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Familien-Interessenten über den abzuschliessenden Vergleich communicirt hätten, ob aber die berechtigten von Witzlebenschen Agnaten nur mündlich oder schriftlich sich zur Sache geäussert und den Bedingungen des Vergleichs ausdrücklich und in rechtsverbindlicher Form zugestimmt haben, ergeben die Acten nicht.

Der Recess ist von beiden Seiten bis zum Jahre 1875 pünktlich befolgt und erfüllt worden.

Zwanzig Jahre lang hatten Just und Leisching die Klosterschule verwaltet, als im Jahre 1799, nachdem das Capitalvermögen der letzteren gerettet und vollkommen sicher gestellt war, der Familie von Witzleben die Erbadministration zurückgegeben wurde. Die mit Rossleben belehnten Glieder derselben mussten sich jedoch dazu verstehen, mit der Regierung einen Recess abzuschliessen (12. März 1799), wodurch der jedesmalige Administrator hinsichtlich der Vermögensverwaltung einer strengeren Controlle der Behörden, als bisher, unterworfen wurde. Ausserdem wurde eine Coinspection, bestehend aus einem weltlichen Beamten und einem Superintendenten, eingerichtet und diese zunächst den beiden bisherigen Interims-Administratoren übertragen. Zum Erbadministrator wurde von seinen Brüdern und Vettern Friedrich Wilhelms von Witzleben auf dem blauen Hofe zu Wolmirstedt 6. Sohn, Georg Hartmann von Witzleben, damals Domherr und Stiftsregierungsrath zu Merseburg und Amtshauptmann in Thüringen, in Vorschlag gebracht. Derselbe wurde vermittelst Rescripts vom 19. Aug. 1799 bestätigt und am 9. Oct. dess. J. feierlich in sein Amt eingeführt. 1801 schlossen er und der Coinspector Cölestin August Just mit Friedrich Wilhelm Wahren einen Pachtkontrakt auf 6 Jahre à 2610 Thaler (und 1000 Gulden Kaution) ab. Der Pächter wohnte im Kloster, da die frühere Pächterwohnung für den Kantor eingerichtet worden war, und erhielt für die Kost eines jeden Schülers jährlich 39 Thaler. 1809-16 waren Pächter die Brüder Friedrich Wilhelm und Bernhard Friedrich Wahren, welche jährlich 3100 Thaler zu erlegen hatten. Ebensoviel zahlte der erstgenannte Bruder allein von 1816 bis 1834 und F drich Bernhard Wahren von 1834 bis 1846. Nach dem Vertrage von 1809 (bestätigt Dresden den 19. Oct. 1810) erhielt der Oekonomie-Gärtner für jeden angepflanzten Pflaumenbaum 2 Groschen, für jeden Kirsch-, Aprikosenund Pfirsichbaum 4 Gr. und für jeden veredelten Apfel-, Birn- und Nussbaum 8 Gr.

Von den nächsten Folgen der Katastrophe bei Jena war Rossleben. fast ganz unberührt geblieben und hatte ausser einem Durchzuge von 30 französischen Chasseurs, die sich mit einer leidlichen Contribution begnügten, ein ganzes Jahr hindurch von feindlichen Truppen nichts gesehen. Auch in den Tagen kurz vor und nach der Leipziger Schlacht wurde der Unterricht nicht unterbrochen. Die preussischen, russischen, schwedischen Officiere wussten die freundliche Aufnahme, die sie beim Rector und den Lehrern fanden, zu würdigen und die Zwecke des Instituts rücksichtsvoll zu ehren. Eine bedenkliche Aufregung aber veranlasste die Kunde, dass in Folge des Wiener Friedens (18. Mai 1815) der Thüringer Kreis und mit ihm Rossleben von Sachsen an Preussen abgetreten sei Es wäre kein gutes Zeichen gewesen, wenn die Gemüther der Jünglinge, deren Heimath das Königreich Sachsen war, diese Trennung unberührt gelassen hätte; aber der zwiespältige Geist, der sich des Cötus bemächtigte, und die Gereiztheit, mit der beide Partheien, die preussische und die sächsische, einander gegenüber standen, erfüllte die Lehrer mit schwerer Sorge. Doch gelang es noch zeitig genug, die Gemüther zu beruhigen, zumal da an den edleren unter ihnen der Gedanke an ein gemeinsames deutsches Vaterland seine versöhnende Kraft bewährte. Der Frieden war hergestellt, als das allgemeine Friedensfest am 18. Jan. 1816 auch in der Klosterschule in angemessener Weise gefeiert wurde.

Die für das Schulwesen in Preussen geltenden Bestimmungen fanden nach und nach auch auf die Klosterschule Anwendung, doch mit einiger Berücksichtigung des Charakters der Anstalt als eines Alumnats. Die im Jahre 1799 eingerichtete weltliche und geistliche Coinspection erlosch und ihre Geschäfte gingen zuerst auf die Königliche Regierung zu Merseburg und dann auf das Königliche Provinzial-Schulcollegium zu Magdeburg über.

Im Jahre 1830 liess Georg Hartmann von Witzleben das in dem Pachtkontrakte von 1707 Verwalterei genannte Haus, welches aber zu Ende des vorigen Jahrhunderts, nachdem der Pächter in das Kloster gezogen, für den Kantor eingerichtet worden war, restauriren und im Innern umbauen und bestimmte es zur Wohnung für sich und die künftigen Erbadministratoren. Er bezog es gegen Ende des Jahres 1830 und blieb darin bis zu seinem Tode.

Georg Hartmanns von Witzleben Thätigkeit als Erbadministrator der Klosterschule Rossleben wird kurz und treffend charakterisirt in

einem Schreiben des Provinzial-Schulcollegiums zu Magdeburg, welches dieses auf die Anzeige von dem am 15. Sept. 1841 erfolgten Tode Georg Hartmanns an dessen Sohn richtete: „Der uns von Ew. Hochwohlgeboren unterm 15. d. M. (Sept. 1841) angezeigte Todesfall Ihres Herrn Vaters hat unsere innigste Theilnahme erweckt, und können wir den Verlust, welchen die Klosterschule dadurch erlitten hat, nur aufrichtig betrauern. Es ist uns nicht entgangen, wie im Laufe einer beinah 42jährigen Verwaltung die unablässigste Fürsorge für das Wohl der Anstalt und aller Glieder derselben dem Verstorbenen ein wahres Herzensbedürfniss gewesen ist. Auch hat seine uneigennützige Hingebung für diese schöne Stiftung Ihrer Vorfahren die herrlichsten Früchte getragen und die Anstalt, deren Verwaltung er im Jahre 1799 unter sehr ungünstigen Verhältnissen übernommen hat, befindet sich nach glücklicher Ueberwindung mannigfacher Hindernisse und Schwierigkeiten schon seit längerer Zeit auf einem Standpunkte, auf welchem sie keine Vergleichung mit andern derartigen Instituten scheuen darf. Ihr gegenwärtiger erfreulicher Zustand ist für den Verstorbenen das schönste Ehrendenkmal und sein Nachfolger wird ohne Zweifel hierin eine dringende Aufforderung finden, dasjenige zu erhalten und zu wahren, was der Verstorbene mit treuester Liebe und Sorgfalt gehegt und gepflegt hat."

Unter Zustimmung der Agnaten und mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde übernahm der Sohn des verewigten Erbadministrators. Hartmann Erasmus von Witzleben, damals Geh. Reg. Rath in Berlin, die Administration interimistisch. Erst durch A. C.-O. vom 29. Dec. 1843 ward Hartmann Erasmus, nachdem er durch die Mehrzahl der Agnaten zum Erbadministrator gewählt und präsentirt worden war, als solcher vom Könige Friedrich Wilhelm IV. bestätigt. Der neue Erbadministrator musste seine Thätigkeit beginnen mit einer umfassenden und kostspieligen Reparatur des Schieferdachs auf dem grossen Schulgebäude und mit der Planirung und Vergrösserung des freien Platzes vor dem Südflügel dieses Gebäudes, wodurch die schon im Jahre 1835 ausgeführte Erweiterung des Spielplatzes der Alumnen ihren Abschluss erhielt. Auch in den Lehrerwohnungen mussten einige Aenderungen und Verbesserungen ausgeführt werden. Einen viel grössern Kostenaufwand erforderte der im Jahre 1856 begonnene und im Jahre 1857 vollendete Um- und Neubau der sämmtlichen Stallgebäude der Oekonomie der Klosterschule.

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Von wesentlichem Einfluss auf die äussern Verhältnisse der Stiftung ist die Separation der ganzen Rosslebenschen Flur und die Melioration. der Unstrutniederung vermittelst Anlage eines Flut-Canals von Bretleben bis Memleben gewesen. Durch die Separation und durch die damit in Verbindung gebrachte Theilung der sogenannten Halbwerkwiesen und des Weidelandes im Riede, sowie durch Ablösung der Weideberechtigungen auf einem Theile der zur Gemeindefeldmark gehörigen Aecker und in einigen Reviertheilen der Königlichen Forst, endlich durch Ankauf einiger Ländereien ist das Gesammtareal der Stiftung auf eine Fläche von rund 1140 Magdeburger Morgen gebracht worden. Der Wiesenplan des Klosters, welcher 2561⁄2 Morgen umfasst, hat an Ertragsfähigkeit und Werth durch die vorerwähnte Melioration erheblich gewonnen. Die in den letzten Jahrzehnten durchgeführte Ablösung der Frohndienste sowie der Prästationen an Geld und Getreide, welche die Stiftung von einem Theile der Insassen in den Dörfern Rossleben, Ziegelroda, Donndorf und Nirmsdorf zu erheben hatte, durch Capitalzahlung haben der Klosterschule keine ins Gewicht fallende Verluste bereitet und die Verwaltung vereinfacht und erleichtert.

In Folge aller dieser Operationen ist es ermöglicht worden, bei der letzten Neuverpachtung des Klosterschul-Guts an den Pächter der Domäne Wendelstein, Oberamtmann Lüttich, im Jahre 1869 ein erheblich höheres Pachtgeld und auch sonst für die Stiftung günstigere Bedingungen zu erlangen, und es hat zugleich dem Plane näher getreten werden können, die Oekonomie mit Ausschluss der grossen Anstaltsküche aus dem Schulgebäude zu entfernen. Da der Pächter seinen Wohnsitz in Wendelstein behalten muss, so hat er bereits im Jahre 1869/70 so viele Räume im Schulgebäude abgetreten, dass ein geräumiger Speisesaal für die Alumnen und ein Bibliotheksaal hergestellt werden konnte. Und nachdem im Jahre 1878 der Neubau eines besondern Pächter-Wohnhauses mit Hülfe der dem Pächter kontraktlich für diesen Bau auferlegten Leistungen vollendet war, konnte jener Plan durch Einrichtung der bis dahin von der Oekonomie benutzten Räume im Parterre des Ost- und Nordflügels des Schulgebäudes für die unmittelbaren Zwecke der Anstalt vollständig verwirklicht werden.

Bei den grossen Ausgaben, welche die Separation, die Unstrutregulirung und die eben erwähnten baulichen Einrichtungen, zu denen noch die 1869 eingerichtete Erwärmung der Wohnräume der Alumnen

durch eine Wasserheizung, sowie die Einrichtung einer Schwimm- und Badeanstalt in der Unstrut gekommen, der Schulkasse veranlasst haben, hat nur ein verhältnissmässig geringer Theil der Ueberschüsse dieser Kasse zur Vermehrung der Capitalbestände der Stiftung verwendet werden können. Andrerseits sind die Anforderungen an die Schulkasse von Jahr zu Jahr durch die vermehrte Frequenz der Anstalt, durch die eingreifenden Veränderungen in allen volkswirthschaftlichen Verhältnissen und durch die Umwälzungen in der Gesetzgebung auf allen Gebieten der Staats-Verwaltung gestiegen. Die Zahl der Lehrer hat vermehrt und das Einkommen derselben und der untern Beamten der Anstalt hat erhöht werden müssen.

Neben dem für die äussere Stellung der Stiftung sehr empfindlichen Verlust ihrer alten Ehrenrechte, der Patrimonialgerichtsbarkeit und Polizeiverwaltung, der Kreisstandschaft und der wichtigsten Theile der Patronatsrechte über die Kirchen und Schulen zu Holleben, Ziegelroda und Nirmsdorf bedroht die Umgestaltung der Verfassung und Verwaltung der Kreise und Provinzen die Klosterschule mit neuen immer wachsenden Ausgaben für öffentliche ihrem eigentlichen Zwecke fremde Bedürfnisse. Um allen diesen Anforderungen genügen zu können, hat man zu einer den Verhältnissen entsprechenden bedeutenden Erhöhung der Hebungen von den Schülern schreiten müssen. Bis jetzt ist es dadurch gelungen, das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und Ausgaben der Anstalt zu erhalten, aber es wird fort und fort der sorgfältigsten Aufmerksamkeit, der energischen Thätigkeit und der umsichtigen Sparsamkeit seitens der Erbadministration bedürfen, um die Klosterschule gegen finanzielle Verlegenheiten zu schützen und ihr den Geist, der in ihr waltet, und den eigenthümlichen Charakter zu bewahren, den ihr ihre Gründung und ihre Geschichte gegeben hat und der in dem freundschaftlichen Zusammenhalten und der treuen Pietät ihrer vormaligen Zöglinge den schönsten Ausdruck findet.

Wie die von Witzlebensche Klosterschule zu Rossleben das dreihundertjährige Jubelfest feierte", am 5. und 6. Juli 1854, hat Georg Hesekiel in seiner bekannten Weise beschrieben.*)

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Bei Gelegenheit dieser Feier wurde seitens des Erbadministrators bei seinen bisher mit Rossleben belehnten Vettern die Frage angeregt,

*) Halle, Buchhandlung des Waisenhauses, 1854, 8o. 70 Seiten.

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