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seines Vaters" 1. Nach einer andern Quelle wird er vom Pfluge weggeholt, um seine Retterarbeit zu beginnen 11, 5 (s. S. 53 f. 474) ? im Kampfe gegen den Amoniter Nahaš, der den Bürgern von Jabeš das rechte Auge ausstechen will. Schon der (gewiß künstliche) Name Nahaš (d. h. Schlange) 11, 13 zeigt das Motiv des Drachenkampfes an. Nach siebentägiger Frist finden die Boten den Retter Saul beim Pfug. Er zerstückt die Rinder in 12 Stücke und schickt sie als drohendes Kriegsaufgebot an die 12 Stämme (ein ganz ungeeignetes Signal, offenbar mythologisch). Mit drei Heer haufen besiegt er zur Stunde der Morgenwache die Amoniter.

Wie der Kampf gegen Jabeš, so ist auch der durchaus geschichtliche Kampf gegen die Philister astralmythologisch ausgestattet. Ein „Gottesschrecken“ verursacht eine Verwirrung, so daß die Feinde die Waffen gegeneinander wandten. Es ist das gleiche Motiv, wie beim Kampfe Gideons Ri 7, 16 ff., s. S. 4765 und bei der Eroberung Jerichos (S. 468 f.).

Die Errettergestalt Saul trägt Mond - Motive. Auch hier soll man das vielleicht schon aus dem Namen heraushören (Ša'ûl der Befragte, der Mond ist der Herr der Orakel). Er hat drei Söhne i Sa 14, 49, nach 2 Sa 21, 8 zwei Söhne und fünf Enkel. Zum Mondcharakter stimmt das Hinabsteigen in die Totenwelt (1 Sa 29, s. S. 491). Auch der Tod Sauls deutet das Motiv an. Saul tötet sich, nachdem seine drei Söhne gefallen sind. Er stürzt sich in seine Lanzer. Die Philister schneiden seiner Leiche den Kopf ab, 31, 98. Der Schwarzmond (d. h. der Mond im Tode) gilt im Mondmythus als Gestalt, die den abgeschnittenen Kopf im Arme trägt. Ebenso gehört die Lanze zum Mond. Zur Lanze in den Saulgeschichten vgl. 1 Sa 18, 10 f.; 19, 10; 20, 33; 26, 22; 2 Sa 1, 6o. Münzen von Laodicea, Tiberias, Skythopolis, Caesarea am Meere, Sebastę und Aelia Capitolina zeigen die mannweibliche phöniz.- kleinas. Gottheit Onka-Mene, die allgemein als Mond Lunus und Luna) gilt, mit der Lanze in der einen, mit einem abgehauenen Menschenkopf in der anderen

1) Auch ein Motiv der Königsberufungssage: Der Esel ist Tier des Messias, s. S. 459 Anm. 4.

2) Zur Quellenscheidung s. Winckler, Gesch. Isr. III, 153. Wir haben drei Berufungsgeschichten.

3) Der Sohn dieses Nahaš läßt den Boten Davids, die nach dem Tode des Vaters kondolieren, den Bart halb abscheren und die Kleider bis ans Gesäß abschneiden. Der Bart ist den Orientalen das Heiligste. Zur andern Verspottung s. S. 574 f.

*) Motiv des Mondkampfes s. S. 348. 476. Winckler 1. c. 155 wird mit seiner Vermutung recht haben, daß das unmotivierte Augenausstechen, das auch die Alexanderlegende verwendete, ebenfalls Mond - Motiv ist. Der historische Hintergrund könnte sein: Nahaš wurde wie Philipp von Mazedonien (der mythische Pfeil trägt die Aufschrift: in Philipps Auge) das Auge ausgeschossen. Er will sich rächen.

5, S. Winckler 1. c. 163. 6) Anders nach 2 Sa 1, 10.

) So wohl ursprünglich, wie der Bericht 2 Sa 1, 6 vermuten läßt, i Sa 31, 4 hat ,,Schwert“.

*; Seine Rüstung hängen sie 31, 10 im Ištartempel auf, s. S. 491. 9, S. Abb. 161 und S. 105, vgl. auch Jos 8, 18 und 26.

Hand". Einer dieser Münzorte (Skythopolis, heute Bešân oder Beisân) ist identisch mit dem biblischen Beth šeân, an dessen Stadtmauer die Leichen Sauls und seiner Söhne aufgehängt wurden (1 Sa 31, 8 ff.; 2 Sa 21, 12). Die Volksreligion kannte also in jener Gegend die entsprechenden Mond-Mythen. Der abgeschlagene Kopf wird auch bei der Goliathgeschichte hervorgehoben, s. S. 490 und Abb. 167.

Die persische Geschichtserzählung nach Herodot verwendet die gleichen Motive. Während Xenophon berichtet, daß Cyrus auf seinem Totenbette ruhig eingeschlummert (bei Ktesias stirbt er an einer Wunde, nach Diodor wird er gekreuzigt) berichtet Herodot I, 21, Tomyris habe nach der Schlacht den Leichnam des Cyrus geköpft, er habe den Kopf in einen mit Blut gefüllten Schlauch gesteckt und so den Leichnam geschmäht.

Auffällig ist auch noch die Hervorhebung der Krone und der Armspange Sauls, 2 Sa 1, 10. Der Mond wird mit Vorliebe als Inhaber der Krone (bel agê oder šar agê) geschildert. Die gehörnte Mondscheibe gilt als Krone. So am Schluß des S. 102f. teilweise wiedergegebenen Mondtextes. In den Omina ist von der Krone des Mondes beim Erscheinen des Neumondes die Rede, ferner von der „riesigen Krone“, die er 5 Tage trägt (bis zum Halbmond, vgl. S. 103). Daß auch hier ein Requisit des Mythus hineinspielt, dafür spricht die Parallele bei Plutarch, Artaxerxes 17. Wie hier der Amalekiter hingerichtet wird, der Krone und Armring an sich genommen hat, so läßt dort Parysatis den Eunuchen Masabates hinrichten, der dem Usurpator Kopf und rechte Hand (die Glieder, die die Königsinsignien tragen) abgehauen hatte, s. Paton in ZNW 1901, 340. *

i Sa 9, 11 (die Steige zur Stadt hinauf). Wir haben uns die alten Städte Kanaans genau so vorzustellen, wie eine moderne Araberstadt mit ihren engen Stufengassen, die bis zur Burg hinaufführen. Auch das älteste Rom wird so „orientalisch“ ausgesehen haben. Die Opferstätte liegt auf einer bama vor den Toren der Stadt 9, 14, s. Abb. 152 und 153.

1 Sa 9, 22 die Tafelordnung, Saul und sein Knecht an der Spitze der Geladenen, vgl. Lc 14, 8ff.

i Sa 10, 1. Ölsalbung zum Empfang des Königs. Nach einem Amarna-Brief (KB V, 37) salbte Thutmes III. den Großvater des Fürsten von Nahašše zum König. Die Sitte ist also für das vorisraelitische Königtum in Kanaan bezeugt.

i Sa 13, 19ff. Die Erzählung beleuchtet die trüben Zustände in Israel während der Richterzeit und erinnert an die Stelle im Deboralied Ri 5, 8: Schild ward nicht gesehen, noch Speer in Israel.

i Sa 16, II. Davids Berufung.

Die Biographie Davids2 hat darauf Rücksicht zu nehmen, dass die jetzt vorliegende Erzählung zwei Überlieferungen über

1) Movers, Phönizien I, 649 nach Eckhel, Doctr. num. vet. III, 336. 426. 431. 439 f. 442. Hier nach Stucken, Astralmythen 54, Winckler, Gesch. Isr. II, 169.

2 Der Name Da-wi-da-nim kommt dreimal in den HammurabiKontrakten vor, s. Ranke, Personal Names S. 78. Der angebliche Name

die Jugend des Helden harmonisiert: die Geschichte von dem Hirtenknaben und Harfenspieler David, und die Geschichte von David, dem jugendlichen Helden, der erst als Besieger Goliaths an den Hof Sauls kommt. Den Kampf mit Goliath haben beide Überlieferungsreihen I und II berichtet!

In Erzählung I wird Isai's jüngster Knabe in Bethlehem vom Felde hergeholt und zum König gesalbt? (zur Salbung s. S. 486), 16, 1 ff. Er hat 16, 12 vgl. 18 rötliches Haar?, ist schön von Augen und hat wohlgebildete Gestalt(Tammuz-Motiv,s. S. 385 4.484 zu Saul). Er war ein von Gott Erwählter von Jugend auf („ Jahve war mit ihm“) und hatte schon in der Jugend Heldentaten vollbracht (16, 18, ausführlicher 17, 34 ff., wo von Löwen- und Bärenkämpfen erzählt ist, s. S. 480). Er ist Harfenspieler, Dichter und Sängert, und bezwingt als solcher den bösen Geist. Durch den Sieg über Goliath erweist er sich als der

Abb. 165: Spielmann und begeisterter Zuhörer. Erretter. Von jener Zeit an Torrelief aus Sendschirli in Syrien. war Saul eifersüchtig, denn David war Liebling des Volkes, 18, 16. Als einst David vor Saul spielte, sucht ihn Saul, vom bösen Geist getrieben, an die Wand zu nageln.

In Erzählung II vom Kriegsmann David wird die verhängnisvolle Feindschaft Sauls mit der beim Goliathkampf ausgebotenen Königstochter

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Daudu eines altbabylonischen Priesterkönigs des 4. Jahrtausends, den die Ausgrabungen der Universität Chicago in Bismya zutage gefördert haben, existiert nicht. Wir geben das Bild, das mit der irreführenden Erklärung durch die illustrierten Zeitungen wandert, als nachträgliche weitere Illustration zu S. 288 wieder, s. Abb. 166 und S. 488 Anm. 3.

1) Zur Quellenscheidung s. Klostermann, B. Samuelis S. 60 ff. Die Erzählung von dem jungen Helden, der 17, 55 ff. Saul noch völlig unbekannt ist, beginnt 17, 12.

2) ?, Saul ist nach 10, i zum 7nm gesalbt.
3) pinjam zu lesen, s. Klostermann 2. St.

+) Das gehört nach orientalischem Begriff zusammen. 16, 16 Sept. εidóra vállev. Auf den Toren von Sendschirli (Taf. XXVIII in der Veröffentlichung des Berliner Museums) ist ein Spielmann abgebildet, dem ein anderer begeistert zuhört, s. Abb. 165.

5) Vgl. 5 Mos 15, 17 und dazu S. 419.

(S. 379 Anm. 2) in Verbindung gebracht. Saul ist eifersüchtig auf den Kriegsmann. Michal, die Tochter Sauls, warnt und rettet den Helden'.

Winckler, Gesch. Isr. II, 170f. hat auf die Geschichte des Königs Sandracottus hingewiesen, der aus niederem Geschlechte ist, vor König Nandra, der ihm nach dem Leben trachtet, flieht, auf einen Traumbefehl hin eine Räuberbande sammelt, mit ihnen den Befreiungskrieg gegen den Statthalter Alexanders führt und so zum König wird (Justin 15, 4, 15ff.); ferner auf die Alexanderlegende, nach der Alexander den Kleitos in sinnloser Wut (in Eifersucht, weil Philippus' Taten zu seinen Ungunsten durch Kleitos verherrlicht wurden) mit dem Speere zu durchbohren sucht 2. Die Berührungen sind nicht zufällig. Wir haben bereits an vielen Beispielen gesehen, daß die orientalische Geschichtserzählung die gleichen Motive hervorzuheben liebt. Aber die Sache liegt nun nicht so, daß mit diesen Motiven einfach Geschichten aus den Fingern gesogen werden („daß die Erzähler die orientalische Legende in gleicher Weise geplündert haben“, wie Winckler einmal S. 139 sich ausdrückt), sondern die Überlieferungsstoffe können dabei sehr wohl historisch sein. Man versuche nur, irgendwelche Geschichtsepisode etwa aus der Antike, die ohne die Motiv-Kunst erzählt ist, mit Hilfe der bekannten Motive auszustatten, und man wird sehen, wie die Wirklichkeit allenthalben zu Hilfe kommt. Selbstverständlich ist auch der Fall möglich, daß reine Dichtung mit Hilfe der Motive vorliegt. Aber die Glaubwürdigkeit der biblischen Erzählung mit ihrer tiefen sittlichen und religiösen Tendenz ist denn doch gewichtiger, als

z. B. die der Alexanderlegende. Abb. 166: E-SAR, der mächtiges König,

i Sa 14, 21 (Hebräer), König von Ud-NUNki (Adab).

s. S. 365 Anm. 2. Gefunden in den Tempeltrümmern von Bismya

i Sa 17, 1 ff. David in Babylonien.

und Goliath Im Vgl. S. 485 f. Anm. 2 und unten Anm. 3.

Philisterkrieg bietet sich 1, S. Winckler, Gesch. Isr. II. 170. Zur Rettungsgeschichte s. S. 376. 2) Er flieht und wird dann, da er umkehrt, wirklich durchbohrt.

3) DA-LU dannu „mächtig“, wie oft in den altbab. Königsinschriften (ich verdanke die richtige Erklärung H. Zimmern), von den Amerikanern DA-UDU gelesen und als „,sumerischer König David" erklärt! Inschrift veröffentlicht Am. Journ. Sem. Lang. 1904/5, P. 59.

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einer zum Zweikampf dar. Dasselbe hören wir oft in den antiken Kriegsgeschichten z. B. bei Homer. Für die Kunst der Erzählung ist der eine die Zusammenfassung der gesamten feindlichen Macht. Die Ausmalung seiner Gestalt erhält die Züge der Unterweltsmacht, der winterlichen Seite des Kreislaufes, des Chaosdrachen. Der Sieger erhält die Züge des lichten Jahrgottes, des Erretters, der die neue Zeit bringt 1.

* 1. Der Name Goliath würde einem babylonischen gallitu (gallatu) entsprechen, das „Meer“ bedeutet. Man soll also vielleicht bereits beim Namen Goliath an die Drachengestalt (= Tehom-Tiâmat) denken?.

2. Er tritt vierzig Tage „früh und spät“ hervor, 17, 16. Wir kennen die vierzig Tage als Inbegriff der Winterzeit vor Frühjahrsbeginn, S. S. 62.

3. In der Angabe seiner Länge (sechs Ellen und eine Spanne) liegt das andre Darstellungsmittel der Winterszeit. Statt der vierzig Tage der Aquinoktialstürme vertreten die 5%. Epagomenen die Winterszeit, die Neujahr vorangeht, oft zu fünf oder sechs abgerundet. Der Winterriese hat die entsprechende Motivzahl in der Körperlänge oder als Mann mit sechs Fingern und sechs Zehen (so der Riese nach 2 Sa 21, 20, s. S. 490). Der Hersteller unserer Erzählung hat das Motiv nicht mehr verstanden und verballhornt: sechs und eine Spanne, statt fünf und eine Spanne! Vgl. auch S. 466 Anm. 6.

4. Beim Auftreten braucht er höhnende Worte, 17, 10. 23. 26. 36. Das ist regelmäßig wiederkehrende Formel beim Drachenkampf, vgl. S. 135 (Tiâmat verhöhnt Marduk) und zu Da 7 S. 595 f.

David tritt Goliath als Drachenkämpfer entgegen":

1. Dem Sieger wird 17, 25 (II) die Königstochter zur Frau angeboten. Motiv der ausgebotenen Königstochter beim Drachenkampf, s. S. 379 Anm. 2.

2. David rühmt sich, bereits als Knabe Löuen und Bären getötet zu haben. Zum Helden als Löwentöter s. S. 266 (Abb. 78) und S. 479 f. (Abb. 163).

3. Die Hervorhebung der Kleinheit Davids', dem keine Rüstung paßt, 17, 38 ff. entspricht dem Motiv, das wir am deutlichsten im Däum

) Vgl. Winckler, Gesch. Isr. II, 172 ff., der die Motive des Drachenkampfes in der Goliathgeschichte aufgewiesen hat.

2; So Peiser, WVAG 1901, 73, vgl. mar-galitu „Tochter des Meeres“ Perle.

3) Dasselbe Motiv bei Strabo XIII, 2f., wo Antemenidas die Babylonier aus großer Not befreit, indem er einen riesigen Krieger mit dem Schwerte tötet, der fünf königliche Ellen weniger eine Spanne mas (vier Epagomenen des Mondjahres statt der fünf des Sonnen-Mondjahres?). Bei Herodot ist der Erbauer des Athoskanals, der als Heros verehrt wird, „fünf Ellen weniger vier Finger“ groß. Beispiele zitiert nach Winckler 1. c.

4) Zwei Erzählungstypen mit I und II bezeichnet, s. S. 487.

5) Wie der „kleine, geschmeidige“ Alexander den Riesen Poros tötet, Pseudo-Kallisthenes III, 4 (Winckler, Gesch. Isr. II. 176).

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