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Der alte Ritter Dietrich behielt für sich Wolmirstedt mit Tauchard und Kahlwinkel; alles Uebrige überliess er seinen Neffen Friedrich, Ritter und Georg und Dietrich, Ritter und Doctor, und Daniel zu gemeinschaftlichem Besitz.

a. Ritter Friedrich von Witzleben.

Friedrich von Witzleben, uns später (1530) als Amtmann zu Salza und Thomasbrück und 1533 als Beisitzer des Ehren- und Mannsgericht in Thüringen bekannt, musste bereits 1487 erwachsen sein, da im Februar d. J. sein Onkel Friedrich sich Friedrich der Aeltere zum Wendelstein nennt.

1494 befand er sich im Gefolge des Kurfürsten Friedrich des Weisen zu Mecheln in den Niederlanden und kämpfte bei dem am Sonntag nach Mariä Empfängniss abgehaltenen Turnier tapfer mit dem Polen Pan Michel. Ebenso ritt er in die Schranken am Dienstag nach Esto mihi 1500, als bei Gelegenheit der Vermählung des Herzogs Johann von Sachsen mit Sophie von Mecklenburg zu Torgau auf dem Markte turnirt wurde. *)

Mit seinem Vetter, dem Ritter und Doctor Dietrich von Witzeben, bei dem ausführlicher davon die Rede sein wird, war Friedrich 11514 nach Friesland gezogen, doch finden wir von ihm nur notirt, dass er 14,000 Fl., und zwar 10,000 in Schreckenbergern**) und 4000 in Schneebergern von Altenburg dorthin geführt und dann längere Zeit daselbst krank gelegen hat. In den betreffenden Rechnungen ist aufgezeichnet, dass er während seiner Krankheit 50 Fl. aus der Friesischen Kasse erhalten habe.

Nächstdem betheiligte sich Friedrich an dem Bauernkriege. Hierüber, sowie über seine Streitigkeiten mit seinem Bruder und seinen Vettern wird weiter unten ausführlich berichtet werden. Als Curiosum erwähnen wir, dass Friedrich im Jahre 1531 mit anderen. Edelleuten Zeuge war, als Jacob von Geusau einen von seinem Bruder Balthasar von Geusau zu Heldrungen hinterlassenen versiegelten Kasten, in der Meinung, es möchten sich darin wichtige Briefschaften oder andere werthvolle Gegenstände befinden, öffnete, aber in dem „wohlverpetschirten“ Kasten —. einen Gulden und weiter Nichts fand.

*) Struve, Hist. pol. Arch. III. p. 88. **) Von dem Silberbergwerk auf dem Schreckenberge im Erzgebirge so genannt.

Während Friedrich seinen Pflichten als Amtmann von Salza und Thomasbrück oblag, überliess er seinem Sohne Georg Friedrich die Verwaltung seiner Güter und trat dieselben im Jahre 1540 vollständig ab. In dem Georg Friedrich darüber im August 1540 ertheilten Lehnbrief wird er nur noch als Mitbelehnter genannt. Bald darauf muss er gestorben sein, da nirgends mehr von ihm die Rede ist.

Auf einem seiner Züge nach den Niederlanden hatte Ritter Friedrich von Witzleben Jakobe von Balgeth (nach der alten Wolmirstedter Stammtafel des Herrn von Linters Tochter zu Welschbrabant) in Brabant kennen gelernt und als Gemahlin auf den Wendelstein heimgeführt. Sie musste einem reichen Geschlechte entsprossen sein, da ihre Enkel Hans Friedrich und Eitel Fritz von Witzleben 1577 Ansprüche an die von der Grossmutter berstammende Erbschaft erhoben und den Kurfürsten zu Sachsen baten, Don Juan d'Austria (den berühmten Sohn Carl V.) zu bewegen, ihre Angelegenheit zu betreiben.

Wann Friedrich sich vermählt hat, ist nicht zu erforschen gewesen, wir wissen nur, dass er bereits 1509 im Besitze seiner Jakobe war.

Noch eine kleine Notiz über Friedrich. Er litt öfters an den heftigsten Steinschmerzen; da aber die Bemühungen der Aerzte vergeblich waren, so liess er sich endlich bereden, dem heiligen Benno von Meissen ein Gelübde zu thun, und die Schmerzen liessen nach. Ebenso wirksam erwies sich dies Mittel, als Friedrichs Gemahlin, Jakobe, einst in der Nacht vom Schlage gerührt und gelähmt war.*)

Durch die später zu erwähnende Gütertheilung wurde Friedrich der Stifter der alten Wolmirstedter Linie, welche in einem besondern Abschnitt erläutert werden wird.

*) Fridericus de Witzleben, vir antiqua et nobili familia natus, nec non Eques auratus, vehementissimis calculorum doloribus excruciatus medicorumque opem frustra expertus, voto (St. Bennoni) facto liberatur.

Jacoba, uxor Friderici ex familia Witzlebiensi Equitis aurati (Halberstadensis dioecesis (Wolmirstedt), nocturno tempore apoplexia correpta, voto a viro facto liberatur.

S. Hier. Emseri vita St. Bennonis, episcopi misnensis in Sasonia et slavorum apostoli, Cap. III. Miracula Divi Bennonis, bei Meucken II. p. 1912 und 1913.

Ein anderes gutes Mittel gegen Steinschmerzen findet man bei Schultes, Henneb, I. p. 209.

b. Georg von Witzleben. Von Georg von Witzleben, des Ritters Friedrich Bruder, haben wir nicht viel zu erwähnen.

Bei den Streitigkeiten um den Wendelstein und im Bauernkriege finden wir Georg mehrfach erwähnt, doch muss vor 1529 ohne Erben gestorben sein.

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c. Doctor und Ritter Dietrich von Witzleben.

Dietrich war von der Natur sehr glücklick ausgestattet. Bei einem starken Körperbau besass er klaren Verstand und die Gabe der Rede in ungewöhnlichem Masse. Frühzeitig lernte er die Welt kennen, sah Jerusalem, die Niederlande, Frankreich, die Schweiz und das unvergängliche Rom. Auf den berühmtesten Hochschulen hatte er sich längere Zeit aufgehalten und sich die Würde eines Doctors beider Rechte erworben, worauf die Edelleute der damaligen Zeit sehr viel Werth legten. *) Dietrich, der als ältester Sohn seines Vaters die Ritterwürde besass und mehrere hohe Aemter bekleidete, vergass nie, sich als Doctor zu unterzeichnen und wurde auch meist nur der „Doctor Witzleben“ genannt. Wegen seiner Gelehrtheit wurde er häufig zu Sendungen, zu welchen man gelehrter Räthe bedurfte, verwandt und war dann ganz auf seinem Platze.

Seine eigenen Geschäfte verlor er nie aus den Augen und verstand seine Sache meisterhaft zu vertheidigen. Zu den friedfertigen Naturen war er nicht zu rechnen, denn sein Leben ist erfüllt von allerlei Streitigkeiten. König sagt von ihm in der Adels - Historie, er sei gewesen vir gente et mente, arte et marte, genio et ingenio nobilis.

Bereits 1488 finden wir ihn als ,,Doctor Witzleben“. Herzog Albrecht der Beherzte war, als er erfahren hatte, dass Maximilian I. zu Brügge in den Niederlanden gefangen worden, dem Kaiser Friedrich III. dorthin zu Hülfe geeilt (im Mai 1488) und wurde von diesem zum Statt

*) Die Doctorwürde wurde im 15. und 16. Jahrhundert dem Adel gleich geachtet und stand in solchem Ansehen, dass sie sogar bei vielen Stiftern statt der Ahnenprobe hinreichend war. S. Ludwig, Relig. Mept. VII. praefat. und IX. p. 662. Ebendaher wurde auch im Reichsabschiede vom Jahre 1500 verordnet, dass die von Adel, die keine Ritter oder Doctores wären, keine Perlen oder Gold in ihren Hemden tragen sollten. S. Schultes: Dipl. Gesch. Henneb. II. p. 145. d.

halter in den Niederlanden ernannt. In Löwen fand er mehrere Briefe; da aber alle in Welscher Sprache geschrieben waren, sandte er sie „gen Senepe (Seneffe in Belgien) dem Doctor Witzleben, derselbzeit Verwalter daselbst, dass er sie in Teutsch transferire."*)

Während seiner fünfjährigen Statthalterschaft eroberte Herzog Albrecht 1499 am 2. Mai die Stadt Arschot,**) ferner Thienen und im October 1489 kam der Friede mit Brabant zu Stande. Darauf brachte er 1491 Seeland zum Gehorsam und zog im folgenden Jahre nach Holland und Friesland, wo man das Oesterreichische Joch abwerfen wollte. Er schlug die Aufrührer vor Leyden und Hemskerken, liess die Rädelsführer zu Harlem hinrichten und nahm Holland aufs Neue in Maximilians Pflicht. Ebenso beruhigte er Flandern durch Eroberung der Festung Sluis.

Auf diesen Zügen hat ihn theils der Ritter Heinrich, theils dessen Neffe, der Doctor Dietrich von Witzleben begleitet. Und als der Herzog Albrecht im Jahre 1496 vom Kaiser Maximilian zum erblichen Administrator von Friesland ernannt worden war und in Folge dessen nach diesem Lande zog, gehörte Dietrich wieder zu seinem Gefolge und wird in den, im Dresdner Archiv über die friesländischen Angelegenheiten befindlichen Acten zu den Vasallen gerechnet, welche nicht allein ihre Hülfe für diesen Zug zugesagt, sondern auch noch weit über ihre Lehnspflicht geleistet hätten.

Herzog Albrecht kehrte nach kurzem Aufenthalte, während dessen er meist zu Franecker Hof gehalten, aus seinem neuen und unsichern Besitzthum bereits 1499 nach seinen Erblanden zurück, nachdem er seinen Sohn Heinrich zum Statthalter von Friesland und Dietrich von Witzleben zu dessen Kanzler ernannt hatte. Letzterem übertrug er namentlich, für die Befestigung und Vertheidigung der schon damals bedeutenden Stadt Leuwarden Sorge zu tragen.

Herzog Heinrich war in der Regierung des neu erworbenen Landes nicht vom Glücke begünstigt. Die Friesen emporten sich, griffen zu den Waffen und schlossen ihn zu Franecker, seinen Kanzler Witzleben zu Leuwarden ein.

Noch zur rechten Stunde vermochte Herzog Albrecht im Sommer 1500 mit einem Ersatzheere an den Gestaden der Nordsee zu erscheinen und seinen Sohn, sowie dessen Kanzler zu befreien, aber das halsstarrige

*) Joh. Rathaltes in Mencken II. p. 2119. cf. Historic von Sachsen p. 670 u. fg. *) Müller, Ann. p. 54 nach 1491.

Gröningen zu erobern gelang ihm nicht. Er wurde vielmehr während der Belagerung verwundet und verfiel in Folge dessen in ein hitziges Fieber, so dass er sich nach Emden in ein Kloster bringen lassen musste, wo er am 12. September 1500 starb. Sein Sohn, der Herzog Heinrich, den die fortwährenden Unruhen der Friesen zuwider waren, übergab dem Burggrafen Hugo von Leisnig als Statthalter die fernere Leitung der friesischen Angelegenheiten und kehrte nach Meissen zurück.

Bald darauf brachen zwischen Hugo von Leisnig und Dietrich von Witzleben Misshelligkeiten aus. Die bei der Vertheidigung von Leuwarden thätig gewesenen Knechte verlangten von Witzleben ihren rückständigen Sold. Dieser wandte sich deshalb an den neu ernannten Statthalter, welchem der Herzog Heinrich bei seiner Abreise die Auszahlung des Soldes befohlen hatte. Anstatt aber Witzleben zu befriedigen, gab er ihm die ungehörige Antwort: Witzleben habe für den Herzog schon mehr ausgelegt und könne nun auch diese Kleinigkeit aus eigenem Seckel hergeben.

Witzleben antwortete ihm hierauf, dass er bereits Alles, was er habe aufbringen können, für seinen Herrn hergegeben und daher diesen neuen Posten nach Herzog Heinrichs Befehle ihm zur Zahlung überlassen müsse. Da aber auch hierdurch der Burggraf Hugo zu keiner Zahlung bewogen wurde und da Dietrich durch die Knechte nicht weiter beschwert werden und unter den obwaltenden Verhältnissen Friesland um jeden Preis verlassen wollte, so versetzte er seine Kleinodien und lieh sich das nöthige Geld unter dem Versprechen, sich in Mecheln zu stellen. Nun bezahlte er 150 Knechte für die Zeit der Belagerung von Leuwarden und ausserdem noch 88 in Franecker, übergab das ruhmvoll vertheidigte Leuwarden dem Statthalter und bestieg in Harlingen ein Schiff, um nach Brabant zu segeln. Kaum aber war er an Bord, als ihn Graf Hugo bitten liess, zu einer letzten Unterredung nochmals ans Land zu steigen; Dietrich folgte der Bitte, sah sich aber bald von 400 bewaffneten Knechten umringt, die ihn, als er zum Schiff zurückkehren wollte, mit dem Tode bedrohten und, nachdem sie ,,eine gemeyn umbgeschlagen“ (eine Berathung gehalten), den Burggrafen, ferner den Ritter Wilhelm Truchsess von Waldburg, Caspar Ziegler und Dietrich von Witzleben in ihren Ring riefen und sie schwören liessen, bei ihnen zu bleiben, bis sie, die Knechte, bezahlt wären. Es leuchtet ein, dass ausser den Knechten zu Leuwarden, die kürzlich ihren Sold erhalten hatten, auch noch viele andere auszuzahlen waren. Sie mochten von Leisnig Geld gefordert, dieser ihnen aber den auf der Rückreise

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