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Aber ,,Name ist Schall und Rauch“. Der Name sagt nichts über den Inhalt des Gottesbegriffs aus. Den Hauptnachdruck legt die Überlieferung auf das sittliche Verhältnis zur Gottheit, das ein absolutes Novum gegenüber Polytheismus und Astralreligion bedeutet. „Wandle vor mir und sei fromm“ 17, 1. ,Jahve, vor dem ich wandle" 24, 40. Die Erzählung hebt in allen Überlieferungsteilen hervor, wie Abrahams Verhalten ihn zum Freunde Gottes und zum Segenbringer für die Zukunft macht.

Wie hat nun Abraham seine religiöse Propaganda betrieben? Gewiß ähnlich, wie Paulus in Athen oder wie die christlichen Missionare im heidnischen Germanien. Er knüpfte an vorhandene Heiligtümer und Kulte an, besonders an die „heiligen Bäume“, die ja echt babylonisch anmuteten (S. 94 ff.) 2: beim Orakelbaum More 12,6 in der Nähe der kanaanäischen Kultstätte Sichem und beim Orakelbaum Mamre in Hebron i Mos 13, 18 (s. Holzinger z. St.). Hier sammelte er Gläubige. Dem Sinne nach wird Luthers Übersetzung das Richtige treffen: „Er predigte den Namen des Herrn“.

Die jüdische Legende malt das weiter aus. Wir heben eine Sage hervor, die auffällig an das Milieu der Sinuhe-Geschichte (s. S. 193ff.), erinnert:

Abraham gründete zunächst ein Asyl für unstäte Wanderer’ und bewirtete sie. Statt Lohn und Dank zu nehmen, wies er sie auf den Herrn des Hauses. „Wo finden wir dieses gütige Wesen?“ fragen die Wanderer. „Es ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und wenn man wissen wollte, wie jenes allmächtige Wesen anzubeten sei, so habe er sic die Worte gelehrt (die noch heute die Anfangsformel des jüdischen Tischgebetes bilden, wenn drei oder mehr Männer miteinander essen): „Gelobet sci der Ewige, der Gebenedeite für und für; gelobet sei der Weltengott, von dessen Gute wir gespeist.“ Vgl. Beer, Leben Abrahams 56. 174.

Selbstverständlich nehmen wir nicht an, daß die Religion Israels nur an dem „dünnen Faden der Crzeit“ hängt. Wie die Sittlichkeit ihre Geschichte hat in Israel, so hat sich auch die Religion entfaltet. Nur wird man sich die Entwicklung auch hier nicht gradlinig, sondern in Wellenlinien zu denken haben.

Mos 12, 17 wird das Haus des Pharao „geplagt“ um Sarahs willen. Ebenso i Mos 20, 17f. Worin besteht die Plage?

1) Unser Wort „Gott“ stammt auch aus dem Heidentum, ebenso das Seus des Neuen Testamentes.

2) 1 Mos 21, 33: „Er ptlanzte eine Tamariske in Beeršeba und rief dort den Namen Jahve als 'el ‘olam an.“

3) Vgl. auch die Romulus-Sage.

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i Mos 20, 17 f. sagt: es ist Sterilität unter die Frauen gekommen. Es stimmt das nicht zu der Annahme 20, 17, nach der Abimelech krank geworden war. Man sieht, die Geschichte künstelt. Daß diese Art der Strafe historisch aufzufassen ist, wird niemand annehmen wollen. Die Erzähler lassen das Ištar - Motiv anklingen, an das ja schon Sarahs Name und ihre Reise ins Südland, nach Ägypten (das ist die „Unterwelt“ s. S. 15) erinnert: die Sterilität ist das Motiv von Ištars Höllenfahrt. Wenn sie hinabsteigt (Winterhälfte des Jahres) ist alles Leben storben; alle Fruchtbarkeit unter Menschen und Tieren hört auf, wie der Mythus von Ištars Höllenfahrt erzählt. Dasselbe Ištar-Tammuz-Motiv findet sich 2 Sa 6, 14 ff., wo David sich entblößt und tanzt (hernach teilt er Kuchen aus v. 19, vgl. zu Jer 7, 18), während Michal, die ihn verlacht, mit Sterilität gestraft wird.

Der Kriegszug Abrahams. i Mos 14 erscheint Abraham ,,der Hebräer" als Führer und Berater kanaanäischer Stämme gegen die „Fürsten der Völker", wie es die Ägypter um 2000 von ihrem Sinuhe (S. 193 ff.) erzählen.

Th. Noeldeke hat 1869 das Kapitel für eine tendenziöse Erfindung einer späteren Zeit erklärt und Wellhausen hält dieses Verdikt für „unerschütterlich und unumstößlich“. Ed. Meyer, Geschichte des Altertums i § 136 hält mit Stade i Mos 14 für eines der spätesten Stücke des Pentateuch und urteilt folgendermaßen: „Es scheint, daß der Jude, welcher die Erzählung 1 Mos 14 einfügte, sich in Babylon genauere Kenntnisse über die älteste Geschichte des Landes verschafft hatte, und, durch irgendein uns unbekanntes Motiv veranlaßt, den Abraham in die Geschichte Kudurlagamars (d. i. Kedorlaomer) einflocht; im übrigen hat er dann die Erzählung nach den jüdischen Anschauungen über die Urzeit ausgemalt.“ Hingegen hat neuerdings Gunkel, der von theologischer Seite die Denkmalforschung zum ersten Male ernstlich in den Kreis alttestamentlicher Forschungen gezogen hat, in seiner Genesis anerkannt, daß die Erzählung uralte, sicher historische Angaben enthält, vor allem was den geschichtlichen Rahmen des Ganzen anlangt. Aber andrerseits urteilt er mit Noeldeke, daß die Erzählung innerlich Unmögliches enthalte so in der Waffentat Abrahams, in der Voraussetzung der einstigen Existenz Sodoms und Gomorrhas. Die Erzählung enthalte also im schreienden Gegensatz gut Beglaubigtes und ganz Unmögliches. H. Winckler, Geschichte Israels II, 26 ff., zerlegte (damals noch unter dem starken Einfluß der literarkritischen Methode stehend) die in í Mos 14 vorliegende Überlieferung in drei Phasen: 1. Ein israelitischer Chronikenschreiber, der seine literarische Bildung aus Keilschrifttafeln erworben hatte und der

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) Daß diese Ausmalungen „vollständig unhistorisch" seien, wie Ed. Meyer im Anfang des § 136 sagt, wird der Verfasser nach dem Funde des Hammurabi-Kodex gewiß selbst nicht mehr aufrechterhalten.

vielleicht den Briefverkehr zwischen dem israelitischen und babylonischen Hofe zu verwalten hatte, lernte Hymnen auf Kedorlaomer und Tidal kennen', in denen geschichtliche Ereignisse von Feldzügen nach dem „Westlande“ und von einem Kampfe im ,,Siddimtale“ in mythologisierender Weise verherrlicht wurden. 2. Der Elohist übertrug ihre Nachrichten auf heimischen Boden, identifizierte den Chabiri -Scheich, der die Könige besiegte, mit Abram. 3. Der Jahvist fügte Zusätze, von Sodom und Lot und von Melchisedek u. a. hinzu. In seiner Schrift „Abraham als Babylonier" hebt Winckler „die Treue des geschichtlichen Hintergrundes der Vätersage“ hervor; die persönlich gehaltenen anderen Erzählungen könnten zwar über die persönlichen Geschicke Abrahams keinen Ausschluß geben, wohl aber habe die Überlieferung den Sinn, den großen weltpolitischen Hintergrund der Abrahamszeit zu zeigen und das Land, welches Abraham aufsuchte, in den Zusammenhang der den damaligen Orient bewegenden Fragen zu stellen. Dabei hält er daran fest, daß Abraham im Sinne der Überlieferung 1 Mos 14, 1 als Zeitgenosse des Hammurabi aufzufassen sei, und daß seine Wanderung einen Gegensatz zu der religiösen Umwälzung bedeute, durch die die Herrschaft der ersten Dynastie von Babylon gekennzeichnet sei, die die Verehrung Marduks, des rettenden Frühlingsgottes, an die Stelle des alten Mondkultus gesetzt habe. — Fr. Hommel, altisr. Überlieferung 153, hält das ganze Kapitel für uralt; das wahrscheinlich babylonisch abgefaßte Original sei aus dem Archiv der vorisraelitischen Könige Salems in hebräischer Übersetzung in das jerusalemische Tempelarchiv herübergerettet worden.?

i Mos 14, I ff. erzählt: „Und es begab sich in den Tagen Amraph(el)s 3, als über Sinear (Babylonien) König war Arioch, könig von Elleasar (Larsa), da zogen zu Felde kidorlaomer, König von Elam, und Tidal, König von Gojin gegen Bera', König von Sodom, Birša', König von Gomorrha, Šin’ab, König von Adma, Šem’eber, König von Șebojim, und den König von Bela' (das ist Șoʻar): alle diese versammelten sich im Tale Siddim (das ist das Salzmcer). Zwölf Jahre waren sie dem Kedorlaomer untertänig gewesen, und im drcizchnten Jahre

1) Solche Dichtungen sind in der Tat in neubabylonischen Abschriften gefunden worden. Doch ist es zweifelhaft, ob wirklich Namen darin vorkommen, die Kedorlaomer und Tidal entsprechen, s. S. 215.

2) Schon Dillmann hatte die Ansicht ausgesprochen, daß der Verfasser von i Mos 14 aus kanaanäischer Tradition schöpfe.

3) Das I am Ende des Namens Amraphel gehört nach G. Hüsings Vermutung zum folgenden Worte: li-melok, vgl. die Eschmunazar - Inschrist (Lidzbarski, Handb. der nordsemit. Epigraphik 417, v. Landau, Beitr. zur Altertumskunde des AO II, 5, 1; 6, 1).

4) Hammurabi hat in der ersten Zeit noch unter der Oberhoheit des Eri-aku (Rim-Sin), des Königs von Sumer und Akkad gestanden, der in Larsa residierte und der sich ad-da des Westlandes nannte (s. S. 188). Die Angabe würde sich auf eine Zeit beziehen, in der die Oberhoheit nur noch nominell war, s. Winckler, Abraham als Babylonier.

hatten sie sich empört. Im vici schnten Jahre aber kam kidorlaomer samt den Königen, die mit ihm waren, herbci."

Es wird also hier von einem Feldzug gegen das Westland berichtet, der durchaus den geschichtlichen Verhältnissen der alten Zeit entspricht. Die Völkerschaften Kanaans haben 12 Jahre lang (also seit einem siegreichen elamitischen Feldzug gegen das ,,Westland") Tribut gezahlt und haben im 13. Jahre sich empört, d. h. die Tributzahlungen eingestellt. Dafür sollen sie gezüchtigt werden. Bei dieser. Auffassung erledigt sich wenigstens zum Teil Gunkels Einwand: „Wie kann man die kleinen Stadtkönige des Siddimtales mit dem gewaltigen Weltreich in Zusammenhang bringen.“ Die Erzählung fordert auch durchaus nicht die Annahme, der König Kedorlaomer und sein Bundesgenosse seien persönlich zugegen gewesen. Die Könige des Weltreichs haben nicht nötig, persönlich den Streitwagen zu besteigen, wenn es gilt, tributsäumige Vasallen zu züchtigen. Aber in den Annalen gehört es zum feierlichen Stil, den König als Repräsentanten seiner Kriegsschar zu nennen. Die Heerhaufen werden auf beiden Seiten nicht riesig gewesen sein; die 318 Knechte Abrahams geben an sich zu keinerlei Bedenken Anlass. 1

Die Verteidiger der Geschichtlichkeit von 1 Mos 14 haben in den letzten Jahren besonderen Wert auf den Nachweis gelegt, daß die Namen der babylonisch-elamitischen Könige identisch seien mit bestimmten Namen der babylonischen Keilschriftliteratur. Es handelt sich um babylonische Heldenlieder, die die Befreiungskämpfe gegen Elam schildern. Besonders Fr. Hommel hat sich in seiner altisraelitischen Überlieferung darum bemüht, hat auch einen Teil der von Pinches entdeckten Texte zum ersten Male in Übersetzung vorgelegt. Aber die Freude über den Fund verstummte bald. Einmal stellten sich Zweifel über die Identität der Namen ein. Eigennamen sind ja von jeher die crux der Assyriologie gewesen. Sie sind meist in mehrdeutigen Ideogrammen geschrieben. Die Unsicherheit ihrer Entzifferung hat übrigens bei vielen das ganz unberechtigte Mißtrauen geweckt, als sei auch die Entzifferung des übrigen Textes unzuverlässig. Sicher scheint uns die Gleichsetzung von Amraphel mit Hammurabi und die Identität von Ellasar mit Larsa, deren Trümmer unter dem Hügel von Senkereh, südöstlich von Uruk (Erech)

") Gunkel sagt: „Was soll man von einem Erzähler sagen, der solches berichtet,“ und zitiert Noeldekes Wort: „Wenn das möglich ist, ist eben nichts unmöglich.“ Anders urteilt jezt Winckler (vgl. Abraham als Babylonier, Josef als Ägypter, Leipzig 1903) wenigstens über die Auffassung Abrahams, indem er ihn grade so geschildert findet, wie man sich die Fürsten und Scheichs Palästinas jener Zeit auf Grund der TelArmarnabriefe deuten würde, die in Verbindung mit einer von Ägypten ausgehenden religiösen Reformation stehen.

verborgen liegen, wahrscheinlich die Identifizierung des biblischen Arioch mit Rim-Sin, der „sumerisch“ Eri-Aku heißt, im übrigen s. S. 214, Anm. 4.

Der Führer ist Kedorlaomer. Dieser Name ist echt elamitisch. Er bedeutet Knecht (?) der auch sonst bezeugten elamitischen Göttin Lagamar. Hommel war bei Gleichsetzung dieses Namens mit einem keilinschriftlichen durch einen vermeintlichen Fund des P. Scheil irregeführt worden, der in einem Briefe Hammurabis den Namen in der Form KudurNuhgamar wiedergefunden haben wollte. Die Lesung hat sich bei genauerem Studium des in Konstantinopel liegenden Briefes als irrtümlich erwiesen, und damit fallen auch Hommels Schlussfolgerungen. Aber auch wenn die Namen identisch wären mit den alten Helden der S. 215 erwähnten babylonischen Epen om Elamiterkrieg, so würde das denen nichts helfen, die mit solchen Gründen die Authentizität von i Mos 14 beweisen wollen. Denn jene Lieder sind uns nur in Abschriften aus der Achämenidenzeit bekannt. Seit den Zeiten Nabonids liebte man es, die altbabylonischen Namen hervorzuholen und altbabylonische Heldentaten zu preisen. Da nun grade die Juden im Exil und nach dem Exil Zeugen dieser babylonischen Altertümelei gewesen sind, so lag es nahe, den Schluß umzukehren und zu sagen: 1 Mos 14 ist eine Tendenzdichtung, die die Idealgestalt eines Abraham mit möglichst vielen alten Namen zusammenstellt, die Erzählung ist das Werk ,,eines in babylonischen Palästen und Tempelarchiven arbeitenden Judäers“.

Daß freilich eine derartige literarisch- kritische Beurteilung unhaltbar ist, wird jeder zugeben, der das Alte Testament im Lichte des alten Orients zu betrachten begonnen hat. Die biblischen Schriftsteller, deren Werke in unsere Bibel verarbeitet sind, hatten ebenso gut in der Königszeit Gelegenheit, aus babylonischer Überlieferung zu schöpfen, wie in nachexilischer Zeit. i Mos 14 liegen Geschichtstatsachen und die Kunde von geschichtlichen Persönlichkeiten zugrunde. Jene Abschriften aus der Achämenidenzeit zeigen, wie lebendig die Vorgänge der altbabylonischen Zeit im vordern Orient im Gedächtnis waren. Und die Israeliten wußten jederzeit gut Bescheid über die Vorgänge in den großen Weltreichen. Das wird uns die Königszeit zeigen. Die Frage ist nur, ob das Auftreten Abrahams historisch ist oder ob ihm die Geschichte von dem Sieg über die vier Könige auf den Leib geschrieben ist. Wer die Existenz Abrahams für abgetan hält, für den ist die Frage erledigt. Aber die Geschichte enthält doch schwerwiegendes Material für die Ver

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