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seite; die Nordecke ist hier die Kibla. Diese Kibla zeigt sich bei den ,,Ssabiern“ (Chwolson II, 5. 60f.) und bei der Gebetsrichtung der Mandäer: sie wenden sich nach dem Nordpunkt des Himmels 1.

Möglich ist auch eine andere Orientierung, welche sich aber der Nord-Ķibla gegenüber als sekundär zu erweisen scheint: nämlich nach Westen, dem andern Nachtpunkt. Sie entspricht der Zweiteilung der Welt (Sommer und Winter, Tag und Nacht), bei der Nebo dem Mond, Marduk der Sonne entspricht, und mag auf der einfachen astronomischen Beobachtung beruhen: Wenn die Frühlingssonne im Tagesgleichenpunkte (also früh 6 Uhr) aufgeht, geht der Vollmond in Opposition zu ihr im Westen unter. Also auch hier läßt sich die Orientierung vom Mondkult leiten. Diese Weltrichtung tritt darin zutage, daß das Jahr im Herbst anfängt (Tišrî heißt Anfang!)?, und wird historisch dokumentiert durch die Erscheinung, daß Nebo ursprünglich die Stelle Marduks einnahm und umgekehrt.

Beide Theorien entsprechen dem Mondkultus. Das änderte sich, als das Zeitalter des Sin? (nach dieser Theorie Nebo zu Ende ging und das Zeitalter des Marduk eintrat.

Das war die Zeit, in der die Frühlingssonne aus dem Zeichen der Zwillinge in das Zeichen des Stieres trat, und in der die Stadt Babylon, deren Stadtgott Marduk den Stier als Symbol hat, unter der Herrschaft der Hammurabi-Dynastie zur Metropole des Weltreichs wurde. Damals entstand eine Theorie, die alles auf Marduk, d. h. den Ostpunkt abstimmt. Von da an feierte man Neujahr im Frühling 4.

1) Die Betonung des Nordpunktes nicht astronomisch, sondern kosmisch kann die Hervorhebung des Feuers zur Folge haben (Norden Feuerregion s. S. 28). So in der Religion Zarathustras, bez, in der altpersischen Religion. Wahrscheinlich entsprach die kultische Hervorhebung des Feuers dem Kult der Heimat Zarathustras. Der Gegensatz ist hier die in Babylonien betonte Wasserregion (Ahriman und seine Drachen).

2) Beim Widderzeitalter ist die gleiche Erscheinung zu erwarten. Wenn nun im Mithras-Kalender dem Mithras der 16. Tag (Vollmond) und sodann der 7. Monat (der im Jahr dieselbe Rolle spielt, wie der 16. Tag im Monat) geweiht ist, so sieht man, daß hier Herbstjahresanfang herrscht.

3) Näheres darüber in dem Abschnitt „Weltzeitalter“ S. 62 ff.

4) Das Neujahrsfest als Herbstfest entspricht der alten euphratensischen Orientierung, die z. B. dem Ningirsu-Fest bei Gudea zugrunde liegt. Unter der Herrschaft von Babylon gilt der babylonische Kalender, also fällt der Neujahrsanfang in den Frühling. Die Vorliebe für die Nordrichtung (z. B. hie und da im A. T., s. zu Hi 37, 22) ist alt-euphratensisch im Gegensatz zur Weltrichtung von Babylon; ebenso der auf Herbstanfang gestimmte Die Änderung der ķibla erfordert nicht unbedingt auch Wechsel des Nord- und Südpunktes. Es kommt dann darauf an, in welcher Richtung der Kreislauf gedacht ist. Die Jahresbewegung der Sonne geht nach Osten, die Äonenbewegung der Präzession (s. Weltzeitalter S. 62 ff.) geht nach Westen. VI. Sonnenwende und Tagesgleiche.

Sonne und Mond. Wie bereits aus den bisherigen Ausführungen hervorgeht, sind im religiösen Kalendersysteme zwei Rechnungen möglich. Die eine betont die Sonnenwenden, die andre, die die Erscheinungen des Naturlebens hervorhebt, betont die Mitte des Kreislaufs von Sonnenwende zu Sonnenwende: die Tagesgleichenpunkte. Daß beide vorhanden sind, zeigen die babylonischen Feste. Das Neujahrsfest, von dem der S. 26 zitierte Arsacidentext redet, feiert die Tagesgleichen, das Tammuzfest feiert in der uns am besten bekannten kultischen Ausprägung die Sonnenwende (Geburt und Tod des Tammuz) oder bei Betonung des Verhältnisses zwischen Sonne und Mond Hochzeit und Tod des Tammuz, s. Abb. 14.

Sodann kommt es darauf an, ob Zweiteilung oder Vierteilung des Kreislaufs hervorgehoben werden soll. Bei Zweiteilung treten entweder Nergal oder Ninib zurück (Sommer und Winter, Tag und Nacht, vgl. i Mos 8, 22), dann ist

Marduk: Tag, Sommer

Nebo: Nacht, Winter. Nach der Anschauung, die dem Monde Oberweltscharakter und der Sonne Unterweltscharakter gibt', vertritt dann Marduk die Sonne und Nebo den Mond, wie wir es in dem S. 29 zitierten Texte finden. Oder Marduk und Nebo treten zurück, dann vertritt Ninib den Mond und Nergal die Sonne ?

Den gesamten Kreislauf kann auch eine göttliche Erscheinung vertreten. Das bringt der Mythus zur Darstellung in

Kalender des jüdischen Staates unter Šesbaşar, s. S. 42. Die in Medeba gefundene Mosaikkarte von Jerusalem (6. Jahrh. n. Chr.) zeigt, daß das Haupttor und die Säulenstraße der alten Stadt nach Norden ging. Die Karte ist nach Osten orientiert; das Meer ist unten.

1) Vgl. S. 27. 5 Mos 33, 13 wird die Sonne und die Kulmination (una, Sept. oúvodos) des Mondes als Gegenstück genannt in Parallele zu Himmel und Tehom, s. Winckler F. III, 306 ff.

2) Vgl. S. 29. Dann ist nicht, wie in dem Texte S. 29, Osten und Westen oben und unten, sondern Nord und Süd wird (so oft in den assyrischen Inschriften im beabsichtigten Gegensatz zur „babylonischen“ Rechnung) als eliš und šapliš, oben und unten bezeichnet.

der Gestalt des Tamm uz. Sofern der Mondkreislauf betont wird, ist der abnehmende Mond der in die Unterwelt sinkende Tammuz, der zunehmende Mond der nach drei Tagen (!) der Schwarzmondzeit mit dem Sichelschwert siegreich emporsteigende Tammuz 1. Tammuz ist dann Nergal +- Ninib. Nergal und Ninib erscheinen als Zwillinge, werden nach VR 46, 4 a b deshalb auch mit dem Sternbild der Zwillinge kombiniert. Bei

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Abb. 14: Sonne und Mond mit ihren mythologischen Motiven.

Betonung des Sonnenlaufs ist Tammuz entweder = Marduk + Nebo (Hervorhebung der Tagesgleichen, so in der S. 26 zitierten Theokritstelle) oder Ninib + Nergal (Hervorhebung der Sonnenwende, so in dem S. 15 zitierten astronomischen Keilschrifttexte). Eine dritte Betrachtungsweise läßt in Tammuz das Verhältnis von Sonne und Mond erscheinen. Eins rettet das andre aus der Unterwelt. Entweder die Sonne den Mond oder der Mond die Sonne: entweder befreit der Frühjahrsneumond

1) Nach dem Hilal entfernt sich der Mond vom Zwillingsbruder 14 Tage lang, dann „erkennt“ er ihn, wendet sich zu ihm und stirbt 14 Tage lang allmählich, s. Abb. 15.

die Sonne (trägt sie auf den Schultern: Christophorus) im Tagesgleichenpunkte, oder der Frühjahrsschwarzmond, der in die Unterwelt sinkt, wird von der Frühjahrssonne befreit. Ein

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NB. Bei den großen Mondkreisen zeigen die punktierten Stücke die zwar von der Nacht. sonne beleuchteten, aber von der Erde aus nicht sichtbaren Teile an. Der weiße Halbkreis auf dem untersten Mondbilde ist aus Versehen nicht punktiert.

%) Todesmotiv; das entsprechende Motiv der Sonne ist Entschleierung. Vgl. S. 35.

**) Der Mond siegt mit dem Sichelschwert über die finstere Macht oder gilt als Frühjahrsneumond (nach 3 Tagen Schwarzmond) als von der Sonne befreit, oder trägt die Sonne auf den Schultern durch die Wasserregion (Christophorus). Bei Betonung der Mondmotive ist die tragende und getragene Gestalt zunehmender und abnehmender Mond.

***) Zusammentreffen des Frühlingsvollmonds (nach 3 Tagen Schwarzmond) mit der Befreiung des Tammuz (Sonne nach der Winterzeit) als Neujahr gefeiert. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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klassisches Zeugnis für den Mondkampf haben wir in dem Kap. II S. 102 f. wiedergegebenen Texte. Sonst erscheint Ištar als Partnerin des Tammuz. Ištar rettet Tammuz aus der Unterwelt (Höllenfahrt der Ištar). Dabei können der gerettete ebenso wie der rettende Teil beide Sonnen- oder Mondcharakter tragen

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Abb. 16: Tafel aus Nippur (?) mit der Figur des Heptagramm.

Vgl. Hilprecht, Expl. in Bible Lands S. 530.

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und andrerseits beide den männlichen oder weiblichen Teil repräsentieren 1 Der kritische Punkt ist bei Betonung der Sonnenwende die Begegnung des Vollmonds mit der Sonne in der Sommersonnenwende (24. Juni: Hochzeit des Tammuz,

4) Ištar und Tammuz; Isis und Osiris; Attar und Šemš; Baalat von Gobal und Adonis; Nergal und Eriškigal; Orpheus und Eurydike. Den gleichen Mythus finden wir in Japan im Kojiki, dem heiligen Buche des Shintoismus, s. Kap. III unter Japan, wie bei den südamerikanischen Stämmen, s. Ehrenreich, Die Mythen der südamerikanischen Urvölker, S. 37. Ehrenreich bezeugt, daß in Peru die vor-inkaischen Mythen asiatischen Charakter zeigen; er ist trotzdem skeptisch gegen asiatischen Ursprung, weil er nicht prähistorische Wanderung in Rechnung zieht.

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