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ein Königtum. Das Richterbuch spiegelt diese Verhältnisse wieder. Jephta Ri ii zeigt den primitiveren Zustand: er ist Roš; Abimelech Ri 9 ist bereits König in dem angegebenen Sinne.

An sich könnte man sich die Besitzergreifung des Landes Kanaan durch die „Kinder Israels“ als allmähliche Einwanderung oder als Eroberung vorstellen. Nimmt man allmähliche Einwanderung an, so würde sie ruckweise zu denken sein, bis es allmählich unter dem Einfluß der neuen Verhältnisse zu einer politischen bez. religiösen Einigung gekommen wäre. 1 Aber eins ist dann unmöglich: es kann dann überhaupt keinerlei politische oder – was für den alten Orient dasselbe ist religiöse Gemeinschaft vorher die einzelnen Teile der späteren „Kinder Israel“ verbunden haben. Denn eine solche Gemeinschaft müßte bei stoßweiser Einwanderung verloren gegangen sein und es müßte eine Trennung zwischen Ansässigen und Nichtansässigen cingetreten sein. Das widerspricht aber dem Grundgedanken aller israelitischen Volkserinnerung. Und darin sind doch alle modernen Darsteller einig (freilich durchaus im Widerspruch zu ihren eigenen Prämissen), daß am ,,Schilfmeer" etwas Großes geschehen ist, das für alle Zeit als religiöses Signal galt, und daß am Sinai die magna Charta gegeben wurde, die im Mittelpunkt der Religion des gesamten Staates Israel - Juda steht. Die biblische Tradition spricht deshalb folgerichtig von einer Eroberung des Landes unter einheitlicher Führung und unter einheitlicher Idee.

Es erhebt sich hierbei nur die Frage, ob es unter den Voraussetzungen, die uns die Kenntnis des alten Orients auf Grund der Denkmäler und der Geschichte an die Hand gibt,

erkannte Vollbürger; vielleicht ist das der muškenu S. 276 im Gegensatz zum rubû),

oder: A Sohn des X, Sohn des nappahu („Schmied“ oder irgend ein

anderer Handwerker) so nennt sich der Zunft-Angehörige. Daß es genau so bei den Israeliten war, sieht man bei den Exilierungen. Fortgeführt werden die Reichen und die, welche eine Kunst verstehen (die Handwerker).

-) So die herrschende Anschauung, die vor allem von Stade vertreten wird, und die von der Prämisse ausgeht, daß Juda ursprünglich nicht zu Israel gehört. Wir halten die Prämisse für irrig. H. Winckler ist von derselben Prämisse ausgegangen, hat aber dann wenigstens den logisch richtigen Schluß gezogen: wenn Jahve nur der Gott Judas und zwar im Sinne altorientalischer Lehre ist, kann er nicht zugleich der Gott Israels gewesen sein.

denkbar ist, daß eine religiöse Bewegung die Fahne ist, unter der sich eine solche Eroberung vollzieht. Daß dies möglich ist, zeigt die Geschichte der Religionen im Orient bis auf den heutigen Tag. Das anschaulichste Beispiel ist die religiöse Bewegung unter Mohammed.

Das astralmythologische Motiv, das in der Geschichte Josuas anklingt, wie bei Abraham (S. 182 f.), Josef (S. 239 f.), Jakob (S. 248f.), Moses (S. 254 ff.), ist angedeutet durch den Beinamen Josua Ben-Nun ,,Sohn des Fisches“; der Erzähler hat Ea-Motive im Sinne. Der Sohn des „Fisches“ Ea (s. S. 29) ist Marduk.' Deshalb ist wohl die Durchschreitung des Jordans und das Aufstellen der 12 Steine Josua 3 f. in den Farben des Kampfes Marduks mit Tiâmat erzählt, s. S. 260f. Wie im Mythus die 12 Zeichen am Grenzwasser der Welt aufgestellt wurden,

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Abb. 95: Hettitisches Relief. Berliner Museum. Tešup kämpft gegen den Löwen; Sonnengott und Mondgott kommen zu Hilfe (sog. „Löwenjagd von Saktsche - Gözü“).

so hier an der Grenze der von Josua eroberten Welt.? In der Schlacht gegen die fünf (!) Amoriterköniges ruft er Jos 10, 12 Sonne und Mond als Bundesgenossen auf (s. zu Ri 5). Vgl. Abb. 95 das hettitische Relief, wo Sonne (auf dem Wagen mit Pfeil und Bogen mit dem Wagenlenker, s. S. 35) und Mond (mit der Lanze) dem Marduk, der hier hettitisch als Tešup dargestellt ist (s. S. 39 und Abb. 17), im Kampfe gegen den Löwen helfen; die 4 Rosetten bezeichnen die 4 übrigen Planeten als Zuschauer. Vgl. ferner die Skulptur aus Suêda im Haurân Abb. 96.5 Jupiter kämpft

1) Anders Winckler, Krit. Schr. II, 83: Josua sei selbst als Ea gedacht.

2) Vgl. die 12 turmhohen Altäre, die Alexander am Hyphasis, an der Grenze seiner Eroberungen errichtet, Arrian 5, 29, 1; s. Winckler, Gesch. Isr. II 107.

3) Die 5 wechselt mit 12 (Grundzahlen des Sexagesimalsystems); der Erzähler mag an die Ungeheuer denken, die Marduk im TiâmatKampfe besiegt.

) Nach Winckler, Gesch. Isr. II 96 f.

5) Veröffentlicht und gedeutet von Clermont - Ganneau, Études d'archéol. orient. I, p. 179.

gegen ein Steine werfendes Ungeheuer mit Schlangenleibern und Löwentatzen, die Sonne ist Zuschauer, der Mond ist durch Rosette angedeutet. Auch Ri 5 20 sind die Sterne als Zuschauer gedacht, s. z. St. und vgl.

Abb. 97.

Jos 3, 14 ff. vgl. 4, 2 ff. Die Teilung des Fordans, Aufstellung der 12 Steine, s. S. 260 f. zu 2 Mos 14, 23 f. und S. 283 und vgl. noch Stucken, Astralmythen, S. 69 f. 164 f. 186.

Jos 5, 3 ,,der Hügel der Vorhäute" in dem als Heiligtum geltenden Gilgal. Es ist kaum nötig, mit Stade ZAW 1886, 132 ff. den Namen des Hügels von einem gemeinsamen Operationsplatz für die jungen Benjaminiten abzuleiten. Der Name

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ist wohl vielmehr nur ein Zeuge für die bis heute giltige israelitische Sitte, die Vorhäute an einem bestimmten heiligen Orte (heute hinter dem Altar der Synagoge) zu vergraben.

Jos 6, 4. Siebenmaliger (s. S. 89) Umzug um die Stadt (mit der Lade?). Ein charakteristischer altorientalischer Zug. Siebenmal wandert die Prozession in Mekka um die Kaaba.

Jos 6, 26 „Il'enn er ihren (der Stadt) Grund legt, so koste t's ihn seinen Erstgeborenen, und wenn er ihre Tore einsctst, scinen jüngsten Sohn."

In diesem poetischen Stück liegt vielleicht eine Erinnerung an Bau opfer. Der religionsgeschichtliche Grund des Bauopfers ist: die Gottheit wohnt in der Schwelle (näheres zu 2 Mos 12, 13).2

) Vgl. zum Bauopfer Sartori, Zeitschr. f. Ethnol. 1898, I, 53; zur Stelle Winckler, Krit. Schriften II, 12 f., Kuenen, Onderz. ? 233.

2) Anders Stucken, Astralmythen 184: Die Leiche soll den Dämon abhalten; er sieht, daß hier die Arbeit schon getan ist. So deuteten auch wir das Blut an den Türpfosten, s. zu 2 Mos 12, 7.

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Jos 7, 21. Der babylonische Mantel. Zeugnis für babylonische Kultur in Kanaan. 1

Jos 7, 26. Die Aufhäufung von Steinen gehört noch heute bei den Arabern zur Herrichtung des Grabes. Die nachträgliche Vermehrung des Haufens ist ein Gedenken der Toten (s. Holzinger z. St., Wellhausen, Reste arab. Heidentums, 80).

Jos 10, 1 (Jerusalem) s. S. 217. Jos 10, 12 s. S. 283. Jos 10, 41 (Goseni s. S. 246, Anm. 2. Jos 11, 21 (kirjat-Anab) s. S. 196.

Jos 13, 3 zu den Hafenstädten s. die Karte Nr. II, Kanaan in der Amarna-Zeit.

Jos 15, 10 Bet-Šemeš s. zu 2 kg 23, 11. Jos 15, 15 kirjat Sepher s. S. 5, Anm. 3. Jos 15, 32 En-Rimmon s. zu 2 Kg 5, 18.

Jos 15, 41 Bet-Dagon, der Stadtname, der auch bei Sanherib neben Joppe erwähnt wird (Bit - Daganna, KB II, 93) und wohl identisch ist mit dem heutigen Bet-Degàn südöstlich von Joppe, enthält den Namen des philistäischen Gottes Dagon.? Ri 16, 23 erwähnt ein Opferfest für Dagon in Gaza, 16, 24 Gesang zu Ehren Dagons, nach i Sa 5, I ff. hat er einen Tempel in Asdod. Da der Name auch in den Amarna - Briefen vorkommt (Dagan-takala heißt ein Briefschreiber KB V, Nr. 215f.) und auch in Südbabylonien im Namen des alten Königs IšmeDagan von der Dynastie von Isin (in der Mauer des südlichen Tempels von Mukair, s. KB III", S. 87)3, so wird anzunehmen sein, dass die Philister den Namen nach ihrer Einwanderung vorgefunden und zur Bezeichnung eines ihrer Hauptgötter übernommen haben, so wie sie für ihre weibliche Gottheit den Namen 'Ašteret, 'Aštart mit den Phöniziern gemeinsam haben (1 Kg 11, 5 vgl. mit i Sa 31, 10). Die Zusammenstellung mit Ea-Oannes weist Zimmern in KAT 3 358 wohl mit Recht ab. Die Vorstellung von Dagon als fischgestaltiger Gottheit, die als kühner Schluß aus dem verdorbenen Text von i Sa 5, 4 angesehen wird, bleibt aber doch wahrscheinlich. Nach Kimchi hatte er vom Nabel an Menschengestalt. Wenn Abarbanel sagt, er habe auch die Füße eines Menschen besessen, so ist darauf hinzuweisen, daß auch Ea-Oannes Menschenfüße unter dem Fischschwanz hat, s. Abb. 10.

Jos 16, 6 s. S. 199, Anm. 2. Jos 19, 28 s. S. 207, Anm. 2. — Jos 19, 38 (Beth-Anath) s. S. 196.

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1) Die übliche Erklärung als babylonische „Mode“ entspricht nicht orientalischem Wesen, am wenigsten im Altertum.

2) Jensen, Kosmologie 449 ff.; Winckler, Gesch. Isr. I, 216f.
3) Auch in Eigennamen auf dem Obelisk Maništusus; vgl. auch S. 130 C.

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Jos 19, 44. Eltheke wird von Sanherib erwähnt. Er hat Tamnâ (Timnah in v. 43) und Altaşû zerstört und ist dann nach Ekron gezogen, um den vertriebenen Padî wieder einzusetzen.

Jos 20 (Asylrecht) s. zu 2 Mos 20, i ff. -- Jos 24, 2 s. S. 209. – Ri 1, 10 s. S. 205, Anm. 2. Ri 1, 31 s. S. 208, Anm. 1. Ri 1, 33 s. S. 196. Ri 3, 15 ff. s. S. 228. Ri 5, 4 s. S. 179, Anm. 1. Ri 5, 20.

Die Sterne stritten wider Sisera. Zu der altorientalischen Vorstellung von den Sternen als göttlichen Mit

streitern s. S. 70 und Abb. 97, die
Siegesstele Naramsins, die oben
Sonne, Mond und Ištar als Zeugen des
Sieges darstellt, vgl. auch Abb. 95 f.

Ri 6, 28. Die von Gideon gefällte (gespaltene) Ašera ist als Holzbild gleich dem Abb. 14 wiedergegebenen Marmorbild zu denken: ein Pfahl, dessen oberes Ende in den Kopf der Göttin ausläuft.

Ri 8, 18-21 vgl. 2 Sa 21, 1-14. Hier ist Blutrache vorausgesetzt, wie sie bis heute unter den Arabern sich findet. Sie kommt, wie die Kabbala unter Berufung auf i Mos 4, 10 sagt, aus der Vorstellung, dass das Blut des Gemordeten in Aufwallung ist, solange es nicht unter der Erde ist, besonders wenn der Mörder in die Nähe kommt; vgl. die Volksanschauung, nach der dann

die Wunden wieder bluten und nach Abb. 97: Siegesstele Naramsins.!

der der Geist des Gemordeten nicht zur Ruhe kommt, solange nicht der Mörder durch den Bluträcher (Goël) gerichtet ist. Deshalb wird er auch nach dem Talmud am Orte der Tat mit seinen Kleidern und init dem anhaftenden Blutschmutz ,,der Rache wegen“ begraben.

Das Rechtsleben der Israeliten ist religiös normiert unter dem Grundsatz, daß Gott der höchste Bluträcher ist (Ps 9, 13,

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1) Sie stellt den Triumph der Babylonier über die Elamiter dar. Die babylonische Inschrift ist von den Elamitern, die später die Siegesstele als Beutestück nach Elam schleppten, teilweise ausgekratzt und durch eine Inschrift des elamitischen Herrschers Šutruknahunte ersetzt worden. Die Astralgötter können auf Abb. 97 übrigens auch als „Weltregenten" gelten.

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