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stedt begab. Im dortigen Kirchenbuch wird sie als Pathe noch am 2. Sept. 1721 genannt. Von den 9 (genauer 10) blühenden Ehezweiglein überlebten den Vater nur 2 Töchter (s. Tab. II. b.). Zweien die in Rackith gestorben, ward folgende wunderbare Grabschrift gesetzt: „Dieses ist die Ruhstade Zweyer Schwesterlichen Hertzen Nahmens Jungfr. Marien Margarethen und Jungfr. Eva Magdalenen des Weyland Hoch Edel gebornen Herrns Philipp Heinrich von Witzleben uff Rakith Wollmersted Wartenburg und Kloster Rossleben Eheleiblichen Tochtere Welche beyde Weil Sie keinen bestaendigen Orth auff dieser unbestendigen Welt vor ihre bestaendigkeit zu hoffen hatten Dieses Zeitliche sehr Zeitlich verliessen und Zwar Jene noch eher als diesse ob wohl diesse Jener an Alter etwas vorgienge denn Jene brachte ihr leben nicht höher als 3 Wochen u. 5 Tage Diese aber auf 5 Jahr 6 Monath u. 1 Woche Darumb liebten Sie die Kürtze der Zeit damit . . ewigkeit die verlangte vollkommenheit desto mehr verlängern mochte."

Rackith fiel nun an die Brüder Wolf Dietrich Arnold und Hartmann Ludwig von Witzleben (der blöde Dietrich kam nicht in Betracht, starb auch bald, 1677) und wurde auf gemeinschaftliche Rechnung verwaltet. Den Ertrag des Guts verwandten die Brüder zur Abtragung der auf Wolmirstedt und Wartenburg haftenden Schulden, zur Melioration dieser Güter und zur Fortführung und endlichen glücklichen Beendigung eines Processes gegen Adam von Guttenhausen zu Tauhard, wodurch sie dieses Gut, von dem 1574 ein Theil mit dem Edelsitze an Kaspar von Guttenhausen (wiederkäuflich) verkauft war, wieder ganz in ihren Besitz bekamen. Und nachdem sich so ihre Vermögenslage bedeutend verbessert, beschlossen beide, nunmehr eine vollständige Erbtheilung ihrer Güter vorzunehmen, und errichteten in Dresden am 26. Jan. 1682 einen Theilungsrecess, welchen der Kurfürst Johann Georg III. zu Sachsen am 16. Febr. dess. J. bestätigte und wonach Wolf Dietrich Arnold die Güter Wolmirstedt und Tauhard, sowie die erbliche Administration des Klosters Rossleben, Hartmann Ludwig aber Wartenburg und Rackith erhielt. Beide Brüder hatten dauernde und recht zahlreiche Nachkommenschaft, und bildet diejenige Wolf Dietrich Arnolds von Witzleben die neue Wolmirstedter Linie (zum Unterschiede von der alten, 1651 ausgestorbenen so genannt), diejenige Hartmann Ludwigs von Witzleben die Wartenburger Linie (s. III. Abschnitt).

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II. Abschnitt.

Die neue Wolmirstedter Linie.

1) Wolf Dietrich Arnold d. Ä. von Witzleben und seine Söhne namentlich Wolf Friedrich.

1666-1731.

Wolf Dietrich Arnold von Witzleben, zum Unterschiede von seinem gleichnamigen jüngsten Sohne der Ältere genannt, war ein vielbeschäftigter Mann. Er führte, wie wir S. 259, 270 ffg. gesehen haben, in dem Process um Wendelstein die schwierigen Verhandlungen für sich und in Vollmacht seiner Brüder, hatte die Administration des Klosters Rossleben übernommen und ward auch noch zum Kurfürstl. Sächsischen Ober-Steuereinnehmer in Thüringen ernannt, welches Amt er pflichtmässig und auf das getreulichste besorgte".

Aus seinem früheren Leben wäre noch nachzutragen, dass er am 12. Dec. 1655 an dem Leichen begängniss Bernhards d. Gr. in Weir theilnahm und dabei die Prinzessin Sophie von Sachsen-Gotha fü..rte. (Th. I. S. 279). Er starb am 17. Apr. 1684 früh morgens 6 Uhr in Wolmirstedt, „denen Seinigen noch allzufrühzeitig, und verliess eine hochschwangere Wittbe, die ihm bereits 12 Kinder geboren und das 13. annoch unter ihrem Herzen getragen. Doch hat sich der Höchste derselben erbarmet und ist sie nach wenigen Monaten eines wohlgestalteten Söhnleins genesen und hat solches in der heiligen Taufe benennen. lassen Wolf Dietrich Arnold". Diese Wittwe war Katharina Lucia von Witzleben geb. von Seebach, des S. 317 erwähnten Hans

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Quirin von Seebach und der Hedwig Ilse von Oppershausen fünfte, am 1. Jan. 1645 geborene Tochter, deren Vermählung mit Wolf Dietrich Arnold am 25. Nov. 1662 zu Wolmirstedt stattgefunden hatte. Nach der an demselben Tage zwischen den Brautleuten errichteten Eheberedung hatte Katharina Lucia in die Ehe 600 Rthlr. Hochzeits- und Kleidergeld und 1000 Gulden zur Ehesteuer gebracht, wogegen ihr Herzliebster" ihr 1000 fl. als Gegenvermächtniss verschrieben, sie auch sonst mit Wohnung, Getreide, Holzgeld etc. wie üblich beleibdingt hatte. Katharina Lucia von Witzleben liess den Leichnam ihres Ehegemahls am 13. Mai 1684 in der Familiengruft zu Rossleben beisetzen, sorgte dafür, dass ihre unmündigen Söhne bis zu ihrer Mündigkeit zum Empfang der Lehen Indult und Anstand erhielten, und setzte es durch, dass ihr, da sie auf eine zweite Ehe Verzicht leistete, bis zur Majorennität des ältesten Sohnes, Wolf Friedrich, die Vormundschaft über ihre Kinder überlassen wurde. Dass sie dann mit seltener Energie die Geschäfte leitete, dafür bieten der Process um Wendelstein und die Administration von Rossleben der Beläge genug. Sie starb bereits am 28. Aug. 1690*), früh zwischen 1 und 2 Uhr, an der rothen Ruhr nach vorher ausgestandener gräulicher Hertzens-Angst und wurde am 11. Sept. gegen Abend neben ihrem Gemahl in Rossleben bestattet.

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Von den sechs den Vater überlebenden Söhnen Wolf Dietrich Arnolds d. Ä. von Witzleben (cf. Tab. II. 7) pflanzten nur zwei den Stamm fort, Hartmann Ludwig, der Stifter der blauenhöfer Wolmirstedter Linie (s. 2), und Wolf Dietrich Arnold d. J., welcher die rothenhöfer Wolmirstedter Linie gründete (s. 3). Von dem vorjüngsten, Friedrich, ist uns nichts bekannt geworden, als dass er am 29. Jan. 1681 geboren war, am 29. Aug. 1702 auf wirklich geleistete Erbhuldigung zu seinen Antheilen mit den väterlichen Gütern Wolmirstedt und Kloster Rossleben belehnt wurde und, noch nicht 40 Jahre alt, am 27. Dec. 1720 früh 1 Uhr an einem Stickfluss zu Wolmirstedt starb. Das dortige Kirchenbuch sagt von ihm; „War ein stiller, friedliebender und gegen seine Unterthanen recht gütiger Herr." Christian Arnold, am 28. Nov. 1668 geboren, wurde des Kurfürsten Johann Georg IV. zu Sachsen († 27 Apr. 1694) Kammerjunker, lebte meist zu Wolmirstedt, von wo er im Juli 1719 zur „Aufwartung bei Ihro Hoheit des Königlichen

*) Nicht 1698, wie Herold, Rossleben, S. 30 meint.

Prinzen*) Beilager" nach Dresden befohlen wurde, und starb am 2. Juni 1725 Abends gegen sechs Uhr, ebenfalls zu Wolmirstedt. Dietrich Wilhelm, am 19. Sept. 1667 geboren, stand 1684 in Wartenburg Gevatter, befand sich 1692 auf Reisen und wurde dann Fürstl. Sächs. Stallmeister zu Zeitz. Er wohnte auf dem Rittersitze zu Tauhard, vermählte sich um das Jahr 1707 mit Henrica Dorothea Sibylla von Einsiedel a. d. H. Syhra, einer am 20. Juni 1687 geborenen Tochter des Königl. Poln. und Kurf. Sächs. Amtshauptmanns zu Düben und Oschatz Heinrich von Einsiedel auf Syhra und Kesselshain (n. 1648 13. Jan. 1704. 10. Jan.) und der Anastasia Sibylla von Rabiel aus Schköna, verwittweten von Barth (verm. 1675, † 1709. 18. Juli), und starb vor seiner Gemahlin am 9. Nov. 1731 zu Tauhard. Ein Sohn, Wolf, war ihm im Tode vorangegangen; es beerbte ihn die einzige Tochter, Johanna Lucia von Witzleben, welche 1734 den Fürstlich Weimarschen Landjägermeister Hans Friedrich Alexander von Troy ff ehelichte.

Der älteste der Brüder war Wolf Friedrich von Witzleben, geb. den 7. Oct. 1666. Nach dem Tode der Mutter übernahm er die Vormundschaft über die noch minderjährigen Geschwister sowie die Administration des Klosters Rossleben und verpachtete die ihm und seinen Brüdern gemeinschaftlich gehörenden Lehngüter. Er war Kammerjunker des Kurfürsten Johann Georg III. zu Sachsen und ging bei dessen am 11. Dec. 1691 zu Freiberg in Meissen stattfindendem feierlichen Leichenbegängniss mit den andern Kammerjunkern vor der Leiche her.**) Bald wurde er Kreishauptmann in Thüringen, dann Legationsrath, und durch Patent d. d. Warschau am 25. Januar 1699 ernannte ihn Friedrich August, König in Polen und Kurfürst zu Sachsen, zum Wirklichen Kammer- und Bergrath des Kurfürstenthums Sachsen, zugleich auch der Königlich Polnischen Kammer, wobei er bestimmte, dass Witzleben zur Ergötzlichkeit vor seine Dienste" vom 1. Jan. 1699 an 3000 Thaler, und zwar 1000 von der Polnischen und 2000 von der Sächsischen Kasse, ausserdem für jeden Leipziger Markt, den er besuchen würde, 50 fl. Auslösung und bei andern Reisen die gewöhnliche Zehrung erhalten

*) Friedrich August, 1733 Kurfürst zu Sachsen und König in Polen, heirathete am 20. Aug. 1719 Maria Josepha, Kaisers Joseph 1. Tochter.

**) Müller, Annalen, S. 607.

sollte und, wenn er den Dienst verlassen wollte, kündigen hätte.

Im Frühjahr 1700 wurde Wolf Friedrich von Witzleben vom Könige und Kurfürsten mit einer diplomatischen Sendung betraut, deren Zweck war, vom Kurfürsten von Mainz Truppen zu dem bevorstehenden Feldzuge gegen Schweden zu bekommen und Hannover abzuhalten, Partei gegen Sachsen zu ergreifen. Er berichtete am 29. April aus Bamberg: ,,Den Kurfürsten von Mainz habe ich bei meiner Ankunft in Bamberg nicht gefunden, da er bei dem Markgrafen von Anspach zur Jagd war, und konnte erst am 25. zur Audienz kommen.“ Der Kurfürst verweigerte die Hülfe aus dem Grunde, weil er keine Truppen habe. Witzleben machte sich nun von Bamberg nach Würzburg auf den Weg. Vier Meilen vor diesem Ort erfuhr er, dass der Bischof verreist sei; er ging daher nach Nürnberg, um hier nähere Nachrichten einzuziehen. ,,Die Ernennung des 9. Kurfürsten von Hannover setzt alle Gemüther in Bewegung, namentlich wollen nunmehr alle Fürsten Kurfürsten sein." Da Würzburg nur 4300 M. Miliz hatte, reiste er an Würzburg vorbei nach Frankfurt und von da befohlener Massen nach Brüssel. Das Weitere dieser Reise hüllt sich in tiefes Dunkel.

Jahr vorher zu

Am 22. Mai 1703 wurde der Kammerrath Wolf Friedrich von Witzleben auch zum Kammerherrn ernannt und stieg in der Gunst Augusts des Starken so weit, dass es ihm fast gelungen wäre, durch denselben dem Process um Wendelstein eine ganz andere Richtung zu geben, cf. S. 281. Leider trat der Tod dazwischen und zerstörte auf grauenvolle Weise das Leben eines Mannes, der, den Anfängen nach zu urtheilen, einen hohen Flug genommen haben würde. Aus Petrowien an der Weichsel ward am 11. Apr. 1704 berichtet: „Es hat diese verwichene Nacht hiesige Hofstadt ein grosses Unglück betroffen, indem gegen 12 Uhr in denen Scheunen, wo die Cavaliers, zum Theil auch andere Hoff-Bediente logirt gewesen, eine gehlinge Feuers Brunst, ohne dass man noch zur Zeit weiss, ob es aus Verwahrlosung oder Bossheit geschehn, entstanden.*) Dass Kläglichste ist dieses, dass dabey 35 Personen, die man bereits aus der Asche hervorgesuchet, elendiglich umbkommen und verbrennen müssen, und befinden sich unter solchen der Herr Hoff-Marschall von Bombsdorff nebst 4 Dienern, Herr Kammerherr von Witzleben nebst

*) Eine alte Stammtafel enthält die Behauptung, die Scheunen seien von den conföderirten Polen an 4 Ecken angestecket worden.

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