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Körperlich und geistig seinen Altersgenossen weit überlegen, reifte der Knabe sehr schnell heran, und als Napoleon im Jahre 1813 wegen der deutschen Gesinnung des Vaters auf die in Westfalen lebende Familie fahnden liess und die spätere Ministerin von Bodelschwingh-Velmede mit den jüngern Geschwistern in das Blüchersche Hauptquartier zu Altenburg flüchtete, fasste Ferdinand von Witzleben den kühnen Entschluss, seinen elfjährigen Bruder Bernhard an der Hand, sich von Hamm aus zu dem Vater, welcher in Holstein die Hanseatische Legion organisirte, durchzuschlagen. Das Wagniss glückte und der Lohn der kühnen That war, dass der Vater die Bitte des dreizehnjährigen aber mannhaften Knaben erfüllte und ihn in das hanseatische Reiter-Regiment einstellte, bei welchem er im März 1814 zum Kornet befördert wurde. Der heisse Wunsch, seine jugendlichen Kräfte am Feinde im ersten Gefecht zu erproben, ward nicht in dem Masse erfüllt, als es der feurige Jüngling ersehnte; nur leichten Vorpostengefechten wohnte er bei. Dagegen zog der junge Kornet die Aufmerksamkeit auf sich, als bei einem Theile der Reiterei eine Meuterei ausbrach, welche allein durch seine Unerschrockenheit gedämpft wurde. Sein Rittmeister Stuhr, der spätere Professor der Geschichte an der Universität in Berlin, war von diesem Augenblick an sein treuer Freund. Als nach dem Frieden der Vater das Kommando der hanseatischen Legion niederlegte, trat auch bald der Sohn aus diesem Dienst und dafür, im April 1815, als Fähnrich in den Hannoverschen. Diesen verliess er aber bereits 1819*) und besuchte die Universität Halle, in deren Nähe, zu Beuchlitz, der Vater wohnte. Nach nicht ganz einjährigem Aufenthalt auf der Hochschule trat Ferdinand von Witzleben in Preussische Dienste, und zwar als Second-Lieutenant in das 27. Infanterie-Regiment, welches in Magdeburg in Garnison stand. Hier vermählte er sich am 24. März 1827 mit Natalie Hortense, der am 13. Jan. 1807 zu Magdeburg geborenen Tochter des (zur Westfälischen Zeit) Kaiserl. Franz. Domänen-Inspectors Johannes Barbenès und der Marie Luise Schwarz aus Magdeburg.

Nachdem er sich sowohl auf der Kriegsschule wie auf dem topographischen Büreau hervorgethan hatte, auch zum Premier-Lieutenant

*) Am 15. Jan. 1819 erhielt der Fähnrich Ferdinand von Witzleben die nachgesuchte Dienstentlassung aus der Königl. Hannoverschen Armee mit LieutenantsCharakter, wie das Königl. Hannov. Kriegsministerium am 22. März 1866 an Gerhard August von Witzleben schrieb. - H. Wagener, St. u. G. Lex., hat fälschlich 1817.

befördert war, wurde er 1831 zum Generalstabe versetzt. Kurz zuvor hatte. er die beiden geschätzten Werke „Darstellung des russisch-türkischen Feldzuges im Jahre 1828" (Berlin 1829) und „Darstellung des russischtürkischen Feldzuges im Jahre 1829" (Berlin 1831, 2 Bde) geschrieben. Nun wurde er Lehrer an der Kriegsschule und beschäftigte sich mit der Herausgabe mehrerer Kartenwerke, z. B. der Kreiskarten des Preussischen Staates, der Karten von Nordwest-Deutschland und Ost-Frankreich. Seine literarische und kartographische Thätigkeit wurde beschränkt, als er vom grossen Generalstabe zu dem des Gardecorps und dann zum 24. Infanterie-Regiment versetzt wurde. Im Jahre 1848 wurde er, inzwischen zum Major befördert, Chef des Generalstabes des III. Armeecorps in Frankfurt a. O. Am Schluss des genannten Jahres schied er als Oberstlieutenant aus der Preussischen Armee, um sich der Reorganisation des Grossherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Contingents zu unterziehen, und übernahm am 1. Jan. 1849 als Oberst das Kommando. der Mecklenburgschen Brigade. In seinem neuen Verhältnisse fand er ein segensreiches Feld seiner unermüdlichen Thätigkeit. Bei einem so ehrenfesten Offiziercorps, einem so gesunden und kräftigen Ersatz, bei so reichen Mitteln und vor allem bei einem so grossen Interesse des Grossherzogs musste jeder brauchbare Offizier etwas Gutes schaffen; aber dass die Mecklenburgschen Truppen den meisten der andern deutschen Contingente als Vorbild aufgestellt werden konnten, dass dieser Truppe eine solche Frische innewohnte und dass sie von gerechtem Selbstvertrauen erfüllt und von einem wahrhaft kriegerischen Geiste beseelt war, das konnte nur das Werk eines Mannes sein, der es verstand, selbst die ihm widerstrebenden Gemüther zu gewinnen und ein aus seiner eigenen Individualität hervorgegangenes System in der Ausbildung der Soldaten, wie sehr auch das Neue aller Orten Widerstand fand, zur Geltung zu bringen. Erst nachdem sein Werk durchgeführt war, nachdem es sich bewährt hatte, legte er seine Grundsätze in einer kurzen Abhandlung, „Die taktische Ausbildung des Infanteristen" (Berlin 1856), nieder, einer Schrift, welche grosses Aufsehen erregte und den Beginn einer neuen Zeit in der Ausbildung des Soldaten verkündete. Kaum hatte Witzleben seine Thätigkeit in Mecklenburg begonnen, als das Contingent 1849 berufen wurde, zur Unterdrückung des Aufstandes nach Baden zu eilen. Der kurze Feldzug, vom Mai bis September, gab Witzleben mehr als einmal Gelegenheit, sein Führertalent und seine

Entschlossenheit zu bekunden. Die glückliche Entscheidung in den Gefechten bei Waldmichelbach und Grosssachsen ward durch ihn herbeigeführt. Leider war es ihm nicht vergönnt, die Mecklenburger, nachdem sie den von ihm angestrebten Grad kriegerischer Tüchtigkeit erlangt hatten, noch einmal gegen den Feind zu führen, aber der Ruhm, welchen der Führer, der Ruf, welchen eine Truppe im Frieden erlangen. kann, ward ihm und ihr bei dem im Jahre 1858 bei Nordstemmen im Hannoverschen abgehaltenen Manöver des 10. deutschen Bundeskorps. Am 7. Sept. 1850 war Witzleben zum General-Major ernannt worden, jetzt, nach Beendigung des Manövers beförderte ihn der Grossherzog am 8. Sept. 1858 zum General-Lieutenant. In demselben Jahre, im December, trat er zur Preussischen Armee zurück, in der er als GeneralLieutenant das Kommando der 12. Division in Neisse erhielt, das er leider nur eine kurze Zeit innehatte, eine Zeit des Wirkens, die noch nicht ein Jahr umfasste, dennoch lang genug war, um reiche Saat auszustreuen. „Die kostbaren Kriegslehren, die uns unser Kommandeur gegeben, werden wir als sein für uns hinterlassenes Testament betrachten", schrieb einer der hochgestelltesten Offiziere seiner Division kurz nach Witzlebens Dahinscheiden. Nach Schluss des Manövers war er im September 1859 zur Stärkung seiner Gesundheit nach Goslar gereist, wo ihn unerwartet ein Schlaganfall traf, dem er am 4. Oct. Abends 10 Uhr nach kurzem Kampfe erlag. Die Leiche wurde nach Berlin gebracht und auf dem Invalidenkirchhofe mit den ihr zukommenden militärischen Ehrenbezeugungen bestattet. Die Familie errichtete dem Verstorbenen ein aus der Meisterhand des Professors Kiss hervorgegangenes Denkmal, bestehend aus einem viereckigen 14 Fuss hohen Postamente von dunkelgrünem Marmor, welches auf der Frontseite in einer Nische das in Bronce gearbeitete Brustbild, auf der Rückseite das Wappen des Verblichenen trägt, während es oben durch den Helm und andere militärische Embleme verziert ist.

Ferdinand von Witzleben hatte 1833 das grosse Loos gewonnen und einem Herrn von Grabow das Rittergut Dessow bei Wusterhausen a. D. im Kreise Ruppin abgekauft, dasselbe jedoch 1842 wieder an einen Herrn von Kriegsheim veräussert. 1859 erwarb er Grundbesitz in Schlesien und zwar Deutsch-Jamke und Sorge im Kreise Falkenberg. Nach seinem Tode behielten die Erben die Güter gemeinschaftlich bis 1860, in welchem Jahre sie der zweite Sohn, Ferdinand, übernahm,

der sie 1863 gegen Wolfshayn an einen Herrn von Versen vertauschte. Des Generals Ferdinand von Witzleben Nachkommen s. Tab. II. 9.

g) Gerhard August von Witzleben.*)

1808-1880.

Gerhard August von Witzleben, Karl August Friedrichs von Witzleben fünftes Kind erster Ehe, wurde am 27. December 1808 in Düsseldorf geboren. Gleich seinen Geschwistern war er in frühester Jugend ohne festen Wohnort; von Osnabrück, wo er sich ein halbes Jahr bei einer Tante, Luise von Heine, aufgehalten hatte, kam er im August 1815 nach Beuchlitz, ward aber schon im Herbst 1816 nach Langenroda bei Wiehe (auf der Finne, Rossleben gegenüber) zu einem Prediger in Pension gegeben, wo er einsam und einfach erzogen wurde, bis ihn im April 1821 das Kloster Donndorf und im September 1822 die Klosterschule Rossleben aufnahm. Aus der Secunda der letztern ging er 1825 ab, um die militärische Laufbahn zu ergreifen, und trat, nachdem er sich bei seinem Bruder Ferdinand in Magdeburg darauf vorbereitet hatte, am 15. November d. J. zu Berlin in das Kaiser-FranzGrenadier-Regiment ein, in welchem er im April 1826 zum Portepeefähnrich, am 17. April 1827 zum aggregirten Second-Lieutenant ernannt und am 17. December 1829 einrangirt wurde. 1831 marschirte das Füsilier-Bataillon, bei dem er stand, gegen die Oder auf den CholeraCordon, und so gelangte er für einige Zeit nach Dievenow, Swinemünde, in die Gegend von Anclam und schliesslich nach Prenzlau. Nach vierwöchentlichem Aufenthalt daselbst wurde er zur Allgemeinen Kriegsschule (jetzt Kriegs-Akademie) einberufen, welche er drei Jahre lang, bis 1834, besuchte. Von 1838 bis October 1840 war er zum topographischen Bureau kommandirt und bei der Landesaufnahme in Pommern und der Mark Brandenburg beschäftigt. Nach Ablauf dieses Kommandos vermählte er sich am 30. October 1840 zu Hamburg mit Pauline Brüning, geb. 14. September 1824 zu Hamburg, † 26. December 1846 zu Berlin. Am 27. Juni 1843 wurde er Premier-Lieutenant und 1846 und 1847 als Lehrer der Taktik und Militär-Literatur zur Garde-Divisionsschule kommandirt. So begann seine wissenschaftliche Thätigkeit schon früh;

*) Nekrolog im Mil. Wochenblatt für 1880.

an militärischen Journalen war er betheiligt und wir finden ihn als einen der Mitarbeiter des für seine Zeit vortrefflichen Militär-Konversationslexikons von v. d. Lühe.

Im Jahre 1848 nahm August von Witzleben theil an dem Strassenkampfe in Berlin und dann an dem Feldzuge gegen Dänemark. Am 6. April d. J. wurde er, als er in Rendsburg stand, zum Hauptmann und Kompagnie-Chef ernannt und führte als solcher in dem Gefechte bei Schleswig, 23. April, die 8. Compagnie auf dem äussersten rechten Flügel zum siegreichen Angriff gegen die Ziegelei vor. Im Herbst rückte er mit dem Regiment in Berlin ein und war bei der Erklärung des Belagerungszustandes Kommandant der Hausvogtei. Am 4. Januar 1851 vermählte er sich wiederum und zwar zu zu Berlin mit Helene, des Königl. Preuss. Oberst Ferdinand von Broscovius und der Auguste von Tadden Tochter, welche am 30. Juni 1826 zu Lüben i. Schl. geboren war. Im Februar 1853 wurde er zum Major befördert und nach Gotha kommandirt, wo er das Kommando des Herzoglich Sachsen-KoburgGothaschen Regiments erhielt und 1859 Oberstlieutenant wurde. Nachdem er dann im Frühjahr 1861 vom Herzog zur Abschliessung der Militärkonvention mit Preussen, zu welcher er selbst den ersten Anstoss gegeben, verwendet worden war, trat er im August in die preussische Armee als Kommandeur des in Münster stehenden Westfälischen Infanterie-Regiments Nr. 13 zurück und wurde am 18. October dess. J. in Königsberg, wo er der Krönung des Königs Wilhelm beiwohnte, zum Obersten ernannt. 1864, im Feldzuge gegen Dänemark, erstürmte er mit seinem Regimente bei Düppel die Schanze Nr. 10 und nahm theil an der Eroberung der Schanze Nr. 9 und des Brückenkopfes. Im April 1865 wurde er dem Regiment aggregirt, am 18. Juni, nachdem er inzwischen nach Dresden gezogen war, als Generalmajor zu den Offizieren von der Armee versetzt, im Mai 1866 für die Dauer des mobilen Verhältnisses zum Kommandanten von Kolberg ernannt und im October dess. J. in dieser Stellung definitiv bestätigt. Nachdem er dann durch A. C. O. vom 9. Januar 1868 als Generallieutenant mit Pension zur Disposition gestellt worden war, nahm er seinen Wohnsitz in Dessau, von wo er aber nach fünf Jahren nach Berlin übersiedelte, um die Redaction des Militär-Wochenblattes zu übernehmen, was am 20. Aug. 1873 geschah. Seit dem 10. November 1862 war er Interims-Administrator der Klosterschule Rossleben. Nach dem am 12. October 1878 erfolgten

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