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Araber von Petra in der Nacht der Epiphanie das Fest des Dusares, der als Sonnengott von einer Jungfrau geboren worden sei. Nach einer Nachricht des um die Mitte des 8. Jahrhunderts schreibenden Cosmas von Jerusalem feierten die Griechen von altersher die Geburt des Sonnengottes von der Jungfrau!. Er bringt sie ausdrücklich in Zammenhang mit der auf Epiphanius zurückgehenden Überlieferung. Sie findet ihre Bestätigung durch einen von F. Boll i. J. 1910 publizierten Kalender, in welchem es unter dem 25. Dezember heißt: 'Hliov yevéthov. αύξει φώς. Die jungfrauliche Mutter des Sonnengottes ist die Virgo Caelestis 2. Die Feier der Neugeburt des Sonnengottes war allem Anschein nach auch in Nordsyrien und Ägypten verbreitet, bildete einen Bestandteil der Mithrasmysterien und wurde auch nach dem Okzident übertragen?. Cumont bemerkt, daß es sich bei diesem Feste um das Fortleben sehr alter Ideen, die sich bei vielen Völkern, insbesondere auch bei den Ägyptern finden, handelt 4.

Dalman meint, Dusares sei ursprünglich eine chthonische Gottheit nach Analogie der kanaanäischen Ba'ale gewesen, „die in der Erde wirksame zeugende Kraft, ohne die kein Leben denkbar ist“. Die Analogie der Baʻale ist zweifellos zutreffend, allein die Produktionskraft der Erde wurde von den Arabern ebensowenig für sich allein betrachtet wie von anderen Völkern, ihr Zusammenhang mit der alles belebenden Sonnenkraft wurde vielmehr überall erkannt. Eine rein chthonische Gottheit wäre kein Sonnengott geworden, allein Dusares bildet, wie die obigen Darlegungen zeigen, eine Parallele zu den verschiedenen Gottheiten, deren Erwachen im Zusammenhang mit der Wintersonnenwende gefeiert wurde. Die Embleme des Dusares sind Trauben und Weinlaubgewinde", die selbstverständlich auf die Tätigkeit der Sonne hinweisen. In der älteren Zeit hat man hier wie anderswo wohl kaum darüber reflektiert, daß der die Früchte des Landes spendende Ba'al eigentlich derselbe ist wie die anderen Ba'ale, allein in der römischen Kaiserzeit hat man in Petra wie in Palmyra an die Stelle des lokalen Namens einfach die Sonne gesetzt und so, wie Strabo zeigt, die Identifikation vollzogen.

1) Die Stelle ist zitiert von Cumont, a. a. O. 293.
2) Cumont, a. a. O. 296. 3) Cumont, a. a. O. 295 S.
4) A. a. O. 297. 5) Petra 50.

6) Baethgen, Beiträge 93.

Die Gemahlin des Dusares war Allāt, was allgemein „die Göttin" bedeutet. Wellhausen und Nöldeke betrachten sie gleichfalls als Sonnengottheit, zeitweise scheint sie in der Tat als solche aufgefaßt worden zu sein 1.

Wie ursprünglich lokale Ba'ale von der Sonne absorbiert wurden, zeigt auch der Gott Avuos?, der auf mehreren Inschriften des Hauran und der Trachonitis erwähnt und mit dem ανίκητος Ήλιος kombiniert wird. Mehrere in Deir-el-Leben, seinem Hauptkultorte, gefundene und ihm gewidmete Inschriften3 geben ihm den Titel: Διός ανι(ει) κήτου Ηλίου θεού Αϋμου oder nennen ihn: ... τον δεσπότην .... ανίκητον ήλιον Αύμον4. Einige Male kommt der Name auch in der Form Aïnov einzeln vor.

Über den Monddienst der Nabatäer der Sinai- Halbinsel noch im 6. Jahrhundert erfahren wir aus Antiochus Martyr 6. Es ist sicher anzunehmen, dass der Sonnendienst im Mondund Sterndienst auch in früheren Zeiten hier wie anderswo seine naturgemäße Ergänzung fand.

7. Die Nordaraber. Für die Beurteilung der Araber, die den Hedschās vor dem Aufkommen des Islam bewohnten, sind wir auf die theophoren Eigennamen, auf die in der Polemik des Qur'ān genannten Gottheiten sowie auf die Mitteilungen der muhammedanischen Dichter und Schriftsteller, vor allem Ibn Kalbi's angewiesen. So wertvoll das uns überkommene Material auch ist, so vermag es uns doch kein vollständiges und lebensvolles Bild des altarabischen Götterglaubens zu vermitteln. Nöldeke? findet es deshalb entsprechend, daß der Titel des Buches, in dem Wellhausen diese Religion behandelt, nicht eine Darstellung der Religion der alten Araber verspricht, sondern nur die Reste arabischen Heidentums sammelt und vorführt. Wenn Nöldeke bemerkt, daß wir von der giechischen Religion nur sehr wenig wüsten, wenn dort die Quellen so spärlich Aössen, so darf man wohl mit demselben Rechte der arabischen Religion die babylonische gegenüberstellen, bei der gerade der Reichtum des Materials aus den verschiedenen Zeiten es erst recht schwierig macht, alle Linien und Schattierungen des wechselvollen Bildes zur Darstellung zu bringen. Bedauerlich ist bei der Überlieferung der arabischen Religion vor allem, daß sie uns über den ursprünglichen Charakter derselben kaum eine entsprechende Vorstellung vermittelt. Wir lernen nur Überreste einer späten Entwicklung kennen, von einer unmittelbaren Anschauung der praktischen Bedeutung der einzelnen Gottheiten, wie wir sie in Babylonien auch für die alte Zeit besitzen, ist in Arabien keine Rede.

1) Wellhausen, Reste arab. Heidentums 33.

2) Zu diesem Gotte vgl. Baethgen, Beiträge 101 f.; Cumont in PaulyWissowa, Realencykl. II, 2423.

3) Le Bas et Waddington, Voyage archéol. Inscr. grecq. et lat. Tome III, I. partie Nr. 2392, 2394, 2395. 4) Das. 2393. 5) Das. 2441, 2455 s.

6) Baethgen, Beiträge 105. 7) Vgl. seinen sehr eingehenden Artikel Araber' in ERE I, der nach seiner Angabe wesentlich auf Wellhausen, Reste arabischen Heidentums ?, Berlin 1897, fußt. Vgl. ferner O. Weber, Arabien vor dem Islam, AO III 2, 1. Von den älteren Darstellungen ist zu nennen L. Krehl, Über die Religion der vorislamischen Araber, Leipz. 1863.

Im Qur'ān (Sure 71, 22. 23) werden als Götter der Zeitgenossen Noah's genannt Wadd, Suwā', Jaghùth, Jaūq und Nasr. Wellhausen bemerkt, daß diese Götter zur Zeit der Einführung des Islams nichts weiter als Namen waren.

Sure 53, 19. (vgl. 37, 149) werden als Töchter Allah's Allāt, Al 'Uzzā und Manāt erwähnt. Wenn nun der vorliegende Befund Nöldeke auch zweifellos recht gibt, wenn er sagt, daß diese Religion keine reine Gestirnreligion war, so stellt er doch selbst an die Spitze seiner Aufzählung verschiedene astrale Gottheiten. Hier seien vor allem Šams (Sonne) und Al 'Uzzā (Venus) erwähnt. Allāt (entstanden aus al-ilahat, Alilat des Herodot) wurde sicher zuweilen als die Sonne aufgefaßt. Wir sehen aber schon an Al 'Uzzā = „die Starke", daß eine in einem Stern verkörperte Gottheit nicht notwendig einen astralen Namen haben muß. So ist es nicht ausgeschlossen, daß auch abstrakte Gottheiten (Aud „Zeit“, Gad und Sa'd „Glück“, Manāt „Geschick“, Rudā „Gunst“, Wadd „Freundschaft“) oder solche, die Namen von Tieren tragen (Asad „Löwe“, Nasr „Adler", ‘Auf ,,Vogel) oder lokale Gottheiten, zu denen Nöldeke Dusares 1 (=Du ššarā) rechnet, ursprünglich Gestirngottheiten waren oder später zu Sternen in Beziehung gesetzt wurden. Wird ja doch auch bei den Minäern, wie wir unten sehen werden, Wadd als Name für den Mond verwendet, der dort noch verschiedene andere nichtastrale Namen führt. Der Adler als Symbol der Sonne ist im ganzen Alten Orient bekannt, der Löwe symbolisiert dasselbe Gestirn. Es darf demgemäß als sehr wahrscheinlich angenommen werden, das ursprünglich das vorislamische Heidentum sein wesentliches Gepräge durch den Gestirndienst erhielt.

1) Wellhausen, Reste 33; Nöldeke, a. a. 0. 661.

8. Die Südaraber.

Es kann hier die Frage nicht erörtert werden, ob und wie sich Babylonien und die südarabischen Völker gegenseitig beeinflußt haben, allein es sei doch auf die zahlreichen arabischen Elemente in den westsemitischen Eigennamen hingewiesen?, die sich zur Zeit der Hammurapi-Dynastie in Babel finden und auf eine Vermischung der babylonischen Semiten mit einem starken arabischen Einschlag schließen lassen. Jedenfalls ist das auch nicht ohne Rückwirkung auf die Religion der Babylonier geblieben. Auf den ersten Blick muß die Wesensverwandtschaft der beiderseitigen Religionen auffallen. An der Spitze stehen hier wie dort die Gestirngottheiten.

'Attar, Ilmuqah 3 und Šams d. h. Venus, Mond und Sonne bilden bei den Sabäern die oberste Göttertrias, als formales Äquivalent zum Namen Ištar erscheint hier rñ, das in genau entsprechender männlicher Form auch in dem Namen wwwse aus der Mesa-Inschrift (Z. 17) bekannt ist. Auch in Palmyra findet sich, wie J. Mordtmann bemerkt, das zwischen phönizischem ‘Aštart und assyrischem Ištar in der

: . Als der aufgehende 'Attar

.5 עשתור und מסתור Mitte stehende

?) Vgl. unter Nabatäer. 2) Ranke, PN 27f., 32, 35 f.

3) apabx, gewöhnlich gelesen Almaqah; zur Aussprache und Bedeutung von Apase vgl. Ditlef Nielsen, Der sabäische Gott Ilmuķah, Leipz. 1910 (MVAG 1909, 4).

*) w=w. 5) Vgl. MVAG 1899, 1, 3. 46.

(1270 1073) bezeichnet er Venus als Morgenstern. Dem hier männlichen 'Attar steht Šams merkwürdigerweise als weibliche Gottheit gegenüber. Übrigens stimmt Südarabien in diesem Punkte insofern mit Assyrien überein, als auch dort, wie bemerkt, Ištar als Morgenstern männlich ist.

Ilmuqah ist, wie Nielsen wahrscheinlich gemacht hat, der Mond, der in Hadramaut auch mit seinem babylonischen Namen Sin (1-2) vorkommt?. Hier ist an der Entlehnung des Namens wohl nicht zu zweifeln, während bei Šams und Attar gemeinsemitische Namen vorliegen. Der qatabanische Name für den Mondgott Warah (1077) stimmt mit dem hebräischen on; überein, während der minäische Name für denselben Šahar (170; arab. se ) im Aramäischen und Syrischen als Bezeichnung des Mondes wiederkehrt.

Die zahlreichen südarabischen Gottheiten bedürfen im Einzelnen noch sehr der Erklärung und Ordnung. Da uns die Kenntnis einer südarabischen Mythologie fehlt, erfahren wir auch nichts über das innere Verhältnis der Götter zu einander. Es ist höchst wahrscheinlich, daß eine Reihe von Namen, die keine astrale Beziehung ausdrücken, doch astralen Gottheiten zugehört. Die Götteraufzählungen in Ma'in, Saba, Hadramaut und Qatabān befolgen ein Schema, in welchem 'Attar regelmäßig an erster, Sams dagegen an letzter Stelle steht. Die zwischen Attar und Šams stehenden nichtastrålen Namen werden dementsprechend auf den Mond gedeutet, der in Hadramaut in der Tat als Sin die zweite Stelle einnimmt. Darnach heißt der Mond in Qataban 'Amm „Oheim“, in Ma'in Wadd „Liebe" im Sinne von Freund, in Saba Haubas und Ilmuqah? Nicht minder scheint die Sonne zahlreiche Namen zu führen. In Ma'īn Nakrah, außerdem werden für sie die. Namen Dat-Hamim, Dat-Baʻdan, Dat-Santum, Dat-Sahran, Dat-Rahban gebraucht 3. Diese Fülle von

1) Osiander 29, 2 (ZDMG XIX, 238 ff.; XX, 286 ff.). Der von Bent gefundene Altar ist Sin geweiht (Southern Arabia 144); vgl. Et. Combe, Sin 85; Nielsen, a. a. O. 55.

2) Vgl. O. Weber, Arabien vor dem Islam, AO III ? 19; Hommel in Hilprechts Explorations in Bible Lands, 1903, 733f.; EI I, 397; Nielsen, Ilmukah 58. 3) Nielsen, a. a. O. 58.

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