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I ff.

14, 5 ff. dem Rätsel zugrunde liegen soll. Ein Löwenkampf verschafft ihm die Liebe des Mädchens. Mit Hilfe des Geistes Jahve's hat er ihn zerrissen?. Im Aas des Löwen findet er dann Honig. Der Löwe ist der Repräsentant des himmlischen Nordpunkts (s. S. 21), am Tierkreis des Sonnenwendepunkts. Die Tötung des Löwen ist Gewinnung der Weltherrschaft, dasselbe bedeutet der Honig. „Milch und Honig“ ist einer der typischen Ausdrücke für die Zusammenfassung des gesamten Kosmos (wie Weinstock und Feigenbaum, s. S. 250 Anm. 5, eins vertritt die Oberweitshälfte, das andere die Unterweltshälfte)? Der Bienenschwarm gehört auch der Motivenreihe an. Es ist zu beachten, daß Debora, die Retterin, die den Tyrannen tötet, „Biene“ heißt Motivname wie Simson:). Jedenfalls soll der Vorgang und das daran anknüpfende Rätsel Simson als Tyrannenvertreiber und als rettenden Weltenherrn charakterisieren.

5. Die Geschichte von Simsons. Rache an den Philistern Ri 15, I soll als Exempel der Taten des rettenden Sonnenmannes gelten. Wir verstehen die Motive nur teilweise.

Dreihundert eingefangene Füchse werden je zwei mit brennenden Fackeln zwischen den Schwänzen in die Felder der Philister gejagt. Ist die Geschichte auf eine Linie zu stellen mit dem Motiv der brennenden Felder in der Absalomgeschichte 2 Sam 14, 30 f., die völlig rätselhaft ist? Die Verbrennung des Weibes samt ihrem Vater gehört dazu. Es sieht mir aus wie ein Feuerflut-Motiv. In der Geschichte von Sodom und Gomorrha und bei dem Gegenstück Ri 19f. (s. S. 360 ff.) geht auch das Motiv des verletzten Gastrechts voraus und das Motiv der sexuellen Vergewaltigung wie hier, wo Simson die Aufnahme verweigert wird und sein Weib 30 Gesellen ausgeliefert wurde. Der Sinn wäre dann: Simson bringt die Feuerflut, das Gericht des Untergangs über die Philister. 300 (30 X 10) rote Füchse mit Brandfackeln würden dann die Welten-Sommersonnenwende anzeigen.

Daß es sich um ein bekanntes Motiv handelt, zeigt Ovid Fasten VI, 681 ff. (18. und 19. April): Füchse mit lodernden Bränden auf den Rücken werden durch die Fluren gejagt, daß die Saaten verbrennen. Dabei bemerkt Ovid, daß am Feste der Ceres Füchse verbrannt werden. Der Hundsstern gilt als Fuchs, und Robigo, dem man den Brand im Getreide zuschreibt (Ovid, Fasten IV, 911 ff.) ist der Hundsstern.

6. Die Heldentat bei Lechi 15, 8 ff. Simson ist in der Höhle verborgen. 3000 Judäer Motivzahl) kommen; man fesselt ihn mit zwei neuen Stricken und bringt ihn aus der Höhle herauf auf den Felsen.

1) Der Erretter ist Löwenkämpfer. Das kehrt auch in der Davidsgeschichte wieder. Asurbanipal läßt sich in seinem Palaste als Held darstellen, der zu Fuß mit den Händen den Löwen zerreißt, s. Abb. 163. Gilgameš ist Löwentöter, s. S. 266 Abb. 78 u. ff.

2) Simson ißt den Honig. Vgl. Jes 7, 15 (s. 2. St.) das Motiv des erwarteten Erretters: „Milch und Honig wird er essen.“

3) Anders, wie ich während des Druckes sehe, Winckler in dem eben erschienenen Septemberheft von OLZ, Sp. 490. Die Motive können sehr wohl vieldeutig sein.

+) Daß auch der Erzähler ein solches Jagdkunststück nicht als geschichtlich auigefaßt wissen will, liegt doch wohl klar auf der Hand. Ebenso wird niemand ernstlich behaupten, daß Bienen, die gegen Gerüche äußerst empfindlich sind, in einem Tieraas sich anbauen.

Er zerreißt die Stricke und erschlägt mit einem Eselskinnbacken 1000 Mann. Aus dem gespaltenen Eselskinnbacken wurde er dann durch ein Wunder getränkt, „so daß seine Lebensgeister zurückkommen und er wieder auflebt". Der Eselskinnbacken ist das Gegenstück zu dem Ochsenstecken, mit dem Samgar 3, 31 sechshundert Philister schlug „und Israel errettete“. In den Waffen steckt je ein Motiv des Erretters? Das Wunderwasser ist das Gegenstück zum Honig nach dem Löwenkampf 14, 9. Beidemale handelt es sich um die Erquickung des Helden nach dem Kampfe?

7. Simson bei der Buhlerin in Gaza 16, i ff. Um Mitternacht faßt er die beiden Torflügel des Stadttores und trägt sie auf den Gipfel des Berges. Auch hier handelt es sich um ein Motiv des Tyrannenbesiegers. Die Tradition, nach der frühmittelalterliche Bilder die Szene als Gegenstück zum Goliathkampf darstellten, hat dies Motiv gekannt? Die beiden Torflügel bedeuten dasselbe, wie die beiden Tempelsäulen in Asdod. Der Held hebt die von den Tyrannen beherrschte Welt aus den Angeln (den beiden Toren und Säulen entsprechen Ost- und Westpunkt der Welt, wie Jakin und Boas) als Bringer eines neuen Äon.

8. Simson und Delila 16, 4 ff.3. Der übermenschlich starke Held zerreißt sieben frische Schnüre, die ihn binden sollen; ebenso zerreißt er neue Stricke, mit denen noch keine Arbeit getan ist; den Webepflock, an den seine sieben Locken gebunden sind, reißt er aus der Erde. Aber als die sieben Locken von seinem Haare geschoren sind, wurde er schwächer und schwächer. Die Philister stachen ihm die Augen aus und warfen ihn ins Gefängnis.

Der Erretter, der in die Unterwelt steigt, ehe die neue Zeit anbricht, trägt hier besonders deutlich Sonnenmotive. Die Haare entsprechen den Sonnenstrahlen (S. 371). Abgeschnittene Haare und Blindheit und Gefängnis (S. 384) charakterisieren die Wintersonne, die dunkle Hälfte des Kreislaufs. Bei der Festfeier (Opferfest des Dagon, wohl Neujahrsfest, man achte auf das Trunkenheitsmotiv 16, 25) wird er aus dem Gefängnis geholt. Er faßt die beiden Säulen des Tempels, „eine mit der Rechten, die andre mit der Linken“, und der Tempel stürzt zu

1) Ochs und Esel repräsentieren die beiden Welthälften, bez. Kreislaufhälften; so ist z. B. das Gegenstück des Osiris - Marduk-Stiers der eselköpfige Typhon. Ochs und Esel an der Krippe des Erlösers in der christlichen Legende sind durch Jes 1, 3 nicht genügend erklärt. Das Esel-Motiv in den fragmentarischen Geschichten der Richter, die sämtlich als Retter gelten, ist sehr auffällig. Von Abdon heißt es 12, 13 ff.: Er hatte 40 Söhne und 30 Enkel, die auf siebzig Eselsfüllen ritten. Jair Ri 10, 3 ff. hatte 30 Söhne, die auf 30 Eselsfüllen ritten und 30 Städte besaßen.

2) Z. B. auf den berühmten Bildern des Gasthofs „Stern“ in Ötz in Tirol, die im 15. Jahrhundert renoviert wurden.

3) Die Frage, ob der Einschnitt 15, 20 anzeigt, daß eine andre Quelle für diese und die vorhergehende Geschichte vorliegt, ist ohne Belang. Die Geschichten stammen sämtlich aus einer Überlieferungsquelle und haben alle einen Zweck: Simson als Typus des erwarteten Erretters zu charakterisieren.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

31

sammen.

Die feindliche Welt ist untergegangen. Simson wird in der Gruft Manoahs (s. oben S. 478) begraben. Man hat zu ergänzen: aber er wird emporsteigen und die neue Zeit heraufbringen.

Die Verwandtschaft mit Gilgameš, dem Helden mit sieben Locken (s. Abb. 78), der Löwen tötet (s. Abb. 78 ff.), und durch Ištar ins Elend kommt, habe ich bereits in Izdubar-Nimrod (1891), S. 70 hervorgehoben. Die Verwandtschaft liegt darin, daß beide Erretter-Typen sind, und zwar mit Sonnen-Motiven ausgestattet. Auch Herakles ist in diesem Sinne eine verwandte Gestalt'. Eusebius hielt sehr begreiflich Herakles für eine „heidnische Nachahmung Simsons“. Es ist sehr wahrscheinlich, daß unser Richterbuch aus einer Überlieferung geschöpft hat, die zwölf Taten des Simson kannte.

Ri 21, 7 ff. (der Raub der Mädchen in Siloh), s. S. 399.

l'ierundzwanzigstes Kapitel.

Samuel, Saul, David, Salomo.

Samuel.

1 Sa iff. * Samuels Geburt und Berufung. Das Motiv der wunderbaren Geburt leitet die Geschichte ein, wie die Geschichte Simsons Ri 13, 2 ff. und Gideons Ri 6, 11 ff., s. S. 474, die die neue Zeit bringen. Die Mutter ist unfruchtbar (zu dem Motiv, das im Liede wiederkehrt 2, 56, s. S. 342; 370)? Durch Orakelspruch in Siloh wird ihr der Sohn verheißen. Der Name Šemu’el, der 1, 20 gleich dem Namen Saul, als der „Erbetene“ (ša’ûl) gedeutet wird, obwohl er etwas andres bedeutet, soll ihn wohl nicht nur als das erbetene Kind, sondern als den ersehnten Erretter bezeichnen. Als Gottgeweihter wird der Knabe zum Heiligtum gebracht. „So lange er lebt, sei er ša'ûl Jahve's.“ „Bei Jahve wächst der Knabe heran.“ 3, 4 ff. erzählt, wie Jahve persönlich ihn beruft. 3, 19: „Und Jahve war mit ihm.“ „Er wuchs heran und nahm

an Gunst bei Gott und bei Menschen.“ Eine neue Zeit bricht an (vgl. 3, i mit 3, 21). Samuel ist also auch eine Errettergestalt. * Das ,

„Lied der Hannah“ handelt von der Erlösererwartung. Es ist auf das Auftreten Samuels angewendet, wie die ähnlichen Erlöser

zu

^) In Izdubar-Nimrod S. 70 habe ich gegenüber dem Urteil v. Wilamowitz-Möllendorff (Euripides, Herakles), „es sei bodenlos, in altorientalischen Sagen Herakles zu suchen“, gezeigt, daß gerade die Bestandteile des Herakles-Mythus, die als Urbestand angesehen werden, mit dem altorientalischen Mythus zusammenstimmen.

?) Man beachte den zarten Zug 1, 8, der die Stellung der Frau illustriert. Elkana sagt: „Bin ich dir nicht mehr wert, denn zehn Söhne?"

3) Eigentlich Zusammensetzung aus eu und sx s. KAT' 225; zu ša’ûl „der Befragte“ s. S. 485.

im

zu

erwartungslieder, die mit der Geburt des Täufers Johannes und mit der Geburt Jesu verbunden sind. Für die Geschichte der Heilserwartung sind diese Lieder von hoher Bedeutung. Das Alter des Liedes ist wohl kaum zu bestimmen. Die Bearbeitung kann natürlich jünger sein als die Formeln und Gedanken. Die Motive von der „Unfruchtbarkeit" 2, 5 f. und von Jahve, „der tötet und lebendig macht, der in die Unterwelt stürzt und heraufführt“ ?, muten alt an. Wenn am Schluß vom gesalbten König die Rede ist (2, 10), der im Namen Jahve's die Errettung bringt, so müssen wir uns im Prinzip gegen die Behauptung aussprechen, als ob solch ein Wort nur in nachköniglicher Zeit in Israel erdacht sein könnte. Die Erlösererwartung konnte Orient allen Zeiten als Königserwartung ausgesprochen werden; auch im alten Israel wußte

sehr wohl,

eine rettende Königsgestalt bedeutet. Das Horn des Gesalbten ist das Zeichen göttlicher Kraft,s.S.381Anm.3, vgl. Abb. 88 S. 290 und Abb. 69 S. 203.

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man

was

1 Sa 2,

22

a m

(Frauen als Dienerinnen Heiligtum), s. S. 281 f.

i Sa 3, 2 ff. Das Zelt Jahve's im

Abb. 164: 'ohel moʻed, als

Zerschlagung von Götterstatuen. Relief aus Khorsabad;

Botta II, 114.
festes Gebäude in
Siloh s. S. 446.

i Sa 4, 13 (Eli auf dem Stuhle im Tore), s. S. 430 Abb. 136.
i Sa 4, 19 ff. (Ikabod), s. S. 443.

i Sa 5, I ff. Das Bild Dagons ist in Stücke zerschlagen. Kopf und Hände liegen auf den Stufen zum Postament, das das Bild der Gottheit trägt. Das Volk mag das als einen förmlichen Kampf zwischen Jahve und Dagon empfunden haben.

1) Derselbe Gedanke als Bild der Befreiung babylonisch zu belegen, s. S. 109f.

2) Auf dem miftan, s. zu Ze 1, 9, S. 603. Auch i Sa 5, 5 handelt es sich um die Stufen des Adyton, auf die die Priester nicht mehr zu treten wagen.

Das Zerschlagen einer Götterstatue illustriert Abb. 164! Näheres zu Dagon und seinem Kult wurde S. 470 besprochen.

i Sa 5, 5 (miftann icht Schwelle), s. S. 54. 483 Anm. 2. 603.

I Sa 6, 4 ff. Goldene Pestbeulen und goldene Mäuse werden als Weihgeschenke vor der Lade niedergelegt. Die Beulen sollen wohl in effigie zum Zwecke der Heilung die Krankheit darstellen, wie es ähnlich der bekannte katholische Brauch noch heute zeigt, der wächserne oder silberne Gliedmaßen vor dem wundertätigen Bilde weiht? Dieselbe Bedeutung haben die Mäuse als Symbole der Pest. Eine goldene Maus, jedenfalls auch als Weihgeschenk benutzt, fand Ed. Glaser in Südarabien; s. Nielsen, Altarabische Mondreligion, S. 120.

i Sa 6, 7 ff. (Die Lade auf dem Kuhwagen), s. S. 444.

i Sa 7,6(Wasserschöpfen und Trankopfer vor Jahve), s. S. 428. Die kultische Sitte 3 spricht für das Alter der ,,Wasserschöpfung“ beim Herbstfest, wie es Joh 7, 37f. wohl auch Jes 12, 3 vorausgesetzt und im Traktat Succa beschrieben wird +

Saul und David. i Sa 8, ni ff. schildert eine orientalische Tyrannis. Unter andrem müssen die Söhne „vor dem Wagen des Königs herlaufen", buchstäblich im Trab, wie noch heute beim Selamlik. So werden wir uns Ahas zu denken haben, als er vor dem Triumphwagen Phuls in Damaskus eingezogen ist, s. S. 521 u. S. 607.

i Sa 9, I ff. Saul, Sohn des Kiš'. Jahve hat ihn gesalbt zum Fürsten, und er soll Israel befreien 6.

* Die Beschreibung führt ihn demgemäß mit den Motiven der Errettergestalten ein: Er ist stattlich und schön (bahûr wațôb, 9, 2, vgl. 1 Mos 39, 6 Josef, 1 Sa 16, 12 David), der schönste Mann in Israel, an Haupteslänge alle überragend (9, 2; 10, 23). Gott hat ihn auserwählt, gesalbt, und zum Erretter bestimmt. Das Werfen des Loses bestätigt die göttliche Berufung. Nach einer Quelle sucht der Erwählte „die Esel

1) ATAO' sicher irrtümlich unter Menschenopfer mit Fragezeichen gestellt, vgl. S. 454.

2) Die Beulen gehören nach Winckler Gesch. Isr. II, 152 dem Jahvisten an, der das Symbol (Mäuse-Pest) in die Wirklichkeit verwandelt.

3) Man schreibt die Stelle dem Deut. zu. Das mag von der Bearbeitung gelten. Aber es wird sich wohl hier wie bei dem „gekochten Opferfleisch“ 2, 13 ff. und bei den Tempelfrauen (2, 22) um alte Kultuseinrichtungen handeln. Trankopfer für Jahve bezeugt auch 2 Sa 23, 16.

*) S. BNT 75. Eine Libation bei den Assyrern stellt Abb. 136 dar.

5) Der Name Šaulânu kommt babylonisch KB IV, 100 vor. Ki-i-šu heißt im assyrischen Eponymenkanon der Eponym von 755 (KB I, 20“).

6) 10, i nach Sept. (66 El, hebr. 3-0), s. Klostermann 2. St.

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