Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Was in Gott ewig ist, lebte in Jesu von Nazareth in einem kurzen Mensdienleben, aber in persönlidyer Vollendung. Nun begann die Gemeindeentwicelung durch Jesu Geist, den Geist des Ewigen. Zuerst in seinen Jüngern, als den Zeugen: die leitenden Persönlicyfeiten ergänzten fich), und so entstand feine Spaltung, sondern es erwuchs eine Einheit im Mannidfaltigen. Dieses wurde der Typus des Gottesbewußtseins der Gemeinden. So erschien zum ersten male die göttliche Verförperung der Menschheit in der Gemeinde, wie zuerst durdy Christus die Verförperung Gottes im Einzelleben erschienen war. Aber diese ist nur ein immer Werdendes, nicht Vollendetes. Nur ganz allmälig, in sdweigender Stille und in Verfolgung, trat diese geistige Persönlichkeit, als Gegenwart Gottes im Menschen, in die griechisch

) - römische Welt ein. Von dem Augenblicke aber, daß das Christenthum die Staatsreligion, das Weltreich wurde, mit geseblid) zwingenden Formen, verídlang fidy jenes Gottesbewußtsein in vielfade Knoten, und es bildeten sich Widersprüche, in denen wir, 'bewußt oder unbewußt, mehr oder weniger alle gefan

gen sind.

Dem gegenwärtigen Werke gehört nur zu, in den Grundzügen nachzuweisen, wie das Bewußtsein der dyristlichen Menschheit von ihrem Geschicke, und von der wirklichen Gegenwart Gottes in der Welt sich aus dem Gottesbewußtsein Jesu von Nazareth selbst entwickelt habe. Denn der christliche Glaube ist wesentlid, der Glaube an das persönliche Gottesbewußtsein Jesu, das heißt der Glaube daran, daß Jesus die Wahrheit geschaut und sie also verkündet, wie sie in seinem göttlichen Bewußtsein lebte, und daß wir von seinen Aussprüchen darüber hinlängliche Kunde haben.

Und in der That, es ist schwer zu sagen, worin sich

die Einzigkeit und Erhabenheit jenes persönlichen Gottesbewußtseins mehr fund thut, ob in Dem, was Jesus über die Entwickelung des Gottesreiche auf der Erde gesagt und gelehrt, oder in Dem, was er der freien Entwickelung des Geistes in der von ihm gegründeten Gemeinde und dem daraus hervorgehenden Fortschritte des Geistes Gottes in der Menschheit überlassen hat. Wir haben gesehen wie Alles in der Person und Lehre der frühern Religionsstifter dadurch zunächst den menschheitlichen Charakter einbüßte und mehr oder weniger einseitig, willkürlic), übereinkömmlich, also verfälscht und unkräftig wurde, daß dem reinen innern Gottesbewußtsein äußerliche, für den menschheitlichen Charafter zufällige oder wenigstens unwesentliche Bestimmungen beigemischt und als wesentliche Theile der Religion gefaßt und festgehalten wurden: sei es als Opfer und Bräude, sei es als Form der Verfassung der Gemeinde. Nad gewöhnlicher mensídlider Weisheit fonnte nichts thörichter sein, als was Jesus, und zwar offenbar bewußt und absichtlich gethan hat: eine Religionsgemeinschaft zu gründen, ohne positive Vorschriften und Bestimmungen über diese beiden Punkte. Und doch beruht darauf gerade die Unzerstörbarkeit und Allgemeinheit der Christusreligion. Und sollte sich auch philosophisch diese menschliche Thorheit nicht als die wahre Weisheit bes weisen lassen? Sollte jene sogenannte vernünftige Ansicht nicht eigentlich die unvernünftige sein, und zwar weil sie die ungeistige ist? Sie geht davon aus, daß das Aeußere seinen Bestand in fidy habe, während doch vielmehr das Zeitliche nach seinem Begriffe, seine Ursache außer sich selbst hat. Es hat sein Bestehen nur durch die Ursadye und wird nur dadurd, begriffen, daß es als nicht selbständig, sondern vergänglich erkannt werde, Durch jene Annahme aber wird das Vergängliche über das

[ocr errors]

Bleibende geseßt, was ein logischer Widerspruch ist. Die äußerliche Religion ist nid)t die Mutter, sondern das Kind der innerlichen: ja fobald ihr eine selbständige Bedeutung und Kraft beigelegt wird, muß sie der Tod des wahren Gottesbewußtseins werden.

Wir müssen nun versuchen die Punkte des Gottesbewußtseins Jesu zur Anschauung zu bringen, welche sich auf die Gegenwart und Macht des Göttlichen in der Geschichte beziehen, wie wir die Aussprüche anderer Propheten der Menschheit zusammengestellt und in den Brennpunft des Bewußtfeins von der Gegenwart Gottes gebracht haben. Hierfür haben wir folgende Methode gewählt. Wir beschränken uns auf die Hauptpunkte, welche wir in der Geschichte des Gottes: bewußtseins zu betrachten gefunden haben. Dann bezeichnen wir kurz den begrifflichen Inhalt jedes folchen Punktes, und machen diese Kennzeichnung anschaulich durch die einschlagen: den Aussprüche Jesu: Worte der Jünger ziehen wir dabei nur in zweiter Linie heran als Erläuterung. Zulegt fassen wir das jedesmalige geschid)tliche Ergebniß zusammen von dem gegenwärtigen Standpunkte unserer Forsdung.

Die Ordnung der Säße hat ihren Mittelpunkt in dem Gedanken, daß zuerst das innere Gottesbewußtsein Jesu von sidy felbst und feinem Verhältnisse zu den Jüngern thatsächlich zur Anschauung gebracht werden fou: dann aber die; nad Jesu eigenem Gottesbewußtsein, daraus fließende ewige Fortwirkung desselben in der Gemeinde und der Menschheit.

Hieraus ergeben sich zwölf Säße, welche wir der Reihe nad vom Standpunkte unsers Werkes betrachten werden.

1

1. Der Ewige, Jesus, Menschheit.

[ocr errors]

Gott, der Ewige, lebt wesenhaft im Menschen und soll erkannt werden als des Menschen wahres, göttliches Sein und höchstes Gut: in Jesu war diese Vereinigung vollzogen und geistige Natur geworden.

Es kann Niemand zu mir kommen, es sei denn, daß ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat.“ (Ioh. VI, 44.)

Wenn ihr des Menschen Sohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, daß ich Er sei, und nichts von mir selbft thue, sondern, wie mich mein Vater gelehret hat, also rede ich.“ (Joh. VIII, 28.).

Wer mich liebet, der wird mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben: und wir werden zu ihm kommen und Woh: nung bei ihm machen.“ (Ioh. XIV, 23.)

„, Jesus antwortete den Juden: Steht nicht geschrieben in eurem Gesek, Ich habe gesagt, ihr seid Götter? So er Diejenigen Götter nennet, zu welchen das Wort Gottes geschah (und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden); sprechet ihr denn zu Dem, welchen der Vater geheiliget und in die Welt gesandt hat: Du lästerst Gott, darum, daß ich sage, Ich bin Gottes Sohn?" (Joh. X, 34–36.)

,,Ich bitte nicht für sie allein, sondern auch für Die, so durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß fie Alle eins seien: gleich wie du Vater in mir und ich in dir, daß auch fte felbft in uns eins seien, auf daß die Welt glaube, du habest mich gesandt.

Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben Bunsen, Gott in der Geschichte. III.

2

[ocr errors]
[ocr errors]

11

[ocr errors]

haft, daß fie eins seien, gleich wie wir eins find: ich in ihnen und du in mir, auf daß fie vollendet seien in Eines, und auf daß die Welt erkenne, daß du mich gesandt haft, und sie geliebt, gleid)wie du mich geliebt haft." (Joh. XVII, 20-23.)

„, Und Jesus wandte fich zu den Jüngern und sprach: Es ift mir Alles übergeben von meinem Vater, und Niemand weiß wer der Sohn sei, denn nur der Vater: noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn, und welchem es der Sohn will offenbaren.“ (Luc. X, 22.)

Mein Vater wirket bis zu diesem Augenblicke: so wirke auch ich Der Sohn fann nichts von sich selber thun, als was er fiehet den Vater thun: denn was derselbige thut, das thut also auch der Sohn gleichermaßen, denn der Vater hat den Sohn lieb und zeiget ihm Alles, was er thut.“ (Joh. V, 17, 19, 20.)

Wie der Vater das Leben hat in sich selber, also hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben zu haben in fich selber, und hat ihm Macht gegeben Gericht zu halten, weil er Menschensohn ift.“ (Ioh. V, 26. 27.)

Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß Ale, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh. III, 16.)

Darum liebet mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf daß ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selber. Ich habe Macht es zu lassen, und habe Macht es wiederzunehmen. Solches Gebot habe ich em: pfangen von meinem Vater." (Joh. X, 17, 18.)

[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]
[ocr errors]

!

[ocr errors]

Es ließen fich große Stimmen im Himmel vernehmen, die sprachen: Es sind die Reiche der Welt, die Reiche unsers Herren und seines Christus geworden, und Er wird regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Offenb. XI, 15.)

Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt, Gott aber ift Chrifti Haupt. (1. Kor. XI, 3.)

Gott hat alle Dinge geschaffen in Christo Jesu, auf daß fund würde an der Gemeinde die mannichfaltige Weisheit Gottes, nach dem ewigen Rathschluffe. (Eph. III, 10, 11.)

(Chriftus) das Ebenbild des lebendigen Gottes, der Erstgeborene aller Kreatur: denn in ihm ist alles erschienen: es ist Alles durch

[ocr errors]
« ͹˹Թõ
 »