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den „Aventuren der Deutschen am Rhein", da der Verfasser des ersten Theils gestorben war. Gleichzeitig versuchte er sich in mehreren Flugschriften, welche die Verhältnisse jener Epoche behandelten, auch als politischer Schriftsteller und brachte in dem schwülstigen Ritterroman „Das stille Thal" dem verdorbenen Geschmack der Zeit sein Opfer dar. Mit diesem Erzeugnisse schloss er seine literarische Thätigkeit für mehr als 20 Jahre.

Als der König Friedrich Wilhelm III. von Preussen in dem neu erworbenen Erfurt am 1. Jan. 1803 ein neues Infanterie-Regiment (No. 59) unter dem General Graf Wartensleben errichtete, wurden zu demselben vom Füsilier-Bataillon Bila zwei aus Thüringen stammende Offiziere versetzt, die Second-Lieutenants von Müffling (der spätere Feldmarschall) und von Witzleben. Letzterer, der bald darauf, am 28. Mai 1803, zum Premier-Lieutenant avancirte, fand hier Gelegenheit, mit Schiller in Verbindung zu treten. Dieser ermunterte ihn zwar, von seinem schriftstellerischen Talent Gebrauch zu machen, doch gab der bald folgende Krieg Witzlebens Geiste eine andere Richtung.

Für den Feldzug von 1806 ward August von Witzleben, der in der letzten Zeit in Halle in Garnison gestanden hatte, am 30. September als Capitaine des guides der Hauptarmee angestellt, in das Königliche Hauptquartier zum Herzog von Braunschweig berufen und von Naumburg aus nach Erfurt vorausgesandt, um von den dort befindlichen aus dem Reich vertriebenen Werbe-Unteroffizieren eine Anzahl tauglicher Leute auszuwählen, welche beritten gemacht und als Ober-Guiden angestellt werden sollten.*)

Nach der Schlacht bei Jena war er in Blüchers Auftrage beschäftigt, die Bagage durch Magdeburg zu führen, als er von dem Fürsten Hohenlohe den Befehl erhielt, ihm zu folgen und sich dem Hauptquartier als Generalstabsoffizier anzuschliessen. So ward er in die Kapitulation von Prenzlau verwickelt. Empört über den Beschluss zu kapituliren, da er noch nicht alle Mittel des Widerstands für erschöpft hielt, warf er dem Fürsten Hohenlohe den Degen vor die Füsse und wurde infolge dessen arretirt. Nach der Kapitulation wurde er in das französische Hauptquartier geführt, um Auskunft über verschiedene Abtheilungen der Armee zu geben; als er dies verweigerte, drohte ihm ein französischer hoher

*) Hoepffner, Krieg von 1806 und 1807. Th. I, S. 182.

Offizier mit dem Galgen. „Mit mir hängt ihr eure Ehre an den Galgen“, erwiderte Witzleben. Der anwesende Murat trat auf ihn zu und reichte ihm die Hand. Dieser Scene erinnerte sich Witzleben, als er nach dem Frieden von Tilsit, da er als Ausländer keine Anstellung in der preussischen Armee finden konnte, den Abschied erhalten (14. Oct. 1807) und sich nach Osnabrück, der Heimath seiner Gemahlin, begeben hatte, und wandte sich an Murat, den nunmehrigen Grossherzog von Berg, welcher ihn auch sofort in seine Dienste nahm und am 18. Januar 1808 befahl, dass ihm die 2. Compagnie des Chevauxlegers-Regiments übergeben werden solle. Aber schon nach kurzer Zeit, im Mai dess. J., gab Witzleben diese Compagnie auf und übernahm eine solche beim GrenadierRegiment des Grossherzogs in Düsseldorf. Als jedoch Murat König von Neapel geworden und das Grossherzogthum Berg unter Napoleons Herrschaft gekommen war, trat er, am 1. Januar 1809 zum Major ernannt, wieder zu dem ersteren Regiment zurück, welches in Münster garnisonirte und inzwischen den Namen Chasseurs à cheval du grand duché de Berg erhalten hatte. Als Major stand er an der Spitze du conseil de l'administration und hatte die Oekonomie des Regiments unter seiner Aufsicht. In dieser Eigenschaft war er mit der 3. und 4. Eskadron in Münster zurückgeblieben, während die 1. und 2. im Februar den Marsch nach Spanien angetreten, aber, bis Paris gelangt, am 7. Mai 1809 den Befehl erhalten hatten, nach Frankfurt zu marschiren. Hier stiess Witzleben mit der 3. und 4. Eskadron zum Regiment, welches, dem 8. Korps (Junot) zugetheilt und 1000 Pferde stark, über Braunau, Passau und Regensburg nach Bayreuth marschirte, da der Herzog von BraunschweigOels und der österreichische General Kienmayr durch Böhmen vorgedrungen waren und in jener Gegend streiften. Der Waffenstillstand von Znaim, 12 Juli, machte aber hier den Feindseligkeiten ein Ende. Nach dem Friedensschluss marschirte das Regiment unter dem Oberst Graf von Goltstein über Paris, wo es in ein régiment de lanciers du grand duché de Berg umgewandelt wurde, nach Spanien. Witzleben kehrte als Kommandant des Depots nach Münster zurück und vermählte sich hier, nachdem seine erste Gemahlin im Frühjahr 1809 zu Düsseldorf gestorben war, 1810 mit Angelie von Diest, der im Jahre 1791 zu Cleve geborenen Tochter des Regierungsraths von Diest. In dem Journal Europa, Chronik der gebildeten Welt, 1862, No. 35, in welchem, allerdings mit einigen kleinen historischen Unrichtigkeiten, diese

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Verbindung erwähnt wird, finden wir folgende Schilderung Augusts von Witzleben: „Im Jahre 1808 erschien in Münster ein Fremder, der durch seine äussere Erscheinung sogleich allgemeines Aufsehen erregte. Eine imposante Gestalt, hochgewachsen, breitschulterig wie ein münsterischer Schulte, mit einem Ansatz von Fettbauch, mit starken Lenden, ein Koloss von Rhodos im Kleinen, dazu die zierlichste Hand und ein schöngeformter Männerfuss; und auf dem kurzen Halse sass ein Apollokopf mit Gesichtszügen, die kaum freundlicher und regelmässiger hätten gedacht werden können. Und wenn der Fremde sprach, so klang es wie Musik, so wohllautend war sein Organ, so rein sprach er das Deutsche und das Französische; und was er sprach, war voll Geist, Witz und Humor und verrieth eine Menge Kenntnisse, in deren Besitz der Fremde sich befand" u. s. w.

Mit dem Beginn des Jahres 1811 ward das Depot nach Hamm verlegt und Witzleben siedelte mit seiner Familie dahin über. Hier erhielt er am 8. Februar 1812 den Befehl, nach Spanien abzureisen, um an Stelle des zu einer andern Verwendung abberufenen Grafen von Goltstein das Kommando des Regiments zu übernehmen. Am 30. April 1812 traf er in Burgos ein. Er fand aber solche Zustände vor, dass er schon am 19. Juni dem Bergischen Kriegsminister Grafen Nesselrode berichten musste: „Ein solches Regiment als das unsrige wird schon von allen Generalen wie verloren angesehen und zu den fatiguantesten unangenehmsten Expeditionen gebraucht und überall detachementsweise unter dem Kommando von Obersten zerstreut, herumgeworfen und so total ruinirt. - - Wollen daher Ew. Excellenz sich gegen das Regiment gnädig beweisen, so lassen Sie uns alle zurückkommen und uns neu formiren oder lassen Sie uns auf einmal komplett werden. Nur eins oder das andere kann das Regiment aus seiner Agonie retten.“ Der General Graf Caffarelli, Kommandeur des Nordkorps, mit diesen Ansichten einverstanden, ordnete an, dass Witzleben zu dem Depot des Regiments zurückkehre, um dort die Formation zweier Eskadrons zu betreiben, welche er demnächst nach Spanien zu führen hätte. Witzleben traf denn auch gegen den Herbst des Jahres 1812 wieder in Hamm ein. Am 29. Januar 1813 befahl Napoleon, eine Brigade chevaux légers lanciers von 10 Eskadrons zu 250 Pferden zu errichten und dazu alles, was vom Regiment noch in Spanien wäre, nach Hamm zurückzurufen. Im März war eine Eskadron zu 250 Pferden marschfähig und rückte

unter dem Major von Witzleben über Braunschweig und Weimar nach Sachsen ab. Witzleben, welcher sich der deutschen patriotischen Partei mit voller Seele angeschlossen hatte, ging mit dem Plane um, von Braunschweig oder Fallersleben aus (wo er sich am 15. März 1813 befand) sein Regiment, zur Zeit nur aus 1 Eskadron bestehend, den Verbündeten zuzuführen, die Ausführung des Planes wurde jedoch durch Verrath vereitelt. Witzleben musste fliehen und traf, anstatt mit einem Regimente, nur für seine Person im Hauptquartier der Verbündeten ein. Der Kaiser Alexander ernannte ihn zum Oberst, stellte ihn bei der Russisch-Deutschen Legion an und übertrug ihm im Herbst 1813 das Kommando der Hanseatischen Legion (2 Bataillone, 8 Schwadronen, 6 Fuss- und 6 reitende Geschütze), mit welcher er unter den Befehl des Grafen Wallmoden trat. Während des Feldzuges kommandirte er die Vorposten des rechten (an der Ostsee stehenden) Flügels des Wallmodenschen Korps. Zu Ende des Jahres 1813 sehen wir ihn die Festung Rendsburg einschliessen, doch machte der Frieden von Kiel den Feindseligkeiten mit den Dänen bald ein Ende, worauf die Legion in Cantonnements in und bei Bremen verlegt wurde. Nach dieser Stadt liess Witzleben auch seine Familie kommen; seine Gemahlin beschenkte ihn hier am 14. Februar 1814 mit Zwillingan, starb aber infolge dessen anfangs März.

Nach dem Frieden zu Paris (30. Mai) führte Witzleben die Legion nach Hamburg und Lübeck zurück, gab dann die militärische Laufbahn auf (Herbst 1814) und ging nach Beuchlitz bei Halle, auf welches Gut er Lehnsansprüche geltend machen zu können glaubte. Dies war nun zwar nicht der Fall, statt dessen aber vermählte er sich daselbst am 11. März 1815 mit der Besitzerin dieses Gutes, der Wittwe des am 16. Apr. 1813 gestorbenen (und am 30. April in der Saale gefundenen) Königl. Preuss. Kammerherrn und Kapitulars des Ober-Kollegiatstifts U. L. Fr. zu Halberstadt Rudolf Wilhelm Konstantin von Billerbeck auf Beuchlitz und Schlettau,*) Johanne Amalie Karoline Charlotte geb. von Möllendorff, der am 15. September 1782 zu Reinsdorf geborenen zweiten Tochter des Johann Friedrich Magnus von Möllendorff auf Sagisdorf. 1821 liess er sich jedoch wieder scheiden und zog nach

*) geb. 14. Juni 1766 in Beuchlitz, 3. Sohn des Königl. Preuss. Obersten a. D. Christoph von Billerbeck und der Rudolfine Charlotte Wilhelmine von Stecher.

Berlin, wo er sich als Mitarbeiter am „Gesellschafter", am „Freimüthigen", an der Abendzeitung und andern Blättern beschäftigte und am 16. Mai 1825 zu einer vierten Ehe schritt mit Auguste Albanus, welche am 31. Oct. 1805 zu Strelitz geboren war und am 13. Sept. 1842 zu Ruppin starb.

Im Herbst des Jahres 1826 siedelte August von Witzleben nach Dresden, im September 1831 nach dem Kynast über, einer kleinen aber schön gelegenen Weinbergsbesitzung im Elbthale, in der Nähe von Hoflösnitz, die er gekauft hatte. Nachdem er zwei Jahre an der Wassersucht gelitten, erlag er einem Magenschlage am 5. Juni 1839, Nachmittags um 4 Uhr, auf dem Linkeschen Bade bei Dresden, wo er seit einigen Wochen schon sehr leidend eine Sommerwohnung bezogen hatte, und ward auf dem Neustädter Kirchhofe begraben.

Tromlitz's Romane und Novellen sind in drei Sammlungen erschienen (zusammen 108 Bände, Dresden 1829 bis 1841; 3. Aufl. Leipz. 1860, 20 Bde.). Man bezeichnet ihn gewöhnlich als einen Nachahmer W. Scott's, doch ist er von diesem sehr verschieden. Vorzugsweise wählte er seine Stoffe aus der deutschen Geschichte und zwar meist aus der Zeit der Reformation und des dreissigjährigen Krieges. Insbesondere ist er glücklich sowohl in der Charakteristik hervorragender Persönlichkeiten, als in Schlachtgemälden und Scenen aus dem bewegteren Volksleben. Als bedeutendste Leistungen sind zu nennen „Die Pappenheimer" (4 Theile), „Franz von Sikkingen“, „Mutius Pforza“, „Der Page des Herzogs von Friedland“, „Das Leben des Markgrafen Albrecht von Brandenburg" und „Die Carraras". Auch hat er ein historisch-romantisches Taschenbuch

Vielliebchen“ (Leipz. 1833) herausgegeben. Sein historisch-romantisches Schauspiel „Die Douglas" (Berlin 1826) und die Lustspiele „Die Entführung“ und „Das Gedicht" machten auf der Bühne nur flüchtiges Glück. Seine zahlreiche Nachkommenschaft s. Tab. II. 9.

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f) Klamor August Ferdinand von Witzleben.*)

1800-1859.

Karl August Friedrichs von Witzleben ältester Sohn, Klamor August Ferdinand, war am 9. Aug 1800 zu Osnabrück geboren.

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*) H. Wagener, Staats- und Gesellschafts-Lex. Bd. XXII, S. 346. Zeitungen vom October 1859 und 8. Oct. 1863.

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