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gaben im Bruderkriege seine Einnahmen bei Weitem überstiegen und er sich daher zu der oben erwähnten Veräusserung so wie der von

Schönewerda veranlasst sah.

Der Hauptverlust aber war, dass Christoffel die Hälfte des Wendelsteins an die Edlen Herren zu Querfurt übergab, und die dafür eingetauschten Güter, Schloss Scheidungen, später Brücken, nicht in Besitz behielt.

Als annähernde Ausgleichung dürften wir vielleicht Wolmirstedt rechnen, was jetzt zum ersten Mal als Witzleben'sches Besitzthum erscheint, aber schon früher der Familie angehört haben mag.

d. Die Wendelsteiner Vettern Kerstan (13) und Ritter Friedrich (15) im Bruderkriege.

1445-1451.

Die beiden Vettern Kerstan (13) und Ritter Friedrich (15) von Witzleben, welche gemeinschaftlich den Wendelstein besassen, spielen in dem Kriege zwischen dem Kurfürsten Friedrich II. und dem Herzoge Wilhelm III. von Sachsen dem sogenannten Bruderkriege eine so hervorragende Rolle, dass wir diesem Kriege einen besonderen Abschnitt gewidmet haben, um die Thaten der beiden Wendelsteiner Herren im besseren Zusammenhang darstellen zu können.

Bemerkenswerth ist die Art der Kriegführung, die sich von dem früher erwähnten Grafenkriege wenig unterscheidet. Wie damals so kam es auch in diesem 6jährigen Kampfe zu keiner Schlacht, zu keinem nennenswerthen Gefecht. Man beschränkte sich darauf Städte und Burgen zu erobern und durch Verwüstung von Dörfern und Land dem Gegner so viel Schaden wie möglich zuzufügen.

Wie in diesem Kampfe sich die beiden fürstlichen Brüder gegenüber standen, so standen auch die beiden Vettern: Kerstan und Friedrich, die gleichzeitigen Besitzer des Wendelsteins, gegeneinander in Waffen, Kerstan auf Seiten des Kurfürsten, Friedrich im Gefolge des Herzogs Wilhelm.

Es scheint ein Verhängniss des Witzleben'schen Geschlechtes zu sein, dass dasselbe in allen Kämpfen vom Grafenkriege an -- mit Ausnahme des Hussiten- und des Bauernkrieges sich immer in die verschiedenen Heerlager theilte und gegeneinander kämpfte. So war es im Schmal

kaldischen, im 30jährigen, im 7jährigen Kriege, so war es 1813 bei Lützen, 1848 und 1864 in den Kriegen gegen Dänemark und noch zuletzt in dem für die preussischen Waffen so glänzenden Feldzuge des Jahres 1866.

Nach dem Tode des Landgrafen Friedrich IV. (4. Mai 1440) hatten seine Vettern der Kurfürst Friedrich II. der Sanftmüthige und der Herzog Wilhelm III. der Tapfere, von denen der erstere im Meissen'schen und der letztere in Thüringen, namentlich in Jena, residirte, bereits fünf Jahre lang gemeinschaftlich regiert, als der Herzog Wilhelm auf Theilung der Länder drang. Mag es nun sein, dass Herzog Wilhelm, der sich mit Anna, der Tochter des Kaisers Albrecht II. verlobt hatte, aus diesem Grunde ein selbständiges Reich wünschte, oder mochte der Kurfürst seinem Bruder gegenüber ein drückendes Uebergewicht bei der gemeinschaftlichen Regierung geltend gemacht haben, kurz Wilhelm bestand auf Theilung, wie sehr auch der Kurfürst derselben widerstrebte.

Dem Herzog Wilhelm standen seine Räthe, unter denen sich Apel und Busso Vitzthum, Bernhard von Kochberg und die Vettern Friedrich (15) und Christian (13) von Witzleben zum Wendelstein befanden, zur Seite, und nahmen die Rechte ihres Herrn bei der Theilung wahr.

Bei der ersten Zusammenkunft der fürstlichen Brüder zu Altenburg, Michaelis 1445, wurde von der üblichen Sitte, wonach der Aeltere die Theilung vornahm und der Jüngere wählte, abgegangen. Wilhelm theilte und Friedrich sollte wählen. Dieser erbat sich aber Bedenkzeit und als man vierzehn Tage darauf eine abermalige Zusammenkunft in Leipzig hielt, fiel die Wahl des Kurfürsten auf Thüringen. Da die Kur Wittenberg bei Friedrich verblieb und selbstredend nicht zur Theilung kam, so wäre es natürlich gewesen, dass Friedrich auch den daran grenzenden Meissen'schen Antheil wählte, indessen wusste er wohl, dass er sich durch die Besitzergreifung von Thüringen für die gegen seinen Willen unternommene Theilung am empfindlichsten rächte, denn es war ihm nicht unbekannt, dass Herzog Wilhelm das Thüringer Land jedem anderen Besitze vorzog und dass auch die Thüringischen Vasallen seinem Bruder sehr zugethan waren.

Es konnte daher nicht fehlen, dass die getroffene Wahl grosses und allgemeines Missvergnügen erzeugte und da ein solches zu damaliger Zeit leicht zu blutiger Fehde führte, so verband sich für alle Fälle der Herzog Wilhelm mit seinen sämmtlichen Räthen, darunter Friedrich (15) und Christian (13) von Witzleben am 19. Oktober 1445 zu einem Schutz- und Trutzbündnisse,

wobei Friedrich von Witzleben mit Anderen dazu auserkoren wurde, eintretenden Falls zu bestimmen, ob und in welchem Grade der Herzog den Einzelnen beistehen solle.

Um den Krieg zwischen den feindlichen Brüdern zu verhindern, traten mehrere befreundete Fürsten zusammen und nahmen nach mannigfacher Berathung im Dezember 1445 zu Halle durch den sogenannten Hallischen Machtspruch eine neue Theilung vor, in welcher dem Herzoge Wilhelm Thüringen zugesprochen und die Brüder miteinander versöhnt wurden.

Mehreren thüringischen Edelleuten. kam diese Einigung der beiden Brüder gar nicht gelegen, vielmehr hofften sie den verwirrten Zustand des Landes zu ihrem eigenen Vortheil zu benutzen. Deshalb suchten die Räthe des Herzogs Wilhelm, besonders Apel und Busso Vitzthum, Bernhard von Kochberg auf der Wachsenburg und Friedrich von Witzleben (15) *), diesen gegen seinen Bruder aufzureizen. Apel Vitzthum stiftete mit Bewilligung des verbitterten Herzogs Wilhelm den sogenannten ewigen Bund. unter dem Vorwande, Ruhe im Innern des Landes zu erhalten und die Grenzen gegen auswärtige Feinde zu schirmen, vielleicht auch in der Absicht. Wilhelm's Länder seinem Bruder zu entziehen und an Böhmen fallen zu lassen. Der Kurfürst durchschaute jedoch Apels Pläne und verlangte vom Herzog Wilhelm die Auflösung jenes Bundes und die Entfernung Apel's und der anderen oben angeführten Räthe, die ihre bösen Absichten gegen ihn zu erkennen gegeben hatten**); jedoch vergebens.

Während um diese Zeit, am 20. Juni 1446, Herzog Wilhelm zu Jena seine Vermählung mit des Kaisers Tochter Anna feierte, bei welcher Gelegenheit Friedrich von Hopfgarten, Hans von Schlotheim und Christian von Witzleben im Dienst des fürstlichen Bräutigams die Einrichtung und Aufsicht der Tische zu besorgen hatten, Graf Ludwig von Gleichen und Friedrich von Witzleben im Dienst der Braut vor dem Essen hergingen ***J, ausserdem aber Friedrich von Witzleben zum Hofmeister der Herzogin ernannt wurde, versammelte am 6. Juli 1446 Kurfürst Friedrich die Stände seines Landes, um sich mit ihnen über den Streit mit seinem Bruder zu berathen. Als man zu Jena hiervon Nachricht erhielt, eilte Herzog Wil

*) Hartung. Kammerm. Ann. Erf. bei Menken III. p. 1190, Fabric. Orig. Sax. p. 709, Goth. Dipl. I. p. 190, Döring 487.

**) Hart. Kammerm. 1. c. Becherer Thür. Chron. p. 399, Müller ReichstagsTheater p. 546.

***) Müller, Reichst.-Th. Vorst. V. Cap. LI. p. 655.

helm nach Weissenfels, um Massregeln zum Schutz seines Landes zu treffen, zu welchem Zweck er sich auch unter andern am 27. November 1446 mit dem Grafen Heinrich von Schwarzburg verband und dabei Apel Vitzthum und Friedrich von Witzleben zu Schiedsrichtern über den Grad der zu leistenden Hülfe ernannte.

Der Kurfürst, welcher dem Ausbruch der offenen Fehde vorbeugen wollte, verlangte von Neuem die Entfernung Apel's und Busso's Vitzthum von Wilhelm's Hofe, worauf der Herzog jedoch antwortete, dass er eher das Land meiden, als seine Räthe verlassen wollte.

Die Herrschsucht und der überwiegende Einfluss Vitzthum's nahm jedoch so überhand, dass dadurch die bisherigen Anhänger und Vasallen des Herzogs demselben entfremdet wurden; so namentlich die Grafen Bodo von Stolberg, Günther und Hans von Beichlingen, Vollrath und Günther von Mansfeld, Ernst und Ludwig von Gleichen, Bruno von Querfurt, ingleichen die vornehmsten und reichsten von Adel, als Hermann von Harras, Christian von Witzleben (13) zum Wendelstein und die Schenken von Tautenberg, welche alle das Vitzthum'sche Joch nicht tragen wollten und in das Heerlager des Kurfürsten übertraten*), wogegen der mit den Vitzthum's verschwägerte Friedrich von Witzleben (15) treu bei dem Herzog Wilhelm verharrte.

Entrüstet, dass er so treulos von seinen Lehnsleuten verlassen worden, rächte sich Herzog Wilhelm an ihren Besitzungen. Der erste Schlag traf Christian von Witzleben, von dem der Herzog wusste, dass er seinem Bruder dem Kurfürsten besonders lieb war. Er bemächtigte sich des Wendelsteins, welcher zur Hälfte Christian gehörte und setzte dessen Vetter Friedrich in den völligen Besitz desselben **). Hermann von Harras beraubte er auch aller seiner Güter und brannte ihm Assmannstedt nieder; den Getreidevorrath dieser beiden aber liess er sich nach Hofe führen und gab das Cebrige den Soldaten preis.

Nun verband sich der Kurfürst Friedrich mit den zu ihm übergetretenen thüringischen Vasallen, sowie mit dem Erzbischof von Magdeburg, den Bischöfen von Merseburg und Naumburg und Anderen am 7. December

*) Meucken 1. c. Fabr. Orig. Sax. p. 758. Goth. Dipl. 191. Döring p. 481. **) Paul. Jov. Chron. Schwarzb. in Schöttg. u. Kreys. Dipl. et Scribt. h. Germ. I. p. 499 C. Fabr. Orig. Sax. p. 709. (die fälschlich statt Vetter, Bruder haben) u. p. 759, Hart. Kammerm. bei Mencken 1. c. 1193, Goth. Dipl. p. 191, Pfefferkorn Thür. Gesch. p. 450, Becherer Thür. Chron. p. 399. Döring p. 481.

1446 auf sechs Jahre wider Apel und Busso Vitzthum, Bernd von Kochberg und Friedrich von Witzleben und die, welche sich ihrer annehmen. würden, worunter natürlich der Herzog Wilhelm verstanden wurde. Er mochte indessen seine Macht der seines Bruders nicht gewachsen halten, deshalb warb er gleichzeitig Hülfsvölker aus Böhmen gegen seinen Bruder und dessen Anhang. In dem von Hans Kolowrat am 17. Januar 1447 ausgestellten Bündnissbrief wird Friedrich von Witzleben namentlich genannt, gegen den zu kämpfen er vom Kurfürsten mit 200 Reisigen und 300 Trabanten geworben sei.

Aehnliche Werbeverträge gegen Friedrich von Witzleben wurden am 18., 20. und 21. Januar 1447 mit Jakob von Wrzessowitz und Niklas von Lobkowitz, denen von Gutstein, Albrecht von Kolowrat und anderen böhmischen Edlen, geschlossen (s. Arch. z. Dresden). Im Frühjahr 1447 überfiel darauf der Kurfürst zuerst Apel Vitzthum's Besitzungen und eroberte und brannte viele Schlösser nieder, so dass dem ganzen Lande Verderben drohte.

Durch Vermittelung der Markgrafen Friedrich, Albrecht und Johann von Brandenburg und des Landgrafen Ludwig von Hessen wurde endlich, als nach ziemlich thatenlosen Kriegszügen die fürstlichen Brüder sich zum Frieden geneigt zeigten, am 3. Februar 1447 eine Tagfahrt zu Naumburg und am 14. Februar daselbst ein Waffenstillstand abgeschlossen, der bis zum Tage des heiligen Georg, den 23. April, dauerte. In dem Waffenstillstand wurden Kerstan und Friedrich von Witzleben namentlich aufgenommen. Am 23. April versammelten sich die Fürsten mit ihren Räthen und Landständen abermals in Naumburg und war bei dem Kurfürsten Christian von Witzleben (13) und unter des Herzog Wilhelm's Vertretern Friedrich von Witzleben (15)*). Unter der grossen Linde vor der Kirche des heiligen Georg ward von beiden Seiten viel hin- und hergestritten. Man redete Herzog Wilhelm's Räthen heftig zu, um des allgemeinen Besten willen abzudanken, erging sich in gegenseitigen Anschuldigungen und bald steigerte sich die Leidenschaft und Erbitterung derart, dass Rudolph und Heinrich von Bünau, Ritter, zu ihren Waffen griffen und ersterer dem Friedrich von Witzleben (15) eine Pistolenkugel durch den Arm schoss und den seinem Herrn Beistand leistenden Knecht zu Boden streckte ***

**).

*) P. Jov. Chr. Schw. in Schöttg. u. Kreys. Dipl. et Script. h. Germ. I. p. 501. B. **) P. Jov Chr. Schw. in Sch. u. Kr. Dipl. et Script. h Germ. I. p. 501. c., Mencken 1. c. p. 1193., Fabric. Orig. Sax, p. 712., Goth Dipl p. 191., Gauhen I.

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