Am tapfersten und längsten stritten die Thüringer, doch umsonst. Mit den Hellebarden rissen die Hussiten die Ritter von den Pferden und erstachen sie; andere erstickten im Gewühl der Schlacht vor Staub und Hitze in ihren Rüstungen. So sanken in der Schlacht und auf der Flucht 500 gekrönte Helme, darunter 12 thüringische Grafen. Gegen 12,000 Deutsche und 3000 Böhmen sollen an jenem Tage geblieben sein. Mit leichter Mühe wurde darauf von den Hussiten Aussig erobert und die Besatzung niedergehauen. Unfern von dem Dorfe Presslitz, zwischen Teplitz und Aussig, bezeichnete ein wilder Birnbaum die Gräber der gefallenen Deutschen, aber so herrlich er auch alljährlich grünte und blühte, nie trug er Früchte.

Zu den gefallenen thüringer Rittern gehörte Dietrich von Witzleben der Feldoberste und der Ritter Kerstan von Witzleben *) von der Elgersburg mit 5 Söhnen.

Als Datum der Schlacht bei Aussig wird vielfach der 15. Juni angegeben und Boettiger, Gesch. d. Kurstaates und Königreiches Sachsen (Hamb. 1830) I. p. 315, bemerkt dabei, dass andere irrig den 16. Juni annehmen. Dieser 16. Juni ist aber gerade der richtige Tag, nicht nur nach den vielen Autoren, die ihn nennen, sondern auch nach Urkunden. Unter andern befindet sich im K. Staats.-Arch. zu Magdeburg R. Erzstift Magdeburg III. Nr. 4 in den Nachrichten von der Stiftung des Collegiat

*) Ad. Ursini Chr. Thur. bei Mencken III. p. 1326. Fabr. Orig. Sax. p. 701. Mon. Pirn. bei Mencken II. 1461 u. 1612.

Nach der alten Wolmirstedter Stammtafel und selbst nach Bodenst. Mon, stem. soll dieser Kerstan einer der Brüder Dietrich's gewesen sein. Dies ist aber nicht richtig; einmal waren diese nicht Ritter und dann kommen sie auch nach 1426 urkundlich vor, wogegen der Elgersburger Ritter Kerstan am 11. November 1426 von seinen Brüdern ausdrücklich als Gottesseliger bezeichnet wird.

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