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Tode des Erbadministrators Hartmann Erasmus von Witzleben wurde Gerhard August von Witzlehen von den zur Wahl berechtigten Agnaten einstimmig zum Erbadministrator gewählt und durch A. C. O. vom 5. März 1879 als solcher bestätigt. Eine grosse Freude war es ihm und eine innere Genugthuung, dass er der Schule, die seines Wissens Wiege gewesen, im Alter selbst Verwalter geworden." Lange war es ihm aber nicht vergönnt, sein warmes Interesse für die alte Familienstiftung zu bethätigen: am 7. Mai 1880, abends 63/4 Uhr, verschied er zu Berlin sanft und ruhig an Herzlähmung. Seine Ruhestätte hat er am 10. Mai auf dem Invalidenkirchhof zu Berlin zwischen den Gräbern des Kriegsministers von Rauch und des Feldmarschalls von Boyen gefunden. Auf dem Gebiete der Militär-Literatur hat sich Gerhard August von Witzleben einen dauernden Ruf erworben. Näher darauf einzugehen ist hier nicht der Ort und müssen wir uns mit dem Hinweis auf den S. 396 Anm. angeführten Nekrolog begnügen. Dagegen darf nicht unerwähnt gelassen werden, dass er ungeachtet seiner umfangreichen literarischen Thätigkeit jederzeit ein besonders warmes Herz und freie Stunden für die Angelegenheiten seines Geschlechts hatte und dass es seinem Wirken vor allem zu verdanken ist, dass die Geschichte desselben, mit der er sich Jahre lang beschäftigt hatte, herausgegeben und der Familienverein gestiftet wurde.

III. Abschnitt.

Die Wartenburger Linie.

1) Hartmann Ludwig d. Ä. von Witzleben.

1662-1703.

Hartmann Ludwig von Witzleben (s. S. 248 unten), zum Unterschiede von dem gleichnamigen Sohne seines Bruders Wolf Dietrich Arnold der Ältere genannt, hatte nach den Theilungsrecessen vom 24. Mai 1662 und 26. Jan. 1682 die Güter Wartenburg und Rackith erhalten und ward der Stifter der Wartenburger Linie.

Wartenburg liegt 21/4 St. südöstlich von Wittenberg auf dem linken Ufer der Elbe, gegenüber dem Einfluss der schwarzen Elster in jene. Nach dem Lehnbrief vom 30. Dec. 1651 gehörten zum Gut: Schloss und Dorf Wartenburg mit obersten und niedersten Gerichten, verschiedenen Wasserläufen (sogenannten Kolken), Hölzern, Wiesen, Schäfereien, zwei Lehnpferden und einigen Werdern in der Elbe, das Dorf Listerfehrda (auf dem rechten Elbufer, Wartenburg gegenüber), ebenfalls mit obersten und niedersten Gerichten und zwei Lehnpferden, die Jagd zu Wartenburg und Listerfehrda, etliche freie Lehen und Wiesen auf dem Bönitz hinter Clöden, das Kirchlehn zu Wartenburg und Geld- und Getreide-Zinsen aus 7 umliegenden Ortschaften.

Rackith liegt 11/2 St. südsüdöstlich von Wittenberg, 1 St. nordöstlich von Kemberg. Nach dem Lehnbrief vom 18. März 1692 gehörten zum Gut: Sitz und Dorf Rackith mit obersten und niedersten Gerichten, 43 silberne Schock, so die Männer nach Anzahl jährlich geben, grosse und kleine Brücher und die Fischerei, ferner eine mit Rackith vereinigte wüste Mark, Preis genannt, 5 alte Elbrisse, Zinsen und Zehnte im Dorf

Rackith, das Gehölz, Brehm genannt, ein im Dorfe Bietegast gelegenes Vorwerk mit 6 freien Hufen, Oppin (eine 9 Hufen grosse Holzmark in der Schmiedeberger Heide) und Köplitz (eine wüste Mark bei Kemberg, mit Jägerhaus und Gasthof), mit Gerichten und Jagden und schliesslich 4 Bauern zu Uthausen (bei Gräfenhainichen), welche jährlich 10 Gulden zinsten.

Hartmann Ludwig von Witzleben hatte schon seit 1653 in Wartenburg gewohnt und die Bewirthschaftung dieses Gutes geleitet. So war er zu dem Adel des Kurkreises in Beziehungen getreten, die zur Folge hatten, dass er am 9. Nov. 1658 Barbara Margarethe von Hoff, eine nachgelassene Tochter des Kaiserlichen Oberstlieutenants Georg Albrecht von Hoff auf Badrina und der Eva von der Dahme aus Friedersdorf, als seine eheliche Hausfrau heimführte, deren Bruder ihn auch 1661 in die Mitbelehnschaft von Badrina (bei Düben) nahm. Barbara Margarethe starb aber schon am 11. Apr. 1664, nachdem sie ihm 3 Kinder geboren (s. Tab. II. 10). Ein Jahr darauf, am 28. Juni 1665 ging er eine zweite Ehe ein mit Magdalene Ursula von Hacke, des Fürstlich Braunschweig-Lüneburgschen Oberhauptmanns, Land- und Schatzraths, sowie Drosten zum Lauenstein, Johann Wilke von Hacke auf Ohr, Hameln und Freyenstein, und der Anna Dorothea von Grapendorf Tochter, welche am 11. Juli 1647 geboren war, ihm eine Mitgift von 6600 Thalern zubrachte, in Wartenburg 15 Kinder gebar und am 24. Aug. 1692 starb. Seit dem Jahre 1677 war Hartmann Ludwig von Witzleben Kurf. Sächs. (später auch Königl. Polnischer) Marsch- oder Kriegscommissarius im Kurkreise, als welcher er auf Befehl die Truppen zu mustern hatte, und am 11. Dec. 1691, beim Leichenbegängniss des Kurfürsten Johann Georg III. zu Sachsen, ging er zu Dresden unter 24 vom Adel zur Rechten der Leiche her.

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Ueber der Kirchthür zu Rackith befindet sich ein Stein mit folgender Inschrift: Im Jahr Christi 1700 ist diese Kirche Gott zu Ehren von dem Wohlgebohrnen Herrn Herrn Hartmann Ludwig von Witzleben auf Rackith und Wartenburgk von Grund auf gebauet, den 23. Martij der erste Grundstein geleget, den 31. August gefertiget und am Tage Michaelis selbigen Jahres eingeweyhet worden. Gott schütze dieses Haus vor Brand und falschen Lehren, Er lasse stets darin sein Wort und Sacrament mit reichem Seelen-Nutz verrichten und anhören, biss selbst dies Weltgebäu gewinnt sein letztes End". Die Kirche ist ohne Thurm erbaut, weil

Hartmann Ludwig, der sie aus eigenen Mitteln baute, mit den Bauern uneinig wurde; später errichteten letztere in einiger Entfernung von der Kirche einen kleinen Glockenthurm.

Hartmann Ludwig von Witzleben starb am 21. September*) 1703 zu Wartenburg. Nach Gleichensteins geneal. Tabellen soll er 24 Kinder gehabt haben, was jedoch ein Irrthum ist; zwischen die von uns Tab. II. 10 aufgeführten 18 Kinder liesse sich, den Geburtsdaten nach, etwa eins einschieben. Unter diesen 18 Kindern befanden sich 5 Söhne, von denen der älteste nur zwei Tage alt wurde. Der zweite, Karl Wilke von Witzleben, am 6. Oct. 1670 zu Wartenburg geboren, starb ebenfalls vor dem Vater. Auf seiner europäischen Tour hatte er sich mit Christoph Bernhard und Christian Julius Heinrich von Pöllnitz aus Goseck, sowie Hans Friedrich von Hessler in Holland, welches zu jener Zeit mit Frankreich im Kriege lag, auf einem Packetboote nach England eingeschifft. Während der Ueberfahrt, am 3. Juli 1693, ward das Schiff von einem französischen Kaper angegriffen und nach hartnäckiger Gegenwehr so zerschossen, dass es mit Mann und Maus versank. Nur der Hofmeister der Herren von Pöllnitz rettete sich kümmerlich mit Hülfe eines Brettes durch Schwimmen und überbrachte die traurige Mär nach Sachsen.**) Den Vater überlebten sonach nur drei Söhne, Raban Heinrich (s. 3), Philipp Heinrich (s. 2) und Wolf Dietrich von Witzleben, von denen noch zu Lebzeiten Hartmann Ludwigs sich der erste zu Rackith, Philipp Heinrich in Wartenburg etablirte. Am 19. Febr. 1707 schritten die drei Brüder zur Theilung der väterlichen Güter in ähnlicher Weise, wie vor 45 Jahren ihr Vater mit seinen Brüdern, nur losten sie darum, welche zwei die Güter und welcher die Geldportion erhalten sollte. Es traf sich, dass der älteste, Raban Heinrich, Rackith, der jüngste, Wolf Dietrich, Wartenburg, und der mittelste, Philipp Heinrich, die Geldportion erhielt. Unterm 10. März dess. J. wurde der Recess von der Kurfürstlichen Regierung zu Dresden bestätigt.

Wolf Dietrich von Witzleben, am 3. Juli 1684 zu Wartenburg geboren und derzeit Königl. Poln. und Kurf. Sächs. Capitain in

*) nicht Nov., wie Tab. II. 6 angegeben ist. Ebenda muss es auch heissen:

Dessen Descendenz s. Tab. II. 10.

**) König, Ad. Hist. I, S. 1059. Gauhe, Ad. Lex. I, S. 842 und 1660. Thür. u. d. Harz, V, S. 37.

dem Wrangelschen Dragoner-Regiment, quittirte nun den Dienst, übernahm Wartenburg und führte dort als Hausfrau ein*) Margarethe Elisabeth von Helldorff, des Königl. Poln. und Kurf. Sächs. Landkammerraths Johann Julius von Helldorff auf Kieritzsch und Drossdorf und der Maria Elisabeth von Creutz aus Kreipitzsch älteste Tochter, welche ihn am 20. Sept. 1711 zu Wartenburg mit einem Sohn, Hans Ludwig, beschenkte. Auch er fand den Tod in den Wellen und zwar am 3. Mai 1712 beim Frühjahrs-Hochwasser der Elbe, „als er sich ganz allein in ein liederliches Kähnichen gewagt und nach sein uff Bobel stehendes Holz sehen wollen am Melzwiger tiefen Kolk." Als nun am 19. Dec. 1712 auch sein einziges Söhnlein starb, fiel Wartenburg an die beiden Brüder Raban Heinrich und Philipp Heinrich von Witzleben. Dieselben geriethen jedoch mit der Wittwe Wolf Dietrichs in Streit weil diese für eine ihr aus dem Erbe ihres Mannes zustehende Forderung von 6800 Thlrn. (ihr Eingebrachtes) das Gut Wartenburg als Unterpfand behalten wollte. Die Sache wurde jedoch arrangirt und Philipp Heinrich übernahm Wartenburg. Margarethe Elisabeth heirathete bald darauf Julius Haubold von Hartitzsch auf Triestewitz, nach dessen Tode in dritter Ehe Hans Georg von Watzdorf auf Schlossberga und starb im Jahre 1765.

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2) Philipp Heinrich von Witzleben und seine
Nachkommen.

1676-1783.

Philipp Heinrich von Witzleben war am 30. März 1676 früh 2 Uhr zu Wartenburg geboren und am 6. April getauft worden. Er scheint immer bei dem Vater in Wartenburg geblieben zu sein und gründete daselbst noch zu dessen Lebzeiten einen eigenen Hausstand, indem er sich am 17. Juli 1703 mit Charlotte Eleonore von Hoff aus Peres, der am 2. März 1685 geborenen Schwester von seines Bruders Raban Heinrich Frau, vermählte, einer Dame (um mit Gustav Freitag zu reden), welche ihrem Herrn mit Bewunderung und Liebe zugethan war und ihre Pflichttreue während einer langen Ehe durch die Geburt von siebzehn Kindern erwies. s. Tab. II. 10. Als er in der

Die Eheberedung ist vom 4. Nov. 1707 datirt.

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