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1783 war er Verweser zu Weimar; von 1486 an bis zu seinem Tode aber Amtmann zu Sangerhausen und zwar in den Diensten der Söhne des am 26. August 1486 gestorbenen Kurfürsten Ernst, des Kurfürsten Friedrich des Weisen und des Herzogs Johann des Beständigen. An diese wandte er sich am 19. November 1486 mit der Bitte, die vier Pferde, welche er im Dienste ihres Vaters geritten und, habe reiten lassen, die dann die Fürsten genommen, im Wagen gefahren und darauf einige Jahre bei den Arbeiten am Schwansee im Karren gebraucht hätten, zu bezahlen, und zwar mit dem Preise, den sie ihn gekostet hätten (eins davon habe er dem Grafen Siegmund von Gleichen ,,abgefrimarkt und ihm ein Pferd zu 26 Fl. dafür gegeben) und unterschreibt sich: ,,Heinrich von Witzleben, Ritter, Amtmann zu Sangerhausen.“ Als er sich aber am 1. Januar 1487 bereit erklärte, in der Angelegenheit der vier Pferde am nächsten Donnerstage zu Weimar zu erscheinen, nennt er sich Hauptmann zu Sangerhausen. Kaum aber war dieser Brief abgesandt, als er an demselben Tage dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen meldete, dass er am nächsten Donnerstage doch nicht nach Weimar kommen könnte, da ihm soeben, Montags Abend, die Botschaft geworden sei, nach Leipzig zu reiten, und er dies nicht aufschieben könne; er wolle aber nach Beendigung des Markts zu Leipzig *) zum Kurfürsten kommen. Kurz vorher, am zweiten Weihnachtsfeiertage, hatte er an den Obermarschall Hugold von Schleinitz in Geldangelegenheiten ihres Herrn ausführlich geschrieben, und mochte wohl auch hiermit die Leipziger Messe in Verbindung stehen.

Trotz seiner Pilgerfahrt nach Jerusalem verlief das Leben Heinrich's nicht ohne Kampf mit der Geistlichkeit. Aus uns unbekannten Ursachen, wagte es 1483 sogar Christian Rusch, der Sohn des Querfurter Bürgers Matts (Matthias) Rusch, die Brüder Heinrich und Friedrich von Witzleben in den Pfarrkirchen zu Weissenfels und Freiburg „zu Banne verkündigen zu lassen." Es stellte sich aber heraus, dass Christian Rusch im Unrecht gewesen war, und so musste er den Bann wieder aufheben lassen. Freiburg verkündigte der Pfarrverweser und Prediger Vito Wangenheim die Gebrüder Witzleben öffentlich auf dem Predigtstuhle aus dem Banne, was der Rath zu Freiburg unterm 21. Oktober 1483 attestirte; in Weissenfels ertheilte ihnen der Conventor Jacob Grops am Sonntag den 12. Oktbr.

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*) Die Leipziger Messe (Markt) wurde überhaupt vielfach von den Elelleuten Thüringens besucht, um ihre Geldgeschäfte abzumachen und gleichzeitig sich zu vergnügen.

die Absolution, was sowohl er selbst, als auch der Rath am 22. Oktober bescheinigten.

Mit dem Kloster Rossleben standen, nachdem sich Dietrich von Witzleben, wie wir sehen werden, nach Wolmirstedt zurückgezogen hatte, hauptsächlich dessen Brüder, der Ritter Heinrich und Friedrich in Beziehung.

Nach den uns bekannt gewordenen Urkunden kaufte das Kloster am 22. Oktober 1471 von dem Edlen Bruno von Querfurt das Dorf Niemsdorf für 2483 Fl. und 20 Gr.;

Am 17. Dezember 1473 mit Genehmigung des Herzogs Wilhelm von Heinrich und Friedrich von Witzleben für 1500 Fl. 300 Acker Holz bei Bottendorf;

Am 27. April 1498 den Zehnten, den es seiner Schirmyoigtei an Gerste, Korn, Hafer, Flachs, Schweinen, Schaafen und Gänsen zu entrichten hatte, für 2500 Fl. von den Rittern Heinrich und Dietrich, welche die Summe in zwei Jahren zurückzuzahlen versprachen.

Am 4. Februar 1499 12 Fl. Zinsen für 200 Fl. an die Gemeinde Schönwerda wiederkäuflich.

Dagegen verkaufte das Kloster am 12. Juli 1492 einen Fleck Holz, den Eichenberg genannt. Die Schirmvoigte Heinrich und Friedrich scheinen jedoch verlangt zu haben, dass das dafür gelöste Geld an sie ausgezahlt werde, weshalb der Abt Johann zu Mariazelle mit welchem Recht, ist uns nicht bekannt verordnete, dass diejenigen, welche dem Kloster Rossleben zuständiges Holz gekauft hätten, das Geld dafür unter keinen Umständen denen von Witzleben geben sollten.

Am 28. April 1497 aber ist Alles wieder in Ordnung, und in Gegenwart des Abtes Johann zu Mariazelle erklärt das Kloster Rossleben, dass Friedrich von Witzleben für sich und seinen Bruder Heinrich sich mit dem Kloster wegen des für das Holz des Klosters eingenommenen Geldes berechnet und darauf das schuldige Geld bezahlt habe, worüber das Kloster quittirt.

Bei seinen mannigfachen Kriegszügen war Heinrich vielfach von seiner Amtshauptmannschaft zu Sangerhausen abwesend, und wurde dann von seinen Brüdern vertreten. Namentlich war dies der Fall, als er 1488 dem Heereszuge des Herzogs Albrecht folgte, um den in Brügge gefangengesetzten König Maximilian zu befreien, und erst 1491 mit dem Herzoge zurückkehrte. 1496 war Heinrich wiederum auf längere Zeit von Sangerhausen abwesend. Vielleicht war er wieder in den Niederlanden, oder

hatte den Herzog Albrecht auf seinen verschiedenen Reisen begleitet. Inzwischen war der Ritter alt geworden, er glaubte seinen Pflichten als Hauptmann von Sangerhausen nicht mehr genügen zu können, trat sein Amt an Balthasar Wurmb zu Anfang des Jahres 1501 ab und endigte bald darauf sein thatenreiches, vielbewegtes Leben noch in der ersten Hälfte des genannten Jahres.

Heinrich's Gemahlin Anna war eine Tochter Conrad's von Nissmitz auf Nebra und Helena's von Kromsdorff*) und hat ihrem Gemahl drei Söhne und sieben Töchter geboren, von denen vier Kloster-Jungfrauen zu Rossleben wurden.

Die drei Söhne waren Friedrich, Ritter, Georg und Dietrich. Dieser Letztere studirte zusammen mit einem Sohne Hansens von Sundhausen auf der hohen Schule zu Bologna, erkrankte aber während der Studien, starb und wurde durch den von Sundhausen zu Bologna „zum Erdreich verstattet,“ und zwar vor 1501 (denn im Lehnbrief vom 16. Juni d. J. kommt er nicht vor).

Bei einem der angeführten zehn Kinder Heinrich's von Witzleben wahrscheinlich bei Friedrich -- stand im Jahre 1478 Herzog Wilhelm der Tapfere zu Sachsen Gevatter.

b. Friedrich von Witzleben. Friedrich von Witzleben, der würdige Bruder des Ritters Heinrich und mit demselben bereits schon öfter erwähnt, war von 1473--1478 Amtmann zu Wachsenburg und correspondirte als solcher vielfach mit dem Rath zu Erfurt, der ihn u. a. am 5. August 1474 benachrichtigte, dass einem von Friedrich gefangen gehaltenen Mörder Erfurter Gericht und Recht zugestanden werden soll, und am 16. Dezember 1475 ersucht, einen wegen dreier Pferde zwischen Cunz Krafft und Jacob Eberwin und dessen Stiefsohn Hans von Witzleben zu Wölfis entstandenen Streit beizulegen.

Im Jahre 1481 war Friedrich Hauptmann zu Weida und söhnte mit Andern am 9. Mai den Herzog Wilhelm zu Sachsen mit Hans von Uttenhofen zu Gosslar aus, wogegen am 1. April der Kurfürst Ernst zu Sachsen seine Tante, die Aebtissin Hedwig zu Quedlinburg ersuchte, seinen Rath und Amtmann zu Weida, Friedrich von Witzleben, gegen die ungerechten Forderungen des Berold Voss zu schützen.

Biedermann R. u. W. Tab. CCC. L. V. König und andere nennen sie fälschlich Helene von Nissmitz.

In den achtziger Jahren war er Hauptmann zu Gotha und setzte als solcher im Auftrage des Kurfürsten (1486) einen neuen Präpositus in dem Kreuz-Kloster zu Gotha ein.

Er musste sich um die Stadt sehr verdient gemacht haben, denn 1488 wurden ihm vom Rathe zu Gotha 200 Fl. geschenkt und 1000 Fl. gegen Zinsen geborgt, wovon noch 1548 bei seinem Enkel Heinrich die Rede sein wird.

1488 wurde Friedrich Stifts-Hauptmann zu Quedlinburg und in Stelle seines abwesenden Bruders Heinrich Verweser des Amts Sangerhausen ebenso 1489, 90 und 96.

Friedrich von Witzleben heirathete am 26. Februar 1460 Elisabeth von Werthern, eine Tochter Dietrich's von Werthern zu Wiehe und Elisabeth's von Hoym, und hatte zwei Söhne, Dietrich, Ritter und Doctor, und Daniel, und mehrere Töchter, von denen Katharina im Februar 1487 Rudolph von Hopfgarten heirathete.

Friedrich, der viele Beziehungen zu Sangerhausen hatte, ladete den Rath dieser Stadt ein, zu dieser Hochzeit am Montage nach Scolastica Virginis zum Stein zu erscheinen.

Magdalena ward die Gemahlin des Ritters Georg von Hopfgarten auf Mulverstedt, Kurfürst Friedrich's des Weisen Geheimer Rath.

Elisabeth heirathete Beringer von Bendeleben auf Bendeleben. Es existirt um diese Zeit noch ein Fräulein von Witzleben, das sich mit dem Ritter Hans Goldacker vermählte; wir können aber nicht bestimmt angeben, ob es eine Tochter Heinrich's oder Friedrich's von Witzleben war, es wird aber noch die Rede davon sein. Friedrich von Witzleben starb 1500.

c. Dietrich von Witzleben.

Der dritte der bisher besprochenen Brüder, Ritter Dietrich von Witzleben zu Wolmirstedt überlehte Heinrich und Friedrich um fast 22 Jahre.

Dietrich führte ein ruhigeres Leben als seine Brüder. Waren diese mit Fehden und Kriegszügen beschäftigt, so strebte er sich durch Bauten und Anlagen nützlich zu machen. Auch er war Rath des Herzogs Wilhelm und wurde von diesem im Jahre 1480 beauftragt in der Gegend von Gross-Rudestedt und Mark- Vippach, 2/ Stunden nordöstlich von Erfurt und 1 Meile von Sömmerda entfernt, den 1800 Acker grossen Schwansee zu graben, aus welchem in späteren Zeiten bei feierlichen Gelegenheiten

die grössten (25, selbst 40 Pfd. schweren) Hechte und Karpfen auf die fürstliche Tafel kamen *).

Dietrich, der bei Wolmirstedt schöne Teiche hatte, hegte ein grosses Interesse für die Fischzucht, und may daher wohl die Idee zum Bau des Schwanensees angeregt haben. Noch im Jahre 1517 verkaufte er an den Herzog Johann zu Sachsen 460 Schock Setzlingskarpfen, je 3 Schock für 1 Fl., und 7 Centner Karpfen, jeden Centner um 3 Fl. 3 Ort, — zusammen 179 Fl. 12 Gr. Die Setzlingskarpfen scheinen für den Schwansee bestimmt gewesen zu sein.

Zu Wolmirstedt, für das er eine grosse Vorliebe hegte und wo er grösstentheils wohnte, baute Dietrich die Kirche und das Herrenhaus, den später, wegen seines blauen Schieferdaches, sogenannten blauen Hof.

In den Jahren 1488 und 1491 vertrat er seinen Bruder Heinrich im Amte zu Sangerhausen. In einer Urkunde des letztgenannten Jahres lesen wir: ,,Ich Dietrich von Witzleben, Ritter, wohnhaftig zu Wolmirstedt, bekenne, da der ehrenfeste und gestrenge Er Heinrich von Witzleben, Ritter, mein lieber Bruder, mit dem Herzog Albrecht zu Sachsen in den Niederlanden, und ich während dieser Zeit zum Verweser zu Sangerhausen, anstatt meines genannten lieben Bruders verordnet war, etc.“

Im Jahre 1500 wurde er ausersehen, den Rath und den Pfarrer zu Freiburg, und im nächsten Jahre, Caspar Rüxleben mit Lutze Wurmb, Amtmann zu Herbsleben, zu vergleichen.

Dietrich hatte sich mit Elisabeth (Ilse) von Hoym vermählt (welche Ehe jedoch kinderlos blieb) und ihr 1486 Wolmirstedt zum Leibgedinge ausgesetzt. Ein Jahr vorher hatte er sich genöthigt gesehen, seinen Schwager Gebhard von Hoym beim Kurfürsten Ernst zu verklagen, weil er ihm das seiner Gemahlin Ilse zustehende Erbe vorenthielt.

Bald nach dem Jahre 1501, in welchem er am 16. Juni mit seinen Neffen, den Söhnen seiner verstorbenen Brüder, vom Herzog Georg dem Bärtigen zu Sachsen die Lehen über Wendelstein etc., Allerstedt etc. und Schönewerda, sowie über Wolmirstedt und Tauchard erhalten hatte, zog er sich für seine übrige Lebenszeit ganz nach Erfurt zurück, wo er ein eigenes Haus, nahe am Kloster der Predigermönche besass und völlig unter dem Einflusse der Geistlichkeit stand, wie uns die Urkunde vom Jahre 1507 und sein Testament, das er 15 1012 Jahre vor seinem Tode errichtete, beweist.

*) Seit 1795 ist der See wieder ausgetrocknet und an seiner Stelle eine Fasanerie angelegt worden. Das jetzige Dorf Schwansee ist später als der See entstanden und hat von diesem den Namen.

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