Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

stellung wiederholt erscheint. Da die Früchte doch sicher von dem Lebensbaume stammen, so vermuten wir, daß das Gefäß „Lebenswasser" (s. unten S. 101 f.) enthalten soll, ähnlich dem karpat egubbû „Weihwassergefäß“, aus dem nach IV R 57, 16 b Marduk Gnade spendet und mit dem man nach IV R 60, 21 a Wasser aus dem Brunnen des Marduk-Tempels (!) schöpft. Eine Schilderung babylonischer Lebensbäume findet sich in der verstümmelten Stelle Ez 41, 17f. (Ez 23, 14 zeigt, daß die Phantasie des Propheten mit Bildern aus babylonischen Palästen erfüllt ist):

„Und es waren (rings an der Wand) Kerube und Palmen angebracht und zwar je ein Palmbaum zwischen zwei Keruben“. Auch das Schnitzwerk der Wände beim Tempelbau i Kg 6, 29, „Keruben, Palmen und Blumengehänge“ darstellend, ferner die ,,Löwen, Rinder und Kerube“ 1 Kg 7, 29 wird man sich nach babylonischem Muster vorzustellen haben.

[graphic]

Abb. 34: Der heilige Baum mit knieenden Genien. Palastrelief aus Nimrud.

2. Die heilige Zeder in dem Zedernwald bez. auf dem Zedernberg im Heiligtum der Irnina.

Die beiden Gefährten Gilgameš und Eabani wandern nach dem Zedernwald, wo der Elamit Humbaba die heilige Zeder bewacht."

Um unversehrt zu erhalten (šullumu) die Zeder,
hat ihn Bel zum Fürchten für die Menschen bestimmt.

Als sie in die Nähe gekommen sind, heißt es (Tafel V, col. I des Epos):

Sie standen, den Wald betrachtend,
schauen an die Höhe der Zeder,
schauen an den Eingang des Waldes,
wo Humbaba zu wandeln pflegt erhabenen Schrittes.

1) KB VI, 156 ff., vorher mein Izdubar-Nimrod S. 23. Jeremias, A. Test.

7

aus

Wege sind angelegt, gutgemacht ist der Pfad,
Sie schauen an den Zedernhügel, den Wohnsitz der Götter, das Aller-

heiligste der Irnini. Vor dem Berge erhebt eine Zeder ihre Pracht, Gut ist ihr Schatten, mit Jubel erfüllend

Nach dem Vorhergehenden scheint ein Fluß in der Nähe dieses Paradieses (heiliger Baum und heiliges Wasser!) zu ent

springen, bez. zu fließen. Zu einer elamitischen Lokalisierung am Choaspes, dem Fluß von Susa, aus dem nach Herodot I, 108 die persischen Könige schließlich tranken, könnte der elamitische Name Humbaba verleiten. 1

Aber es Abb. 35: Lebensbaum mit Genien. Brit. Museum?

ist immer zu beachten, daß Gipsabdruck im Besitz des Verfassers.

kosmische Vorstellungen zugrunde liegen, die schließlich überall lokalisiert werden können.

Ezechiel kennt einen mythischen ,,Garten Gottes", der ebenfalls eine wundervolle Zeder als Hauptschmuck aufweist, auf dem Libanon. Es heißt Ez 31, 3 ff.:

Fürwahr, .... eine Zeder [stand) auf dem Libanon, schön von Astwerk und schattenspendender Belaubung und hohem Wuchs und zwischen den Wolken war ihr Wipfel.

Zedern verdunkelten sie nicht im Garten Gottes, Cypressen glichen ihr nicht mit ihren Zweigen, und Platanen kamen ihr nicht gleich mit ihren Ästen, kein Baum im Garten Gottes glich ihr an Schönheit. Schön hatte ich sie gemacht in der Fülle ihrer Zweige, und es beneideten sie alle Bäume Edens, die im Garten Gottes standen.

3. Der Garten am Meere mit den Wunderbäumen auf der IX. Tafel des Gilgameš-Epos.

Gilgameš kommt dahin, wo die Jungfrau Siduri Sabitu auf dem ,,Throne des Meeres" wohnt. Am Meere stehen ,,Bäume der Götter“. Dabei heißt es:

samtu-Steine trägt er als Frucht,
die Äste sind damit behangen, prächtig anzuschauen,
Lasursteine trägt die Krone (?),

Früchte trägt er, köstlich anzuschauen.3
1) S. Jensen, KB VI, 437. 441 f.

2) Jensen KB VI, 469 erinnert an die diamantenreiche Königin von Saba, gibt aber 575 ff. den Vergleich wieder auf. In welchem Sinne Siduri als Sabäerin gelten kann, dafür s. Winckler, Kritische Schriften II, 110.

3) Siehe mein Izdubar-Nimrod, S. 30; abweichend Jensen KB VI, 208 f. In der Geschichte von Abu Muhammed dem Faulpelz (1001 Nacht,

[graphic]

2

Wie die Zeder im Heiligtum der Irnini an die Zeder im ,,Garten Gottes“ Ez 31, 3 ff. erinnert, so erinnert dieser Park der „Götterbäume" an Ez 28, 13 (Anrede an den König von Tyrus):

„In Eden, dem Gottesgarten, warst du; lauter Edelsteine waren deine Decke: Karneol, Topas, Jaspis, Chrysolith, Schoham, Onyx, Saphir, Rubin', „und aus Gold“ waren deine

gearbeitet; am Tage, da du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. Zum ... hatte ich dich bestellt; auf dem heiligen Gottesberge warst du, mitten unter feurigen Steinen wandeltest du umher.“

4. In Eridu, dem Heiligtum Eas, also dort, wo Adapa geschaffen wurde (s. S. 72 f.), ist ein paradiesisches Baumheiligtum.

Am Schlusse einer der Beschwörungen von Eridu (IV R 15*

Cun. Texts XVI, 42 ff.), in der der Feuergott durch Marduk, den weisen Sohn von Eridu, Ea um seine Vermittlung bittet, heißt es: In Eridu wächst eine dunkle Palme, an einem reinen Ort ist sie

entsprossen, ihr Aussehen ist glänzend wie uknu-Stein, sie überschattet den Ozean, der Wandel Eas ist in Eridu, voll von Überflus; seine Wohnung ist der Ort der unteren Welt; sein Wohnplatz ist das Lager der Gur (Bau?); in das Innere des glänzenden Hauses, das schattig ist wie der Wald,

darf niemand eintreten; drinnen (wohnen) Šamaš (und) Tammuz zwischen der Mündung der beiden Ströme

Nach dem ganzen Charakter des Ea-Kultus handelt es sich auch hier um einen „Lebensbaum“. Im Gilgameš - Epos erscheint Humbaba als Hüter eines solchen heiligen Baumes.

Daß in diesem Paradies von Eridu auch Lebenswasser sich befindet, würde an sich schon der vielerwähnte Wasserkult von Eridu beweisen. Die assyrischen Beschwörungen der MaklûSerie (VII, 115f.) bezeugen es ausdrücklich:

„Ich habe meine Hände gewaschen, meinen Leib gereinigt ina mê naḥbi ellûtim ša ina al Eridu ibbanû, „in dem Wasser des reinen Quellorts, der in Eridu geschaffen ist“. S. hierzu S. 93 f. und 100.

Reclam III, 1, S. 19 ff.) hat der Held Bäumchen mit Smaragden als Blätter und Perlen als Früchten; die stammen aus der kupfernen Stadt, wo ein Mädchen auf goldenem Stuhle sitzt, mitten im Garten von goldenen Bäumen, deren Früchte aus kostbaren Edelsteinen, Perlen und Korallen bestanden. Man sieht, wie die Sagenstoffe wandern und sich spalten, ohne daß man ohne weiteres von literarischer Entlehnung sprechen darf. Vgl. auch den Wunderbaum bei den 7 Feuerbergen Henoch 24.

1) Nach Sept. grade 12 Edelsteine, vgl. Zimmern KAT 3 629 unten.

2) S. Thompson, The Devils and Evil Spirits of Babylonia I, p. LIII ff. (The Garden of Eden).

330309

5. Das Zauberkraut šību issahir amelu ,,obwohl Greis wird der Mensch wieder jung“ beim Aufenthaltsort des babylonischen Noah (s. oben S. 98). Gilgameš will es nach Erech bringen, davon essen und in den Zustand seiner Jugend zurückkehren. Auf der Heimfahrt nimmt ihm eine Schlange an einer Zisterne das Zauberkraut fort.

6. Mit diesem ,,Zauberkraut“ der Seligeninsel mag die Vorstellung von dem „Lebenskraut“ verwandt sein, das die Götter geben können. In einem Marduk-Hymnus (Craig, Rel. Texts I, 59) wird Marduk als Besitzer des „Lebenskrautes“ angesehen. Assyrische Könige vergleichen gern ihre Herrschaft mit der heilbringenden Wirkung dieses Krautes.

So sagt Adad-nirâri, sein ,,Hirtenamt" habe Gott den Assyrern wohltuend gemacht wie ,,Lebenskraut". Und Asarhaddon wünscht, daß seine Herrschaft den Menschen wie „Lebenskraut“ zuträglich sei. Aus einem der assyrischen Briefel geht übrigens, worauf Zimmern aufmerksam macht, hervor, dass beim Lebenskraut nicht nur das Essen, sondern auch das Riechen in Betracht kommt: „wir waren tote Hunde, da hat der Herr König uns wieder lebendig gemacht (d. h. begnadigt), indem er das Lebenskraut an unsre Nase legte“.

7. Endlich ist in losem Zusammenhange das babylonische Ambrosia zu erwähnen, das die Götter besitzen. Es gibt einen altbabylonischen Namen, der heißt Lugal-kurum-zigum, der König ist Himmelsspeise“. Im Adapa-Mythus wird im Himmel des Anu ,,Brot“ dargereicht 2 (im irdischen Heiligtum von Eridu bäckt Adapa das Brot von Eridu und bereitet das Wasser von Eridu), und der entsprechende Nektar ist Wein. Beim Gastmahl der Götter im Epos Enuma eliš 3 essen die Götter Weizen (brot) (ašnan) und trinken Wein. Auch das „Wasser“, das Adapa „bereitet“, und das Lebenswasser, das ihm im Himmel vorgesetzt ist, dürfte als besonderer Göttertrank zu denken sein. Der Wein, der auch im Alten Testament eine Gottesgabe ist, die ,, des Menschen Herz erfreut“, wird im Babylonischen ideographisch als „Lebenstrank“ oder „Lebensholz“ bezeichnet. *

1) Harper, Assyrian Letters 771.

2) Die übrigen Gastgeschenke des Himmels sind Lebenswasser (-Wein? s. unten), Kleid, Öl. Vgl. hierzu die Züge in den Bildern des 23. Psalm (,,du salbest mein Haupt mit Öl“) und in der Gleichnisrede vom ,,hochzeitlichen Kleid“.

3) KT 115.
*) Vgl. unser Aquavit, eau de vie, „Lebensbaum“, s, oben S. 96.

Das Wasser des Lebens.

i Mos 2. Vom ,,Wasser des Lebens“ ist im Paradies der biblischen Genesis keine Rede. Aber die Vorstellung verbirgt sich

1. vielleicht schon der Strom2, 6, der ursprünglich zur Schilderung des Gartens gehört zu haben scheint,

2. im Paradiesesstrom 2, jo; daß das Euphrat-Wasser als heilig galt, wußten die Israeliten.

Ez 47, 7. 12 zeigt, daß den Israeliten eine Paradiesesvorstellung, die Lebensbäume und Lebenswasser nebeneinander kennt, nicht fremdartig war. Dort ist von einem Wunderstrome die Rede, ,,der vom Tempel ausgeht, an dessen Ufern allerlei Bäume mit genießbaren Früchten wachsen; das Laub soll nicht welken und die Früchte sollen kein Ende nehmen (vgl. Ps 1, 3); alle Monate sollen sie frische Früchte tragen, denn ihr Wasser geht vom Heiligtume aus; und ihre Früchte werden als Speise dienen und ihr Laub als Heilmittel." Auch auf Sach 14, 8 ist hinzuweisen, wo in paradiesischer Zeit sich „lebendige Wasser“ von Jerusalem ergießen werden. -- Ebenso ist die Einkleidung des Gedankens in Apk 22, 1 der babylonischen Vorstellung verwandt: vom Stuhle Gottes geht ein lauterer Strom lebendigen Wassers, klar wie Kristall. Vgl. Apk 7, 17; 22, 17; Ps 36 etc.

Das babylonische Lebenswasser wurde bereits in den vorhergehenden Notizen (vor allem S. 93 f. 98) vielfach erwähnt. Es spielt eine besondere Rolle im Kultus des Ea. Als Probe sei eine Textstelle erwähnt. IV R 25, col. IV heißt es 2:

Glänzende Wasser brachte er hinein;
Nin-zadim, der große Juwelier des Anu,
hat dich mit seinen reinen Händen zubereitet;
Ea nahm dich weg an den Ort der Reinigung,
an den Ort der Reinigung nahm er dich,
mit seinen reinen Händen nahm er dich,
zu (?) Milch und Honig nahm er dich,
Wasser der Beschwörung tat er dir in den Mund,

deinen Mund öffnete er mittels Beschwörungskunst:
, wie der Himmel sei rein, wie die Erde sei rein, wie das Innere
des Himmels glänze'.

) S. Holzinger und P. Haupt zur Stelle in Martins Handkommentar; das hebr. Wort ’êd ist jedenfalls Lehnwort.

2) Nach Zimmern, Beiträge, 139 bezicht sich der Text auf die Zeremonien (Mundöffnung und Mundwaschung, bei Einweihung cines Götterbildes.

« ͹˹Թõ
 »