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Persönlichkeit, die des Josef, der Tradition Anknüpfung geboten. Dann hat die religiöse Gemeinschaft neue und mächtige Impulse durch Moses empfangen. Sie ist erobernd vorgegangen, hat die versprengten Teile der alten Gemeinschaft gesammelt. Am Sinai schloss sich die durch Jetro charakterisierte Gemeinschaft an, die den alten Kultort besaß (hier vielleicht der Ursprung der Leviten zu suchen, vgl. S. 271), aus den Grenzgegenden des Negeb kamen Clane hinzu, die sich auf ihre religiöse Zugehörigkeit besannen, an die jene alten Kultstätten und „hebräische“ Wanderzüge aus Ägypten wie i Mos 50 fortgehend erinnert hatten. 1 Unter Josua zog man dann unter der durch Mose entrollten heiligen Fahne erobernd in das ,,verheißene Land".

Wir haben gezeigt, daß das Milieu der Vätergeschichten in allen Einzelheiten zu den altorientalischen Kulturverhältnissen stimmt, die uns die Denkmäler für die in Betracht kommende Zeit bezeugen. Die Existenz Abrahams ist damit nicht geschichtlich erwiesen. Man könnte sagen: sie ist in das Gemälde hineingezeichnet. Jedenfalls aber muß man zugeben, daß die Überlieferung alt ist. Sie kann unmöglich Tendenzdichtung etwa der mittleren Königszeit sein, wie die herrschende Kritik annimmt. Wir können angesichts der geschilderten Zustände sagen: die Geschichte könnte eher ein geistvoller Mann des 20. nachchristlichen Jahrhunderts, der die orientalischen Altertümer auf Grund der Ausgrabungen kennt, erdichtet haben, als etwa ein Zeitgenosse des Hiskia, der die Kulturverhältnisse seiner Zeit zur Schilderung benutzt haben und gewiß keine Antiquitäten ausgegraben haben würde. Die Schule Wellhausens ist von der Ansicht ausgegangen, daß die Vätergeschichten historisch unmöglich sind. Jetzt zeigt sich, daß sie möglich sind. Wenn Abraham gelebt hat, so kann er nur in einer Umgebung und unter Voraussetzungen gelebt haben, wie sie die Bibel schildert. Das muss der Geschichtsforschung genügen. Und man darf den Meister an sein Wort erinnern (Komposition des Hexateuch 346): ,,Wenn sie (die israelitische Tradition) auch nur möglich ist, so wäre es Torheit, ihr eine andre Möglichkeit vorzuziehen.“

1) 2 Mos 21, 1 und 1 Sa 14, 21 reden von „Hebräern“, die auch nach der Eroberung des Landes politisch nicht zu den Kindern Israel in Zusammenhang stehen, mit denen sich jedoch die Israeliten verwandt fühlen. Wir erkennen in ihnen Nachkommen der religiösen Gemeinschaft der Väterzeit.

Sechzehntes Kapitel.

Weitere Glossen zur Geschichte Abrahams,

Isaaks, Jakobs.

i Mos 19, 37. Die Moabiter. Der Geschichte liegt eine moabitisch-ammonitische Sage zugrunde. Der Stamm der Moabiter, der erst allmählich durch Angliederung verwandter Elemente zum Volke der Moabiter sich entwickelt hat, ist gleich den Stämmen der Israeliten erobernd im Ostjordanlande eingezogen. Ein Zeuge für die babylonische Kultur, die er neben der ägyptischen in seinem Gebiete vorfand, ist vielleicht noch in später geschichtlicher Zeit die moabitische Stadt Nebo. Die biblischen Geschichtsquellen nehmen wenigstens in der uns vorliegenden Gestalt an, dass die Moabiter bereits im Lande saßen, als die Israeliten ansässig wurden und das ursprünglich freundliche Beziehungen zwischen Moab und den Israeliten bestanden (5 Mos 2, 18 ff.). Dagegen spricht, dass sie in den uns bekannten vorisraelitisch-kanaanäischen Urkunden nicht erwähnt werden, auch spricht die Lage ihrer Wohnsitze nächst der Wüste dafür, daß sie erst eingezogen sind, als Israel bereits feste Wohnsitze inne hatte. H. Winckler, Gesch. Isr. I, 189 ff. nimmt deshalb an, dass in Ri 3, 15 ff. eine Erinnerung an die erste Machtentfaltung der Moabiter vorliegt und daß die Moabiter in den Bileamgeschichten (vgl. 4 Mos 22, 4, wo ,,Vornehmster der Midianiter" steht!) auf einer Verwechslung mit den später verdrängten Midianitern beruhen. Näheres über die Geschichte der Moabiter S. zu 2 Kg 3. i Mos 19, 38.

Dic Ammonitor, keilinsehriftlich Ammanu, sind Grenzvolk der Israeliten, nur zum Teil in der Steppe als Nomaden lebend, im übrigen der Bibel seit den ältesten Zeiten als ein unter Königen stehender Kulturstaat bekannt. Ihre Hauptstadt Rabba (Rabbat Ammon am oberen Jabbok, dem jetzigen Wadi ‘ammân, gelegen), liegt unter den Trümmern des heutigen 'Ammân, dessen zutage liegende prachtvolle Ruinen (s. Guthe, Bibelwörterb. 533) zumeist aber aus römischer Zeit stammen.'

1) Die „Mekkabahn“ führt jetzt an den Trümmern vorüber.

Saul verdankte seinen Ruhm dem Kampfe gegen die Amanoniter (i Sa II vgl. 14, 47). Er entsetzte die vom König Nahas belagerte gileaditische Stadt Jabes. L'nter der Beute befand sich die Krone des Königs (2 Sa 12, 30, Luther hat die richtige Übersetzung) und ließ sich ein Diadem daraus fertigen. Noch unter Salomo, zu dessen Zeit die kultischen Stücke (,,Scheusal der Moabiter“ wie das Kamoš-Bild von Moab, s. zu 2 Kg 3) zu Götzendienst gemissbraucht wurden, , waren die Ammoniter tributpflichtig; er hatte ammonitische Weiber, unter ihnen Rehabeams Mutter, in seinem Harem. Nach 2 Chr 20, I unterstützten später die Ammoniter den König Mesa gegen Israel - Juda und fielen in Juda ein. Die Nachricht entspricht durchaus der zu 2 Kg 3 zu schildernden Situation; nur erscheint hier der Zug Josaphaths als ein selbständiger, während er unter Jorams Gefolgschaft zu denken ist. Am I, 13 ff. zeigt, das später die Ammoniter schlimme Feinde Israels geblieben sind.

Die Keilinschriften nennen unter Salmanassar II. Baesa ben Rehôb, den Ammoniter (mat A-ma-na-ai) mit 1000 Leuten neben Ahab von Israel (mit 10000 Leuten) unter den Vasallen von Damaskus, die bei Karkar geschlagen wurden (KT 16). Unter Sanherib huldigt 701 Pudu-ilu von Ammon (bît am-ma-na-ai) und Asarhaddon nennt denselben Puduilu als Zeitgenossen des Manasse unter den Vasallen, die mit Korb und Tragbrett Frondienste leisten müssen beim Bau des Zeughauses in Niniveh (KT 44. 52).

Wie der Baal von Ammon hieß, wissen wir nicht. Der Name Puduilu enthält den Gottesnamen Ilu = El. Der Name Milkom ist vielleicht frühes Mißverständnis von 2 Sa 12, 30. Hommel, Aufs. und Abh. 155 vergleicht mit dem Namen benê Ammôn die Bezeichnung der Katabanen als walad 'Amm, d. i. ‘Amm - Kinder und erklärt ihn als 'Amm - Verehrer. ‘Amm bedeutet „Oheim“ und erscheint in babylonischen Namen ebenso wie Ab „Vater“, Ah „Bruder“ als Bezeichnung der Gottheit, und zwar ist * Amm (ammu, hammu z. B. in Hammurabi) nicht einheimisch babylonisch, sondern „westsemitisches“ Fremdwort (s. KAT 3 480). Nach Hommel, Grundriß S. 82 soll ‘Amm den Mondgott bezeichnen, vgl. den Namen Amm-nêr ,,Amm ist Leuchte," I. c. S. 93. Aber es ist Vorsicht geboten. Die von Hommel für den Mondkult reklamierten arabischen Götternamen dürften ebenso wie Ah ursprünglich vielmehr Tammuz-Charakter haben. Daher die Zwiespältigkeit ihres Wesens. Sekundär konnte das dann auf den Mond übertragen werden (wie anderswo auf die Sonne), sofern der Mond denselben Wechsel der Erscheinungen zeigt, wie Tammuz-Attar. Das Epitheton der Katabanen als walad ‘Amm wird wie bei benê Ammon den Stammvater bezeichnen.

i Mos 20, 17 s. S. 212. i Mos 21, 9 ff, s. S. 221. i Mos 21, 23 (El olam) s. S. 211.

i Mos 22, 13 vgl. 3 Mos 17, II. Der Gedanke, daß das Tieropfer am Altar den Menschen vertritt 1, liegt dem Sühnopfer der ganzen antiken Welt zugrunde. Smith-Stübe, Religion der Semiten S. 279 führt Beispiele u. a. von den Ägyptern an, wo das Opfer mit einem Siegel bekleidet wird, das das Bild eines gefesselten Menschen trug, der das Schwert an der Kehle hat. Zimmern KAT 3 597 zitiert u. a. den babylonischen kultischen Text IV R 26, Nr. 6:

Das Lamm, den Ersatz für den Menschen,
Das Lamm gibt er für dessen Leben.
Den Kopf des Lammes gibt er für den Kopf des Menschen,
Den Nacken des Lammes gibt er für den Nacken des Menschen,
Die Brust des Lammes gibt er für die Brust des Menschen.”

In einem andern Texte (Zimmern, Keilinschriften und Bibel S. 27) heißt es:

Ein Ferkel gib als Ersatz für ihn (den kranken Menschen), das Fleisch anstatt seines Fleisches, das Blut anstatt seines Blutes gib hin und die Götter mögen es annehmen.

Ferner findet sich der Gedanke der Stellvertretung in dem Vertrage zwischen Assurnirâri und Mati’ilu?, bei dem zur Besiegelung ein Schafopfer dargebracht wird und das Tier und seine Teile symbolisch den Vertragsbrüchigen und seine Körperteile darstellt:

Dieses Haupt ist nicht das Haupt des Bockes das Haupt des Mati - ilu ist es .... Wenn Mati' ilu diese Eidschwüre [bricht), gleichwie das Haupt dieses Bockes abgeschnitten ist, .... sei das Haupt des Mati' ilu abgeschnitten . Diese Lende ist nicht die Lende des Bockes, die Lende des Mati' ilu ist sie usw.

i Mos 23 s. S. 204.

i Mos 23, 16. ,,Er wog das Geld dar 400 šekel kesep , gangbare Münze." Geprägte Münzen kennt der Orient erst seit der Perserzeit. Aber von alters her hatte man abgewogene Metallstücke bereit, die aber beim Kauf gewogen wurden (was ja selbst bis in unsre Zeit z. B. bei den Dukaten geschah). Das Wort für wägen ist hier dasselbe, wie im Assyrischen: šakalu. Kesep (ass, kaspu) sind die gangbaren Metallstücke; šiklu kaspi ist die gewöhnliche Zahlung in den Keilschrift - Kontrakten.

?) Vgl. i Mos 22: der Widder für Isaak. Vgl. ferner die Hirschkuh für Agamemnons Tochter.

2) Man vergleiche damit die Grundsätze des ius talionis im Cod. Hammurabi und in der Thora: Auge um Auge, Zahn um Zahn etc.

3) Peiser in MVAG 1898, 228 ff., s. zu 3 Mos 16, 8.

“) Assyrisch ist „Kupfer“ ohne erklärenden Zusatz = biltu (Aussprache:); „Silber“ ohne Zusatz manû; „Gold“ ohne Zusatz šiklu. Wenn in einem der Amarna-Briefe Janhamu von Milkiel (in der Nähe von Jerusalem) ,mehrere tausend Gun (biltu) als Lösegeld" nimmt, so kann wegen der Menge nur Kupfer gemeint sein. Das würde darauf deuten, daß „Kupfer“ die Münzeinheit in Kanaan (armes Land?) war. In Babylon war Silber die Grundlage des Münzsystems, denn kaspu ist Gold und Silber. In Ägypten, dem Sonnenland, müßte Gold der Wertmesser gewesen sein. Sofern es Silber war, liegt Einflus Babyloniens Vor. Auch die Hervorhebung des einen oder andern Metalles hat ursprünglich unter dem Einfluß der Astralreligion gestanden. Jeder der Planeten hat ein Metall, wie besonders deutlich der Mithras-Kult zeigt. Silber ist Mond - Metall; Gold ist SonnenMetall1; Kupfer ist Ištar - Metall. Das könnte zu Babylonien (Mond), Ägypten (Sonne), Kanaan (Ašera-Ištar) stimmen (in Zeiten der Hervorhebung des Mondkultus).2

i Mos 24, 3 s. S. 210. 1 Mos 24, 4 s. S. 223. - i Mos 24, 40 s. S. 212.

i Mos 25, 13. Nebâjót. Es sind die Nabajâti Asurbanipals; hier wie Jes 60, 7 neben den Kedar, d. h. den seshaft gewordenen Arabern (Kidri) bei Asurbanipals genannt. Sie haben nichts mit den Nabatäern zu schaffen (gegen KAT 2 147). Ein Fürst der Nebâjóth ist Gašmu, der Araber, bei Neh 6, 2 (s. KAT 3 151, 296).

ddbeel ist der Dibi’ilu bez. Idiba'il in den Annalen Tiglatpileser III. -- Mišma', vgl. Isamme bei Asurbanipal (KB II, 220) == Hüter eines Heiligtums der Attar-samain, ähnlich wie die Koraischiten. Mit Ismael hat der assyrische Name

1) Vgl. III R 55, 60: Eine Scheibe von Gold wird dem Sonnengott geweiht. Vgl. zur Sache Winckler KAT 3 340 f.

2) Vgl. Winckler, Die babylonische Kultur S. 48 f.; C. F. Lehmann, Babyloniens Kulturmission S. 41. Mond- und Sonnenumlauf stehen im Verhältnis 27: 360 =1:13'3. Das ist das Wertverhältnis zwischen Silber und Gold, welches das Altertum stets beibehalten hat. Das Kupfer steht zum Silber in der Regel wie 1:60 oder wie 1:72.

Silber und Gold verhalten sich wie Monat und Jahr, das Kupfer repräsentiert eine Einteilung des Jahres zu 60 „Wochen“ mit je 6 Tagen (die nur rechnerisch und theoretisch zu erschließen) oder in 72 Wochen mit je 5 Tagen (die bezeugt ist). Wir sind gewöhnt, die Wertschätzung als Wertmesser anzusehen. Wenn das auch für das Altertum zuträfe, so hätte das Wertverhältnis nach der Seltenheit schwanken müssen. Und warum nahm man Silber und Gold zu Wertmessern? Es gab doch wertvollere Dinge. Die Münzfähigkeit kommt nicht in Betracht, denn man wog nur die Metalle. Aber wenn auch praktische Momente hineinspielten, so ist doch im altorientalischen Sinne ein theologisches Moment, wie es S. 3 gezeigt wurde, maßgebend gewesen, das seine Herrschaft bis in die moderne Zeit über die ganze Erde (entlegene Teile der Südsee und Afrikas ausgenommen) geltend gemacht hat.

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