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Gemahlin Hadad's. Die innere Beziehung ist uns hier nicht näher bekannt, allein es handelt sich offenbar um das weibliche Komplement des männlichen Gottes, das seine Wesensbestimmtheit erst durch diesen erhält.

Aus diesen Anschaungen der Phönizier heraus ergibt sich

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„Astarte der Name des Baʻal“ Z. 18 der Ešmunazar-Inschrift. Die Erklärung Dillmanns, der du = a faßte und „Astarte des Himmels, himmlische Astarte, Urania“ erklärte 1, ist zweifellos abzulehnen, vielmehr ist es die Astarte, die durch Baʻal ihren Namen d. h. ihre Wesensbestimmtheit, ihren speziellen Charakter empfängt. G. Hoffmann?, dessen Erklärung der Sache wohl am nächsten kommt, stellt 3x3 bu in Gegensatz zu o7 789 bin Z. 16f. „Astarte in höchster Person“. Der Name ist „die sich örtlich in der Aschera äußernde Wunderkraft (numen), welche durch den Namen an den Ort gebunden wird“, ? ka wäre dann „Astarte im Superlativ ihrer Wirkung“3. Wir können diese Erklärung auf sich beruhen lassen, aber daran ist nicht zu zweifeln, daß die Bezeichnung Ss3 ou Astarte als Throngenossin des Ba'al von Sidon bezeichnete. Allerdings erscheint Astarte durch die Beifügung sa bu als wesentlich von Ba'al bestimmt, aber damit zugleich mit derselben Würde ausgestattet wie er. Der Unterschied der beiden Bezeichnungen wird also darin liegen, daß in dem einen Fall Astarte in ihrer hohen Würde für sich charakterisiert wird, als „Name des Ba'al“ jedoch nur in Beziehung zu diesem, als dessen ebenbürtiges Gegenstück, als gleicher Würde und Ehre teilhaftig wie er, dargestellt ist. In letzterem Falle spielt Basal die Hauptrolle, während sie im ersten Astarte selbst zukommt.

Die so oft genannte karthagische Hauptgöttin ron 4 heißt

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aber nicht etwa mit Halévy lokal als das Vorgebirge Theuprosopon in Phönizien oder als die Insel Prosopon bei Karthago

1) A. a. O. 608.

2) Über einige phönikische Inschriften – Abh. d. k. Ges. d. W. zu Göttingen XXVI (1889/90).

3) A. a. O. 49. *) Über ihren Charakter s. oben 109. Hehn, Gottesidee.

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zu deuten, sondern es ist ein dem 33 ew danes nächst verwandter Ausdruck, der Tanit als wesensgleiche Erscheinungsform Ba'al's bezeichnet. Hier ist klar ausgesprochen, daß die göttliche Gemahlin nur das getreue Abbild der männlichen Gottheit ist, die in ihr erscheint und wirkt, daher sa D geradezu mit ,,Baʻalin Person“, „Baʻal selbst“ übersetzt werden kann. Ba'al ist die allgemeine Vorstellung, die in Tanit Gestalt annimmt. Es sei hier daran erinnert, daß auch im A.T. by im Sinne von ,,selbst“ gebraucht wird Jes. 63, 9; Ex. 33, 14; Dt. 4, 37. Auch im Qur'ān findet sich öfter das Wort ,,Gesicht“ (wağhun) im Sinne von ,,selbst“ angewendet 1. Baethgen 2 allerdings sieht in diesem Beinamen der Tanit „ein ehrendes Prädikat der höchsten Göttin, welches besagt, daß sie ihrem Wesen nach die Macht und die Befugnisse aller anderen Götter in sich schließt“. Er bezieht auf sie die Stelle bei Apulejus, an welcher sich die Himmelskönigin als Universalgottheit vorstellt, und als deorum dearumque facies uniformis bezeichnet. Baethgen meint, diese Worte seien geradezu eine Übersetzung von 5 D. Allein das trifft doch nicht zu. Deorum dearumque facies uniformis sagt, daß sie in einer Gestalt die Götter und Göttinnen insgesamt darstelle. Außerdem erklärt die Göttin, ihr eigentlicher Name sei Isis. Wenn diese also verschiedene Göttinnen in sich vereinigt, so gilt das nicht auch ohne weiteres von Tanit.

Allerdings war auch diese eine sehr universelle Göttin, die mehrere andere Gottheiten in sich schloß, allein in der Auslegung des Apulejus liegt eine weit fortgeschrittene monistische Philosophie vor, der die einzelnen Naturkräfte und Götter der alten Zeit zur Allgottheit zusammengeflossen sind. Daran ist aber bei der karthagischen Tanit, dem Angesichte Ba'al's, ursprünglich nicht zu denken.

Zu dem Ausdruck liegt eine gewisse Analogie vor in der Bezeichnung Ea's als ,,Bild Gottes“ oder „der Götter“ in dem Namen Ea-şalam-ili oder ilāni Ea ist das Bild Gottes“ oder „der Götter“3, d. h. er ist die alles gestaltende Urform, nach dessen Bild die Götter geschaffen sind. Tamūz hat den Namen „Ea-Bild“1, weil er seinem Vater gleich oder ähnlich ist.

1) Das Nähere s. EI I, 319 (Artikel Allah). 2) Beitr. 56 f. 3) S. oben 27f.

Wir haben ferner im Babylonischen zahlreiche Eigennamen, die vom Schauen des Angesichts der Gottheit reden, allein es handelt sich dabei wohl um das Bild des betreffenden Gottes, das im Tempel aufgestellt ist: Adagal-pāni-ili oder Marduk „ich schaue das Antlitz Gottes“ oder „Marduk's“, „möge ich das Angesicht der Bēlit schauen“2. Es scheint aber auch von der hilfreichen Zuwendung der Gottheit und von ihrer gnädigen Offenbarung gebraucht zu werden. Aber davon ist keine Rede, daß das Antlitz Gottes die persönliche Offenbarung der einen unendlichen Gottheit sei.

Als „der Ba'al“ des Westlandes erscheint, wie bemerkt, in den Amarnabriefen Hadad-Rammān. Auch das A. T. spricht häufig von „Baʻal“ schlechthin, der im Nordreiche unter dem Bilde des Stieres verehrt wurde. Das weist auf Hadad hin?, dem dieses Symbol eignete. Es gibt allerdings zahllose einzelne Ba'ale, insbesondere hat jede Stadt ihren Basal, der genau dasselbe leistet wie der Baʻal der anderen Städte und mit diesem im Grunde seines Wesens identisch ist, aber doch als besondere Gottheit betrachtet wird. Dieser Mangel an individuellen und persönlichen Eigenschaften 4 hat zur Folge, daß die Ba'ale so leicht in einander übergehen. Die Stadt und der Staat ist das Individuationsprinzip, es liegt also eine Analogie zu den babylonischen Stadtgottheiten vor. Während diese aber einem reich entwickelten System eingegliedert sind, fehlt im Westlande die Zusammenfügung zu einem einheitlichen Ganzen.

Wie in Babylonien und Assyrien Ištar eine besondere Gottheit ist, die in verschiedenen Städten verehrt wird", und wie ihr Name schon in altbabylonischer Zeit Appellativum für

1) S. oben 71. 2) BE XIV, XV, 39.
3) Lagrange, Études 2 93.

4) F. Cumont, Die orient. Religionen im römischen Heidentum 155, vergleicht zu dem allgemeinen Wesen der Ba'ale die stark ausgeprägte Individualität der hellenischen Götter, deren „jeder seine eigene Physiognomie, sein selbständiges, an Abenteuern und Erlebnissen reiches Leben hat und unter Ausschluß der anderen einen besonderen Beruf erfüllt“. 5) Vgl. oben 46.

,,Göttin“ überhaupt wird, so haben wir in Phönizien und Kanaan die verschiedenen Astarten als besondere lokale Formen der weiblichen Gottheit. Ba'al, Baʻalat und Astarte zerlegen sich nach den Stätten ihres Kultes und nach ihren besonderen Funktionen in verschiedene Erscheinungsformen, die im Wesen nicht streng geschieden, aber doch für ihre Verehrer durchaus für sich bestehende Personen sind. Daher auch das Schwanken der Namen zwischen Nomina propria und appellativa. An eine ursprüngliche Einheit und eine spätere Zersplitterung der Gottheit ist nicht zu denken. Der Gedanke, daß Ba'al eigentlich einer sei, war für die Leute in keiner Weise veranlaßt. Die Vielheit der Gottheit geht von der Vielheit der sich dem Auge darbietenden Erscheinungen aus, die in ähnlicher Weise wie in Babylonien als Gottheiten betrachtet wurden.

c) Der Götterherr. In dem bei den Ausgrabungen Sellins an der Stätte der altkanaanäischen Königsstadt Ta‘anach gefundenen Briefe des Ahijami an Aširat-jašur 1 wünscht der Absender, daß „der Herr der Götter" (bēl ilānu) des Adressaten Leben beschützen möge. Bēl ilānu ist wahrscheinlich nicht der eigentliche Name des angerufenen Gottes, sondern Ehrentitel einer den beiden bekannten Gottheit. Welcher Gott darunter zu verstehen sei, läßt der Brief nicht ersehen. In der babylonischen Literatur wird ja durch dieses Beiwort nicht selten ein Gott als der höchste gepriesen, ohne daß der Ausdruck jedoch in jedem Falle dialektisch für theologische Anschauungen ausgedeutet werden dürfte. Man sieht aber, daß auch im Westlande die an sich nicht sehr auffallende Vorstellung von einem das übrige Pantheon überragenden und beherrschenden Gott vorhanden war. Man darf wohl annehmen, daß der Ausdruck dem babylonischen Stile entnommen ist. Es ist nicht unwahr

1) E. Sellin, Tell-Ta'annek 115, Nr. 2, Übersetzung von F. Hrozný (Denkschr. d. Wiener Ak. d. W. Bd. 50). Eine weit abweichende Übersetzung von A. Ungnad s. b. Greßmann, Die Ausgrabungen in Palästina und das A. T. 20 in: Religionsgesch. Volksbücher III, 10 (1908). Ferner die Übersetzung von demselben AOTB 129.

scheinlich, daß unter dem „Götterherrn“, womit an sich bald dieser, bald jener Gott bezeichnet werden konnte, der Basal des Westlandes rat' ÈFOX., Adad zu verstehen ist.

In dem Namen „Götterherr“ ist die Überzeugung von einer Vielheit von Göttern enthalten, aber es tritt darin auch die Vorstellung von einer Zuspitzung des Pantheons in einer Hauptgottheit zu Tage.

d) Der Himmelsherr. Die Bezeichnung „Götterherr“ erinnert an den „Himmelsherrn“, dessen Verehrung sich über die ganze nordsemitische Welt, über Syrien, Phönizien und Karthago bis nach Sardinien, erstreckte. Der ,,Himmelsherr“, phönizisch bou bys, aramäisch juou bya, ist eine ihrer Herkunft und Naturbestimmtheit nach schwer zu fixierende Gottheit .

Während die früher bekannten Texte, die Basalšamēm erwähnen, nicht über die hellenistische Zeit hinaufreichen?, lehrt uns die Götteraufzählung im Vertrage Asarhaddon's mit Ba'al von Tyrus, in der neben anderen Göttern auch Ba-al-sa-me-me erscheint, daß der Gott schon im 7. Jahrhundert in Phönizien verehrt wurde. Eine sehr bedeutsame Ergänzung aber hat unsere Kenntnis vom Himmelsbaʻal durch die Stele Zakir's 3, des Königs von Hamath und Laʻaš (253) erfahren, durch die wir den Kult des Gottes bis in das 9. vorchristliche Jahrhundert zurück verfolgen können.

) Der sabäische yawi ist möglicherweise aus den von Lidzbarski, Eph. I, 245f. angeführten sachlichen und sprachlichen Gründen von dem nordsemitischen Baʻalšamēm zu trennen. W. Fell, ZDMG LIV, 258f. erklärt nyawi von „den Regen spendenden Himmelswolken“, was zu der Erklärung, daß jousse der Regen- und Gewittergott Hadad ist, stimmen würde.

2) Vgl. Lidzbarski, Eph. I, 247.

3) 2= – Vokalisation unsicher. – Die Inschrift stammt aus der ersten Hälfte des achten Jahrhunderts, gefunden wurde sie von Pognon und von demselben veröffentlicht und besprochen in dem Werke: Inscriptions sémitiques de la Syrie, de la Mésopotamie et de la région de Mossoul, Paris 1907/8. Ferner wurde sie behandelt von Lidzbarski, Eph. III, 1ff., wo Anm. 2 die weitere Literatur vermerkt ist.

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