Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

ausgezeichnet wird, und die oben S. 15f. besprochene Hervorhebung der Zahl 50 (50 X 7= 350, d. i. Mondjahr) zur Bezeichnung des gesamten Jahres- bez. Weltenzyklus: Marduk erhält die Zahl 50 als Ehrenname, Ninib-Ningirsu, der den Nordpunkt, die meta des Sonnenlaufs beherrscht, wohnt im ,,Tempel 50“. Eine besondere Frage ist die, ob die babylonischen „Siebentage" mit den Mondphasen zusammenhängen oder nicht. Wir sind geneigt, anzunehmen, dass die vier Siebenerwochen dem Monde nachträglich auf den Leib geschrieben sind. Denn 28 ist ja gar nicht die Umlaufszahl des Mondes, sie bedeutet nur einen künstlichen Ausgleich zwischen 27 als siderischer Umlaufszahl und 29 als synodischer C'mlaufszahl. Auch würde die Rechnung bei der ersten Phase des Mondes gar nicht stimmen. Die Ausgleichung wird durch die konventionelle Annahme gedeckt, daß der Mond 28 Tage im Monat sichtbar sei. Kugler freilich, der auf dem Gebiete der Keilschrift - Astronomie als besondere Autorität zu gelten hat, verbindet die Siebenerwoche mit dem Mond seit ältester Zeit und verlegt die Entstehung der babylonischen Siebentage in eine Zeit, in der man die Phasen des Mondes astronomisch noch nicht zu bestimmen verstand. „Da der 14. Tag in der Regel der Vollmondstag war, so war es natürlich, das erste und letzte Viertel auf den 7. bez. 21. Tag anzusetzen. Dazu kommt, dass man den Vollmondstag in den späteren astronomischen Inschriften einfach den „14. Tag“ nennt, wiewohl man wußte, daß er auch auf den 13. oder 15. fallen konnte" (briefliche Mitteilung an den Verfasser).

Die Herrschaft der Siebenerwoche oder der Fünferwoche oder irgendeiner anderen Wocheneinheit beruht auf historisch-politischen Zufälligkeiten. Die Kalender gehören im Orient zur Staatsverfassung. Unter bestimmten Verhältnissen hat sich diese oder jene Woche besondere Geltung verschafft. Die europäischen Völker haben die Siebenerwoche von den Römern geerbt; nach Rom ist sie vom Orient gekommen. „Heilig“ und demnach geeignet für den Kalender kann jede Zahl sein, soweit sie der Berechnung der Sternenbahnen entnommen wurde. Es war Sache der Kalenderwissenschaft, zu zeigen, wie jede Zahl in das Weltensystem sich fügte. Bei der Siebenzahl spielen allerdings besonders wichtige Erwägungen mit.

Für den Orient ist es selbstverständlich, daß die Siebenzahl der Wochentage religiöse Bedeutung hat. Warum hat die Woche 7 Tage? Die Israeliten antworten: Weil die Welt in einer Siebenerwoche geschaffen wurde. Das ist ein echt orientalischer Gedanke in spezifisch israelitischer Ausprägung.' Alle Einrichtungen der Welt richten sich nach himmlischen Vor

[ocr errors]

gängen. Aber diese religiöse Begründung schließt nicht aus, daß der Siebenzahl ursprünglich andre Beobachtungen zugrunde liegen. Zuweilen hat man bei der Hervorhebung der 7 im Altertum den Eindruck, als ob die 7 auf Naturbeobachtung beruht: bei der Kindesentwicklung, bei Krankheiten, bei Farben, Tönen usw. spielt erfahrungsgemäß die 7 eine Rolle. Man könnte annehmen, daß das auf der 7 beruhende Schema der Entwicklung auch auf die Zeit angewendet worden wäre. Aber der consensus der späteren Zeit spricht doch dafür, daß man bei der Siebenerwoche von jeher an die 7 Planeten gedacht hat, die ja dann auch den Wochentagen die Namen gegeben haben.

Die Reihenfolge unsrer Planeten-Wochentage (s. Winckler, F. III, 192) erhält man aus dem Heptagramm (s. S. 16), wenn man die Punkte nach der Reihenfolge der Umlaufszeit bezeichnet: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, und wenn man mit der Sonne beginnend die Punkte mit Überschlagung je zweier Punkte verbindet":

(Montag)

Mond 2
Saturn 7

Merkur 4
(Sonnabend, Saturday)

(Mittwoch, Mercredi)

[blocks in formation]

Daß die 7 in der Bibel im besonderen Sinne als heilige Zahl erscheint, ist bekannt. Eine mehr oder weniger bewußte

^) Des weiteren sind übrigens nicht nur die Tage, sondern auch die Tages stunden mit den Planeten in mystischen Zusammenhang gebracht, wie am Horoskop zu sehen ist, das man nach der Geburtsstunde stellt (noch heutigen Tages werden auf Jahrmärkten Horoskopbücher verkauft, nach denen abergläubische Bauern das Schlachtalter des Jungviehs bestimmen). Wenn die erste Stunde des ersten Wochentages (und auf die Betonung dieser ersten Stunde kommt es in der Astrologie an) z. B. dem Saturn galt, die zweite Jupiter, die dritte Mars, die vierte der Sonne, die fünfte Venus, die sechste Merkur, die siebente dem Monde u.s.f. durch die 24 Stunden des Tages, so traf die erste Stunde des zweiten Wochentages auf die Sonne, die erste Stunde des dritten Tages auf den Mond, die des vierten auf den Mars, die des fünften auf den Merkur, die des sechsten auf Jupiter, die des siebenten auf Venus, und nach dem Planeten, der die erste Stunde regiert, sagte man dann: Saturntag, Sonntag, Mondtag usw.

2) Das heißt: die biblische Anschauung legt dem Rechnungssystem die Siebenteilung zugrunde. Daß es die Sieben teilung und nicht irgendBeziehung auf die 7-Zahl der Planeten (wie sie z. B. im siebenmaligen Kreislauf der Araber um die Kaaba vorliegt, oder in den 7 Erzduos der Perser, die ausdrücklich nach den 7 Planeten geordnet werden) möchte ich in folgenden Fällen vermuten: die 7 Gottesboten bei Ezechiel1, von denen der 7. mit dem Schreibgriffel die Züge des Nebo-Merkur trägt (s. S. 44f. und vgl. den Rat der „Wächter“ Dan 4, 10 ff., die gewiß auch als die 7 gedacht sind, falls sie nicht den Zophasemin entsprechen, s. S. 63), die 7 Augen und 7 Lampen Sach 3, 9; 4, 2, vgl. Apk 2, I usw.; die 7 Säulen der Weisheit Spr 9, 11 (unter Vergleichung der 7 Planetensäulen in Sparta, die Pausanias III, 29, 3 erwähnt). Vielleicht gehört hierher auch, wie schon mehrfach vermutet, der Ursprung des Wortes schwören; nišba' von šeba' ,,sieben" (Abraham schwört bei Beerseba, d. i. Siebenbrunnen und opfert dabei 7 Lämmer), denn Herodot 3, 8 erzählt, daß die Araber ihre Bündnisse durch 7 mit Blut bestrichene Steine weihten unter Anrufung der beiden obersten Planetengottheiten (Dionysos und Urania, sagt Herodot, d. i. Sonne und Mond). Zumeist aber scheint die „Heiligkeit“ der 7 (die spätere gelehrte Spekulation zerlegte sie in 3+4, die Zahl des Himmlischen und des Irdischen) mit dem Begriff des Vollkommenen, des vollendeten Zeitmaßes (s. oben S. 88) in Verbindung zu stehen. Die 7 ist die Zahl des Opfers (2 Mos 23, 8 u. sehr oft) bei den Israeliten wie bei den andern Völkern (Bileam opfert 7 Farren und 7 Widder auf 7 Altären 4 Mos 23, 29). Sieben ist die Zahl der Reinigung, der Trauer, der Sünde, der Sühne, der Rache, des Gebets, siebenmal, nein siebzigmal siebenmal soll man vergeben (Mt 18, 22); am 7. Tage wird Jericho erobert, nachdem 7 Priester

7 7 Tage vor der Bundeslade geblasen haben und dies am 7. Tag 7 mal wiederholt haben (Jos 6).

Der Sabbat als der siebente Tag. ,,Gott segnete den 7. Tag und heiligte ihn.Vgl. Jes 58, 13: am Sabbat, dem heiligen Tage, dem Tage Jahves, dem Tage der Wonne, darf man keine Geschäfte verrichten. Fr. Delitzsch, Babel und Bibel I, S. 29 hat gesagt, daß wir ,,die in der Sabbat- bez. Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle im letzten Grunde dem alten Kulturvolk vom Euphrat und Tigris verdanken". Das ist cum grano salis verstanden richtig. Daß naturgemäß altorientalische

[ocr errors]

eine andere (3, 5, 10) ist, beruht auf der „wissenschaftlichen“ Anschauung, welche der biblischen Gesetzgebung (Moses?!) zugrunde liegt.

1) S. Gunkel, Archiv f. Rel. W. I, 254 ff. und schon Schöpfung und

Chaos 294.

[ocr errors][ocr errors]

Zusammenhänge vorhanden sein müssen, kann nach den obigen
Ausführungen nicht bezweifelt werden.

Die Babylonier kannten nach den bisher bekannt gewordenen Hemerologien einen 7. Tag zunächst als „bösen Tag", an dem man mancherlei unterlassen soll, weil es Unglück bringt. Sie kannten auch einen Tag, den sie šabattum nannten und als ûm nuh libbi, „Tag der Beruhigung des Herzens“ (der Götter) erklärten. Aber es läßt sich nicht nachweisen, daß dieser šabattum ein siebenter, geschweige daß er Ruhetag im Sinne von Jes 58, 13 war.

IV R 32 handelt von dem 7. Tage bei den Babyloniern. Die Bestimmungen gelten durchaus nicht nur für den König. Beim 7. Tage heißt es, und beim 14. 21. 28. und beim 19. (das ist der 7X7. Tag von dem Beginn des vorhergehenden Monats an gerechnet) wiederholen sich die Bestimmungen (mit Ausnahme des eckig eingeklammerten):

VII. Tag. (nubattum. Marduk und Sarpanitum (geweiht)). Günstiger Tag

Böser Tag Der Hirte (König oder Oberpriester?) der großen Völker

Fleisch, das auf Kohle gekocht ist, Speise, die mit Feuer (in Berührung gekommen ist), soll er nicht essen,

seinen Leibrock soll er nicht wechseln , reine Gewänder soll er nicht anziehen,

Libation soll er nicht ausgießen, der König soll den Wagen nicht besteigen! er soll nicht

? soll keine Entscheidung fällen, am Orte der Heimlichkeit

soll der Magier nicht orakeln,
der Arzt soll seine Hand nicht an den Kranken legen,
eine Angelegenheit zu verrichten ist (der Tag) nicht geeignet.
(Bei Nacht (Morgenanbruch) soll der König sein Opfer bringen,

Libation ausgießen und seine Händeerhebung wird vor der
Gottheit angenehm sein).

Daß dieser siebente Tag auch ein Ruhetag war, folgt hieraus nicht. Wenn Delitzsch aus dem Umstand, daß šabâtu synonym von gamâru vollenden ist, auf ,,Ruhetag“ schließt, so ist das wohl nicht zutreffend.3 Grade der Begriff gamâru stimmt

:) Zum folgenden vgl. jetzt auch Delitzsch, Babel und Bibel I, S. 61 ff.

2) šal-țiš (Variante K 3597 in Bezolds Katalog šal- ți- iš) i-tam-me nicht sicher zu übersetzen.

3) Vielleicht darf man den Namen nubattum, den der 7. Tag (freilich ebenso der 3. und 16.) auch führt, als Beweis für „Ruhetag“ ins Feld führen. K 618, 26 (BA I, 225) bedeuten ûmê nu-bat-te doch wohl „Ruhetage". Sonst heißt nubattum ,,Station“. Die Wandrer im GilgamešEpos (Tafel XI, 318 f., vgl. Tafel V, KB VI, 162, 252) kochen nach je zwanzig Wegeinheiten ab (iksupu kusapa) und nach je dreißig Wegeinheiten machen sie ein nubattu (ich erklärte bereits so 1891 in Izdubar

zum Versöhnungstag; denn gamâru ist in den Kontrakten cin Terminus für Abtragung einer Schuld." Aber gewiß liegen Vorstellungen zugrunde, welche sich mit den in der biblischen Religion durchgeführten berühren. L'nd auch ohne inschriftlichen Beweis scheint mir der formale Zusammenhang zwischen der israelitischen Annahme eines Ruhetags und einem babylonischen Ruhetag sehr wahrscheinlich, und zwar wegen der Entwicklung, die die Anschauung vom Sabbat in der spätjüdischen Zeit unter offenbarem Einfluß Babyloniens genommen hat : man darf dies und jenes nicht tun, weil es L'nglück bringt. Vernunft ist L'nsinn, Wohltat Plage geworden. Grade wenn der altisraelitische Sabbat als Ruhetag und Segenstag von einem altorientalischen Ruhe- und Unglückstag ausgegangen ist, so liegt darin eines der vielen schönen Zeugnisse für die alles heidnische reformierende kraft der Jahve-Religion.

Die abergläubische (heidnisch-orientalische) Vorstellung vom 7. Tag als Unglückstag, die nur im Spätjudentum nachweisbar ist, aber sicher in Gestalt des Aberglaubens im alten Israel auch ihr heimliches Dasein fristetet, hängt zweifellos mit dem Unglücksplaneten Saturn zusammen. Das bezeugt Tacitus, Histor. 5, 4 für die erste nachchristliche Zeit und die talmudische Bezeichnung des Saturn als Sabbatsstern. Wer aber im alten Orient vom Saturn sprach, der dachte an Unglück, wie wir bei der Sonne an Licht und Wärme denken. In diesem Sinne hat die Überlieferung der Juden, die Beer im „Leben Mosis“ (handschriftlicher Nachlas) registriert, auch ihre Beweis

Nimrod; Jensen KB VI, 253: „Totenklage“). Wenn nubattu die Rast am Abend bedeutet, so stimmt das ungefähr zur Praxis der Wüstenreisen: 23 bis zur Mittagsstation, 3 am Nachmittag bis zum Nachtlager. Da kaspu Doppelstunde ist, handelt es sich freilich um Riesenmärsche, die aber im Mythus nicht verwunderlich sind.

-) S. Kugler, S. J., Babylon und Christentum S. 16.

:) Man vergleiche nur die jüdischen Gebote und Verbote mit den Kultusvorschriften etwa der Šurpu-Tafeln.

3) Näheres siehe in meinem Kampf um Babel und Bibel * S. 37f. Als charakteristisches Beispiel sei noch angeführt: der Scheinverkauf der Kaufläden mit sämtlichen Waren während der Passahzeit, wenn man annehmen muß, daß sich Gesäuertes unter den Waren befindet.

*) Es gibt bei solchen allgemeinen Kulturanschauungen keinen prinzipiellen Unterschied zwischen früherem und späterem Judentum. Der Unterschied zwischen vor- und nachexilischem Judentum mit Bezug auf kulturelle und wissenschaftliche Anschauungen ist aufzugeben. Der Gegensinn von Glück und Unglück, Segen und Fluch ist immer vorhanden. Uns ist der Freitag der höchste Segenstag, und doch gilt er als Unglückstag:

« ͹˹Թõ
 »