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Polytheismus durch die Zersplitterung der ursprünglich einen Gottheit in eine Vielheit entstanden sei, dagegen hat sich in der späteren Zeit durch die Einflüsse der Philosophie, des Judentums und des Christentums ein pantheistischer Monismus entwickelt. Die vielen einzelnen personifizierten und als Götter gedachten Natur- und Weltkräfte fließen schließlich in eine zusammen. Diese eine Gottheit ist die Naturoder die Welt seele. Atargatis, „die syrische Göttin“, wird von Apulejus omnipotens et omniparens, „Herrin und Mutter aller Dinge“, genannt 1. Der Grammatiker Maximus aus der numidischen Stadt Madaura, die noch heidnisch war, schreibt an Augustinus: „Wer ist denn so unsinnig und so verrückt, daß er die absolute Gewißheit eines einzigen Gottes, ohne Anfang, ohne natürliche Nachkommenschaft, nämlich den großen und herrlichen Vater, leugnete? Seine durch die Welt zerstreuten Kräfte rufen wir unter vielen Namen an, weil wir eben seinen eigentlichen Namen alle nicht kennen, denn ,,Gott“ ist ein allen Religionen gemeinsamer Name. So geschieht es, daß, während wir gewissermaßen die Glieder einzeln, stückweise, verschieden anrufen, offenbar das Ganze verehren". Von dieser tiefsinnigen Philosophie des Polytheismus, der sich durch sie in Monismus auflöst, haben die alten Orientalen nichts gewußt, aber dieser ist die natürliche Konsequenz des Polytheismus, dessen Götter vielfach nur Namen, aber keine scharf bestimmten Persönlichkeiten waren.

Wir dürfen hier, um eine möglichst vollständige Übersicht über die verschiedenen monotheistischen Entwicklungsformen zu gewinnen, noch zwei andere Kulte anfügen, die sich zum Monismus fortentwickelt haben.

Der kleinasiatische Attis, der Gemahl der Magna Mater oder Cybele, dessen Kult schon zur Zeit der punischen Kriege nach Rom gedrungen war, wurde in der römischen Kaiserzeit ebenfalls als Universalgottheit gefeiert, obwohl ihm ursprünglich sehr primitive, barbarische Vorstellungen zugrunde liegen. Er wird als „der Höchste“ bezeichnet, „der alle Dinge umfaßt“1, und was besonders charakteristisch für den erwähnten solaren Monotheismus der Kaiserzeit ist: er wurde als Sonnengott betrachtet, als Pantheos mit Adonis, Bacchus, Pan, Osiris, und Mithra identifiziert und galt als Manifestation aller himmlischen Kräfte. Also auch hier ein Zusammenfließen der ursprünglichen Personifikationen zum einheitlichen Weltgrund, zur Weltgottheit.

1) Metamorph. lib. VIII, 25; vgl. Cumont, Or. Relig. 152; 297 Anm. 75. 2) Ep. XVI, 1 ed. A. Goldbacher (CSEL XXXIV, 37).

3) Et quidem unum esse deum sine initio, sine prole naturae, ceu patrem magnum atque magnificum, quis tam demens, tam mente captus neget esse certissimum? huius nos virtutes per mundanum opus diffusas multis vocabulis invocamus, quoniam nomen eius cuncti proprium videlicet ignoramus.

Dasselbe Schauspiel bietet Ägypten, in dessen Religion von alters her ähnliche monotheistische Strömungen wie in Babylonien vorhanden waren. Isis absorbiert unter den Ptolemäern Demeter, Aphrodite, Hera, Semele, Jo, Tyche u. a. Sie ist gleichfalls das deifizierte Universum, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Bei Apulejus 3 sagt sie, daß sie bei verschiedenen Völkern verschieden genannt werde, ihr wahrer Name aber sei Königin Isis. Sie nennt sich „die Mutter der Naturdinge, Herrin aller Elemente, das erste Erzeugnis der Jahrhunderte, die höchste der Gottheiten, Königin der Manen, die erste der Himmlischen, die einheitliche Darstellung der Götter und Göttinnen, die über die lichten Himmelshöhen, die heilsamen Lüfte des Meeres und die traurigen Schatten der Unterwelt mit ihrem Winke gebietet: deren einzige Gottheit unter vielförmiger Gestalt, mannigfaltigem Ritus und vielerlei Namen der ganze Erdball verehrt“. „Du bist allein alles“ – una quae es omnia 4, wird sie angeredet. Ähnlich ging es mit Serapis, der als Universalgottheit mit dem solaren Pantheismus zusammenfloß 5.

?) Cumont, Or. Relig. 75. 2) Cumont, a. a 0. 84.

3) Metamorph. lib. XIC. 5: rerum naturae parens, elementorum omnium domina, saeculorum progenies initialis, summa numinum, regina manium, prima caelitum, deorum dearumque facies uniformis, quae caeli luminosa culmina, maris salubria flamina, inferum deplorata silentia nutibus meis dispenso: cuius numen unicum multiformi specie, ritu uario, nomine multiiugo totus ueneratur orbis'. 4) CIL X, 3800..

5) Cumont, a. a. O. 106f. – Vgl. auch die interessante Stelle aus Ausonius im „Nachtrag“,

IV. Kapitel. . Gab es einen ursemitischen Gott Ilu oder EI? Bedeutung und Gebrauch von ilu, ēl, ilāni, ēlim, elohim.

1. ilu und ilāni bei den Babyloniern. Die Beobachtung der sumerischen und babylonischen Religionsentwicklung lehrt uns, daß die Götter der ältesten Zeit in besonders engem Zusammenhange mit dem Naturleben stehen. Erst im Laufe der Zeit lösen sie sich mehr von den Naturerscheinungen ab und treten stärker als Persönlichkeiten hervor. Auf den Menschen der ältesten Zeit mußte das wunderbare Schaffen und Bilden der Naturkräfte einen überwältigenden Eindruck machen. In der geheimnisvollen Entfaltung des Lebens wirkten für ihn lebendige, göttliche Mächte. Es leuchtet daher unmittelbar ein, daß bei der Vielheit der Naturerscheinungen die Naturvergötterung am Anfang nicht zur Annahme eines einzigen Gottes, sondern vieler Götter kommen mußte. Im Laufe der Entwicklung aber tritt auf mannigfache Weise eine Vereinigung der Vielheit der Kräfte und Götter ein, sodaß sich in der römischen Kaiserzeit die Vorstellung einer einzigen den Kosmos belebenden und beherrschenden Macht herausbildete. . Das allen Semiten gemeinsame und seiner Bedeutung nach allgemeinste, darum wohl auch älteste Wort für „Gott“ ist babylonisch ilu, westsemitisch ēl. Man hat nun mannigfache Spuren eines ursemitischen Gottes Ilu in den Dokumenten zu finden geglaubt und sie als Indizien eines die ursprüngliche Einheit des Pantheons darstellenden Gottes, der den Vollbegriff der Gottheit in sich geschlossen hätte, geltend gemacht.

Zunächst sei hier nochmals daran erinnert, daß das Zeichen für ilu AN bei den Sumerern und Babyloniern auch den Gott Anu bezeichnet, der, wie oben ausgeführt (S. 19 ff.), den allgemeinsten und höchsten Begriff der Gottheit in sich schließt. Allein daß wir in Anu die ursprüngliche Einheit des Pantheons zu erblicken hätten, ist nicht anzunehmen; an bedeutet „hoch“ und „Himmel“, Anu ist eigentlich „der Hohe“ und „der Himmel“, daher seine überragende Stellung. Daß die Semiten einen Gott Ilu mit Anu identifiziert hätten, ist nicht bekannt. Das Zeichen für Anu ist allerdings auch Zeichen für ilu, allein ilu wird regelmäßig appellativ gebraucht. Die babylonischen Semiten übernahmen Anu von den Sumerern als besonderen Gott; hätten sie einen Gott Ilu gehabt, so hätten sie ihn wohl an die Stelle Anu's gesetzt.

Die Vorstellung von der Existenz eines ursemitischen Ilu ist besonders geweckt und genährt worden durch die zahlreichen, bei allen semitischen Völkern sich findenden Eigennamen, die mit ilu-ēl gebildet sind und vielfach so aufgefaßt wurden, als werde damit „Gott" im absoluten Sinne bezeichnet. Man argumentiert nun, daß beim Aufleuchten des Begriffes „Gott“ im Menschengeiste dieser zunächst als einer gefaßt wurde und erst in Anwendung des gleichen Vorstellungsinhalts auf verschiedene Objekte die zahlreichen „Götter" entstanden. Man operiert dabei, allerdings unbewußt, init dem Begriffe der absoluten Gottheit.

Die Erörterung dieser Frage hat manche Diskussion über die Etymologie von ilu-ēl hervorgerufen, weil man so die ursprünglich mit diesem Worte verknüpfte Vorstellung eruieren zu können glaubte. Da jedoch solche Etymologien immer etwas Problematisches haben, wollen wir zuerst den Gebrauch des Wortes ilu-ēl einer genaueren Prüfung unterziehen, um zu sehen, ob es im lebendigen Sprachgebrauche noch den absoluten Gott Ilu bezeichnete. : Als erster Grundsatz muß festgehalten werden, daß ilu bei den Babyloniern nur im Zusammenhalt mit ihrer gesamten Religionsauffassung erklärt werden darf. In einer ihrem ganzen Wesen nach polytheistischen Religion kann es schwerlich monotheistische Bedeutung haben.

ilu ist zunächst Gattungsbegriff und bezeichnet „Gott“ ohne Rücksicht auf seine spezielle Ausprägung. Über den einzelnen Göttergestalten schwebt der Allgemeinbegriff ,,Gott“, der in den einzelnen Göttern realisiert ist. Universalia in re. Daher kann „Gott“ und „Götter“ verschiedentlich als gleichwertig betrachtet und der Singular dem Plural gleichgesetzt werden.

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: Daß dies die Babylonier selbst deutlich empfanden, ersieht man aus den Stellen, an denen der Singular ilu der semitischen Zeile dem sumerischen Plural dingirēne „Götter“ entspricht. Gott ist also in einem so allgemeinen Sinne gebraucht, daß man einen Unterschied zwischen Singular und Plural nicht macht. CT XVII, 38, 36/38 entspricht dem pi-i si-li, dem „Gottesmund“, im Sumerischen dingir-ri-e-ne, der ,Ğöttermund“; daselbst pl. 39, 66/67 dem ē dingir-ri-e-ne im Semitischen bit i-li, dem „Haus der Götter“ das „Gotteshaus“. Ebenso entspricht Šurpū VII, 17/18 dem ili (AN) das sumerische dingir-ri-e-ne-; Zimmern übersetzt: „Wo der Götter Zorn lastet, dahin eilen sie“, man könnte ebenso gut sagen: „Wo Gottes Zorn lastet“. „Gott“ ist hier im generellen Sinne gebraucht. Solcher Gleichsetzungen ließen sich leicht noch mehr finden.

Auch der umgekehrte Fall, daß dem sumerischen Singular ein semitischer Plural entspricht, läßt sich beobachten. CT XVII, 14,7/8: Mulu dingir (Sing.) nu-tuk-ra -- la beli ilāni pl. sūqi ana alākišu, „einen Menschen ohne Gott (ass.: ohne Götter), wenn er auf der Straße geht, bedeckt die Kopfkrankheit wie ein Kleid“. Vgl. ferner CT XVI, 44, 94/95 (= IV R 15, 31/32 b) dingir gal-an-zu-bi ina ilāni pl.iršūti ul utaddū „unter den weisen Göttern kennt man sie nicht“. IV R 21, 1 (B) Rs. 21/22: dingir (Sing.) VII-bi ilāni pl. sibit muhalliq limnūti ,,der Siebengott“ im Sumerischen entspricht im Semitischen „den sieben Göttern, die die Bösen vernichten“. CT XVI, 19/20, 64/65 (=IV R 5,64/65 a) dingir (Sing.) dumu-ne-ne-ir entspricht ilāni pl. marēšu; IV R 26, 55/56a: dimmer mu--a-ta entspricht ina ilāni pl. mala šum nabū, sumerisch: ,,soweit (ein) Gott genannt wird“, semitisch: „unter den Göttern, soviele genannt werden“.

Sehr häufig ist es der Fall, daß sich der generelle Gebrauch von ilu aus dem Zusammenhang ergibt: Surpū II, 32 vgl. 33 wird gefragt, ob der Gebannte šērti ili oder ennit Ištar begangen habe. Man kann hier übersetzen: „Sünde wider einen Gott“, „Vergehen wider eine Göttin“, oder auch „Sünde wider Gott“, wie Zimmern IV, 33 denselben Ausdruck in der Tat wiedergibt. Vgl. dazu noch „Gott und Göttin (ilu u il Ištar), soviele ihrer vorhanden"; ferner III, 116: „Als Gebannter

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