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seine Hand zu Gott und Göttin (ana ili u il Ištar) ausstrecken". „Gott“ und „Göttin" ist hier ganz generell gebraucht. Derselbe Fall liegt Šurpū VIII, 64 vor.

Wie leicht sich übrigens hier die Vorstellung ändern konnte, ersehen wir aus Šurpū II, 74. Die eine Lesart hat: „Ist es wegen allem, womit er seinen Gott und seine Göttin verachtet", während das Duplikat das Suffix nicht hat, sodaß der Satz allgemeine Bedeutung bekommt: „Ist es wegen allem, womit er Gott und Göttin verachtet“. Dies wird natürlich nicht der einzige derartige Fall sein.

Höchst charakteristisch ist, daß zur Zeit Nebukadnezar's das Pantheon mit „Gott und Göttin“ bezeichnet, Ilu aber wie ein spezieller Gott als Eigenname gefaßt und mit dem Gottesdeterminativ versehen wird: VR 34, II, 54 (Cyl. Nebuk.) heißt es: ebēšu mahāzē il Ili ù il Ištar „den Bau der Städte von Ilu und Ištar vollendete ich“. Delitzsch1 transskribiert mit Recht il Ilu und faßt es im kollektiven Sinne auf, während Winckler 2 weniger gut ilāni u (ilu) ištar schreibt und ,,Götter und Göttinnen“ übersetzt. Der Sinn ist ja schließlich der gleiche, nur geht bei Wincklers Transskription die Gegenüberstellung der beiden kollektiven Singulare verloren. Der gleiche Fall liegt vor V R 65, 9a (Nabonid-Inschr.): pälih il Ili u il Ištar anāku ,,ich fürchte Gott und Göttin".

Sehr gut wird der Gebrauch von ilu als Gattungsbegriff durch die Entgegenstellung „Gott und Mensch“ illustriert. Surpū V/VI, 182: pāšir ili u amēli ,,der Gott und Mensch befreit", natürlich nicht: den Gott oder einen Gott. CT XVI, 8, 292/3 heißt es: „Gott und Mensch (ilu amēlu) mögen deine Größe verkünden". IV R 25, 58/59b: binūt ili ipšēt amēlūti (dieser Neumond) ist „ein Erzeugnis Gottes, ein Werk der Menschen“.

Ähnlich verhält es sich mit der Entgegenstellung von „Gott und Königo Šurpū II, 92; V/VI, 66. 76. 96. 116; CT XVI, 19, 23/24: der sechste der bösen Dämonen stürmt „gegen Gott und König“ (ana ili u šarri) an. Maqlū VI, 14: ina pāni ili u šarri vor Gott und König“. Maqlū I, 109: ila šarra

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bēla u rubā ittia uzannū ,,Gott, König, Herrn und Fürsten haben sie gegen mich gereizt“; Tallquist übersetzt: „Götter, Könige, Herrn und Mächtige“, was denselben Sinn gibt, vgl. Maqlū V, 73 f.; VI, 96; VII, 17 f.

Ganz monotheistisch klingen an sich Stellen wie Šurpū III, 52: „In Gottes Bereich (itë ili) eindringen“ oder „in den Bereich eines Gottes eindringen". Besser ist die erste Übersetzung, weil es sich um den Begriff der Gottheit, um die Gottheit überhaupt, nicht um einen einzelnen Gott handelt. Ähnlich: „In Gottes Bereich (itā ša ili) bin ich eingedrungen“1. Ebenso: „den Weg Gottes (alakti ili) wer (?) kennt ihn?" 2 Ein anderes Beispiel dieses Gebrauchs von ilu liegt K 512, 24 ff.3 vor: ,,Mit Hilfe Gottes (ina libbi ili) und des Schutzgottes des Königs, meines Herrn, wird er genesen".

Lehrreich für den Gebrauch des ilu im allgemeinen Sinne ist der Name Babili, Babel, sumerisch ká-dingira, bekanntlich

= „Gottestor“. Es findet sich nun zu wiederholten Malen auch die Schreibung mit dem Pluralzeichen -dingir-meš CT XIX, 19,60b (=II R 48, 57 b) oder mit Ortsdeterminativ -dingirmeški V R 35, 15. 17 (Cyl. des Cyrus); IR 55, 32 a (Inschrift Nebukadnezar's): -dingir-dingira ki. Delitzsch 4 erklärte diese Schreibweise daraus, daß man ili irrig als Plural faßte, also Bābili = Babilē setzte, allein die Babylonier haben ohne Zweifel so geschrieben in dem Bewußtsein, daß damit der Sinn des Namens nicht geändert sei. Babili „Gottestor“ will soviel sagen als ,,Gotteswohnung“ = „göttliche Wohnung" = ,,Götterwohnung". Der Singular ilu besagt nicht, daß hier bloß ein Gott wohne (etwa wie Schrader einst übersetzte: ,Pforte des Elf), sondern es ist eine Gotteswohnung, eine Stadt, in der die Götter heimisch sind. Der Plural erklärt also den Singular dahin, daß nicht bloß ein Gott hier seine Wohnung hat, sondern viele.

Nicht anders ist ilu in dem altbaylonischen Stadtnamen Dur-ilu: ,,Gottesburg“ zu erklären; ilu ist auch hier Gattungs

1) King, Magic Nr. 11 Vs. 17, vgl. BA V, 364 ff. 2) Das. Vs. II.
3) V R 53 Nr. 4, bearbeitet von Delitzsch BA I, 196 ff.
4) Wo lag das Paradies? 213. 5) Delitzsch, a. a. O. 230.

name. Daneben existiert ein Dūr-Enlil, Dūr-Gula, Dūr-Nin-ib, Dūr-Nusku, Dūr-Sin usw. Ähnliche Namen werden mit Kar gebildet: Kar-Bau, Kar-Bēlit, Kar-bēl-mātāti; vgl. das Verzeichnis BE XIV, 58.

So erklärt sich auch der Ausdruck bīt ili, als dessen sumerisches Äquivalent Sm 12 Vs. 23 (CT XIX, 23; V R 13) ē dingir-ra angeführt wird. In Z. 24 desselben Textes finden wir als Plural einerseits ē dingir-e-ne „Haus der Götter", dem im Semitischen bītāte (Ē.ZUN geschrieben) ili „Häuser Gottes“, „Gotteshäuser" entspricht. Es ist daraus ohne weiteres ersichtlich, daß bit ili ein dem Gottesdienst gewidmetes Haus bezeichnet, ob nun nur ein Gott da wohnt oder mehrere; den Gegensatz bildet ein profanen Zwecken dienendes Haus. Der Sinn des Ausdrucks bleibt unverändert, ob nun beide Nomina in den Plural gesetzt werden: bitāti ilāni oder ša ilāni ,,Häuser der Götter", „Gotteshäuser" oder nur das eine, wie in bit ilanika ,,deine Tempel"1. In letzterem Falle muss natürlich der Zusammenhang entscheiden, ob einer oder mehrere Tempel gemeint sind. Burraburiaš schreibt an Amenophis IV.2: „Jetzt da mein Werk am Gotteshause (bit ili) vielfach ist", dagegen sagt Rib-Addi?: ,,im Hause ihrer (der Stadt) Götter (bit ilāniši) ist alles Mögliche in großer Menge vorhanden“. Nach dem Codex Hammurapi Vs. XI, 13–38 soll ein Gefangener unter Umständen von dem „Gotteshause seiner Stadt“ (ina būt ili ališu) losgekauft werden, es ist dabei anscheinend vorausgesetzt, daß in einer Stadt nur ein Tempel ist, oder wenigstens, daß eine gewisse Gemeinsamkeit des Besitzes der einzelnen Tempel besteht.

Im Anschlusse hieran mag erwähnt werden, daß man den Tempel auch einfach bitinu „unser Haus“ oder „das Haus" schlechthin nennt. Sehr beachtenswert ist, daß man statt Tempel auch einfach sagt: ilu, ,,der Gott" 4. ,,Der Besitz Gottes oder des Palastes" (namkur ilim ū ēkallim) werden im Codex Hammurapi Vs. VI, 33 f. zusammen genannt.

*) Die Stellen s. bei Del., HWB 171 b. 2) Knudtz. 9, 15.

3) Knudtz. 137, 61. *) A. T. Clay, BE XIV, 6. Vgl. dazu die Ausdrucksweise: „dem Heiligen“ Geld schulden oder an den Heiligen“ eine Schuld bezahlen. Das Geld der Kirchenkasse wird als Eigentum des Schutzpatrons der Kirche betrachtet.

Daselbst Vs. VI, 61f. steht ša ilim „Gott gehörig“ gegenüber ša ēkallim „Hofeigentum".

Der im Tempel wohnende Gott gibt diesem seinen Wert. Das ersieht man aus den Eigennamen, die sich allem Anschein nach auf den Besuch des Tempels beziehen: Adagal-pāni-ili „ich schaue das Antlitz Gottes“1 (BE XIV, 39) neben Adagalpān-Marduk, beide Namen aus der Kassidenzeit. Vgl. hiezu aus der Hammurapizeit: Šamaš-lūmur? „Möge ich Šamaš sehen“, ferner aus neubabylonischer Zeit Nabū-ina-Ēsaggil-lūmur ,,Möge ich Nebo in Esaggil sehen“, Nabū-ina-kāri-lumur „Möge ich Nebo innerhalb der Mauer sehen"}, Bel-lūmurt „möge ich Bēl sehen“.

Umgekehrt steht aber auch der Name des Tempels in Eigennamen für den Gott des Tempels: Sagil-bi'di, der Frauenname Tarām-Sagila und die Kurznamen (Ē)-Sag-ila-ai, Saggil-ai, Sag-gil-la-ai oder (E)-Sag-gil-iás. Im Westlande hat man den „Tempel“ sogar als besonderen Gott verehrt, wenigstens wird in dem Vertrage zwischen Asarhaddon und Ba'al von Tyrus ein Gott Baiti-el' erwähnt. Natürlich ist das ursprünglich der Gott von Bait-ēl, der aber schließlich als besonderer Gott aufgefaßt wird. Ein analoger Vorgang, auf den bereits hingewiesen wurde 8, liegt vor in der Schreibung des Gottes Mar-tu (Amurru), der ursprünglich ,,Gott von Amurru“ ist, aber auch einfach ,, Gott Amurru" geschrieben wird. Daß die beiden Schreibungen durchaus promiscue gebraucht werden, ergibt sich aus der Vergleichung von CT XXIV, 16, 36f. mit

1) Das Antlitz jemands schauen

ihm dienen.
2) Ranke, PN 146. 3) Tallquist, Namenbuch 132 b.
4) Das. 40 a, dazu Clay, BE X, 57 Anm. #.
5) Hilprecht, BE X, 62 Anm. S; Tallquist, Namenbuch 180.

6) Winckler, AOF II. R. 1. B. 10 ff.; Zimmern, KAT 3 437; Hilprecht, BE X, 47 Anm. f. Dazu BE X, 60 der Name: Ili-bīt-ili-nūrio „der Gott des Gotteshauses ist mein Licht“.

7) Geschrieben Ba-ai-ti-ilupl.; dieses ilu mit dem Pluralzeichen ist in westsemitischen Namen, worauf wir noch zurückkommen werden, el zu lesen

8) Oben 88.

dem Duplikat 29, 88 f. Die Doppelsetzung des ilu vor Mar-tu findet sich insbesondere auf zahlreichen Siegelzylindern neben einfachem ilu1.

Hier darf übrigens auf die verschiedenen Gottesnamen mit dem Element ilu als Bestandteil des Namens hingewiesen werden: il Ikansan, dessen Name eigentlich Kansan ist 3; K 2100 4 Vs. I, 15: il [l-la-ha-ab; Z. 22: il Il-ha-al-la-bu, Z. 30: il I-lu-we(PI)-irs; letzterer Name Adad's ist K 2097 Vs. I, 2 Ilu-me-ir geschrieben Möglich, daß auch der südarabische Gott Ilmuqah in diesen Zusammenhang gehört.

Diese Namen scheinen allerdings spezifisch westsemitisch zu sein. Die Meinung von Johns, daß die Leute um Harran statt ilu oder ēl vielmehr Al, Alla aussprachen, wird von Hilprecht' abgelehnt. Hilprechts Ansicht, daß il in den Gottesnamen der Artikel sei, möchte ich nicht beipflichten, sondern es lieber = ilu auch in den folgenden Namen fassen: il Il-tehi-ri-abi = "=3-Aux „der Mondgott ist mein Vater", il Il-teeh-ri-nūri-' = ,,der Mondgott ist mein Licht“, Bari-ki-il Il-tam-meš neben Ba-ri-ki-11 Šameš(-mes) „gepriesen sei der Sonnengott“. Ebenso in den von Hilprecht angeführten anderen Beispielen, in denen il Iltam(m)eš in westsemitischen Eigennamen auftritt.

1) Vgl. die Zusammenstellung der Siegelzylinder bei J. Krauss, Die Götternamen in den babylonischen Siegelzylinderlegenden 48 ff., seine Deutung 9 und die Bemerkung von Hommel 48 Anm. 2. Dazu auch Ranke, PN 201 n. 5, wo das auf den Siegelzylindern häufige warad (wardu ša) dingir dingir Mar-tu durch ,servant of the gods of the Westland' übersetzt wird. Krauß liest ilu Ilu-Mar-tu und übersetzt „Diener des Gottes , Gott (von) Martu'“, faßt also das erste ilu richtig als Determinativ. Ähnlich, wie es scheint, auch Hommel bei Krauß.

2) CT II, 49 Vs. 4.

3) S. Landersdorfer, Altbabylonische Privatbriefe 62. Zum Folgenden vgl. auch Anm. I daselbst.

“) Veröffentl. von Bezold, PSBA XI hinter p. 174; CT XXV, 16–18. 5) Wahrscheinlich mbx der Inschrift Zakirs, vgl. oben 88f.

6) Die Tafel ist zuerst veröffentlicht von Pinches, JRAS 1905, 143 ff., dann CT XXIV, 18; dazu Pinches, The Element ilu in babylonian divine Names a. a. O.

?) Zur Aussprache vgl. oben 141 Anm. 3.
*) Assyrian Doomsday Book 15. 9) BE X p. XIII f.

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