Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Schönebeck) das Licht der Welt, ward im elterlichen Hause und auf der Klosterschule Rossleben unterrichtet, trat 1777 als Fahnenjunker in das Kursächsische Graf Renard'sche Dragoner-Regiment und wurde unterm 26. Juli 1778, 14/2 Jahre alt, als Souslieutenant in das Regiment Carabiniers versetzt, in welchem er die Feldzüge von 1778 und 79 des Bayrischen Erbfolgekriegs mitmachte. Am 28. Sept. 1787 wurde er zum Premier-Lieutenant, am 8. Aug. 1793 zum Stabs-Rittmeister befördert, nachdem er kurz vorher an den Rhein marschirt war, wo er der Belagerung von Mainz, dem Gefecht von Blieskastel und der Schlacht von Kaiserslautern beiwohnte. 1794 kehrte er in die Garnison Pegau zurück, 1796 fochten die Karabiniers an der Seite der Oesterreicher unter dem Erzherzog Karl in der Schlacht bei Wetzlar (15. Juni). Ein zehnjähriger Frieden folgte. Am 14. Sept. 1801 war Heinrich von Witzleben Major geworden. 1805 stand er in Freiburg a. U. und 1806 marschirte er zum dritten Mal gegen die Franzosen. Ein Zufall er hatte die Rose am Fuss hinderte ihn, der Schlacht von Jena beizuwohnen; er führte die Bagage. Am 4. Apr. 1809 ward er als Oberst-Lieutenant vom Regiment Carabiniers zur Leib-Kürassier-Garde versetzt, welche den. Feldzug gegen Oesterreich mitmachte. Als bei Wagram der Kommandeur des Regiments, Oberst Petrikowski, schwer verwundet das Schlachtfeld verlassen musste, übernahm Heinrich von Witzleben das Kommando und führte die Kürassiere so trefflich, dass er sich den Heinrichsorden und die Ehrenlegion verdiente. 1810 kehrte er in seine Garnison Marienberg zurück und blieb hier, bis 1812 vor dem Ausbruch des Krieges mit Russland die Kürassier-Garde nach Dresden ging, um den Dienst der ausmarschirten Garde du Corps zu übernehmen. Er sah sich aber bald genöthigt, wegen geschwächter Gesundheit den Abschied zu erbitten, zog wieder nach Marienberg und 1814 nach Dresden, wo ein sanfter Tod ihn am 12. Juni 1829 von Jahre langen Leiden befreite. Er war zwei Mal verheirathet gewesen, 1. mit Anna Karoline Henriette von Funck, geb. 1763 zu Wurzen, † den 26. Aug. 1800 in Halle a. d. S. und am 28. dess. M. auf dem Gottesacker zu Beuchlitz beerdigt, und 2. mit Auguste Friederike Junghans, † den 22. Febr. 1843, hatte aber keine Nachkommen.

d) Hartmann Philipp Dietrich von Witzleben *)

und sein Sohn Benno.

1769-1872.

Hartmann Philipp Dietrich von Witzleben, Dietrich Gottliebs 9. Kind und 4. Sohn, ward am 22. Sept. 1769 Nachmittags um 6 Uhr zu Wolmirstedt geboren und besuchte als Knabe die Klosterschule Rossleben, bis er 1779 als Page an den Hof des Herzogs Karl August von Sachsen-Weimar gebracht wurde, wo er den Unterricht vorzüglicher Lehrer genoss. Durch Vermittelung des Herzogs kam er 1783 als Junker in das Preuss. Infanterie-Regiment Prinz von Bernburg **) zu Halle a. d. S. und fand bei seinem Oheim, dem Oberst a D. von Billerbeck in Beuchlitz, ein zweites Vaterhaus. 1785 avancirte er zum Fähnrich und bald darauf zum Second-Lieutenant. Als 1790 die Preussische Armee drohende Bewegungen gegen Oesterreich machte, marschirte das Regiment nach Berlin, kehrte jedoch bald wieder nach Halle zurück. Noch nicht 23 Jahre alt vermählte sich Dietrich von Witzleben am 17. Febr. 1792 mit Charlotte Elisabeth Henriette von Funck, der am 5. Febr. 1768 zu Braunschweig geborenen Tochter des Herzoglich Braunschweigschen Hofraths von Funck und der Anna Eversmann. Noch in demselben Jahre marschirte er mit dem Regimente nach Frankreich und war bei der Kanonade von Valmy, der Uebergabe von Longwy, dem Bombardement und der Uebergabe von Verdun, sowie der Einnahme von Frankfurt a. M. zugegen; 1793 wohnte er dem Gefecht bei Stromberg und der Belagerung von Mainz bei. Beim Angriff auf ein vorliegendes Werk dieser Festung erhielt er einen Schuss in den linken Oberschenkel, in Folge dessen er vier Monate lang in Frankfurt a. M. an das Zimmer gebannt war. Erst gegen Ende des Feldzugs von 1793 traf er wieder beim Regimente ein, mit dem er 1794 bei Kaiserslautern, Trippstadt und Lautern focht und 1795 wieder in Halle einrückte. 1797 ward er zum Premier - Lieutenant und 1802 zum

*) cf. Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. 11, Th. II. S. 550.

**) Es war das Regiment des alten Dessauers, in welchem die eisernen Ladestöcke 1698 zuerst eingeführt wurden, und dasselbe Regiment, dem Friedrich d. Gr. 1760 vor Dresden zur Strafe die Litzen und Tressen von den Kragen und Hüten schneiden liess, welche es sich aber am 15. Aug. 1760 bei Liegnitz wieder verdiente. Es war 1665 gestiftet worden, hiess 1759-84 Anhalt-Bernburg, 1784-88 Leipziger, 1788-1800 Thadden, 1800-1806 Renouard und hatte ponceaurothe Kragen und Aufschläge.

Stabscapitain befördert. In letzterer Eigenschaft befehligte er im Feldzuge von 1806 die Leibkompagnie des Regiments. In der Schlacht von Auerstedt, am 14. Oct., hatte das Regiment das Unglück, bei den Angriffen auf das Dorf Hassenhausen durch Kartätsch- und Gewehrkugeln fast aufgerieben zu werden. Auch Dietrich von Witzleben wurde gegen Ende des Gefechts am rechten Fusse schwer verwundet und hatte es nur der Anhänglichkeit seiner Kompagnie zu danken, dass er der Gefangenschaft entging, der er jedoch am 8. November in Folge der Capitulation von Magdeburg anheimfiel. Auf Ehrenwort entlassen, kehrte er nach Halle zurück, von wo er sich später nach Wurzen zu Verwandten seiner Frau begab. Seine Bemühungen, wieder eine Verwendung in der Preussischen Armee zu erhalten, scheiterten in Folge der damaligen Lage des Preussischen Staates. Er kam daher 1809 um den Abschied ein, der ihm auch mit dem Charakter als Major bewilligt wurde. Nun suchte er in Sächsischen Diensten Verwendung zu finden und ward hier unterm 22. Febr. 1812 als Major von der Infanterie und Director des Feldlazareths angestellt, als welcher er den Feldzügen in Russland und Sachsen 1812 und 13 beiwohnte. 1821 nahm er den Abschied und lebte, des Gebrauchs der Füsse durch Podagra gänzlich beraubt, zu Dresden, wo er am 12. Aug. 1833 von seinen Leiden erlöst wurde, nachdem ihm seine Gemahlin ebenda am 23. Jan. 1831 im Tode vorangegangen war.

Hartmann Philipp Dietrichs jüngster Sohn (cf. Tab. II. 8), Wolf Dietrich Benno von Witzleben, am 18. März 1808 zu Wurzen geboren, trat 1820 in das Königl. Sächs. Kadetten-Corps, wurde im Januar 1824 zum Portepee-Junker im 1. Linien-Regiment, im December dess J. zum Sous-Lieutenant im 2. Linien-Infanterie-Regiment ernannt und bezog Ostern 1827 mit Beibehaltung seiner militärischen Stellung die Universität Leipzig, um Jura zu studiren. Nach drei Jahren legte er sein Examen zur vollkommensten Zufriedenheit ab und trat daun wieder zu seinem in Freiberg stehenden Regimente zurück, alle dienstfreien Stunden zu Arbeiten bei dem Amtshauptmann benutzend. Im November 1832 avancirte er zum Premier-Lieutenant im Leib-Regiment, wurde aber nach wenigen Monaten wieder in das 2. Regiment Prinz Max zurückversetzt, wo er am 1. Dec. 1833 die Function des RegimentsAdjutanten übernahm. Am 21. Apr. 1843 avancirte er zum Capitain und 1849 zum Major, als welcher er zum Flügel-Adjutanten Sr. Majestät

des Königs und Kommandanten der Kadettenschule ernannt wurde. Zu Neujahr 1854 ward er Oberstlieutenant und Kommandant des 4. JägerBataillons, später Oberst, General-Major und 1867 General-Lieutenant und General-Adjutant Sr. Majestät. An dem Feldzuge 1870/71 nahm er nicht Theil sondern blieb in der Umgebung des Königs. Er starb am 17. Mai 1872 zu Dresden. Er war zwei Mal verheirathet gewesen und hatte aus beiden Ehen vier Kinder. s. Tab. II. 8.

e) Karl August Friedrich von Witzleben.*)

1773-1839.

Dietrich Gottliebs von Witzleben auf dem rothen Hofe zu Wolmirstedt 11. Kind und 5. Sohn, Karl August Friedrich von Witzleben, wurde einer der fruchtbarsten Dichter historischer Romane, der sich nach seinem Geburtsorte Tromlitz, dem väterlichen Gute bei Weimar, A. v. Tromlitz nannte. Er war am 17. März 1773 Abends 1/28 Uhr geboren, wurde am 21. dess. M. getauft (zu seinen Pathen gehörten die Herzogin Amalie und der Erbprinz Karl August von Sachsen-Weimar) und kam 1783, in seinem 11. Lebensjahre, als Page an den Weimarschen Hof, wo Herder und Musäus seine Lehrer wurden. Kaum 13 Jahre alt trat er in Preussische Militärdienste und zwar in das von Friedrich Wilhelm II. kurz nach Antritt der Regierung neu errichtete und dem Major von Renouard verliehene Füsilier-Bataillon in Halle a. d. S., welches 1787 an der Expedition nach Holland und dort an der Einnahme von Gorkum und Dortrecht theilnahm. Den 30. Mai 1790 wurde er SecondLieutenant und 1791 bezog er mit dem Bataillon (nun Borck Füs. Bat. genannt) die neue Garnison Hof im Fürstenthum Bayreuth. Von hier marschirte das Bataillon 1792 gegen die Franzosen und war bei der Ueberrumpelung von Sirck und im Gefechte von Fontois und Grandprée, sowie beim Bombardement und der Einnahme von Verdun, auch focht es in der Kanonade von Valmy und dem entscheidenden Gefechte bei Ursel unweit Frankfurt a. M. Bei Hochheim am Rhein erstürmte es am 6. Jan. 1793 unter dem heftigsten Kartätschfeuer eine feindliche

*) cf. Stammliste der Preussischen Armee.

17. Jahrg., 1839, S. 566. Pierer's Universal-Lex. Gesellschafts-Lex. Bd. XXII, Berlin 1866, S. 350. Familien-Nachrichten u. s. w.

-

Neuer Nekrolog der Deutschen,

H. Wagener, Staats- und

Mil. Wochenblatt, Mai 1880.

Batterie von 13 Geschützen, von denen 11 den Siegern in die Hände fielen. An dem entscheidenden Gefechte und Siege an der Lahn war es gleichfalls betheiligt, auch half es bei Bingen den Feind aus seiner vortheilhaften Stellung vertreiben und focht bei Alsheim am alten Rhein. Von da marschirte es zur Belagerung von Landau und war auch bei dessen Bombardement zugegen. Zum Chef hatte das Bataillon um diese Zeit den Obersten von Bila erhalten. 1794 befand es sich in dem Gefechte bei Deidesheim in der Pfalz, wo es nach einem sechsstündigen Kleingewehrfeuer zusammen mit dem Füsilier-Bataillon des Prinzen von Anhalt-Pless mit dem Bajonett den Feind von drei Bergen warf und seinen Posten behauptete. Ferner war es den 13. Juli 1794 in ein sehr hitziges Gefecht bei Edenkoben verwickelt, wo es, von nur 4 andern Compagnien unterstützt, vom Feinde wüthend angegriffen wurde, in 16 Stunden gar nicht aus dem Kleingewehrfeuer kam und seine 60 Patronen mehrere Male verschoss. An dem glorreichen Siege von Kaiserslautern am 20. Sept. 1794 hatte das Bataillon gleichfalls vielen Antheil. August von Witzleben hatte sich in diesen Gefechten wiederholt ausgezeichnet, so dass er nicht nur in Blüchers Kampagne-Journal lobend erwähnt wurde,*) sondern auch die Aufmerksamkeit des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig auf sich zog. Vorläufig aber blieb er mit dem Bataillon von 1795 an in Cantonnements in Westfalen. Zu Osnabrück vermählte er sich am 12. Nov. 1799 mit des verabschiedeten Hannoverschen Hauptmanns Freiherrn von Heine neunzehnjähriger Tochter Antoinette.

Nach Beendigung der Rheincampagne hatte August von Witzleben auch seine literarische Laufbahn begonnen. Von dem Buchhändler Erlinger in Frankfurt a. M. aufgefordert, an den literarischen Erscheinungen dessen Verlags theilzunehmen, schrieb er den zweiten Theil zu

*) G. L. v. Blücher, Kampagne-Journal der Jahre 1793 und 1794. Berlin 1796. S. 98. Am 2. Juli 1794 hatte Blücher bei Edenkoben, einem Städtchen bei Landau, ein glückliches Gefecht gehabt und war bestrebt seine Stellung mehr zu sichern. Er sagt hierüber a. a. 0.: „Der Lieutenant von Witzleben vom Füsilier-Bataillon von Bila leistete mir hierin besonders gute Dienste, indem er, meinem Auftrage gemäss, mit unermüdlichem Eifer in kurzer Zeit eine Flesche vor Edenkoben, in welcher 50 Mann und eine 3 pfündige Bataillons-Kanone stehen konnten, und in den Weingärten in jedem Fusssteige ein kleines parapet aufwerfen liess, hinter welchem 3 Mann gedeckt stehen und also mit grösster Sicherheit für sich selbst auf den Feind wirken konnten. Die angelegten Schanzen thaten bei dem Angriff der Franzosen am 13. Juli vorzügliche Dienste.

« ͹˹Թõ
 »