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Böser Tag. Der Hirte (König oder Oberpriester:) der großen Völker

Fleisch, das auf Kohle gekocht ist, Speise, die mit Feuer (in Berührung gekommen ist), soll er nicht essen,

seinen Leibrock soll er nicht wechseln, seine Gewänder soll er nicht anziehen,

Libation soll er nicht ausgießen, der König soll den Wagen nicht besteigen! er soll nicht

.. soll keine Entscheidung fällen, am Orte der Heimlichkeit

soll der Magier nicht orakeln,
der Arzt soll seine Hand nicht an den Kranken legen,
eine Angelegenheit zu verrichten ist (der Tag) nicht geeignet.
[Bei Nacht (Morgenanbruch) soll der König sein Opfer bringen,

Libation ausgießen und seine Händeerhebung wird vor der Gottheit angenehm sein).

Dass dieser siebente Tag auch ein Ruhetag war, folgt hieraus nicht. Wenn Delitzsch aus dem Umstand, daß šabâtu synonym von gamâru vollenden ist, auf „Ruhetag" schließt, so ist das wohl nicht zutreffend 2 Grade der Begriff gamâru stimmt zum Versöhnungstag, denn gamâru ist in den Kontrakten ein Terminus für Abtragung einer Schuld? Aber gewiß liegen Vorstellungen zugrunde, welche sich mit den in der biblischen Religion durchgeführten berühren. Und auch ohne inschriftlichen Beweis scheint mir der formale Zusammenhang zwischen der israelitischen Annahme eines Ruhetags und einem babylonischen Ruhetag sehr wahrscheinlich, und zwar wegen der Entwicklung, die die Anschauung vom Sabbat in der spätjüdischen Zeit unter offenbarem Einfluß Babyloniens genommen hat 4: man darf dies und jenes nicht tun, weil es L'nglück bringt.

4) šal-țiš (Variante K 3597 in Bezolds Katalog šal-ți - iš) i-tam- me nicht sicher zu übersetzen.

2, Vielleicht darf man den Namen nubattum, den der 7. Tag (freilich ebenso der 3. und 16.) auch führt, als Beweis für „Ruhetag“ ins Feld führen. K 618, 26 (BA I, 225) bedeuten ûmê nu-bat-te doch wohl „Ruhetage“. Sonst heißt nubattum „Station“. Die Wandrer im Gilgameš-Epos (Tafel XI, 318 f., vgl. Tafel V, KB VI, 162, 252) kochen nach je zwanzig Wegeinheiten ab (iksupu kusapa) und nach je dreißig Wegeinheiten machen sie nubattu (,,Station“; ich erklärte bereits so 1891 in Izdubar Nimrod; Jensen KB VI, 253: „Totenklage"!). Wenn nubattu Rast am Abend bedeutet, so stimmt das ungefähr zur Praxis der Wüstenreisen: ?3 bis zur Mittagsstation, 13 am Nachmittag bis zum Nachtlager. Da kaspu Doppelstunde ist, handelt es sich freilich um Riesenmärsche, die aber im Mythus nicht verwunderlich sind.

3) S. Kugler, S. J., Babylon und Christentum S. 16.

*) Man vergleiche nur die jüdischen Gebote und Verbote mit den Kultusvorschriften etwa der Šurpu-Tafeln, wie sie Kap. VI wiedergegeben sind. Vernunft ist Unsinn, Wohltat Plage geworden? Grade wenn der altisraelitische Sabbat als Ruhetag und Segenstag von einem altorientalischen Ruhe- und Unglückstag ausgegangen ist, so liegt darin eines der vielen schönen Zeugnisse für die reformierende Kraft der Jahve-Religion.

Die heidnisch-orientalische Vorstellung vom siebenten Tag als Unglückstag, die nur im Spätjudentum nachweisbar ist, aber sicher in Gestalt des Aberglaubens im alten Israel auch ihr Dasein fristete?, hängt zweifellos mit dem Unglücksplaneten Saturn zusammen. Das bezeugt Tacitus, histor. 5, 4 für die erste nachchristliche Zeit, vielleicht auch die talmudische Bezeichnung des Saturn als Sabbatsstern 3. Wer aber im alten Orient vom Saturn sprach, der dachte an Unglück, wie wir bei der Sonne an Licht und Wärme denken. In diesem Sinne hat die Überlieferung der Juden, die Beer im „Leben Mosis“ (handschriftlicher Nachlas) registriert, auch ihre Beweiskraft: Moses habe seinen Landsleuten beim Pharao in Ägypten einen Ruhetag ausgemacht. ,,Und welchen Tag würdest du hierzu am geeignetsten halten?“, fragte der König. „Den dem Planeten Saturn geweihten siebenten; Arbeiten, an diesem Tage verrichtet, pflegen ohnehin nicht zu gedeihen!"

Der Frage nach dem Zusammenhang des israelitischen Sabbat mit einem babylonischen Ruhetag ist neues Material zugeführt worden durch eine von Th. Pinches aufgefundene Liste von Tagesbezeichnungen, in der šapatti als 15. Tag bezeichnet ist! Das ist der Vollmondstag, der Tag der Hauptstation des

1) Näheres siehe in meinem Kampf um Babel und Bibel. S. 37 f. Als charakteristisches Beispiel sei noch angeführt: der Scheinverkauf von Kaufläden mit sämtlichen Waren während der Passahzeit, wenn man annehmen muß, daß sich Gesäuertes unter den Waren befindet.

2) Es gibt bei solchen allgemeinen Kulturanschauungen keinen prinzipiellen Unterschied zwischen früher em und späterem Judentum. Der Unterschied zwischen vor- und nachexilischem Judentum mit Bezug auf kulturelle und wissenschaftliche Anschauungen ist aufzugeben. Der „Gegensinn“ von Glück und Unglück, Segen und Fluch war immer vorhanden. Uns ist der Freitag der höchste Segenstag, und doch gilt er als Unglückstag

3) Der Planet kann allerdings seinen Namen Ta* vom Sabbat haben, s, Schürer, Gesch. des jüd. Volkes III, 430.

*) Pinches, Šapattu, the bab. sabbath, Proc. of the Soc. of Bibl. Arch. 1904, 51 ff., vgl. dazu Zimmern ZDMG 1904, 199 ff.; 458 ff. Delitzschs Ansicht, es sei šapatti „Tag) der Monatsmitte“ zu lesen, ist nicht haltbar. šabattu wird wiederholt mit dem Zeichen geschrieben, das pat zu lesen ist. Mondes bei seinem Kreislauf durch die Ekliptik (s. Abb. 15). Man könnte nun annehmen, daß man rückwärts und vorwärts den 8. und 1. und den 22. Tag sapattu genannt hat, daß also auf diese Weise eine siebentägige Woche dem Mond auf den Leib geschrieben worden ist! Wir haben unsre Bedenken gegen den Zusammenhang der siebentägigen Woche mit dem Mondlauf S. 41 und 183 ausgesprochen. Es würde ja auch nicht für eine durchrollende Woche stimmen, sondern nur für eine Einteilung, die wie in den assyrischen Hemerologien mit jedem Monat neu anhebt. Wir bleiben also dabei, daß der Sabbat nach seinem astralen Ursprung ein Planetentag ist, der Tag des summus deus?.

Während des Druckes erschien die Schrift H. Wincklers, „Religionsgeschichtler und geschichtlicher Orient" (Leipzig, J. C. Hinrichs 1906), die am Schluß S.55 ff. den ,,Kalender“ behandelt (s. auch oben S. 36 ff.). Winckler ist ebenfalls der Ansicht, daß die siebentägige Woche nicht mit dem Mondlauf zusammenhängt, sondern mit der Verteilung des Zeitabschnittes auf die sieben Planeten (S. 39). Der Sabbat aber ist zunächst der Vollmondstag, er entspricht der Kulmination des Mondlaufs, der einmal im Monat seinen Herrschaftspunkt erreicht, der an den Himmel des summus deus stößt. Andrerseits wird der Höhepunkt durch Ersteigen der sieben Stufen des Planetenturmes erreicht, so daß also jeder siebente Tag Sabbat ist. Die Natur des Sabbat als Saturnstag (s. unten Anm. 2) läßt aber erkennen, daß die biblische Religion mit ihrem Sabbat von der Mondlehre abrückte und sich der Sonnenlehre anschloß (Saturn-Nergal Sonne, s. S. 27). Der Sabbat als siebenter Tag vereinigt also beides der Name entspricht dem Mondlauf, die Verbindung mit Saturn berücksichtigt die Sonnendeutung, ganz entsprechend dem Grundsatz, daß für den Kalender nicht Sonne oder Mond, sondern beides zugleich maßgebend ist.

Zum Charakter des Tages als Ruhetag wird auf den Text der Statue Gudea's B, 3, 15 ff. hingewiesen. Beim Tempelfest Ninibs (dem in seiner Mondeigenschaft der Nordpunkt, also Vollmondspunkt gebührt, s. oben S. 27 f., weshalb es sich um ein Vollmondsfest, also um einen šapattu handeln dürfte), heißt es:

^) Der avestische Kalender bezeichnet den 1. und 8. und 15. und 23. als dem Ormuzd heilig. Die 23 (so wenigstens nach Jackson im Handbuch der eranischen Philologie) ist mir rätselhaft. Man zählt 12 Monate zu 30 Tagen, 5 Schalttage, alle 120 Jahre einen Schaltmonat. Die 30 Tage werden in 14 + 16 zerlegt.

2) Sofern der Sabbat Saturnstag ist, würde Saturn als solcher gelten. Das zeigt sich in der Tat in dem spanischen Judentum, das den Zusammenhang mit den altorientalischen Mysterien am deutlichsten bewahrt hat. Der Spiritus Saturni beseelt die Propheten, s. Neander, Entwurf eines gnostischen Systems S. 266.

3) Sie muß nicht ägyptisch sein, wie Winckler annimmt, sondern kann dem babylonischen Mardukzeitalter entsprechen, das Sonnenzeitalter ist im Gegensatz zum vorbabylonischen Mondzeitalter, s. S. 65 ff.

„Niemand wurde mit der Peitsche geschlagen, die Mutter züchtigte nicht ihr Kind, die Statthalter, die Aufseher, die Bearbeiter der Wolle

.: es hörte auf (das Werk) ihrer Hände. In den Gräben der Stadt wurde kein Leichnam wurde begraben. Der kalû spielte keine Psalmen, stieß keine Klagerufe aus, die Klagefrau ließ keine Klagelieder hören. Im Gebiete von Lagaš ging kein Mensch, der einen Rechtsstreit hatte, zur Stätte des Schwurs. Kein ..... drang in jemandes Haus ein."

Fünftes Kapitel.

Das Paradies.

i Mos 2, 8: Und es pflanzte Gott cinen Garten in Eden in Kodem und setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte.

In der Steppe wurde ein Gottesgarten angepflanzt 1. Eden ist das Land, in dem der Garten 2 lag. Erst später (z. B. Ez 28, 13) wurde Eden selbst als der Gottesgarten gedeutet und in dem Namen durch Volksetymologie das Wort "êden ,,Wonne“ gehört.

Der Erzähler denkt sich den Garten in Babylonien. Darauf weisen die Flusnamen mit Bestimmtheit. ,,In kedem“ ist Himmelsrichtung, im „Osten“ liegt Sinear - Babylonien. Aber nach der wissenschaftlichen Lehre vom Weltbilde und von der Weltentwickelung, die den Urgeschichten zugrunde liegt (s. S. 74 und 160), ist das Paradies ein kosmischer Ort und eden und kedem haben

1) édinu erscheint in einem der sog. Syllabare der Keilschriftliteratur (S") als Synonym von şêru „Wüste“. Auch einen geographischen Begriff ,,Eden“ scheint die Keilschriftliteratur in dem Namen Gu-edin-na zu be zeugen. Wenn sich Hommels weittragende Hypothese, daß Gu-edin-na der alte Name für Chaldäer sei, nicht halten läßt, bleibt doch der Hinweis für die Frage, wo der biblische Erzähler sich das Paradies denkt, wichtig. II R 53, 4 wird Gu-edin-na zwischen Nippur und Erech genannt. IV R 21*, No. 2, Rev. 19 ist die westländische Göttin Gu-bar-ra (= Ašrat) die Herrin von Gu-edin-na (II R 59, Rev. 43 Nin-gu-edin-na die Gemahlin des Martu). In den Listen der Könige von Ur begegnet ein Fluß nâr-edin-na und in den Inschriften von Telloh ein Fluß kiš-edin-na (das gesamte Material bei Hommel, Geogr. u. Gesch. 241 ff.).

2; Das dem hebräischen Worte Gan ,,Garten“ entsprechende babylonische Wort kommt im Plural gannâti in der Unterschrift einer „Gartentafel“ vor, die 62 Gartengewächse (und 6 Gerätnamen) aufzählt und die Unterschrift trägt: Gärten des (babylonischen Königs Merodach-baladan, s. Delitzsch, Handwörterbuch S. 202.

im letzten Grunde kosmischen Sinn. Im kosmischen Sinne entspricht êdinu, „die Steppe“ des irdischen Weltalls, der Unterwelt, aus der die Welten emporsteigen, bez. dem Ozean, in dem die Unterwelt im engeren Sinne ein topos ist (s. S. 8). Ķedem ist vordere Seite, also bei der nach Süden, dem Ort der Weltentstehung gerichteten ķibla (S. 29) die untere Welthälfte. Wenn Adam in Eden wohnt und dort die Menschheit entsteht, so entspricht das der babylonischen Lehre, nach der Adapa in Eridu an der Mündung der Ströme (auch hier kosmisch gedacht) geschaffen wird. Daß der Erzähler den kosmischen Sinn kennt 3, zeigt 11, 2: Und es geschah, als sie aufbrachen von kedem, kamen sie in cine Ebene im Lande Sincar', vielleicht auch 2, 8: Er pflanzte den Garten in Eden von ķedem herst und der biblische Garten ist Wohnsitz Jahve's. Er entspricht ja dem Gottesberg, dem Sitz der Gottheit. Darum ist er auch als Bergheiligtum zu denken, wie bei Ezechiels Paradiesschilderungen noch deutlich zu sehen ist. 3, 8: „Jahve wandelt in der Abendkühle im Garten." Babylonische Vorstellungen von einem Paradies, in dem die Gottheit wohnt und in dem Menschen wohnen, die in näherem l'mgang mit der Gottheit stehen, werden uns später mehrfach begegnen, wo von den Lebensbäumen und vom Lebenskraut die Rede ist.

Da jedes „Land“ ein Mikrokosmos ist (S. 48 ff.), so findet sich das Paradies in zahllosen Wiederholungen. Eridu« in Südbabylonien ist ein irdisches Abbild des Paradieses (s. S. 96. 198). Ebenso Babylon. Sein alter Name TIN-TER (ki), d. h. ,,Wohnung des Lebens“, deutet darauf hin, wie auch die volksety mologische Deutung des Namens als Bab-ilu ,,Pforte Gottes“ („Hohe Pforte!"). Der heilige Zedernberg und Zedernwald mit dem ,,Wohnsitz der Götter, dem Allerheiligsten der Irnini", wo der

1) Zum Folgenden vgl. Winckler F. III, 311 ff.

) Das Paradies, in dem Gilgameš, der babylonische Noah, seinen Urahn findet, wird jenseits der Mündung der Ströme nach Überschreitung des Totenflusses erreicht. Eden ist Wortspiel; „in Eden“ stimmt nicht einmal ganz zu Babylonien; das liegt jenseits der Steppe im Osten.

3) Die Zeit entspricht dem Raum; auch ķedem „Vorzeit“, verrät im Hebräischen die Kenntnis des kosmischen Sinnes, der in dem Begriff liegt.

*) Die Erklärung „östlich“ (Ges.-Buhl) oder „fern im Osten“ (Gunkel) ist gezwungen. Rein geographisch heißt mikkedem „von Osten her“ Jes 9, 11; das gibt hier keinen Sinn.

5) Bei Eridu flossen einst die Ströme Euphrat und Tigris getrennt ins Meer. Es handelt sich bei den kultischen Befehlen um einen erreichbaren Ort.

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