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Beide Berichte stimmen darin überein, daß eine religiöse Bewegung, die sich innerhalb Ägyptens gegen den polytheistischen Kultus geltend macht, mit Nomaden sympathisiert, die aus Palästina kommen und schließlich dahin zurückkehren. Die Anhänger der ägyptischen Bewegung werden samt ihren syrischen Verbündeten „Unreine“ und „, Aussätzige“ genannt1 das ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern als Ausdruck des religiösen Abscheus. Der Stützpunkt der Bewegung ist in beiden Überlieferungen die Stadt Avaris. Die Volksetymologie wird dabei an die Hebräer gedacht haben. Denn das hebräische Wandervolk ist es so sagt deutlich die spätere ägyptische Deutung der Überlieferung - das dort eine Feste hatte und das von den „Aussätzigen“ zu Hilfe gerufen wurde. Der Führer dieser ausländischen Nomaden ist nach Manetho Osarsiph, nach Chairemon Tisiten. Osar-siph ist Jo-seph. Die ägyptische Überlieferung hat den als Gottesnamen verstandenen ersten Teil des Namens (Jahu, vgl. Ps 81, 6 die Namensform Jehoseph durch den ägyptischen Götternamen Osiris ersetzt. Der Name Tis-iten stimmt dazu, wie wir gleich sehen werden. Beide Traditionen haben die Gestalt des Josef mit dem späteren Führer Moses vermengt: Manetho, indem er beide für identisch hält, Chairemon, indem er Moses. neben Josef (Osarsiph) als Führer nennt.

Es muß eine monotheistische Bewegung in Ägypten sein, an die Manethos und Chairemons Berichte anknüpfen. Man denkt ohne weiteres an die Gestalt Amenophis IV., der 1380 die Stadt Chut - Aten als Residenz baute, sich selbst Chu-enAten (d. h. Abglanz der Sonnenscheibe) nannte und sich als Inkarnation des Einen Gottes, des Sonnengottes, verehren liefs. Es ist der Naphuriria (Naphururia) der Amarna-Briefe. Wir wissen, daß nach seinem Tode die Reform wieder ausgerottet und Chut-Aten gewaltsam zerstört wurde. Wenn der Führer

1) Im Papyrus Sallier heißen sie „die Fieberleute“, d. h. die, welche aus den Deltasümpfen die Malaria bringen, s. Marquart S. 670. Auch ist daran zu erinnern, daß die Verachtung der Schafhirten als „Unreiner“ bei den Ägyptern Anlaß zu der Verwechslung bot. Auch die ägyptische Bezeichnung der Syrer als šasu kann dazu beigetragen haben, s. Marquart 1. c. S. 673. i Mos 46, 34 scheint sich in den Schlußworten (,,die Schaf-. hirten der Ägypter ein Gegenstand des Abscheus“) eine Erinnerung an die Verachtung der ,aussätzigen“ Asiaten zu verbergen. Die Begründung stimmt nicht zu dem Vorhergehenden. Die Aussage, daß die Jakobleute friedliche Hirten sind, soll doch wohl den Pharao beruhigen, nicht seinen Abscheu wecken!

der syrischen Verbündeten nach Chairemon Tisiten heißt, den Manetho Osarsiph nennt, so würde das zu der auch sonst bezeugten Erscheinung unter Amenophis stimmen, daß Vasallen Namen erhielten, die den neuen Kultus verherrlichten

-: iten ist die Sonnenscheibe. Die Annahme, daß Chuenaten der mit dem Syrer Osarsiph verbundene ,,aussätzige“ Pharao ist, stimmt auch ziemlich zu dem chronologischen Anhalt, den Manetho gibt. Denn der Pharao Amenophis, der hier im ägyptischen

Sinne als der „, fromme" König erscheint, ist offenbar Amenophis III. Unter seiner Regierung lebte in der Tat jener weise Mann Amenophis, Sohn des Paapis (Hapu), dem später in ptolemäischer Zeit Sprüche zugeschrieben werden, die eine Analogie zu den Sprüchen der Sieben Weisen bilden. Die biblische Zeitrechnung, die 480 Jahre vom Auszug aus Ägypten bis zur Tempelweihe rechnet, führt auf die Zeit des Amenophis.

Dieser Amenophis ist wahrscheinlich mit jenem Bokchoris identisch, zu dessen Zeiten Amenophis lebte und

unter dessen Regierung nach Manetho Abb. 129: Ramses II.

ein ảoviov sprach (der zodiakale Widder (Aus Spiegelberg, Aufenthalt Israels in Ägypten.)

als Verkünder der neuen Zeit)'. Es

handelt sich um Zukunftsweissagungen, wie sie bereits aus dem mittleren Reich bezeugt sind. „Das ständige Schema ist, daß ein Weiser das Hereinbrechen schweren Unheils verkündet, den Cmsturz aller Ordnungen, die Eroberung Ägyptens durch fremde Völker etc.; danach wird die Erlösung folgen durch einen gerechten, göttergeliebten König, der die Fremden verjagt, Ordnung und Kultur wiederherstellt und eine lange gesegnete Regierung führt ?." Wir dürfen uns also vor

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“) Wie das àoviov der Apokalypse, s. S. 69, vgl. BNT 16 f.

2) Ed. Meyer 1. c. 452 ff. (= Ber. Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss. 1905, XXXI) sagt, er könne sich, je öfter er das Problem überlege, um so weniger der Einsicht verschließen, daß ein geschichtlicher Zusammenhang mit der Erlösererwartung der israelitischen Propheten vorliegt. Ganz gewiß! Nur handelt es sich nicht um „Übernahme des Inhalts der Zukunftsverkündigung aus Ägypten“, sondern um Einheit der religiösen Weltanschauung im alten Orient. Dieselbe Erlösererwartung be

stellen, daß zur Zeit des Aufenthalts Israels in Ägypten auch die ägyptische Welt voll von Erlösererwartung war. Hierdurch gewinnt auch die „Ägyptertrauer“ um Jakob (1 Mos 50) einen tieferen Sinn.

Als Pharao der Bedrückung gilt neuerdings, freilich im unaufgeklärten Gegensatz zu der oben besprochenen spätägyptischen Tradition, Ramses II. (s. Abb.129 und 130). Maßgebend für diese Ansicht ist die späte Glosse com zu Pithom.

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Zu seiner Zeit bildeten allerdings die asiatischen Nomaden eine große Gefahr, so daß er wohl Veranlassung haben konnte, auf die Hebräer in Gosen ein scharfes Auge zu haben. Nach seinem Tode unter Merneptah brachten libysche und nubische Horden Ägypten an den Rand des Verderbens. Die Gosenstämme mögen damals mit den verwandten bene Jisrael in Kanaan konspiriert

herrscht Babylonien und Kanaan, s. BNT 8 ff.. Und wenn Ed. Meyer in diesem Punkte die Fenster zum Alten Orient öffnet, so verstehe ich nicht, wie er l. c. S. i von der Romulussage, die das altorientalische Motiv des neuen Zeitalters besonders charakteristisch zeigt (s. das Folgende), annehmen kann, sie sei aus der Tragödie des Sophokles entlehnt. Man sieht auch hier, wie die Entlehnungstheorie das Verständnis versperrt!

haben. Die Merneptah - Inschrift S. 306 ,,Israel ist verwüstet") mag damit zusammenhängen. Von Merneptah (um 1250, s. Abb. 131) würde dann der Exodus erzwungen worden sein.

* Die Geburtsgeschichte Mosis. Moses ist wie Jakob und Josef eine Erretter-Gestalt. Die Befreiung aus Ägypten gilt, wie wir sehen werden, als Kampf und Sieg über den Drachen. Die Erlöser - Motive, mit denen seine Gestalt verwebt wird, entsprechen ganz der spätjüdischen Auffassung. Schemot rabba zu 2 Mos 1, 22 berichtet, daß die Sterndeuter (!) dem Pharao gesagt hatten, eine Frau gehe mit dem Erlöser Israels schwanger; und zu 2, 4 heißt es, Mirjam habe geweissagt: meine Mutter wird einen Sohn gebären, welcher Israel erretten wird.

Der Bringer der neuen Zeit wird mit bestimmten Motiven ausgestattet, die entweder mit den überlieferten Ereignissen seines Lebens verbunden oder als ausschmückendes Beiwerk der Erzählung beigegeben werden, oder in Namen, Zahlen und Wortspiele hineingeheimnist werden.

1. Zunächst ist der Held der neuen Zeit von geheimnisvoller Herkunft. Selbst, wenn die Geschichte den Namen des Vaters kennt, wird er als „vaterlos“ bezeichnet. Daß die Elternschaft von Amram und Jokebed 6, 20 nicht stimmt (Zusatz von P), hat man längst bemerkt! Im Segen Mosis hat sich die Überlieferung von der vaterlosen Herkunft Mosis erhalten:

5 Mos 33, 9: „Der von Vater und Mutter sprach: Ich sah sie nicht, der seine Brüder nicht anerkannte und nichts wissen wollte von

seinen Kindern.“ Man vergleiche damit das απάτωρ, αμήτωρ, αγενεαλόγητος bei Malkisedek Hebr 7, 3, ferner Berach. 58 a: Elias habe weder Vater noch Mutter gehabt, und aus dem babylonischen Material Gudea Cyl. A II, 28 ff., III, 1 ff.: „Ich habe keine Mutter, du (die Göttin) bist meine Mutter, ich habe keinen Vater, du bist mein Vater, .. am heiligen Orte hast du mich geboren“; vgl. ferner Sargons Abstammung von einer Vestalin und einem Manne aus niederem Geschlecht?.

2. Der Held wird verfolgt vom Drachen und in einem Kasten gerettet. Die Stelle des Drachen vertritt hier der Pharao von Ägypten 3. Der Kasten heißt tebah, wie der Kasten, in dem Noah, der Bringer des

?) Orelli RPrTh? 13, 487: „Amram ist nach 4 Mos 3, 27 f. schwerlich der eigentliche Vater Mosis.“ 2 Mos 2, 1 „Und er nahm die Tochter Levis“ (Sept. korrigiert tūv gyarowr) ist historisch nicht zu verstehen; der Aufenthalt in Ägypten dauerte +30 Jahre.

2) S. 410 f.. Wir kennen den Namen des königlichen Vaters. Der Vater „aus niederem Geschlecht“ ist Variante zur vaterlosen Geburt. „Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann“, s. S. 410 Anm. 3.

3) BNT 46 ff. habe ich gezeigt, daß Matthäus die Motive kennt und seine Freude daran hat, anzudeuten, wie die Motive auch in der Kindheit Jesu stimmen. Der Drache ist hier Herodes. Noch die mittelalterlichen Spiele kennen das Motiv, indem sie Herodes stets als rotbärtig (vgl. neuen Weltzeitalters gerettet wird. Nachdem die Mutter das Kind drei Monate (!) verborgen hatte (2 Mos 2, 2), weil sie sah, daß er „stattlich“. (țôb) war, nahm sie für ihn? einen Kasten von Schilf und verpichte ihn mit Asphalt und Pech (vgl. i Mos 6, 14) und setzte ihn, nachdem sie das Kind hineingelegt hatte, ins Schilf am (fer des Vils. In der Sargongeschichte heißt es: „die Mutter legte mich in einen Korb von šûru-Rohr, ina iddê bâbi-ia (beachte den Ausdruck bâbu „Tor“ bei einem Kästchen) iphi, verschloß mit Pech meine Tür."

3. Die Himmelskönigin nimmt sich des Geretteten an. Ištar liebt Tammuz. In der Sargon-Legende ist es eine „Schwester Marduks“, eine Vestalin, die Ištar vertritt (vgl. den Romulus-Mythus), die Mutter. Ištar selbst gewinnt ihn lieb und verleiht ihm Macht und Herrschaft. Mutter und Gemahlin sind ja im Mythus vom neuen Zeitalter eins? Die Kindheitsgeschichte Mosis benutzt zur Hervorhebung des Motivs die Überlieferung von der Erziehung Mosis am königlichen Hofe. Die Himmelskönigin Ištar ist durch die königliche Prinzessin vertreten. Dasselbe Motiv erscheint noch einmal bei der Erziehung Hadads (Name Tammuz!) 1 Kg 11, 14—25, der dann die Prinzessin Thachpenes heiratet, die ihm den Knaben Genubath gebar.

4. Auch der rätselhafte Name Mošeh enthält ein Motiv. Der Name entspricht vielleicht dem ägyptischen Personennamen, der „Sohn“ bedeutet. Ein Gottesname wäre zu ergänzen, vgl. Thut-mosis, „Sohn des Thot“. In den abgekürzten hebraisierten Namen aber verbirgt sich ein Motiv. Der aus dem Wasser Gezogeneerklärt jemand 2, 10, der das Motiv nicht verstand. Der Name bedeutet, hebräisch gedacht, vielmehr „der Ziehende“3. In der Sargongeschichte soll das Wasserschöpfen etwas Entscheidendes bedeuten. Es wird dreimal wiederholt. Aķķî heißt: „Ich habe Wasser gezogen“; nâķ mê ist der Wasserziehende. Der Wasserschöpfer ist der Gärtner Hinter dem Rettenden verbirgt sich Ea, der „Wasserschöpfer“ und Weltengärtner (vgl. 1 Mos 3 Jahve als Gärtner). Die Variante ist der Ackerbauer. Der Gerettete bekommt den Beruf des göttlichen Vaters. Auch das verbindet die Geschichte mit den Mo

S. 370 Anm. 6) darstellen. Besonders klar sieht man die Motive Apk 12, iff. Der Drache will das Kind verschlingen. Es wird gerettet und sitzt auf dem Thron. Der rettende Kasten zeigt sich Apk 11, 19! Es ist die mit riborós bezeichnete Lade des Zeltes im Himmel! Der Gerettete sitzt auf dem Thron. Lade und Thron sind identisch. Diese Beobachtung ist entscheidend für die Frage nach dem ursprünglichen religionsgeschichtlichen Sinn der Lade.

1) ops, das Motivwort der Entrückung, s. S. 222.

2) Vgl. S. 6 ff. 108f. Die Himmelskönigin Apk 12, i ist die Mutter des Siegers, dann die Braut des Siegers 21, 9f.

3) So schon ATAO' 256 unter Hinweis auf Akki, den „Wasserträger“ bei Sargon, s. jetzt Winckler F. III, 468f.

4) Nicht ,,als armseliger Beruf des Tagelöhners, der Wasser mit dem šaddûf auf das Feld schöpft“, wie Winckler ). c. 469 will. Beiläufig bemerkt, handelt es sich um den armseligen Beruf der Wasserschöpfer im A. T. an den Stellen i Kg 14, 10; 1 Sam 25, 22. 34, wo sich also Luthers kuriose Übersetzung („bis zum Knaben, der an die Wand pist“, ähnlich bei Kautzsch) erledigt.

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