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diesem verknüpft wurde. Vogüé hielt die Komponentes weniger gut für ein Verbum und glaubte, damit sei die Sonne als Besiegerin der Nacht bezeichnet, was ja sachlich durchaus zutrifft. Für die Meinung Baethgens?, der darin ein Nomen entsprechend dem phönizischen Milk, dem ammonitischen Milkom etc. sieht, spricht die auch sonst so häufige Verwendung von 759 „König“ für „Gott“. Seine Erklärung darf als die ansprechendste gelten. „Königherr“ ist gerade wegen ihres. allgemeinen Sinnes und der starken Hervorhebung der Würde eine für den Hauptgott wohl geeignete Bezeichnung. Sonst werden allerdings die allgemeinen Namen durch die Zusammensetzung spezifiziert: 'Aglibõl = „Stierherr“2 und Jarhibõl = „Monatsherr“. Sicher ist, daß auch Bēl unter dem solaren Gesichtspunkte stand. Dat er als Sonnengott betrachtet wurde, ersieht man daraus, daß auf den kleinen Tesseren seinem Namen ein Zeichen beigefügt ist, das aus einem Kreis und drei nach unten gerichteten Linien besteht (O) und jedenfalls die Sonnenscheibe mit ihren Strahlen darstellt. Es ist nicht der alte Bēl von Nippur, der in Palmyra Eingang gefunden hat, sondern sein babylonischer Erbe Bēl-Marduk, die Frühlingssonne 4. Jarhibõl steht als Mondgott neben dem Sonnengott Bēl. Baethgen 5 erwähnt als Merkwürdigkeit, daß auf einer Inschrift 6 Deo Soli Hierobolo zu lesen sei, ebenso bemerkt Mordtmann", daß auf der Inschrift des Capitolinischen Museums 8 dem griechischen 'Haódwgos im palmyrenischen Texte zu entspricht. Daraus ergibt sich, daß auch Jarhibõl gelegentlich als Sonnengott gefaßt wurde. Erklären dürfte sich diese

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Tatsache aus dem in der Kaiserzeit herrschenden solaren Monotheismus, wo man unwillkürlich Gott = Sonne setzte.

Am besten wird die Häufung der solaren Gottheiten in Palmyra durch die Entlehnung aus Babel verständlich. Für Bēl ist sie unbestritten, für Malachbēl sehr wahrscheinlich, ein Grund gegen die Annahme, daß auch wou von Babel stamme, liegt eigentlich nur darin, daß der Name nicht spezifisch babylonisch, sondern gemeinsemitisch ist. Jedenfalls war Entlehnung in diesem Falle gar nicht nötig. Auch das Vorkommen des babylonischen Gottes Nebo in palmyrenischen Eigennamen 1 erklärt sich in diesem Zusammenhang ohne Schwierigkeit. Bei babylonischer Entlehnung fällt naturgemäß die Frage, wie sich die einzelnen Sonnengottheiten zu einander verhalten, zum großen Teil der Erforschung der babylonischen Religion zu. Die für Palmyra angenommene theologische Spekulation wird deshalb wesentlich auf der Entwicklung der babylonischen Religion beruhen.

5. Der solare Monotheismus der römischen

Kaiserzeit. Palmyra hat noch eine besondere Bedeutung für Orient und Okzident, insofern es durch seine geographische Lage und durch seine Bedeutung als Welthandelsplatz berufen war, in der römischen Kaiserzeit die religiösen Lehren der ,,Chaldäer“ dem römischen Reiche zu vermitteln? Welche Bedeutung dem Sonnenkult im orientalisch-römischen Synkretismus zukam, ersehen wir aus dem im Vorübergehen bereits erwähnten Aufsatz Cumonts 3: La théologie solaire du paganisme romain. Der Verfasser geht von der Tatsache aus, das in der römischen Kaiserzeit der Kult des Sol invictus die übrigen Kulte weit überstrahlte, sodaß man von einem solaren Monotheismus in dieser Zeit reden kann 4. Dieser Sonnendienst war anerkanntermaßen orientalischen, näherhin syrischen Ursprungs.

1) Vgl. Baethgen, Beiträge 89.
2) Vgl. Cumont, Die orient. Religionen im römischen Heidentum 146.
3) Vgl. Or. Relig. 134 f., 282 Anm. 26.

+) Vgl. die Besprechung der Cumont'schen Abhandlung von R.Wünsch DLZ XXXI, 3025 ff.

Es braucht ja bloß an den Kaiser Heliogabal erinnert zu werden, der den Sonnenkult von Emesa im römischen Reiche einführte. Wenn Cumont mit Berufung auf Jastrows Religion Babyloniens und Assyriens I, 66 meint, in Babel habe der Mondgott Sin den ersten Rang eingenommen", so dürften unsere Ausführungen über die beherrschende Stellung des Sonnenkultes diese Auffassung als unzutreffend erwiesen haben. Wenn Sin dem Samaš bei Götteraufzählungen vorausgeht, so liegt der Grund darin, daß für die Babylonier wie für die übrigen Semiten der Tag mit dem Abend beginnt, sodaß also der Tag aus der Nacht hervorgeht. Daß bei den Bewohnern jener heißen Gegenden der milde Glanz des Mondlichtes höher als die versengenden Strahlen der Sonne geschätzt worden sei, ist eine nur in beschränktem Maße zutreffende Reflexion. Den in den Steppen wandernden Nomaden dient der Mond als Führer auf ihren nächtlichen Wanderungen, aber den Bewohnern der fruchtbaren Ebene des Euphrat und Tigris und der Oasen war die Sonne die lebenschaffende Macht. Aber auch bezüglich der Steppenbewohner bemerkt Dalman2: „Dem Wüstenbeduinen, der von Kamelmilch und Datteln lebt, ist die im Frühling sprossende, im Sommer dorrende und nur an den Quellen erhaltene Vegetation der Wildnis genau so wichtig als für den Ackerbauer und Winzer, er würde ohne sie samt seinen Kamelen Hungers sterben“. Die solaren Gottheiten werden also auch in der Wüste entsprechende Verehrung genießen. Der Sonnenkult ist demgemäß auch nicht, wie Cumont meint 3, ein rein gelehrter Kult, beruhend auf der wissenschaftlichen Erkenntnis der Astronomen, daß der Sonne im himmlischen Mechanismus die höchste Bedeutung zukommt, sodaß der Mond mit ihr die Rolle tauschen mußte, vielmehr nahm die Sonne schon längst in Babylonien und Ägypten, Syrien, Phönizien und Arabien als das die Natur belebende und den Jahreslauf beherrschende Gestirn den ersten Rang im Kulte ein, wie die zahlreichen, im letzten Grunde solaren Gottheiten beweisen. Die späteren Gelehrten führten die Verehrung der verschiedenen Sonnengottheiten auf ihren Einheitspunkt zurück und be

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gründeten durch eine detaillierte Theorie die kosmische Vorherrschaft der Sonne.

Wenn also die Schriftsteller der römischen Kaiserzeit die solare Theologie als ,,chaldäisch“ bezeichnen, so bot ihnen schon die alte babylonische Sonnenverehrung die Berechtigung dazu, nicht bloß die Spekulation der „Chaldäer“. Das spätere System ist ein durchaus gelehrtes, das weit über die babylonischen Vorstellungen hinaus fortgeschritten ist. Nach demselben bewegt sich die Sonne inmitten der Planeten, die Sterne kreisen um die Sonne als ihren König (Baolleùs "Hhos — Roi-Soleil), daher ist diese der Schutzstern der Könige. Die unregelmäßigen Bewegungen der Planeten lenkt die Sonne als deren Chorführer, indem sie die Himmelskörper durch ihre gewaltige Hitze anzieht und und abstößt?. Da nach den „chaldäischen“ Astrologen die Fixsterne und vor allem die Planeten die kosmischen Erscheinungen beherrschen, so ist in letzter Linie die Sonne der Herr der gesamten Natur, sie ist das den ganzen Weltkörper belebende Weltherz (ragdía toŨ ravtós); Licht und Freude, Leben und Tod gehen von ihr aus. Aber sie ist nicht eine blind waltende Macht sondern ein põs voegóv, ein vernünftiges Licht, mens mundi et temperatio, die Allvernunft, die als Schöpferin der Vernunft des Einzelnen und insbesondere der Seele gilt, während der Mond als Schöpfer des Leibes betrachtet wird. Die Sonne strahlt von ihrem Lichte das Licht der Vernunft in die Körper aus, beim Tode kehrt die Seele zur Sonne zurück?.

Die alten Schriftsteller, die über dieses System berichten (Macrobius, Censorinus, Menander von Laodicea, Proclus, Oracula Chaldaica) 3, schreiben den Ursprung desselben, wie bemerkt, den „Chaldäern“ zu. Gemeint sind damit die babylonischen Astrologen der hellenistischen Periode. Der Stoiker Diogenes von Babylon, der gegen 150 starb, scheint zuerst unter den Philosophen die Theorie von der Stellung der Sonne inmitten der Planeten vertreten zu haben, indem er der in den

1) Vgl. auch Cumont, Or. Rel. 157.
2) Cumont, a. a. O. 148.

3) Die einschlägigen Stellen sind zusammengefaßt bei Cumont, Théol. sol. 22 n. 2.

chaldäischen Schulen vorgetragenen Lehre folgte. Genau formuliert wurde das System zuerst von dem Syrer Posidonius von Apamea, dem einflußreichsten Stoiker des ersten Jahrhunderts 2. Aber die Philosophen hätten diesen Ideen nicht allgemein Eingang verschaffen können, wenn der Sonnenkult nicht durch die orientalischen Priester verbreitet gewesen wäre. Auch der Kult des Mithras, gleichfalls Sonnenkult, der persische und babylonische Elemente in sich vereinigte, half diesen Ideen im römischen Reiche den Weg bereiten. Worauf es uns hier ankommt, das ist der Hinweis darauf, daß auf Grund der religiösen Praxis des Orients dieses philosophischastronomische System der Sonnentheologie entstand. Auch dieses verehrt nicht einseitig die Sonne, sondern im Zusammenhang mit den übrigen Gestirnen. Der Mittelpunkt des astralen Kultes wird auch Mittelpunkt der astralen Theologie.

6. Die Nabatäer. Nach Herodot 3, 8 verehrten die Araber als einzige Gottheiten Dionysos unter dem Namen Orotal und die Urania unter dem Namen Alilat. Die Nabatäer, die man mit Nöldeke den Arabern zuzurechnen hat, treten uns hauptsächlich außerhalb Arabiens entgegen. Ihr südlicher Mittelpunkt war bereits am Ende des vierten Jahrhunderts v. Chr. das Reich von Petra, nördlich drangen sie bis nach Damaskus und Palmyra vor. Natürlich wurden sie von der Kultur der Länder, in die sie eindrangen, stark beeinflußt.

Dusares, der Hauptgott der Nabatäer, wird dem griechischen Dionysos gleichgesetzt und war ohne Zweifel wie dieser eine solare Gottheit 3. Strabo kennt die Nabataer als Sonnenanbeter: „Sie verehren die Sonne, indem sie auf dem Hause einen Altar errichten und darauf alle Tage spenden und räuchern" 4. Nach dem Berichte des Epiphanius 5. begehen die

?) Cumont, a. a. O. 255. 2) Cumont, a. a. O. 27.

3) Über Dusares und Dionysos als solare Gottheiten s. bes. J.H. Mordtmann, ZDMG XXIX, 102f. Hommel dagegen erklärt Dusares für einen Mondgott, EI I, 397.

4) XVI, 26 C. 784; Baethgen, Beiträge 96; Dalman, Petra 46. 50.

5) Adv. haer. LI, 22, vgl. Cumont, Le natalis invicti, Acad. des Inscr. et Belles-Lettres, Comptes rendues, 1911, Mai, 292—298.

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