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von den Unterthanen umschifft habe, denn das würde mich sehr angegriffen haben; die Menschen waren gut und folgsam, liebten und trauten uns, die herzliche Theilnahme finden sie bei dem neuen Herrn nicht.

So lebe denn wohl, du freundliches liebliches väterliches Thal, in dem wir aufwuchsen und durch das Beispiel guter frommer Eltern gute Menschen wurden, das uns verband und vereinigte, uns so oft die schönen Früchte inniger Geschwisterliebe und herzlicher Familieneintracht darbot, es uns so oft fühlen liess, wie glücklich jeder durch den Besitz des andern war; wo wir so manche schöne herzliche Stunde verlebten, wo uns der Unterthan gern sah, mit Freuden bewillkommte und selbst die glückliche Verbindung seiner Herrschaft werth hielt! Mit ruhigem Gewissen können wir scheiden, kein unrecht erpresster Pfennig floss von daher in unsern Beutel, wir drückten keinen, kein Seufzer ist da durch uns veranlasst worden, und die Thränen, die wir da verursachten, waren nur Thränen des Danks, der Liebe und des Abschieds.

O wohl uns Brüdern, dass wir so scheiden können! dass wir uns sagen können: nicht Wollmerstädt, sondern unsere einander mit Liebe, Treue und Theilnahme ergebenen und zugehörigen Herzen verbinden und vereinigen uns auf ewig! Ich schliesse mit der Bitte und der Beschwörung: Lasst uns einander noch oft wiedersehen, lasst uns eine eigene Sparkasse zu Familien-Conventen anlegen, denn mit Jubel sage ichs: Wir kennen keine höheren irdischen Freuden als FamilienConvents-Freuden!

Hartmann."

Ferdinand Heinrich von Helldorff vereinigte die beiden durch die Theilung von 1727 entstandenen Güter wieder. Der blaue Hof wurde. zum alleinigen Wirthschaftshofe eingerichtet, das beinahe 350 Jahre alte Herrenhaus desselben 1812 niedergerissen. An dessen Stelle steht jetzt ein Lindenring, während die jetzige Pferdeschwemme ein Theil des Wallgrabens ist, welcher den alten Rittersitz umgab. Des Stiftshauptmanns Sohn, Wolf Heinrich von Helldorff, 1840 in den Preussischen Grafenstand erhoben, baute 1833 und 34 an der Stelle des rothenhöfischen Herrenhauses, welches also 200 Jahre gestanden hatte, das jetzige Schloss. An das Witzlebensche Geschlecht erinnert nichts mehr als die von dem gegenwärtigen Besitzer, dem Grafen Ferdinand Hans

Heinrich von Helldorff, mit grosser Pietät conservirten Wappen und Epitaphien in der 1878 renovirten schönen Kirche St. Mariae Magdalenae zu Wolmirstedt.*)

g) Hartmann Erasmus von Witzleben,**)

1805-1878.

Georg Hartmanns von Witzleben sechstes Kind und zwar das einzige, welches von achten am Leben blieb, Hartmann Erasmus, kam am 9. Dec. 1805 zu Weissenfels auf die Welt. Nur besonderen Veranstaltungen gelang es, (ähnlich wie bei Wolfgang Goethe) den Knaben dem Leben zu erhalten. In der ländlichen Umgebung von Dürrenberg und Rossleben, so wie in dem anregungsreichen Leben zu Halle erwuchs Hartmann unter der sorgfältigen Erziehung seines Vaters und mit dem Unterricht von Hauslehrern, bis er Ostern 1820 die Klosterschule Rossleben bezog, welche er im September 1824 mit dem Zeugniss der Reife Nr. I. verliess. Dem Abiturienten wurde ein musterhaftes Betragen und ein unermüdlicher, erfolgreicher und glücklicher Fleiss, so wie ein sehr gesetztes, heiteres und anständiges Benehmen nachgerühmt. Er studirte 2 Jahre in Göttingen und 1 Jahr in Halle Jurisprudenz und Staatswissenschaft, bestand die erste juristische Prüfung am 16. November 1827 „sehr gut" beim Berliner Kammergericht, arbeitete als Auscultator beim dortigen Stadtgericht, erhielt darüber ein ausgezeichnetes Zeugniss, bestand am 18. September 1829 „sehr gut" die zweite mündliche und im December „gut“ die schriftliche juristische Prüfung beim Kammergericht, trat sodann aus dem Justizdienst, arbeitete vom 1. November 1830 ab als Referendarius bei der Regierung seiner Heimath zu Merseburg und bestand am 14. December 1833 die höhere Staatsprüfung für Verwaltungsbeamte mit sehr gutem Zeugniss. Als Regierungs-Assessor

*) Mit der neuesten Schreibweise Wohlmirstedt können wir uns nicht befreunden. Netto 1000 Jahre ist der Name ohne h geschrieben und, wie die Schreibweise des vorigen Jahrhunderts mit 11 andeutet, in der ersten Silbe kurz ausgesprochen worden; immer mehr tritt das Bestreben hervor, aus der deutschen Schreibung die überflüssigen H zu entfernen und da sollen wir nun Wohlmirstedt schreiben?

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**) cf. Hartmann Erasmus von Witzleben. Ein kurzes Lebensbild. Als Manuscript gedruckt. Berlin. 8° (1878). 23 Seiten. Mit Absicht haben wir uur die historischen Daten herausgezogen; für ein Eingehen auf des Verstorbenen Beziehungen zum öffentlichen Leben halten wir die Zeit noch nicht für gekommen.

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stand er zuerst bei der Regierung zu Minden unter dem Regierungspräsidenten Richter bez. dem bekannten Oberpräsidenten v. Vinke und wurde, nach besonderer Belobigung, vom 1. April 1835 ab von dem Finanzminister Grafen Alvensleben als Hülfsarbeiter in die Etatsabtheilung seines Ministeriums einberufen. Durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 3. Juni 1837 zum Regierungsrathe in Potsdam ernannt, arbeitete er bei der Regierung daselbst unter dem Oberpräsidenten v. Bassewitz, wurde aber schon im folgenden Jahre, vornehmlich auf Veranlassung des damaligen Landraths des Niederbarnimschen Kreises, Grafen Arnim-Blumberg, welcher sein Amt niederlegte, und auf Antrag der Kreisstände durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 18. Februar 1838 zum Landrath des Kreises Niederbarnim, darauf auch zum Kreis-Feuer-Societäts-Director ernannt und verwaltete diese Aemter vom 1. April 1838 bis zum Schlusse des Jahres 1840.

Nach diesen sehr instructiven und mannichfaltigen, von dem Wohlwollen seiner Vorgesetzten getragenen Beziehungen eröffnete sich dem 35jährigen Manne eine neue und höhere Aussicht fürs Leben. Durch Allerhöchste Ordre vom 1. October 1840 wurde er zum vortragenden Rathe bei Sr. K. Hoheit dem damaligen Prinzen von Preussen ernannt, d. h. mit denjenigen Geschäften beauftragt, welche Seine Königl. Hoheit in Bezug auf Desselben Stellung beim Staatsministerium ihm zu übertragen geruhen würden, und in Folge dessen durch Allerhöchste Ordre vom 9. Juli 1841 auch mit der Protokollführung in der damaligen, unter Vorsitz des Prinzen bestehenden (im Jahre 1848 aufgelösten) ständischen Immediat-Commission betraut. Daneben wurde Hartmann Erasmus vom Anfang des Jahres 1841 ab zum Hülfsarbeiter im Staatsrath, durch A. C.-O. vom 28. Februar 1842 zum Geheimen Referendarius bei demselben und durch A. C.-O. vom 4. April 1842 bez. 15. December 1843 zum Geheimen Regierungsrathe mit dem Range eines Rathes dritter Klasse ernannt. Zu den reichen, für sein ganzes Leben nachwirkenden und unvergesslichen Beziehungen, in welche ihn diese Stellungen versetzt hatten, trat in dieser Periode, zur vollen Abrundung seines Lebens, auch das Bündniss, welches er zu einer überaus glücklichen Ehe mit Marie Wilhelmine Elise Gräfin zu Solms-Baruth, der am 4. Aug. 1823 zu Dresden geborenen ältesten Tochter des Grafen Friedrich Heinrich Ludwig zu Solms-Baruth, Standesherrn zu Baruth, Herrn der Güter Kasel, Golzig und Kreblitz (n. 1795. 3. Aug., † 1879. 1. Febr.), und der Gräfin

Amalie Therese Helene Bertha zu Solms-Baruth-Klitschdorf (n. 1801. 23. Apr., verm. 1820. 3. Mai, † 1832. 20. Aug.), am 11. Nov. 1843 zu Kasel schloss.

Aus der Stellung in Berlin schied Hartmann Erasmus von Witzleben, als er duch A. C.-O. vom 17. Mai 1844 zum Präsidenten der Regierung zu Liegnitz befördert wurde und am 3. September dess. Jahres dies Amt übernahm. Aus dieser ihm bald sehr lieb gewordenen Stellung wurde er Anfangs October 1848 zur Uebernahme des Präsidiums der Regierung zu Merseburg abberufen. Hierdurch kehrte er dauernd in seine Heimath zurück, mit der er durch freund- und verwandtschaftliche Bande eng verknüpft war, in der er auch nach dem im Jahre 1841 erfolgten Tode seines Vaters die Erbadministration der Klosterschule Rossleben übernommen hatte.*) Hier wurde er im Februar 1849 zur ersten Kammer gewählt, welcher er bis zum Frühjahr 1852 angehörte.

Inzwischen hatte ihn das Vertrauen seines Königs und Herrn durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 21. Juli 1850 zu seiner wichtigsten Lebens-Aufgabe, in die Stellung des Ober-Präsidenten der Provinz Sachsen berufen, welches Amt er am 1. September 1850 antrat. Daneben überkam er durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 28. August 1850 die PräsidialGeschäfte bei dem Consistorium der Provinz Sachsen, die er bis zu der im Frühjahr 1852 erfolgten Ernennung eines besonderen Präsidenten dieses Collegiums behielt. Durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 16. November 1864 verlieh ihm Se. Majestät eine Stelle als Capitular des Domstifts Merseburg. Durch die von des Königs Majestät unterm 29. Mai 1869 bestätigste Wahl des Dom-Capitels wurde er zum Dechanten des Capitels erhoben. Nach dem Ableben des Dompropstes v. Krosigk präsentirte ihn das Capitel zu seinem Vertreter im Herrenhause und wurde er in Folge Allerhöchster Cabinets-Ordre vom 14. October 1872 zum Mitgliede des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen.

Auf den Antrag des Staats-Ministeriums wurde Hartmann Erasmus von Witzleben durch Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 4. November 1872 zur Disposition gestellt und demnächst auf seinen Antrag vom 1. Januar 1873 ab definitiv mit Pension aus dem Königlichen Staatsdienste entlassen.

*) Ueber seine Thätigkeit in dieser Stellung verweisen wir auf die V. Abtheilung, Rossleben.

Als besondere ihm zu Theil gewordene Beweise Allerhöchster Gnade unter drei Königen sind noch zu erwähnen: die Verleihung des Johanniter-Ordens, der verschiedenen Klassen des Rothen Adler-Ordens bis zur ersten Klasse, die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rathe bei der Krönung zu Königsberg 1861, die Verleihung des Eisernen Kreuzes am weissen Bande für seine Leistungen als Provinzial-Delegirter der freiwilligen Krankenpflege in den Jahren 1870 und 1871, endlich die von ihm besonders dankbar empfundene Verleihung des lebenslänglichen Niessbrauchs einer Domherrn-Curie zu Merseburg. Hier hat er an der Seite seiner Gemahlin und seines einzigen Sohnes die letzten Lebensjahre verlebt und auch, nach schweren Leiden, am 12. Oct. 1878 morgens 912 Uhr das Zeitliche gesegnet. Sein Leichnam ward nach Rossleben gebracht und auf dem dortigen Kirchhofe zu Füssen seines Vaters am 16. Oct. beigesetzt.

Hartmann Erasmus' Sohn, Heinrich Hartmann Friedrich von Witzleben, am 13. April 1854 zu Magdeburg geboren, Dr. juris und Lieutenant der Reserve des Thüringischen Husaren-Regiments No. 12, erbte von dem Oheim seiner Mutter, dem Grafen Hermann zu SolmsBaruth-Klischdorf, ein ziemlich bedeutendes Vermögen und kaufte 1) im September 1879 das Rittergut Reddern mit Peitzendorf, Kasel, Göritz, Gräbendorf und Lasdorf (im Kreise Kalau der Prov. Brandenburg), 7515,28 Morgen, für 430,000 Thaler, 2) im November dess. J. das an Kasel grenzende (aber im Kreise Kottbus liegende) Rittergut Ilmersdorf, 2650 Morgen, für 76,000 Thaler, und 3) im Januar 1880 das an Reddern grenzende Rittergut Altdöbern mit Muckwar (im Kreise Kalau), 3450 Morgen, für 225,000 Thaler. Der ganze zusammenhängende Besitz umfasst circa 14,000 Morgen und führt den gemeinschaftlichen Namen Altdöbern.

3) Die rothenhöfer Wolmirstedter Linie.

a) Wolf Dietrich Arnold d. J. von Witzleben und seine Söhne.

1684-1788.

Wolf Dietrich Arnold d. Ä. von Witzleben zu Wolmirstedt 13. Kind, Wolf Dietrich Arnold d. J., wurde am 21. Juli 1684 Nachmittags 1 Uhr, 13 Wochen und 4 Tage nach des Vaters Tode, zu Wolmirstedt

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