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welt usw. Der Babylonier kennt einen himmlischen Euphrat und Tigris (wiederum vgl. Milchstraße), ein kosmisches Babylon', Eridu, Nineveh. Und der gesamte Orient kennt diese Anschauung.

Für den Stadtbezirk von Sidon ist der Nachweis der Lokalisierung der Weltteile in einer Bauinschrift Bod - Astarts, des Enkels Ešmunazars, kürzlich in überraschender Weise geführt worden. Die Inschrift unterscheidet ein Meer - Sidon, Ebenen - Sidon, Unterwelts - Sidon. ClermontGanneau vermutete den mythologisch-kosmischen Sinn der Namen, ohne daß ihm die zugrunde liegende altorientalische Theorie bekannt war; s. v. Landau MVAG 1904, 321 ff. Auch die Flüsse Phöniziens haben mythologisch-kosmische Bedeutung, s. Winckler F. III, 25 f. Im Libanon heißen zwei Quellflüsse des Nahr-el-Kelb: Neba' el-Asal, Honigquell, Neba' el-Leben, Milchquell, s. Baedeker, Palästina.

Auch bei Einteilung der Bevölkerung wird das himmlische System zugrunde gelegt. Daraus erklärt sich die Zwölfzahl der Stämme und die Siebzig (Var. 72, 73, s. S. 59) als Gesamtzahl der Staaten und Völker?

Die Anschauung von der Entsprechung zwischen Himmelsbild und Land ruht selbstverständlich auf der Idee, daß die gesamte Erde ein Abbild des Himmels ist. Die praktische Ausgestaltung dieser Lehre hängt natürlich von der größeren oder geringeren Kenntnis von der Ausdehnung der Erde ab. Die arabischen Geographen kennen die Einteilung der Erde in sieben Klimata nach den 7 Zonen der himmlischen Erde, die Einteilung des Erdballs in 12 ώρων κλίματα 1st in Griechenland wie in Mexiko und Ostasien + zu finden. Boll hat in seinen Texten, die er in seiner Sphaera behandelt, eine Einteilung des

den Griechen. Zum Gottessitz (Sinai-Horeb, Bethel-Gilgal-Mizpa, ZionMorija, der Idealberg Jes 2, Mi 4) vgl. Kap. V „Paradies“, zu i Mos 28; Ez 5,5 etc.

^) Der von Hommel Geogr. und Gesch. 323 ff. behandelte Text. Reisner, Hymnen S. 142, schildert das himmlische Babylon H. Zimmern).

2) Zum Schema der Zwölfstämme s. später, zu den 12 Etruskerstaaten Kap. III u. Etrusker, zwölf Araberstämme zählt Abulfaradsch, Hist. Dynast. 101. Das Seleukidenreich wird als 72-teilig dargestellt. Ungarn hat im Mittelalter angeblich 73 Komitate, die mittelalterliche Kirche zählt 70 europäische Staaten mit je einem Schutzheiligen; vgl. BNT 93, Winckler, Ex or. lux II, 2, 44.

3) Hieran sieht man besonders deutlich, daß in der Lchre das Himmelsbild das Ursprüngliche ist und nicht etwa das Erdbild. Woher sollte man 7 Zonen der Erde kennen?

4) S. Ideler, Zeitrechnung der Chinesen 1839, 5 ff.

Widder

Stier

Globus in 12 Zonen gefunden (Dodekaoros), die dem ostasia-
tischen Tierzyklus von 12jährigen Perioden entsprechen, von
denen je eine nach einem Tiere benannt ist. Die 12 Teile
des Dodekaoros, die den Tierkreiszeichen entsprechen, sind die
folgenden 1 :
L and

Dodekaoros Tierkreis
Persien

Maus
Babylon

Hund
Kappadokien Schlange

Zwillinge
Armenien
Käfer

Krebs
Asia
Esel

Löwe
Jonia
Löwe

Jungfrau
Libya
Bock

Wage
Italien
Stier

Skorpion
Kreta
Habicht

Schütze
Syrien
Affe

Steinbock
Indien
Krokodil

Fisch. Auch in der chinesischen Mythengeschichte erscheint das Land als Bild des Kosmos. Jao (um 2350 v. Chr.) befreite das Land von den Folgen der sintflutartigen Überschwemmung, „die Hügel begrub, Berge verschwinden ließ und den Himmel bedrohte“, wie der Schu-king sagt. „Unter seinem Nachfolger wurde das Land nach den vier Weltgegenden eingeteilt und nach den vier Bergen, über deren jeden ein Oberhaupt gesetzt wurde; zwölf Mandarinen, die das Volk regierten, sechs Aufseher über den Ackerbau, über das häusliche Leben, zum Schutze, über die Handwerke und Nahrung, endlich Musik und Erziehung. Etwas später wurde das Ganze in neun Provinzen geteilt, jede ihrem eigenen Regenten untergeben, die Provinz Ki in der Mitte vom Kaiser selbst regiert. Im Zentrum befand sich der Hof, umgeben von seinen Äckern, dann im Kreise herum die Äcker des Volkes, im zweiten Kreise die Viehweiden, im dritten die Wälder und Jagdreviere. Die Provinzen stießen daher in den Wäldern aneinander, und ein Weg führte von einer Hauptstadt zur andern. Der Kaiser war Oberpriester, er ordnete die Feste, und er allein opferte im ganzen Volke dem Tien, dem Herrn des Himmels.“ S. Görres, Mythengeschichte S. 17.

2. Die Tempel. Dem Walten der Götter am Himmel entspricht ihr Walten auf Erden. Und wie jede Gottheit ihren Wirkungskreis, ihre Offenbarungsstätte am Himmel hat („Häuser“ am Himmel, s. S. 26, téuevos, templum), so hat er auch seine Wirkungsstätte

^) Boll, Sphaera 296 und dazu Winckler OLZ 1904, 96 Krit. Schr. III, 96 mit der Erklärung des Steinbocks auf Syrien. Tierkreis und Dodekaoros zusammen zeigt auch der ägyptische Globus bei Kircher, Oedipus Aegyptiacus II, 2, 206 f. – Zur Bezeichnung der Ekliptik, und zwar so, daß das erste Tier dem Widder entspricht, dienen die Figuren des Tierzyklus auch in Japan, s. Stern, Gött. Gel. Anz. 1840, 2013 f.

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auf Erden. In diesem Sinne ist die Gottheit der Herr des Landes (kanaanäisch ba'al, babylonisch belu). Darum schleppt der Eroberer die Gottesstatue fort, wenn er Rechtsansprüche auf das Land erhebt, und richtet die Statue des Gottes auf, in dessen Stellvertretung er regiert. Und wenn die Gottheit das Land verlassen hat, ist das Land herrenlos! Im Krieg gegen Judäa spielte für den babylonischen König die Bundeslade die Rolle der Gottesstatue. Und die Leute redeten aus dieser Anschauung heraus, wenn sie sagten: ,,Jahve siehet uns nicht; Jahve hat das Land verlassen." Nach Ezechiels Vision wohnte Jahve während des Exils in Babylon, die Merkaba ist der Wagen, auf dem er einherfährt: Ez 9, 3; 10, 4 besucht er seinen Gottessitz in Jerusalem

Wie das gesamte Land, so ist insbesondere der Tempelbezirk Abbild der himmlischen Welt. Wie jedes himmlische Götterhaus sein Abbild im irdischen Kultort hat, so wird dieser siebenstufige Planetenhimmel (die Auftürmung des Tierkreises) in den siebenstufigen Tempeltürmen abgebildet, von denen jede Stufe einem Planeten geweiht ist und dem entsprechend eine der sieben Planetenfarben zeigt (s. Kap. XII). Schon Gudea redet von dem Tempel der sieben tubķâti, dessen Besteigen das Aufsteigen zum Himmel bedeutet und darum ein gottwohlgefälliges Werk ist: Ningirsu bestimmt dem ein gutes Geschick, der bis zur Spitze steigta. Hammurabi sagt?, er habe den Tempel Bar, den Sonnentempel von Sippar, groß gemacht; er sei ,, wie die Wohnung (šubat) des Himmels"

Die Tempelstufen entsprechen den Stufen des Tierkreises4, die Tempelsäulen den kritischen Weltpunkten (Ost und West oder Nord und Süd, je nach der Kibla). Im einzelnen stellt das üdvtov wiederum den Gottessitz dar, Stufen führen hinauf zur Statue der Gottheit.

Wenn aber der Tempel als Mittelpunkt einer Welt gilt, so ist jeder Tempelbezirk ein Mikrokosmos, in dein die Mythen von der Weltentstehung, vom Kampf und Sieg gegen die finstern Mächte und alle sonstigen Erscheinungen der Götterwelt sich wiederholen. Darum begegnen uns die Mythen in tausendfältigen Variationen, die immer wieder auf dieselben Grundideen alt

1) S. Winckler in KAT 3 158 und zum Folgenden Gesch. Isr. II, 2; F. III, 383. 2) Cyl. G, col. I.

3) Cod. III, 29 ff.
*) Vgl. S. 6 und die Himmelsleiter“ in Jakobs Traum.

orientalischer Weisheit zurückgehen, wie bereits S. 4f. besprochen wurde. Die Erkennungszeichen gemeinschaftlicher Herkunft sind die immer wiederkehrenden Motive, die aus der einen mythologischen, d. h. himmlischen, astralen Schatzkammer hervorgehen.

Das eigentliche Heiligtum (Adyton) stellt den Sitz des summus deus dar. Jeder Tempel entspricht dem Mittelpunkt der Welt, jeder Lokalgott ist für seinen Bezirk höchster Gott. Die Tempellehre weist nach, daß sein Kultort dem entsprechenden kosmischen Ort entspricht. Und da jede Gottheit Offenbarung der gesamten göttlichen Macht ist, so wird gezeigt, das die Segnungen der Gottheit sich an dem betreffenden Kultort gerade durch die hier verehrte Gottesgestalt offenbaren müssen.

Der Tempelplan wird vom Himmel her vorgezeichnet. Die Gudea-Bautexte z. B. handeln zum großen Teil von dieser göttlichen Bestimmung. Die einzelnen Teile des Tempels entsprechen dem Himmelsbild.

Im israelitischen Heiligtum zeigt sich die gleiche Anschauung, nur wiederum geistig vertieft und auf jeder Stufe der Entwickelung der Vorstellung von Jahve als dem „Herrn der Herren, der Götter Gott“ oder als dem alleinigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, entsprechend: 1. im ’ohel mo'ed, wo Jahve auf Kerubim thront, mit seinen Kultstücken, die der astralen Welt entsprechen; 2. im salomonischen Tempel; 3. im Idealtempel Ezechiels. Das wird im einzelnen an den betreffenden Stellen besprochen werden.

3. Der Königssitz. Der König ist nach orientalischer Anschauung Stellvertreter Gottes auf Erden, gleichsam als Inkarnation der Gottheit 1. Im Etana-Mythus sehen sich Ištar und Bel im Himmel und auf Erden nach einem König um. Inzwischen liegen bereits die Insignien, Zepter, Binde, Mütze, Stab vor Anu, dem summus deus, im Himmel bereit. Und in einem Hymnus auf Marduk heißt es: „Zepter, itkurtu (?), Waffe, Krone bringt er hervor für den König."

Der König von Babylon repräsentiert demnach Marduk. Der Jupiter wird aber als „Sonnenstier“ bezeichnet, sein Platz am Himmel als „Furche des Himmels“ (pidnu ša šamê, s. Hommel, Aufs. u. Abh. 356), ebenso ist der Pflug das Attribut des Osiris. Nebukadnezar nennt sich Landmann (ikkaru) von Babylon. Der Kaiser von China zieht alljährlich die Furche

1) Die südbabylonischen Könige haben das Götter - Determinativ, cbenso Sargon I. und Naramsin, s. Winckler, Geschichte Isracls II, 300. Die Pharaonen nehmen die gleiche Würde in Anspruch, in besonderem Sinne Kuenaten. Der Kaiser von China ist „Sohn des Himmels" (Tien „Himmel“, Schang-tien „höchster Herrscher des obersten Himmels“).

mit gelbem Pfluge. Das wird jetzt nur als landwirtschaftliche Festsitte empfunden; den ursprünglichen Sinn deutet die orientalische Lehre. Vgl. das Pflug-Motiv bei Beginn einer neuen Ära (der römische Diktator, Saul) und die Sitte, bei einer Stadtgründung das Gebiet mit dem Pfluge abzustecken, H. Winckler, Ex oriente lux II, 2, 52. Vgl. unten S. 68.

In Babylon ist das Neujahrsfest das Fest der Inauguration des Königs. Er ,,ergreift die Hände Marduks" und übernimmt damit die Regierung aus seinen Händen. Das pûru akrur (,ich warf das Los") des Königs ist in Assyrien als gleichbedeutende Handlung bezeugt. Am Neujahrstag bestimmt die Gottheit das Geschick, der König handelt stellvertretend.

Der Hofstaat des Königs ist Abbild des himmlischen Hofstaates. Der Thron entspricht dem Sitz des summus deus, zu dem Stufen emporführen! Die obersten (weil ältesten) Ämter sind Bäcker und Mundschenk. Auch sie entsprechen einer göttlichen Funktion; Marduks Hofstaat hat die beiden Beamten Minâ-ikul-beli, Mina išti-beli, ,,was trinkt mein Herr", ,,was ist mein Herr"; im Adapa-Mythus erscheint ebenfalls der „göttliche Bäcker“? Die dritte Würde, die gelegentlich hinzukommt (z. B. bei den Assyrern), ist die des Heerführers.

Die Schilderung einer orientalischen himmlischen Ratsversammlung gibt Apk 4, 2 ff., vgl. Da 7, 9ff., s. mein BNT 14ff. Beim Diwan sitzen die obersten Würdenträger zur Rechten und zur Linken; die Mutter der Söhne Zebedäi denkt sich die gleiche Anordnung im himmlischen Reich. Ein anderes Zeremoniell setzt die Königin - Mutter zur Seite des Königs, s. 1 kg 2, 19; Jer 13, 18; vgl. 1 Kg 15, 19. Sie entspricht dann der Muttergöttin, der Himmelskönigin zur Seite des summus deus, s. S. 35 f. u. 102.

Der Thron des Königs, zu dem Stufen emporführen, entspricht dem Throne der Gottheit im Adyton?.

X. Die Astrologie. „Die Astrologie ist ihrem Ursprung nach nicht ein Aberglaube, sondern der Ausdruck bez. Niederschlag einer Religion oder Weltauffassung von imposanter Einheitlichkeit" 4. Sie ruht auf der konsequenten Anwendung des post hoc ergo propter hoc. Daß die Heimat dieser Weltanschauung Babylonien ist, wird man nicht länger verneinen können. Die Astrologie gilt nach einer nie abgerissenen Tradition als „chaldäische Weisheit.“

1) Hebr. mistan, s. zu Ze 1, 9.
2) S. zu i Mos 41, 10; vgl. Zimmern ZDMG 53, 115 ff.

3) Während des Druckes erschien Wünsche, Salomos Thron und Hippodrom Ex or. Jux II, 3; bietet viel wertvolles Material zur Bestätigung.

4) Boll, Sphaera S. 45f. mit Bezug auf H. Wincklers Erklärung der altorientalischen Weltanschauung.

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