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wie die ungehinderte Ausführung nur allein der unmittelbaren Einwirkung des Durchlauchtigsten Landesfürsten und dem Vertrauen, dessen ich gewürdigt war, verdankten. Jeder gelungene Fortschritt sowie die wahre Aufklärung, welche bewährte Schriftsteller und der den Wissenschaften so günstige Friedenszustand über alle Theile des Forstwesens damals verbreiteten, belebte mit neuem Eifer und beflügelte das Bestreben nach höherer Vollkommenheit, wozu der wachsende Flor der Landwirthschaft, zumal steigende und verbesserte Viehzucht, überall die Hand boten, als plötzlich im Jahre 1806 mit dem erneuerten Kriege die bekannte Katastrophe auch über Hessen hereinbrach und auch hier die Entfernung des regierenden Fürstenhauses zur traurigen Folge hatte. War es hierbei überhaupt Pflicht jedes rechtlichen sein Vaterland liebenden Mannes, standhaft auszuharren und seinen Posten nicht zu verlassen, so wäre es eine um so unerlaubtere Uebereilung gewesen, dieses zu thun, ehe und bevor das Königreich Westphalen durch den Tilsiter Frieden anerkannt und so lange noch Hoffnung war, dass das Land dem rechtmässigen Landesfürsten bald wieder zurückgegeben werden würde. Ohnehin konnten nur diejenigen zurücktreten, deren Vermögenszustand ihnen als Privaten zu leben erlaubte, indem die Furcht, einen Spion in seinen Dienst zu erhalten oder aber es mit dem allgemeinen Zwingherrn oder mit dessen Familie zu verderben, jeden auswärtigen Fürsten abhielt, den Flüchtling unter seine Diener aufzunehmen, Misstrauen aber und geheime Polizei von Seiten des Eroberers und dessen Verwandtschaft, wie bekannt genug ist, jeden bis in die geheimste Verborgenheit verfolgte, der als vorhin in Amt gestanden sich nun dem Dienste des Usurpators willkührlich zu entziehen oder gar als ein im Lande angesessener in auswärtige Dienste zu treten beabsichtigte. Für das Forstwesen hatte dieses die gesegnete Folge, dass überall und in allen Theilen des vorhinnigen Königreichs Westphalen nicht nur die untergeordneten Forstbedienten in ihre Stellen wieder eingesetzt, sondern auch an der obern Leitung desselben alle rechtlichen deutschen Männer überall verblieben und wieder angestellt wurden, die nicht nur, jeder mit seinem Lande und dessen Verfassung, bekannt waren, sondern auch mit reinem Patriotismus alles anwendeten, die Waldungen unverdorben, ungeschmälert, mit übermässiger Hauung verschont und in fleissiger Kultur zu erhalten. Fast bei allen, und gewiss nur mit wenigen Ausnahmen, schlug unter veränderter Verfassung, unter fremdartiger Benennung und unter dem französisch zugeschnittenen

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und ausstaffirten Rock ein deutsches Herz, das dem Vaterlande treu, dem fremden Götzen nur gezwungene, nicht freiwillige Opfer brachte.

Man hat mir vielfältig die Ehre angethan, mich für den Verfasser jenes ersten Westphälischen Forstorganisations-Dektrets zu halten. Ich war anfänglich dazu im Vorschlage, allein der Zwiespalt und Streit, in den ich gar bald mit dem Minister Beugnot und dessen Ansichten über das Forstwesen gerieth, änderte dieses ab.

Bald nach der Ankunft des nunmehrigen Exkönigs wurde ich zum Staatsrath und General-Director der Domänen, Forste und Gewässer ernannt.*) Schwerlich war es das Zutrauen zu meiner Bekanntschaft mit der Gesetzgebung und zur Fertigkeit, jeden Gesetzesentwurf mit wahren oder falschen Gründen kräftig zu bekämpfen oder ihn standhaft zu vertheidigen, das mich in den Staatsrath berief, sondern der Grundsatz, alle General - Directoren der Staatsverwaltungszweige in demselben zu vereinigen. Das Jagdwesen war ganz getrennt und einer besondern Behörde anvertraut. Der Domänen-Direction, da es nicht eines Mannes Sache war, der braven tüchtigen Mitarbeiter und General-Inspectoren ungeachtet, zwei solche bedeutende Zweige des Staatshaushalts zu überschauen und gehörig zu leiten, und da es schon damals den Anschein gewann, dass die partielle Veräusserung der Domänen, mit den mancherlei dabei eintretenden Spekulationen, zur Staatsmaxime werden würde, wurde. ich gar bald auf dringendes Nachsuchen entbunden. Die General-Direction der Forste verblieb mir bis zum Ende der Occupationsperiode, ohngeachtet manches selbst von deutschen Glücksrittern gemachten Versuches, mich davon zu verdrängen, und ob ich gleich, gegen den Schluss des ganzen politischen Schauspiels, durch Ertheilung der Würde eines Kron-Grossjägermeisters und durch die mir zu diesem Behuf ohne mein Wissen und Willen aufgedrungene Standes-Erhöhung **) von diesem Posten entfernt werden sollte. Den 30. Dec. 1808 war ich zum Ehrenmitgliede

*) Erst zum Staatsrath und dann, anfangs Mai 1808, zum General-Director der Domänen, Gewässer und Forste (directeur général des domaines, eaux et forêts). s. Westphälischer Moniteur, officielle Zeitung, vom Donnerstag, den 12. Mai 1808.

**) Er war in den Grafenstand erhoben worden. Es ist uns kein einziger Fall bekannt, in dem er sich des Grafentitels bedient hätte. Als der Kurfürst nach Hessen zurückkehrte, zerriss Friedrich Ludwig von Witzleben sein Königlich Westphälisches Grafendiplom, was wir nur um deshalb bedauern, weil dadurch unserer Urkundensammlung ein seltenes Stück entgangen ist. Seine Gemahlin war Königl. Westf. Palastdame.

der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Naturkunde (sowie in der Folge, den 26. März 1817, von der Marburger Gesellschaft) ernannt worden.

So verflossen diese sieben Jahre des Sturms und der täglich wechselnden Gestalten und Erscheinungen unter fremder Beherrschung, persönlicher Unsicherheit und unter der stets bangen Sorge für die Zukunft und für die gänzliche Vereinigung mit Frankreich. Der wahren Freuden, selbst bei Erfüllung des Berufs, aber zum Vortheil und Nutzen eines fremden Usurpators, waren nur wenige, des Kummers, Ungemachs, der Gefahr, der Besorgnisse um Leben, Ehre und um alles, was den Menschen werth und theuer ist, war genug und überall. Allgemeines Misstrauen, allerwärts lauschender Verdacht, im Finstern schleichende Verfolgung, selbst der Kampf gegen deutsche Abtrünnige und Abenteurer, täglich pomphafte Verkündigungen, erzwungene Freudenbezeugungen bei Nachrichten, die dem wahren Deutschen das ohnehin bekümmerte Herz zerrissen, ohne es anders als bei verschlossenen Thüren erleichtern zu können, alles dieses mit äusserlich blendendem Schimmer und glänzendem. Elend verbunden nur der, der diese Gefühle gehabt und diese Empfindungen im Busen genährt, vermag den Umfang der ausgestandenen Leiden zu schildern und den Werth der Gegenwart ganz so, wie er es verdient, zu schätzen.

Die glückliche mit der ganzen hohen Feier eines durch Treue und Liebe seinem angestammten Fürstenhause anhängenden Volks begangene Rückkehr des Kurfürsten brachte Hessen seine ganze ursprüngliche Verfassung wieder, ohne dabei jede wesentliche Verbesserung und jeden gleich bei der Einführung ersichtlichen Vortheil auszuschliessen. In vierzehn Tagen war dadurch, mit einer dem Lande wohlthätigen Ausschliessung jedes Fremdartigen, der ganze vorige Staatsorganismus wieder hergestellt und der ganze Geschäftsgang der Landesverwaltung wieder in vollem ungehemmtem Gange. Dadurch war Hessen vor dem unglücklichen Amalgamirsystem und jenen Probeversuchen verwahrt, nach welchen die heterogensten Bestandtheile der alten deutschen Verfassung mit dem Neufranzösischen zu einem neuen Ganzen verschmolzen werden sollten. Hessen erhielt die feste dauerhafte Basis und Grundmauern wieder, auf denen auch jede in der Folge nöthige Verbesserung und Veränderung des darauf wieder errichteten Staatsgebäudes haltbar, ohne Erschütterung, ruhen werden.

Zum freudigen Beweis des nicht verlorenen Vertrauens und der Zufriedenheit mit meinen auch während der Occupationszeit dem Lande geleisteten Diensten wurde ich gleich mit dem Anfange des Jahres 1814 nicht nur in meinem vorhinnigen Posten als Oberjägermeister und Chef des Forstwesens bestätigt, sondern auch zum Geheimen Staatsminister ernannt und in der Folge mit dem Kurhessischen goldenen Löwenorden begnadigt.

Ob und wie weit ich die Pflichten und Obliegenheiten meines neuen Berufs erfüllt, dies wird die unbefangene Mit- und Nachwelt entscheiden." So weit Friedrich Ludwigs von Witzleben Selbstbiographie.

Bei der dreihundertjährigen Feier des Reformationsfestes, 31. Oct. 1817, gab die philosophische Fakultät der Universität Marburg dem allverehrten Geheimen Staats- und Finanzminister von Witzleben, de patria et literis, imprimis de sylvarum cultura meritissimo, librorum gravissimorum auctori clarissimo, ihre freudige Anerkennung seiner vielfachen wissenschaftlichen Verdienste durch Ertheilung der philosophischen Doctorwürde zu erkennen.

Friedrich Ludwig von Witzleben starb in Kassel am 16. März 1830 und ward am 19. auf dem alten Kirchhofe an der jetzigen Bahnhofstrasse zur Seite seiner Gemahlin und seines jüngsten Sohnes begraben. Seine Nachkommen s. Tab. II. 7.

d) Georg Hartmann von Witzleben,*)
1766-1841.

Georg Hartmann von Witzleben war am 23. Sept. 1766 abends 7 Uhr zu Wolmirstedt geboren. Nachdem er durch Hauslehrer hinlänglich vorbereitet worden, wurde er in seinem 15. Jahre (9. Juli 1781) der Klosterschule Rossleben übergeben, die er jedoch schon im folgenden Jahre, am 22. Sept., mit Schulpforta vertauschte. 1785 bezog er die Universität Jena, 1788 die zu Leipzig und widmete sich auf beiden dem Studium der Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaft. Nachdem

*) cf. Intelligenzblatt der Allg. Lit. Zeitung, No. 56 und 57, Dec. 1841. ErNeuer Nekrolog der Deutschen, Weimar 1843, 19. Jahrg.. 1841, S. 886 - 895. innerungen an Georg Hartmann von Witzleben vom Professor Dr. Herold, Prediger an der Klosterschule Rossleben, Halle, 1846, 4o, 18 Seiten. Herold, Rossleben, S. 61-75.

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er 1789 seine Prüfung vor dem Oberhofgerichte zu Leipzig bestanden, trat er im folgenden Jahre als Kurf. Sächs. Stiftsregierungsrath zu Merseburg ins praktische Leben ein. 1791 ward er hier auch als Domkapitular eingeführt, gab aber nachmals seine Anwartschaft auf eine Präbende auf. Am 25. Febr. 1792 wurde er unter Beibehaltung seiner Funktion zum Supernumerar-Amtshauptmann, im nächsten Jahre zum wirklichen Amtshauptmann in Thüringeu und zum Commissarius beim Chausseebau der Frankfurter Strasse von Leipzig bis zur Weimarschen Grenze ernannt. Einflussreich aber für sein folgendes Leben war besonders die Revision des Rentamts in Heldrungen, womit er beauftragt wurde und die er in fast unglaublich kurzer Zeit zu Stande brachte. 1799 übernahm er die Administration der Klosterschule Rossleben und am 22. März 1800 ward er zum Geheimen Finanzrath in Dresden befördert. In Folge übermässiger, zum Theil durch die Sorge für Rossleben herbeigeführter Anstrengung unterlag er einer gefährlichen Krankheit, die aber Ursache einer Veränderung seiner Lage wurde. Mit erhöhtem Gehalt ward er 1801 nach Weissenfels versetzt als Adjunct des Salinendirectors von Hardenberg, mit welchem er bis zu dessen Tode, 1814, in vertrauter Freundschaft lebte. Auf Hardenbergs Wunsch übernahm Witzleben die jenem anvertraute obere Leitung des Waisenhauses zu Langendorf in der Nähe von Weissenfels.

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Durch Kaufkontrakt vom 11. Juni 1803 hatten die drei Brüder Friedrich Ludwig, Georg Hartmann und Christian Dietrich August von Witzleben, hauptsächlich auf Betreiben Georg Hartmanns, den blauen Hof zu Wolmirstedt an den Stiftshauptmann von Helldorff verkauft (s. f.). Georg Hartmann erwarb darauf das nicht sehr bedeutende Rittergut Törpla, 3 St. nordwestlich von Eisenberg im Herzogthum SachsenAltenburg, welches er aber 1817 für 17,000 Thaler wieder veräusserte. Das Familienleben Witzlebens war schon in Merseburg, wo er sich am 15. Oct. 1797 mit Christiane Wilhelmine Charlotte Freiin von Seckendorff a. d. H. Meuselwitz, der am 9. Apr. 1769 geborenen Tochter des Herzoglich Braunschweig-Wolfenbüttelschen Obersten und Herzoglich Sachsen-Altenburgischen Marschcommissarius Friedrich Karl Freiherrn von Seckendorff auf Meuselwitz, Starkenberg, Wuitz, Grossund Klein-Röda etc. (n. 1727. 25. Apr. † 1799. 25. Dec. zu Meuselwitz) und der Friedrike Charlotte Henriette von Tümpling a. d. H. Sorma (n. 1737. 16. Juli, verm. 1760. 6. Oct.. † 1794. 5. Apr. zu Meuselwitz),

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