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Namen als Ausdruck der Mannigfaltigkeit des Wesens und Wirkens eines Gottes ist ja nicht in Südarabien allein zu finden, wir haben Ähnliches bereits in Babylonien kennen gelernt.

Eine Zusammenstellung und Erklärung der südarabischen Gottheiten bietet W. Fell", wobei er die einen als Ortsnamen, die anderen als Tätigkeitsbezeichnungen faßt. Er unterscheidet drei Gruppen je nach der Zusammensetzung mit Du und Dat, mit 3x und assa, mit Nominal- und Imperfektformen. Wir hätten demgemäß eine lokale und sachliche Differenzierung der Götter je nach den Orten ihrer Verehrung und ihrer besonderen Wirksamkeit. Nur die mit sya und n3s zusammengesetzten Epitheta bezeichnen nach Fell Orte, dagegen die mit Du und Dat sowie die mit Nominal- und Imperfektformen gebildeten Namen besondere Eigenschaften der betreffenden Götter. Attar, Ilmuqah, Amm, Sin, Wadd, Sams, Ta'lab, Du-Samāwī treten nun je nach ihrer Bedeutung mit mehr oder weniger Beinamen auf. Wie sich nun auch die Erklärung im Einzelnen noch gestalten mag?, so ist doch sicher, daß sich die Götter lokal und qualitativ differenzieren, wenn auch manche Namen noch vollständig dunkel sind. Bemerkenswert ist, daß ‘Attar und Sams durch die meisten Epitheta, und zwar speziell mit Du und Dat zusammengesetzte, ausgezeichnet sind, ein deutlicher Hinweis auf die Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit und die große Zahl ihrer Kultorte. . .?

Die Gaben, die die Sabäer von ihren Göttern erflehen, sind wesentlich dieselben, um die auch die anderen Völker bitten: Fruchtbarkeit des Landes, Gesundheit, langes Leben, Reichtum, besonders auch an männlicher Nachkommenschaft, Sieg über die Feinde u. ä. 3

Die Meinung Nielsens 4, daß Sams schon wegen ihres weiblichen Geschlechts bei den Südarabern nicht die wichtigste Gottheit gewesen sei, ist zweifellos unzutreffend. Ištar ist ja auch mancherorts die Hauptgottheit gewesen. Am natür

1) ZDMG LIV, 231–259.

2) Lidzbarski, Eph. I, 226 stimmt Fell hinsichtlich der dritten Gruppe unbedingt zu, bezüglich der zweiten läßt er es dahingestellt, ob der Name in allen Fällen ein Appellativum ist.

3) Fell, a. a. O. 243 f. 4) A. a. O. 62.

lichsten ist die Annahme, daß die Rangstellung nach Orten verschieden war. Der Hauptgott war ‘Attar, der deshalb auch überall an der Spitze steht. Alle einseitigen Mondtheorien sind m. E. schon deshalb mit größter Vorsicht aufzunehmen, weil der Mond so selten direkt genannt ist. Die Namen Wadd, Ilmuqah? und ‘Amm passen schließlich für jede Gottheit. Die Mondverehrung tritt in Wirklichkeit weniger hervor als die der Sonne. Daß bei den Aufzählungen immer gleich mehrere solcher Namen für Mond auf einander folgen, wäre ja nicht auffallend. Aber man hat offenbar auch hier wie in Babylonien von der ursprünglichen Naturerscheinung abstrahiert und in jedem Namen eine besondere göttliche Persönlichkeit gesehen. Ich möchte deshalb wirklich sehr bezweifeln, ob damit immer der Mond gemeint ist, wie Hommel und Nielsen annehmen. Wo findet man denn sonst diese ausgedehnte Verwendung solcher allgemeiner Namen? Ebensoviel Argumente wie für den Mond als Hauptgottheit der Südaraber angeführt werden, ließen sich auch für die Sonne geltend machen. Der für den Mond angegebene Grund, daß er in Arabien die Hauptrolle spiele?, nicht die Sonne, wurde schon gewürdigt 3. Im Kulturlande – und das war Südarabien — hängt Wachsen und Gedeihen hauptsächlich von der Sonne ab. Sie ist das große Licht, das den Tag bringt; schon deshalb kann sie schwerlich hinter dem Monde zurücktreten. Attar war ja auch Verkünder des Tags als Aţtar der Aufgehende 4. Wir wollen aber nun nicht etwa eine südarabische Sonnenreligion konstruieren, sondern es soll nur betont werden, daß die Inschriften der Sonne eine Hauptstelle im Pantheon zuweisen. An manchen Orten wird sie wohl auch Hauptgottheit gewesen sein.

Es ist eine höchst charakteristische Tatsache, daß Šams im Sabäischen, wie Winckler nachgewiesen hat“, geradezu für „Göttin“ überhaupt steht. Es wird deshalb mit dem

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Possessivsuffix versehen?, in den Plural gesetzt2 und mit einem anderen Gottesnamen verbunden. Osiander 3 hatte aus der Verbindung des won mit dem Suffix gefolgert, „daß es sich um den besonderen Sonnengott einer Familie oder eines Stammes handle“. Mordtmann hatte auf den analogen Übergang des assyrischen Ištar vom Eigennamen zum Appellativum hingewiesen. .: In der Tat liegt hier der Übergang zum appellativen Gebrauch vor. Die Sonne wird als Repräsentantin der weiblichen Seite der Gottheit überhaupt gefaßt. „Ihre Sonne“ ist ihre Göttin. Das wirft ein höchst bedeutsames Licht auf den südarabischen Sonnenkult. Nur der Name einer überall verehrten Gottheit konnte geradezu Name für Göttin überhaupt werden 4.

Daß bei den Himjaren die Sonne auch als männliche Gottheit aufgefaßt werden konnte, ergibt sich daraus, daß sie als auf- und untergehender Adler oder Geier dargestellt wird. Eine zuerst von Prideaux, dann von D. H. Müller publizierte Inschrift sagt: „Es mögen diese zwei Bilder, der östliche Nasr

schützen die (נסר מערבן - נסר משרקן) und der westliche Nasr

Arak-Pflanzung usw." Es handelt sich offenbar um zwei Götterbilder, die, wie E. Meyer erklärt“, den Sonnengeier des Ostens und Westens oder des Aufgangs und Untergangs darstellten, d. h. Bilder der auf- und untergehenden

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genannt.

2) Lidzbarski, Eph. II, 93 ff. veröffentlicht eine von H. Burchardt in dem östlich von Jerim gelegenen Dorfe Hakīr gefundene Inschrift, auf der Z. 5 folgende Götter genannt werden: 'Attar der Aufgehende, ihre Sonnen (1970aux) und ihre Götter (120038387). „Sonnen“ ist hier offenbar = Göttinnen.

3) ZDMG XIX, 262.

+) Umgekehrt wird auch al Ilāhat = „Göttin“ als Name für eine bestimmte Gottheit, nämlich die Sonne gebraucht, wie sich aus dem von Wellhausen (Reste 2 33) angeführten Verse Gauhari's ersehen läßt: „Wir trieben al-Ilāhat zur Eile, damit sie unterginge“. Wellhausen bemerkt weiter, daß auch Ilāhat von Hamdan eine sabäische Sonnengottheit ist.

5) ZDMG XXIX, 60ɔff. 6) ZDMG XXXI, 741. Hehn, Gottesidee.

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Sonne sind zum Schutze des Grundstückes aufgestellt. E. Meyer erinnert an den Parallelismus mit dem ägyptischen „Rā, dem Horussperber an den beiden Horizonten“, und an 'Attar des Ostens, aber es darf wohl auch auf den assyrischen und nordsyrischen Sonnengott als Gegenstück hingewiesen werden. Eine gegenseitige Beeinflussung der Auffassung hier und dort braucht deshalb noch nicht angenommen zu werden.

Über den im Talmud und in der Doctrina Addai erwähnten Nasr als Gottheit der Araber vgl. Nöldeke, ERE I, 662 f.

Die Nachrichten der arabischen Schriftsteller über die große Verbreitung des Sonnendienstes in Arabien hat bereits Osiander im Jahre 1853 zusammengestellt 1. Wenn der Qur'ān Sure 41, 37 davor warnt, daß man sich vor „Tag und Nacht, Sonne und Mond“, die bloß „Zeichen“ Allah's sind, der sie geschaffen, niederwerfe, so setzt das naturgemäß das Vorhandensein der Neigung voraus, diese „Zeichen“ zu verehren. Nach Sure 27, 24 des Qur'ān berichtet der Wiedehopf dem Salomo, er habe die Königin von Saba und ihr Volk gefunden, wie sie die Sonne an Stelle Allah's anbeteten. Das Muhammed gegen die Verehrung der Allāt, al-'Uzzā und Manāt (Sure 53, 19f.) kämpft, wurde schon bemerkt. Auf die Nachrichten späterer Schriftsteller über den Sonnen- und Planetenkult der Araber soll hier, auch wenn die Mitteilungen vertrauenswürdig sind, nicht eingegangen werden?.

Bei den alten Arabern kommen häufig mit Šams zusammengesetzte Eigennamen vor 3. In der himjaritischen Königsliste findet sich zweimal der Name Abd-Sams „Diener der Sonne". Nach der Musnad-Inschrift wird das Gebäude „der Herrin Sonne“ aufgerichtet. Im Anschluß hieran sei noch auf das von Baethgen 4 erwähnte Zeugnis des Philostorgius III, 4 hingewiesen, nach welchem die Himjaren „der Sonne, dem Monde und den lokalen Gottheiten“ (daluoouv Šrijwoiois) opfern.

Das sind wohl Zeugnisse genug, um jeden Zweifel über das Vorwiegen des Sonnenkultes bei den alten Arabern zu beheben.

2) ZDMG VII, 468 f.; vgl. XIX, 262 ff.; XX, 284f. Ferner L. Krehl, Über die Religion der vorislamischen Araber 41.

2) Vgl. Osiander, ZDMG VII, 468. 3) Wellhausen, Reste 60. . 4) Beiträge 122.

9. Zusammenfassung. 1. In Übereinstimmung mit der Tatsache, daß in der Amarnazeit das Westland eine Domäne der babylonischen Kultur ist, läßt sich nicht nur ein starker Einfluß Babels auf die Religion der Kanaanäer konstatieren, sondern es hat sich ergeben, daß die Götter der Kanaanäer, Aramäer und Araber den assyrisch-babylonischen wesensverwandt sind. Nicht bloß der Hauptgott des Westlandes, Adad, ist eine wichtige Gestalt des assyrisch-babylonischen Pantheons, sondern auch eine Reihe anderer Götter, vor allem Ištar-Astarte, hat ihre Parallele in Assyrien und Babylonien. In vielen Fällen handelt es sich ursprünglich um dieselbe Gottheit.

2. Die wichtigsten Götter sind astraler Natur, insbesondere nimmt der Sonnenkult bei den verschiedenen Völkern einen beherrschenden Platz ein. Der solare Monotheismus der römischen Kaiserzeit, der auf die Lehren der „Chaldäer“ zurückgeführt wird, gründet wohl in letzter Linie in der zentralen Bedeutung der Sonne in der babylonischen Religion und ist dem Abendlande durch Syrien, vor allem durch Palmyra, vermittelt worden.

3. Auch bei anderen vorderasiatischen Völkerschaften beobachten wir die in der assyrisch-babylonischen Religion hervorgetretene Tendenz, einen Gott über das lokale Pantheon hinauszuheben, allerdings in anderer Weise als in Babel. Auf diese Tendenz weist der „Götterherr“ der Tafel von Taʻanach und insbesondere der bei den Aramäern und Kanaanäern verehrte „Himmelsherr", der in Palmyra schließlich der Gott des Universums wird, hin.

4. Wie in Babylon sehen wir auch hier verschiedene parallele und wesensverwandte Göttergestalten, die leicht miteinander verschmolzen werden können. Die Götterkombinationen finden wir besonders zahlreich in Phönizien, Wo „Astarte, der Name des Baʻal“, die Göttin in eigentümlicher Weise ihrem Gemahl gleichsetzt, während dies in Karthago durch „Tanit, Angesicht des Baʻal" geschieht.

5. Von Monotheismus ist bei den Völkern Vorderasiens keine Rede, es sind auch keine Anzeichen dafür da, daß der

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