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vgl. 1 Mos 9, 5f.; 3 Mos 24, 17; 4 Mos 35, 18 ff.). Darum finden wir hier keine eigentliche Blutrache. Daß sie i Mos 27, 45 vorausgesetzt sein soll, leuchtet mir nicht ein. In den ,,Gesetzen Hammurabis" ist diese Sitte bereits überwunden. Die Strafvollstreckung ist unter schärfster Anwendung des ius talionis staatlich geordnet. Als Rest der Blutrache erscheinen dabei die merkwürdigen Bestimmungen, nach denen unter Umständen ein möglichst gleichwertiges Familienglied (Sohn oder Tochter) für die Tat haftet.

Ri 8, 21. Kleine Mond-Amulette an den Hälsen der Kamele, s. zu 2 Kg 23, 5.

Ri 9, 13. Der Götter und Menschen fröhlich macht.Nicht an Trankopfer ist zu denken (Budde z. St.), sondern an mythologische Vorstellungen von Göttermahlzeiten, wie im Epos Enuma eliš, s. S. 26 und vgl. S. 73.

Ri 9, 27 s. zu 2 Kg 23, 5.

Ri 9, 45. Die Stadt zerstörte cr und streute Salz (Schwefel?) darauf. Die gleiche Sitte bei den Assyrern. Tiglatpileser I. Pr. I, VI, 14 streut ebenfalls Salz über die eroberte Stadt Hanusa und Asurbanipal VI, 79 streut Salz über das verwüstete Susa (s. Delitzsch, Handw. 298). Deshalb heisst hebr. unfruchtbares Land meleha, eig. salziges Land, Hi 39, 6; Ps 107, 34; Jer 17, 6.

. Ri 10 (König von Jerusalem) s. S. 218. Ri 10, 18 (lla'onitor) s. S. 241. - Rinl. Jephta, Zum Menschenopfer s. S. 277 f. u. S. 282. — Ri 16, 23 s. S. 285.

Buch Ruth s. zu 2 Kg 3. Ruth 4, 18 s. S. 127.

Die Simsonsgeschichte. Ri 13 ff. Die Simsongeschichte ist mit Motiven des SonnenMythus durchzogen. Der alte Sonnen-Kultort Bet-Semes war seiner Geburtsstadt benachbart. Sein Name bedeutet die kleine Sonne. Ri 16, 13 ist von den sieben (!) Locken seines Kopfes die Rede. Ebenso hat Gilgameš (s. Abb. 49) stets 7 Locken. Die Sonnenstrahlen sind im Mythus als Haare gedacht (s. S. 235). Das Haar Simsons ist deshalb der Sitz seiner göttlichen Kraft.

Auch sonst hat er Züge mit Gilgameš-Herakles? gemeinsam. Er verrichtet zwölf Taten, die mit der Tötung des Löwen beginnen, weshalb Eusebius den Herakles für eine „heidnische Nachahmung“ des

1) S. hierzu mein Izdubar-Nimrod, Leipzig, Teubner 1891, S. 70, wo gegenüber dem Urteil von Wilamowitz-Möllendorffs im Euripides Herakles, es sei „bodenlos“, in altorientalischen Sagen Herakles zu suchen, geSimson hält. Der Kampf gegen die Philister mit Eselskinnbacken und brennenden Fuchsschwänzen, die Fesselung und Blendung des Sonnenmanns durch die Philister, enthalten Motive des Kampfes der Sonne gegen die Wintermächte, die Säulen, die er im Tempel umfaßt und umstürzt, symbolisieren die beiden Hauptpunkte der Sonnenbahn s. S. 40, Anm. 2. Bei den Rätseln denkt man an die Festrätsel im Adoniskult.

Ri 16, 23 s. zu Jos 15, 41. i Sa 1, 24 S. zu 2 Mos 20, i ff. i Sa 2, 18 s. S. 68. i Sa 5, if. und 4 s. S. 285.

I Sa 5, 5 Die Priester Dagons treten nicht auf die Schwelle S. zu Jos 15, 41 und 2 Mos 12, 7.

i Sa 10, 1. Samuel wird durch Ölsalbung zur Königswürde geweiht. Nach dem Zeugnis eines der Amarna - Briefe salbte der ägyptische König Thutmosis III. den Großvater des Fürsten von Nahašše zum König (KB V Nr. 37). Die Israeliten, die von den Kanaanäern die Königswürde übernahmen (Abimelech s. oben S. 282), fanden also die in Ägypten heimische Sitte in Kanaan vor.

i Sa 11 S. S. 229. i Sa 14, 2 s. S. 227. i Sa 17 (David und Goliath) s. S. 194, Anm. 1.

i Sa 28, 7 ff. Saul bei der Here in Endor. Die Hexen trieben ihr Wesen in Israel und pflegten heidnische Gebräuche, vgl. 2 Mos 22, 18, wo sie ausgerottet werden sollen, dergleichen gibt es ja auch bei uns, nicht nur im Mittelalter und in Goethes Faust, sondern bis auf den heutigen Tag in Gegenden, in denen das Heidentum noch nicht lange ausgerottet ist. Und der Spiritismus der Modernen zeigt ähnliche Erscheinungen. Die Beeinflussung Israels von Babylonien her ist auch in diesem Punkte sehr wahrscheinlich. Die babylonische Literatur hat uns bisher nur ein Beispiel einer Totenbeschwörung gebracht: der Totengeist des Eabani wird von Gilgameš befragt und sagt seinem Freunde, nachdem er aus dem Loch der Unterwelt wie ein Wind herausgefahren ist“ (vgl. i Sa 28, 13: Samuel ein ,,aus der Erde hervorsteigender Elohim"): ,,das Gesetz der Unterwelt." In den Listen der babylonischen Priesterklassen finden wir den ,,Beschwörer der Totengeister", den „Priester, der den Totengeist heraufführt“ und den sa'ilu, „Totenbefrager". Vgl. hierzu noch Jes 8, 19.

i Sa 31, 10 s. S. 237, Anm. 2.
2 Sa 6, 14 ff. s. S. 213. 2 Sa 8, 10 s. zu 2 Kg 3. — 2 Sa 12, 30 s. S. 229.

zeigt ist, daß grade die Bestandteile der Herakles-Sage, die als Urbestand zu gelten haben, mit dem altorientalischen Mythus zusammenstimmen.

-) S. mein Hölle und Paradies? AO I 3?, S. 27 ff.

2 Sa 13 Tamar s. zu i Mos 38, 12 ff. und zu Jer 7, 18. Der Geschichte fehlt in der vorliegenden Konzipierung der Schluß: die Geburt des Kindes. Vgl. die Vermischung der Geschwister Siegmund und Sieglinde in der germanischen Sage.

2 Sa 21, i ff. (Blutrache) s. zu Ri 8, 18 ff.

Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Die politische Geschichte der Staaten Israel und Juda

im Lichte der Denkmäler.

In den Zeiten Davids war der Staat, den die geeinigten Stämme Israel und Juda bildeten, der mächtigste gewesen unter den kanaanäischen Kleinstaaten am Mittelmeer. Die Oberhoheit Ägyptens, die wir in der Amarna - Zeit fanden, mag nominell fortbestanden haben, ruhte in Wirklichkeit. Ein Zeugnis für den Niedergang der ägyptischen Macht in jenen Zeiten bietet der S. 200 erwähnte Papyrus Golenischeff, der zeigt, wie wenig respektvoll die Fürsten der Mittelmeerstaaten damals den Pharao behandelten. Bereits unter Salomo aber sank die Macht des Staates David. Salomo geriet, wohl infolge seiner Prachtliebe, in Abhängigkeit von Tyrus. Auch Ägypten scheint seine Rechte wieder geltend gemacht zu haben. Jerobcam lebte am Hofe des Pharao, s. 1 Kg 12, 24; nach Sept. bekam er eine ägyptische Prinzessin zur Frau. Nach der biblischen Überlieferung scheint es, als ob die „Teilung des Reiches“ nur ein Resultat innerer

1) Der Fürst von Byblos läßt die Tagebücher seiner Väter holen und hält dem Gesandten des Pharao, der edle Hölzer holen soll (s. Abb.67), entgegen, welch noble Gegengaben die früheren Pharaonen gebracht haben, während er mit leeren Händen komme und nicht einmal ein eigenes Schiff für seine Gesandtschaft habe.

3) Salomo heiratet eine Frau vom Hofe des Pharao. Wenn auch hier Verwechslung von Misraim und Mușri vorliegt, so ist die Stelle nur ein Zeugnis für den Verkehr zwischen dem Staate David und den arabischen Handelsstaaten. Aber da Salomo das bisher selbständige Gezer (1 Kg 9, 16 f.) als Mitgift bekommt, so scheint es sich doch um Ägypten zu handeln. Der Vorgang wäre dann mit den Amarna - Briefen zu illustrieren. Salomo hat seinen Rechtsanspruch auf Gezer beim Pharao geltend gemacht und hat dem Fürsten von Gezer die Stadt im Prozeßwege abgenommen, s. Winckler in Helmolts Weltgeschichte III, S. 197. Jeremias, A. Test.

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Kämpfe gewesen sei. Daß der Pharao Šošenk seine Hand im Spiele hatte, hat man längst aus den ägyptischen Inschriften erkannt. Unklar bleibt die Stellung Rehabeams. Hat er gehofft, dem Pharao mit Erfolg Widerstand leisten und die ägyptische Oberhoheit abschütteln zu können? Auch hier würden vielleicht damaszenische Überlieferungen, die uns noch gänzlich fehlen, die Frage beantworten. Damaskus gewann bald nachher entscheidenden Einfluß auf die Angelegenheiten von Israel und Juda. Rehabeam hat sich vielleicht auf Damaskus gestützt. Jedenfalls hat Damaskus bei den Kämpfen zwischen Jerobeam und Rehabcam die Hand im Spiele gehabt.1

Während der Regierung Salomos war nördlich vom Reiche Davids ein mächtiger Aramäerstaat? mit der Hauptstadt Damaskus entstanden, dessen Gründung durch den Abenteurer Rezon die Bibel i Kg 11, 23-25 berichtet. Nach der Auflösung des Davids-Reiches wurde dieser Staat Damaskus der mächtigste im Westlande. Von Anfang hatte Rezon versucht, über die Grenzen Israels hinüberzugreifen (,,Gott erweckte dem Salomo cinen Ilidersacher in Rezon), denn nur über Galiläa und das Ostjordanland konnte Damaskus einen zu allen Jahreszeiten brauchbaren Handelsweg nach den phönizischen Häfen, sowie durch die esdrelonische Ebene nach den philistäischen Hafenstädten gewinnen. Schon deshalb wird Damaskus bei den Kriegen zwischen Israel und Juda als tertius gaudens die Hände im Spiel gehabt und die Feindseligkeiten gehörig geschürt haben. Rehabeams zweiter Sohn Asa 3 sendet nach Damaskus Tributgaben und erinnert (1 Kg 15, 19) Benhadad an ein Bündnis, das sein Vater mit Benhadads Vater geschlossen habe. Er bittet um Hilfe gegen seinen Feind Baesa, den König von Israel und ersucht, das Bündnis aufzuheben, das zwischen Israel und Damaskus bestehe. Das heißt in Wirklichkeit: er unterwirft sich dem Herrscher von Damaskus als Vasall und tritt damit in die Stellung ein, die Israel bereits vorher hatte. Benhadad gewährt mit Vergnügen die Bitte, das heißt er übernimmt die Oberhoheit über längst begehrte Gebiete des Ostjordanlandes: ljon und Dan und Abel-beth-Maacha und Kinneroth, samt dem ganzen Lande Naphtali: i Kg 15, 20.* Er ver

1) S. Winckler in Helmolts Weltgeschichte III, 197 f.
2) AO IV 32: Šanda, Die Aramäer.
3) i Kg 15, 8 steht irrtümlich „Sohn“ statt „Bruder des Abiam“.

4) Damit erwirbt Damaskus den rechtlichen Anspruch auf diese Gebiete, und in deren Verfolgung zieht sie 733 Tiglatpileser ein, als er

heiratete seinen Sohn Ahab mit der tyrischen Prinzessin Isebel. Ahab konnte dann wagen, gegen Damaskus in offene Feindseligkeit zu treten (1 Kg 20 ff.). Die nun folgenden Kriege, bei denen Israel jedenfalls durch Tyrus unterstützt wurde, bei denen auch Juda gelegentlich Heeresfolge leisten musste, hatten wechselnden Erfolg, haben aber doch schließlich die Abhängigkeit Israels von Damaskus 1 nicht aufheben können, denn wir finden bald darauf Ahab beim Kampfe gegen Assyrien in der sicherlich erzwungenen Heeresfolge Benhadads.2

Inzwischen war nämlich für den mächtigen Aramäerstaat Damaskus Gefahr heraufgezogen von seiten des assyrischen Reiches. Die assyrischen Könige haben seit Asurnasirpal als eines der Hauptziele ihrer Politik „den Zug nach dem Meere“ angesehen, d. h. sie wollten freie Bahn für ihre Handelszüge und Kriegszüge nach dem Mittelmeer gewinnen (vgl. S. 188 u. Abb. 58 f.). Zu diesem Zwecke mußte Damaskus überwunden werden; mit dessen Besitze zugleich die Verfügung über die kleinen Völker des Ostjordangebietes verbunden war. In Israel bildete sich bald eine Assyrien freundlich gesinnte Partei, die von dem mächtigen Reiche Befreiung vom damaszenischen Joche erhoffte.

Das Reich Israel heißt in den assyrischen Königsinschriften immer bit Humrî oder bît Humria. Denn als Assyrien unter Salmanassar zum ersten Male Ansprüche auf Israel erhob, regierte Ahab, also die Dynastie Omri.? Auch Jehu, der mit Unterstützung Assyriens die Dynastie Omri gestürzt hat, heißt mâr Humrî, „Sohn von Omri“. Juda wird vorläufig gar nicht

Damaskus zur assyrischen Provinz macht. Von da ist Damaskus Schritt für Schritt vorgerückt. 1 Kg 20, 34 erfahren wir, daß Benhadad unter Omri weitere Städte besetzte und in dem neugegründeten Samarien Bazare (natürlich mit Privilegien für die Handelsartikel von Damaskus) eröffnet hat. Jedenfalls ist das der ausbedungene Lohn für die Hilfe gewesen, die es dem Usurpator Omri bei seiner Thronbesteigung zuteil werden ließ. Omri hat dann als kluger Politiker versucht, durch Verbindung mit Tyrus der gefährlichen „damaszenischen Freundschaft“ ein Gegengewicht zu bieten.

1) Die kulturelle Überlegenheit des Reiches von Damaskus über Israel-Juda bezeugt Am 3, 12 und vielleicht auch 2 Kg 15, 10f., wo Ahas das Modell eines Altars von Damaskus nach Jerusalem schickt.

3) Ahab zieht mit Josaphat nach dem Jabbok 1 Kg 22, 3, um Ramoth Gilead den Händen der Damaszener zu entreißen. So weit also, bis nahe an die Grenze des Reiches Juda, reichte gelegentlich die Machtsphäre von Damaskus! Die Freundschaft zwischen Josaphat und Ahab bedeutet nichts anderes als Vasallenverhältnis Judas gegenüber Israel. 3) Vgl. Kittel in RPTh Art. Omri.

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