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nationalen Elemente ist eine äußerliche, mit Aberglauben unten und Unglauben oben, heuchlerisch aufgepußt und zugeftußt: höchstens bleibt als hellenische Religion ein flader, todter Humanismus übrig. Nichts neues Weltgeschichtliches wird dem cäsarischen Heidenthum geboren, was über die Herrlichkeit des alten Volfsthümlichen hinausginge oder sie auch nur fortbildend erhielte. Alles ist national, die heiligen Ueberlieferungen wie die Gebräude. Nad nationalen Gegen: fäßen haben wir deshalb bisher die Entwickelung des arischen Gottesbewußtseins vortragen müssen. Was denn ist es, das uns zwingt jeßt diese Methode aufzugeben, wenn wir die Entwicelung verstehen wollen? Was ist die Ursache, daß das Nationale in den Hintergrund tritt? Es muß eine rein menschheitliche Macht sein, und eine wahrhaft geistige innerliche. Das heißt, mit andern Worten, der Grund der neuen Lebensgestaltung ist, wenn irgendwo, nur in der Persönlichyfeit Jesu von Nazareth zu finden: in ihr muß das rein menschliche Gottesbewußtsein sich ausgesprochen haben, wie nie in einer Persönlichkeit. Die Ges (didyte kann nicht über die Menschheit'und menschlidye Persönlichkeit hinaus, ohne aufzuhören Geschichte zu sein: aber wir werden die von den Banden des Selbst eben sowol wie von denen der Nationalität und Zeit freie Gestaltung derselben in einem durchaus einzigen Grade eine göttliche nennen müssen, um die Wirkung zu begreifen: fals wir an dem Grundsaße festhalten, daß die Ursache der Wirkung gleichartig, und als das Ursprüngliche höher als dieselbe sein müsse.

Die Betrachtung dieses einzigen Gottesbewußtseins bildet also die heilige Vorhalle zu der großen Entwicelung, weldie dort angeregt, fic während fast zwei Jahrtausenden vor uns entfaltet hat. Wir müssen die Apostel und Evangeliften von der Person des Christus trennen, den sie der Welt ver

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fündigt und dessen geschichtliche Runde fie durch ihre Sdriften uns bewahrt haben. Sie bilden vielmehr den femitischen Anfang der gemeindlichen Entwickelung, aber mit dem vollen menschheitlichen Lebensfeime. Christus ist in der Geschichte des Gottesbewußtseins nicht der leßte jüdische Prophet, sondern der Vater der christlichen Propheten und Völker: des Menschen Sohn und Gottes Sohn. Die Apostel sind seine Zeugen, die ersten aller semitischen Christen und die ersten Gründer von Gemeinden.

Die Entwickelung des Gottesbewußtseins der christlichen Arier ist seitdem ohne Widerstreit die Trägerin des leitenden Bewußtseins der Menschheit von Gott in der Welt. Aber sie ist unverständlich ohne jene einzige Persönlichkeit. Nur aus dem fortlaufenden Vergleiche der vollendeten Persönlichkeit Jesu und des hohen Zieles, welches er aufgestedt, mit der an ihn geknüpften volklichen und individuellen Entwickelung wird uns ein Maßstab in die Hand gegeben für die Bedeutung der christlichen Vergangenheit, der Schlüssel für das Verständniß unser selbst und unserer Gegenwart, und ein Leitfaden für unsere Ahnung der Zukunft. Und diese Erfenntniß gibt „Frieden im Herzen, Frieden im Gewissen".

Wir werden die Entwickelungsreihen des Gottesbewußt: seins der christlichen Arier also nicht nach Nationalitäten, fondern nach den zwei höchsten geistigen Gegensäßen vorführen: der Gemeinde und den persönlichen Leistungen. Diese Zweitheilung beruht auf der Natur des Menschen und der Doppelheit des göttlichen Gedankens der Menschheit, als einzelne Persönlichkeiten und als Ganzes. Bei unserer Darstellung der hellenisc) - römischen Welt ward diese Zweitheilung auch zu Grunde gelegt, nur blieb sie noch der Nationalität unter: geordnet. Hier wie dort zeigt sich das gemeindliche Bewußt: sein als ein zweifaches: einmal als das der religiösen Gemeinde, und dann als das der bürgerlichen. Wie jenes Bewußtsein die Welt vorausseßt bei der Gottesbetrachtung, so dieses Gott bei dem Bewußtsein der Welt und ihrer menschs lichen Ordnung. Nur tritt in der hellenischen Entwickelung, die religiöse Gemeinde sehr bald hinter dem übermächtigen Bewußtsein und der Herrlichkeit der bürgerlichen Gemeinde zurüd: wir wissen auch überhaupt wenig von ihr nachzuweisen, als was uns aus dem Schriftthume der Nation bekannt ist. In der christlichen Entwicelung dagegen beruht das religiöse Gemeindeleben, in Anbetung wie in Verfassung, auf Urkunden, seine Geschichte liegt eben so urkundlich vor uns als die des bürgerlichen Gemeindelebens und sein gesundes Leben ist uns eben so wichtig als dieses.

Die Darstellung dieses gemeindlichen Bewußtseins bildet also die erste Abtheilung in jeder Periode. Dieser Perioden sind drei: die verfolgte Gemeinde, die Geistlichkeitskirche und die hergestellte Gemeinde. Die zweite Abtheilung betrachtet das Gottesbewußtsein der Propheten der Periode. Wir hatten zuerst gedacht, diese ganze Darstellung in die zwei legten Bücher zu vertheilen, allein die Wichtigkeit der Ergebnisse und der aus ihr fließenden Folgerungen haben sich so überwältigend gezeigt, daß wir es für unsere Pflicht haben erachten müssen, die geschichtliche Darstellung in Ein Buch zusammen zu drängen. Es fommt ja auch bei dieser Darstellung der unmittelbaren Vergangenheit der jeßigen Bildungsvölker nicht fowol auf Vollständigkeit bekannter Einzelheiten an, als auf scharfe Auffassung der weltgeschichtlichen Bedeutung der Erscheinungen. Nicht daß wir willkürlich Einzelheiten hervorheben und die Lücken durch Machtsprüche oder durch Anlehnen an ein fpecus latives System ausfüllen wollten. Es werden vielmehr die auf

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jenen Punkt bezüglichen entscheidenden Thatsachen vollftändig und im Zusammenhange vorgetragen werden, in ihrer beglaubigten Gestalt und auf Grund kritischer Sichtung und eigener Forschung. Aber nur in ihren weltgeschichtlichen Spißen. Was hinsichtlich des Einzelnen vorausgeseßt wird, ift durch die redliche und großartige Forschung der drei leßten Jahrhunderte allmälig auf sichere Grundlage gestellt: bei Einigem darf sich der Verfasser auch auf die anderweitig vorgelegte eigene Untersuchung und kritische Vorarbeit beziehen.

Allerdings gibt es auch noch einen andern wissenschafts lichen Ausgangspunkt der weltgeschichtlichen Betrachtung. Man kann, ausgehend von den Phänomenen des geistigen Bewußtseins, auf rein speculativem Wege oder in methodischer Verbindung mit wohl begründeten Thatsachen, zu allgemeinen Formeln der Gefeße der Entwicelung gelangen wollen. Aber dieser Weg ist nicht der dieses Werfes. ES fou hier gar fein Syftem aufgestellt werden: die wirklichen und maßgebenden Thatsachen sollen felbft reden zu dem Gemüthe gebildeter und ernster Zeitgenossen. Der Gründe, weldie den Verfaffer bestimmt haben, mit der geschichtlichen Darstellung zu beginnen, sind mehre. Erftlich glaubt er, daß ein guter Theil der wichtigsten einschlägigen Thatsachen der Weltgeschichte bisher nicht einmal befriedigend und im weltgeschichtlichen Zusammenhange erforscht sei. Er kann also noch viel weniger annehmen, daß fie bereits in den Brennpunkt jenes allgemeinen Gottesbewußtseins gebracht und als zusammenhängende Thatsachen des innersten Triebes des Menschengeschlechtes mit einander verglichen feien. Er meint zweitens darthun zu können, daß die bisherigen rein speculativen Versuche die Geseße der Entwicelung des Bes wußtseins der Menschen von Gott in der Geschichte deswegen mislungen find, weil nach den erfahrungsmäßigen Geseßen unsers Erkenntnißvermögens die nur speculative Methode eben fo wenig zu einer wahren Erfenntniß führen kann als die blos empirische Betrachtung. Endlich aber hält er fich für überzeugt, daß es möglich sei, eine speculativ - historische, also wahrhaft reale Methode zu finden und durch sie eine positive Erkenntniß .des Prinzips der Bewegung des geistigen Kosmos in der Zeit zu begründen: eine Erkenntniß, welche unserer Erkenntniß des Prinzips der Bewegung des physischen Kosmos nicht allein ebenbürtig sei, sondern bei weitem tieferes Verständniß des Seins der Dinge gewähre. So wie der Verfasser das gegenwärtige Werf zur Vollendung geführt hat, wird er es für seine Pflicht erachten, seinen Beitrag zur philosophischen Behandlung des Gottesbewußtseins auf dieser Grundlage vorzulegen. Das Organon Reale, welches wir suchen, wird demnach die Grundlinien einer Methode zu zeichnen haben, welche uns lehren kann, das Prinzip des Werdens in der Menschheit zu finden und die Geseße der Bewegung des endlichen Geistes in der Weltgeschichte zu erfennen.

Wir treten nun in die heilige Vorhalle unserer lebten Epoche der menschheitlichen Entwickelung ein.

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