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merkwürdig an die Josefs in Ägypten erinnert (S. 245 f.), daß ein gewisser Šipti-Addi den Zimrida von Lakiš zum Abfall gebracht und in gleichem Sinne an ihn geschrieben; s. zuletzt KAT?, 202 f.

In dem nordpalästinensischen Ta'annek in der Ebene Jesreel hat E. Sellin in den Jahren 1902 und 1903 eine recht erfolgreiche Ausgrabung veranstaltet. Er stieß auf ein Bauwerk, aus unbehauenen, polygonalen, harten Kalksteinen gebaut, das vor allem auf Grund der stockwerkartigen Aufführung der Umfassungsmauern als altkanaanäisch erkannt wurde. In einem der Zimmer fand sich die Bibliothekskiste (vgl. Jer 32, 14) des Fürsten von Ta'annek, die leider nur noch zwei Tontafeln enthielt, Listen von Einwohnern enthaltend; in der Nähe fanden sich zwei Briefe. Die eine der Listen zählt Familienväter auf, die einen, zwei oder drei Mann zu stellen haben. Der Zweck der andern ist fraglich. Da bei der Summierung einmal steht „20 Männer des Adad“, ein andres Mal, wie es scheint, „,20 Männer des Ammon“, so ist an eine Priesterliste zu denken oder an eine Liste von Bürgern bez. Bauern, die von dem Tempel abhängig sind. Die beiden Briefe lauten in der Übersetzung von Hrozny folgendermaßen:

Nr. I.

An Ištarwašur: Guli-Addi. Lebe glücklich! Die Götter mögen begrüßen Dich, Dein Haus und Deine Söhne! Du hast mir betreffs des Geldes geschrieben, und siehe, ich will 50 Geldstücke geben, damit man es nicht tue. Warum hast Du von neuem Deinen Gruß hierher geschickt? Alles, was Du gehört hattest, habe ich von dort durch Belram erfahren. Wenn sich der Finger der Aširat zeigen wird, so möge man es sich einprägen und es befolgen! Und das Zeichen und die Sache berichte mir. Was Deine Tochter betrifft, so kennen wir diejenige, die in Rubute? ist, Salmiša. Wenn sie groß geworden, dann gib sie zur Königsherrschaft: sie soll dem Herrn gehören!

Nr. 2.

An Ištaruašur: Achi-Jawi. Der Herr der Götter möge Dein Leben behüten, denn ein Bruder bist Du, und die Liebe ist am Orte Deiner Eingeweide und in Deinem Herzen. Als ich in Gurra3 im Hinterhalte lag, da hat mir ein Werkmeister zwei Messer, eine Lanze und zwei Keulen umsonst gegeben. Und wenn schadhaft geworden ist die Lanze, so wird er sie ausbessern und durch Buritpi schicken. Gibt es noch Weinen für Deine Städte, oder hast Du Dich wieder in den Besitz der

?) Vorläufige Mitteilungen im Anzeiger der philos.- hist. Klasse der K. Akademie der Wissensch. in Wien 1903, Nr. XI u XVI; Reformation 1904, Nr. 3. Diesen Mitteilungen sind die sämtlichen folgenden Angaben und Zitate entnommen. Eine Denkschrift der K. Akademie der Wissensch. in Wien über die Ausgrabung ist in Vorbereitung.

2) Rabbith Jos 19, 28? 3) Gur 2 kg 9, 27.

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selben gesetzt? Über meinem Haupte ist jemand, der da ist über die Städte. Jetzt siehe doch, ob er Dir Gutes erweisen will. Wenn er das Angesicht zeigt, so werden sie zuschanden werden und der Sieg wird gewaltig sein. Es möge hineingehn Ilurabi in Rachab' und entweder meinen Vogt zu dir schicken oder ihn beschützen.

Die Schrift und Sprache der Urkunden, die von schiedenen Schreibern verfaßt sind, ist babylonisch und bezeugt, dass die Kanaanäer des 15. Jahrhunderts (denn um diese Zeit wird es sich wie bei den Amarna-Funden handeln) nicht nur im diplomatischen Verkehr mit Ägypten, sondern auch untereinander babylonisch redeten und schrieben. Das setzt aber eine durch Jahrhunderte vorhergegangene Beeinflussung durch babylonische Kultur und Geisteswelt voraus.

Der angesichts der Amarna-Briefe geltend gemachte Einwand, die Stadttyrannen würden sich wohl nur aus Ehrgeiz Schreiber zugelegt haben, die die babylonische Sprache wohl oder übel verstanden und zu schreiben wussten, kann nach der Auffindung dieser Privaturkunden von Ta'annek nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Ein ebenfalls in Ta'annek gefundener Siegelzylinder trägt in altbabylonischer Keilschrift im Charakter der HammurabiZeit die Inschrift: „Atanahili, Sohn des Habsi, Knecht des Gottes Nergal“ und daneben ägyptische Hieroglyphen, die einen Segenswunsch ausdrücken. Das entspricht ganz der Erwartung: Babylonien und Ägypten beherrschten geistig gemeinsam das alte Kanaan.

Besonderes Interesse erweckt ferner ein am gleichen Orte von Sellin gefundener beweglicher Räucheraltar aus Ton, der als Altarhorn ein Widderhorn hat. Er zeigt sechs genienartige Gestalten und vier Löwen und auf den Wänden zwei Reliefdarstellungen: den Lebensbaum mit zwei Steinböcken und einen Knaben, der eine Schlange würgt. Nach Sellin mag der Altar, dessen Maße zum Teil mit den im israelitischen Gesetze vorgeschriebenen stimmen und dessen Form sich nach oben eigenartig verjüngt, aus der klassisch-israelitischen Zeit, etwa aus dem 8. Jahrhundert stammen, aber sein künstlerisches Vorbild ist gewiß älter und wird von dem Auslande stammen, gleich dem Altar 2 kg 16, 11, den Ahas nach damaszenischem Muster bauen ließ.

Religionsgeschichtlich wichtig ist die Erwähnung der Gottheiten Adad, Aširat (s. S. 237), Bel, Ammon in den Urkunden;

1) Rechob Ri 1, 31.

der Kult der Aširat, auf den man bisher nur aus Eigennamen geschlossen hatte, ist hier zum ersten Male urkundlich für Kanaan bezeugt. Besondere Aufmerksamkeit verdient der zweite Brief. Er enthält ein religiöses Bekenntnis, das zu der Vermutung geführt hat, daß der Schreiber einem israelitischen Stamme angehören könnte (Asser?), der vor den andern Wohnsitze in Palästina bezogen hat, während Ištarwaður ein kanaanäischer Fürst wäre, der von Feinden bedrängt wird, und mit dem der Israelit in Freundschaft lebt. In dem Namen AchiJawi könnte man mit Hrozný eine Form des Jahve-Namens vermuten.

An der Stelle des alten Megiddo im Hügel Mutesellim veranstaltet gegenwärtig die deutsche Palästina -Gesellschaft eine Ausgrabung. Der wichtigste Fund ist bisher eine Bamah mit Steinaltar und den zwei zugehörigen steinernen Mazzeben.

Fünfzehntes Kapitel.

Abraham als Kanaanäer.

Die Religion der Abrahamsleute. Nach Jos 24, 2 dienten die Terachiten ,,fremden Göttern“. Sie waren babylonische Sternanbeter. Und zwar werden sie insbesondere dem Mondkult gehuldigt haben. Es wird nicht zufällig sein, daß die Wanderung von der Mondstadt Ur zunächst nach der Mondstadt Harran ging. Wie in allen Kulturländern, so wird es auch in Babylonien Priesterkreise gegeben haben, die zu reinerer Gottesverehrung neigten. Und wiederholt finden wir in der orientalischen Geschichte religiöse Erhebungen im Sinne einer monotheistischen Reform. Das 6. vorchristliche Jahrhundert zeigt eine solche Bewegung, die über die ganze orientalische Welt gegangen ist: Cyrus in Babylonien, Zoroaster in Persien, Buddha in Indien, Confucius in China sind die Haupt-Repräsentanten. Das höhere Altertum berichtet von der monotheistischen Reform des Chuenaten in Ägypten. Die Bibel schildert Melchisedek von Salem als Monotheisten, und überall berichtet sie von tiefem Respekt, den die Polytheisten, die den Abrahamsleuten begegnen, vor der Verehrung des

Jeremias, A. Test.

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höchsten Gottes haben (d. i. Pharao von Musii i Mos 12; Abimelech i Mos 17). Wir haben bereits S. 181f. das Auftreten Abrahams als das eines religiösen Mahdi zu verstehen gesucht. L'nd wenn wir auch nicht zugeben können, dass die „Offenbarung" Mohammeds mit der religiösen Initiative Abrahams verglichen werden darf, so werden wir doch sein Auftreten in vielen Punkten zum Verständnis heranziehen dürfen. Abraham hatte visionäre Erlebnisse in Ur (Neh 9, 7) wie in Harran (1 Mos 12, 1). AG 7, 2 scheint eine Überlieferung vorzuliegen, nach der er bereits von Ur aus religiöse Propagandareisen nach Mesopotamien gemacht hat. Er führt ,,die Seelen, die er gewonnen hat“ (1 Mos 12, 5) schließlich auf höhern Befehl nach dem südlichen Kanaan, das wahrscheinlich jenseits des Herrschaftsgebietes des babylonischen Herrschers lag 3 In Kanaan ist sein ganzes Leben durch visionäre und ekstatische Erlebnisse charakterisiert: 1 Mos 12, 7; 13, 14; 15, i ff.; 17, I ff.; besonders 15, 12 ff.

Hier tritt nun freilich eine Tatsache in Kraft, die mit den Mitteln historisch-kritischer Untersuchung weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Abraham machte die Erfahrung von dem Eingreifen des lebendigen Gottes, der Himmel und Erde gemacht hat (vgl. i Mos 24, 3) 4, in das eigne Leben und in die

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1) Pautz macht in seinem Buche über Mohammed allen Ernstes den Versuch, die Religion Mohammeds dem Christentum an die Seite zu stellen und vertritt seinen Standpunkt mit Fanatismus.

2) Die Stelle sagt, Abraham habe ,,in Mesopotamien, ehe er in Harran war“, den Befehl zur Auswanderung erhalten. Harran kann selbst bei der mißbräuchlichsten Anwendung des Namens Mesopotamien nicht in Gegensatz zu Mesopotamien gesetzt werden, dessen Hauptort es ist. Die Abraham-Apokalypse scheint nun in der Tat von einer früheren Reise Abrahams nach Fandana, d. i. Paddan Aram, zu wissen (s. Apok. Abrahams, ed. Bonwetsch in Studien zur Geschichte der Theologie und Kirche I, 1); vgl. meinen Artikel Mesopotamien in Hauck, RPTh%.

3) Die spätere jüdische Überlieferung stellt ihn als religiösen Märtyrer dar. Dazu würde das Überschreiten der Grenze des Hammurabi-Gebietes stimmen. In der Legende steckt gewiß religionsgeschichtliches Gut.

+) Die Kritik sagt natürlich: Das ist im Sinne der späteren prophetischen Religion zu verstehen. Das ist petitio principii. Übrigens: wenn Gott sich den Propheten kundgah, muß er dann in den Anfängen der israelitischen Religion untätig gewesen sein? Wenn man fragt: wo war denn dann seine Offenbarung vor Abraham? so sagen wir mit AG 14, 16: „Er ließ die Menschen ihre eignen Wege gehen“, aber im Sinne von Rö 1, 19ff. Mit dem „Vater der Gläubigen“ trat das Novum ein, eine auf Heilsgeschichte abzielende Offenbarung.

Erziehung des Menschengeschlechts. Gott hat Abraham seine Wege wissen lassen und die Abrahamsleute sein Tun. Das ist der Anfang der „Offenbarung“ im biblischen Sinne, die im Christentuin ihr Ziel hat, und die in ihren Anfängen und Fortschritten immer nur auf Personen wirken kann.

Das Wie? bleibt ein Rätsel. Aber ein Gesetz dieser Offenbarung kennen wir. Sie fällt nie vom Himmel, sondern knüpft immer an Gegebenes an und wirkt läuternd auf eine allmähliche religiöse und sittliche Entwicklung. Über das Nähere können wir nur Vermutungen aufstellen. Die ,,kanaanäischen" Babylonier nannten den höchsten Gott auch ilu, s. S. 26, Anm. 3. Das Wort erscheint in der Religion der Abrahamsleute als El oder in der Abstraktbildung Eloah; der Plural Elohim entspricht vielleicht dem kanaanäischen Plural ilani der Amarna-Briefe, der auch hier für „Gott“ steht. Mos 21, 33 nennt ihn El olam „Gott der Crzeit" (wer den lebendigen Gott kennt, weiß auch, daß er Gott von Anbeginn ist; vgl. Klostermann, Geschichte Israels, S. 35).1 Auch an

Auch an den Namen Sin könnte man angeknüpft haben, der als abu ilâni ,,Vater der Götter" galt. Der Name

“ Ab-ram hängt wohl damit zusammen, s. S. 183. Wir erinnerten bereits an den Sinai, der nach 2 Mos in der Religion der israelitischen Urzeit eine Rolle gespielt haben muss.

Auch der babylonische Gottesname Ja'u kommt in Betracht. Dass er existiert hat, scheint mir gesichert zu sein.2 2 Mos 15, 2 heißt es: Der Gott meines Vaters ist Jah! Dieses Jah, das Jes 12, 2 neben Jahve steht, mag eine bewußte Erinnerung an die alte babylonische Form des Gottesnamens enthalten. Man wird auch an Hallelu-jah erinnert : das heißt „jubelt über Jah" (s. S. 33, Anm. 1). In Arabien begrüßt man bis heute den Neumond mit Hilal. Wenn das auch für das Altertum angenommen werden darf (es scheint so nach S. 33, vgl. auch zu Jes 14, 12 ff.), so würde hier Erinnerung an den Mondkult anzunehmen sein. Das Tetragramm würde dann eine feierliche Differenzierung von heidnischen Namen darstellen, die am Sinai das Signal zur religiösen Konzentrierung wurde.

1) El schaddai 2 Mos 6, 3 vgl. 3, 18 ist noch nicht genügend erklärt. Er charakterisiert die Väterzeit; vgl. i Mos 49, 25.

2) S. Delitzsch, Babel und Bibel I, S. 74f. Vgl. mein Im Kampf um Babel und Bibel S. 20.

3) S. mein Im Kampf um Babel und Bibel 20 und Hommel, Die altorientalischen Denkmäler und das AT ? Anhang.

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