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zugetraut werden können, Versuche, die Äonen spekulativ auf die gesamte Weltentwicklung anzuwenden (a) oder auf einzelne historische oder apokalyptische Stücke des Weltlaufs zu übertragen (bcd):

a) Die Priesterschrift mit ihren sieben () Toledoth 1 :

1. Das Zeitalter des Himmels und der Erde" mit den 7. ,,Tagen“ der Schöpfungen?, i Mos 2, 4.

2. Das Zeitalter Adams Mos 5, 1: die Urväter mit den riesigen Lebensaltern.3

3. Das Zeitalter Noahs nach der Flut i Mos 6, 9.
4. Das Zeitalter Terachs (Abraham) i Mos 11, 27.
5. Das Zeitalter des Moses.
16. Das Zeitalter Davids, s. Ruth 4, 18.

7. Das Zeitalter, das der priesterliche Redaktor als „neue Zeit“ verherrlicht haben wird Josia? Esra?]

b) Die vier geschichtlichen" Weltzeitalter in Da 7.

c) Vgl. IV Esr 14, 11 (Kautzsch, Pseudepigr. S. 399). In 12 Teile ist die Weltzeit (aiov) geteilt.

d) Speziell auf Perioden der Endzeit übertragen : 70 Wochen (šebûʻôt)+ bei Da 9, 27 vgl. die 12 letzten ,,Hirten" Henoch 90, 17 (Kautzsch, Pseudepigr. 296), die 12 Perioden der Drangsale Apk Ba 27 (ib. S. 421) (auch die 4 Etappen der Endzeit Apk 6, i ff., 8, 6 ff. gehören hierher)."

Die Erkenntnis, daß das astrologische Schema der Welteinteilung des Weltjahrs in die israelitische Geschichtsbetrachtung hineinspielt, wird vielleicht auch das schwierigste Kapitel der neu anzubahnenden Formen

1) S. Gunkel, Genesis 241 ff., Zimmern, ibid. S. 542. Gunkel hat bereits gesehen, daß die Toledoth des Adam, Noah, Terach, Moses Weltzeitaltern entsprechen. Aber keinesfalls handelt es sich hier um die Vierzahl. S. auch Anm. 2.

2) Daß hier Toledoth i Mos 2, 4 nichts andres bedeutet, als an den andern Stellen (gegen Kautzsch), hat Hommel in seinem Grundriß mit Recht hervorgehoben.

3) Wenn in den Zahlen „Weltmonate“ sich verbergen (s. Zimmern KAT 3 541), so ist das keinesfalls im Sinne von 10/12 des gesamten Zyklus zu verstehen (s. Zimmern S. 541, 556). Die einzelnen Äonen spiegeln für sich wieder den Weltenzyklus ab.

4) Vgl. die 70 Jahre Jer 25, 11 und zum Übergang der Jahre in Tage Winckler, KAT: 334, s. auch Anm. 5.

5) Wie die 10 Wochen der Endzeit bei Henoch 93 (Kautzsch, Pseudepigr. 299 f.) sich erklären, weiß ich nicht. Liegt hier schon gedankenlose Übertragung auf das Dezimalsystem vor? Sind auch Stellen wie Apk 2, 10 (10 „Tage“ Endzeit) heranzuziehen?

lehre des Alten Testamentes erleichtern helfen: den astral-mythologischen Einschlag. Wir fanden im 1. Äon Anklänge an das babylonische astrale Weltbild; im 2. Äon Spuren der Planeten, vor allem bei Henoch. Wir werden im 3. und 4. Äon (Vätergeschichte) formale Anklänge an Astralmythen und Tierkreisbilder (s. zur Josefsgeschichte und zu i Mos 49) finden, in den Geboten 2 Mos 20 Anklänge an die Planeten, in den Kämpfen der Josua- und Richter-Zeit Anspielungen auf den Marduk-Kampf.

Mit besonderer Vorliebe hat die spätere jüdische Literatur die alte Lehre von den Weltzeitaltern aufgegriffen. In dem Buch der Jubiläen, das man neuerdings in die Makkabäerzeit verlegt und das dem Priesterkodex nahe verwandt ist, rechnet man nach Jahrwochen und Weltjahren. I, 29 redet von Tafeln (!), auf die die Weltjahre bis zur Welterneuerung eingezeichnet sind. Im Buche Henoch 85 ff. (Kautzsch, Pseudepigr. 289 ff.) scheinen 7 Perioden von Adam an gezählt zu sein.

Wie tief diese Spekulationen bis in spate christliche Zeiten gewirkt haben, zeigt der Sachsenspiegel 1, der die Streitfrage, ob es 6 oder 7 Heerschilde (ebenbürtige Ritterklassen) gibt, dahin entscheidet: es stehe damit wie mit dem 7. Weltzeitalter. Man wisse nicht, ob es 7 oder 6 gebe. Er selbst' tritt für 7 Heerschilde und Weltzeitalter ein und beruft sich auf „Origines“?, wo 6 Zeitalter bis zur Menschwerdung Gottes gezählt werden; das 7. ist dann das, in dem der Ritter Eike von Repgau den Sachsenspiegel schreibt.

Auch die Zweiteilung in das gegenwärtige und zukünftige Weltzeitalter (man und xan) geht im letzten Grunde auf die astrale Weltanschauung zurück. Aber hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zwischen der babylonischen und biblischen Weltanschauung. Die babylonischen „ „wissenschaftlichen" Berechnungen wissen nichts von einer Segenszeit jenseits des Weltuntergangs. Das ist ein absolutes Novum der biblischen Weltanschauung, die auf einer Messias- und Erlösungshoffnung beruht, von der der Naturalismns babylonischer Theologie nichts wissen kann. Eine Apokatastasis und Palingenesie, wie sie oben S. 84 das Bild der Endzeit zeigt, konnte mit babylonischen Hilfsmitteln nicht er

) Ausgabe von Homeyer, 3. Aufl. 1861. Ich verdanke diesen Hinweis Herrn Ref. Dr. H. Kirsten.

2) Gemeint ist Isidorus von Sevilla in seinem Werke Etymologiarum seu originum libri XX (V, 38, s. Migne SL 83, 1017 ff.). Aber es stimmt nicht ganz zu Isidor. Dieser nennt Adam, Noah, Abraham, David, Auswanderung nach Babylon, Menschwerdung als Anfänge der 6 Zeitalter; der Sachsenspiegel: Adam, Noah, Abraham, Mose, David, Menschwerdung.

sonnen werden, geschweige denn eine Anschauung von dem ,,Siehe ich mache alles neu" nach dem Untergang des dreigeteilten irdischen Weltalls, wie sie Apk 21 voraussieht. Hier gibt das altorientalische Weltsystem die Form und das Begriffsalphabet für eine absolut neue Ideenwelt her.

Neuntes Kapitel.

Außerbiblische Traditionen über die Sintflut.

Daß die biblische Erzählung mit anderen Sintfluttraditionen verwandt ist, wußte man längst vor Entdeckung der Keilinschriften. Abydenus und Alexander Polyhistor hatten die Er

zählung des babylonischen Priesters Berosus von der groken Flut (μέγας καταxivouós) übermittelt (s. oben S. 49).

Eine Flutüberlieferung im größern Stile kann fast

an allen Enden der Welt Abb. 43: Altbabylonischer Siegelzylinder.

nachgewiesen werden. Der Nachweis fehlt, wenigstens bisher, bei den Ägyptern." Andrée, „Die Flutsagen ethnographisch betrachtet“ (1891) hat 60 Flutsagen gesammelt. Er kommt zu dem Resultat, daß 40 davon genuin seien, während 20 mit der babylonischen Sage durch Zusätze oder als Nachbildungen zusammenhängen. Das ist keinesfalls richtig. Literarische Abhängigkeit spielt auch hier nicht die Hauptrolle. Es handelt sich wie bei der Kosmogonie um Überlieferungen, die durch die Welt wandern, deren Ursitz vielleicht das Euphratland ist.

1) Spuren s. bei Usener S. 260. Verwandt ist auch die Erzählung des „Kuhbuches“ (vgl. S. 62). Der Sonnengott war in der Urzeit König der Erde. Aber die Menschen glaubten nicht mehr an seine Autorität, da er alt geworden war. Auf seinen Befehl richtet die Göttin Hathor ein Blutbad unter den Menschen an. Einige rettet er durch List. Er gießt rotes Bier auf die Erde. Die Göttin Hathor hält es für Menschenblut und betrinkt sich daran, so daß sie die Menschen nicht mehr sehen kann. Nach Usener soll die Sintflutsage auch bei den Arabern fehlen. Aber das heiße Wasser bei der Flut (Anklang an die Feuerflut) und andre Spuren zeigen, daß der Islam auch außerjüdische Traditionen kennt.

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Die Überlieferung des Berosus. Eusebius, Chronicon I, 19ff. ed. Schoene, Fragm. hist. Graec. II, 501 f. Vgl. Abydenus, Fragm. hist. Graec. IV, 281. Der Held heißt hier Xisuthros bez. Sisithros. Wir kommen auf einzelne Stellen zurück. Text und Übersetzung s. Winckler, KT 95 ff.

Der keilinschriftliche Sintflutbericht, eingearbeitet in die XI. Tafel des Gilgameš - Epos (Bibliothek Asurbanipals; literarische Spuren lassen sich bis in die Hammurabi -Epoche verfolgen; wir haben ein verwandtes Fragment aus der

Abb. 44: Altbabylonischer Siegelzylinder. Zeit Ammizadugas, ca. 2100). Gilgameš ist jenseits der Gewässer des Todes auf der Insel der Seligen“ bei seinem Urahn Ut-napištim. Der erzählt ihm die Geschichte:

Ut-napištim sagte zu ihm, zu Gilgameš:

Ich will dir eröffnen, o Gilgameš, die verborgene Sache 10 und ein Geheimnis der Götter will ich dir ansagen.

Šurippak, die Stadt, die du kennst, (die am Ufer) des Euphrat gelegen ist, jene Stadt besteht seit alters, die Götter in ihr einen Flutsturm zu machen trieb ihr Herz an die großen Götter. (Es war) ihr Vater drinnen Anu, ihr Berater der Held Bel, ihr Herold Ninib, ihr Führer En-nu-gi,

„Der Herr der Weisheit“, Ea, .... (?) mit ihnen
20 und erzählte ihre Rede einem kikkišu (Rohrzaun?):

„O kikkišu, kikkišu, o igaru, igaru (Wand),
kikkišu, höre, igaru merke auf! 3
O Mann von Šurippak, Sohn des Ubaratutu,

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) Zuletzt KT S. 84 ff., vgl. Jensen KB VI, 230 ff.; die Literatur Nikel, Genesis und Keilschrift f. 176.

2) So definitiv zu lesen; ein altbabylonisches Fragment des Epos MVAG 1902, 1 ff. schreibt U-ta-na-pi-iš-tim; der Name bedeutet wahrscheinlich: „er sah das Leben“ (Jensen). Die beiden Abb. 43 und 44 sollen hier lediglich als Material beigegeben werden. Man hat sie von jeher mit dem altbabylonischen Gilgameš-Mythenkreis in Zusammenhang gebracht.

8) Nach IV, 27 hängt die rätselhafte Stelle mit Traumvisionen zusammen, die Ea dem babylonischen Noah zuteil werden läßt. Berosus sagt: Kronos sei ihm im Schlafe erschienen und habe ihm die Flut offenbart.

30.

reiß ein (?) das Haus, baue ein Schiff,
las Hab und Gut, sorge für das Leben
gib preis die Habe, rette das Leben;
bringe hinein lebende Wesen aller Art in das Schiff.
Das Schiff, das bauen sollst,

Ellen (?) werden gemessen seine Maße,
Ellen (?) werden entworfen (?) seine Breite und seine Länge.

auf den Ozean laß es herab (?)." Ich verstand es und sprach zu Ea, meinem Herrn: „reiß ein“ (?), mein Herr, was du so befahlst, beachtete ich und werde es ausführen. Aber was (-) soll ich sagen der Stadt, dem Volke und den Ältesten?“ Ea tat den Mund auf, indem er sprach, er sagte zu mir, seinem Knecht: „Du sollst so zu ihnen sagen:

,,„Weil Bel mich haßt, 40 will ich in eurer Stadt nicht wohnen,

auf der Erde Bels nicht (länger) weilen, zum Ozean will ich hinabgehen, bei Ea, meinem Herrn, zu wohnen. Über euch werden sie (die Götter) regnen lassen Fülle. l....

.] Vögeln, Beute an Fischen,

..) Ernte (Einen Zeitpunkt hat Ea (Šamaš:) festgesetzt (?),] ,, die den kukku regieren [werden an einem Abend regnen lassen) über euch einen ...... Regen.“

(Sobald etwas vom Morgenrot] erschien

ca. 7 Zeilen verstümmelt.

der Starke ... brachte das zum Bau Nötige. Am fünften Tage entwarf ich seine Gestalt.

Nach dem Entwurf (??) waren 120 Ellen hoch seine Wände

140 Ellen erreichte der Rand seines Daches. 60 Ich warf hin (zeichnete) seinen .... (das Schiff) selbst zeichnete ich.

Ich baute es (?) in 6 Stockwerken ©), teilte es in 7 Abteilungen. Sein Inneres teilte ich in 9 Abteilungen. Die šikkat (2) begoß ich mit Wasser in seinem Innern. Ich verfertigte (?) mir ein Ruder und legte die Geräte hin. 3 (Var. 6) Saren Erdpech goß ich aus auf den Ofen", 3 Saren Asphalt goß ich hinein. Während 3 Saren herzu trugen die Träger seines (des Schiffes)

sussulu an Ö1:
außer einem Sar Öl, den man verzehren sollte beim Opfer (?) ?,
70 verbrauchte (?) 2 Saren Öl der Schiffbauer.

Den [Leuten) schlachtete ich Rinder,
ich stach ab Lämmer täglich,
mit Most (:), .....() Ol und Wein

1) Kîru vgl. hebr. kîr; s. (un. Texts XVII, 4, Z, 5 (Zimmern). 2) Es sind die 71–76 geschilderten Festlichkeiten gemeint.

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