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In einigen Fällen hat, wie bereits Tallquist bemerkt?, auch hier der Genetiv von ilu die Bedeutung des Plurals: Bēl-ili(AN)iqbūni K 241, X, 31 „den Götterherrn 2 riefen sie", Nabū-idāili (AN) „Nebo zur Seite der Götter", il Šamas-bēl-ili (Sing.) ,,Šamaš ist der Herr der Götter“ Nerig. 70,11; Dar. 222, I neben dem gleichbedeutenden il Šamaš-bel-ilāni Nebuk. 364, 3; Camb. 79,6; 347, 3. Neben Rimūt-bēl-ili (Sing.) ,,Gnade des Götterherrn“ auf einem Kontrakte aus der Zeit des Darius 3 finden wir öfter Rīmūt-(ll) bēl-ilāni (Plur.), das dieselbe Bedeutung hat. Nabū-nūr-ilāni „Nebo ist das Licht der Götter" oder „Nebo ist das Licht Gottes“ Nabon. 356, 25, dagegen steht in demselben Kontrakt Z. 32. 39 ilu desselben Namens ohne das Pluralzeichen, ein deutlicher Beweis, daß man den Singular als dem Plural gleichwertig erachtete. Der abgekürzte Name Nur-ilāni (Plur.) findet sich ferner Nerigl. 21, 13. 17; 22, 16; Nabon. 52, 6.

Genau so verhält es sich mit dem Namen Ēa-epiš-ilāni oder ili „Ea ist der Schöpfer Gottes" (kollekt.) oder „der Götter"; Nabon. 437,9; Dar. 515, 16; Nebuk. 381,4 usw. steht ilu im Singular, dagegen z. B. Dar. 486, 17 im Plural.

Eine analoge Erscheinung liegt vor bei Ēa-şalam-ilāni resp. ili „Ea ist das Bild Gottes“ (kollekt.) oder „der Götter“4; Cyr. 177, 18; Dar. 400, 15 steht der Singular ilu, dagegen ist Nebuk. 68, 8 das Pluralzeichen beigefügt.

il Ēa-dipāri-ilāni Ea ist die Fackel der Götter“ finden wir neben il Ēa-dipāri-ili ,,Ea ist die Fackel Gottes“ Dar. 497, 15; in letzterem Falle ist der Singular kollektiv gebraucht.

Ebenso stehen zahlreiche Schreibungen Linūh-libbi-ilāni mit Pluralzeichen „es möge das Herz der Götter ruhen“ Nebuk. 458, 5; Camb. 387, 22; 402,4 neben Linūh-libbi-ili „es möge das Herz Gottes ruhen“ Nabon. 883, 7; Cyr. 174, 7; Camb. 268, 15. Auch hier ist die Bedeutung die gleiche.

Dieser Wechsel zwischen singularischer und pluralischer Schreibung weist darauf hin, dass man durch den Singular

1) Namenbuch 303. 2) Vgl. oben 164.
3) Pinches, Inscribed Babylonian Tablets, London 1888, Nr. 12, 19.

4) Vgl. dazu den neutestamentlichen Ausdruck: Christus das Bild Gottes dazu Hehn, Sünde und Erlösung 45 f.

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wesentlich dasselbe ausgedrückt fand wie durch den Plural: ilu ist „Gott" im kollektiven Sinne und bedeutet dasselbe wie ilāni Pantheon.

Daß man, und das ist sehr wichtig, auch in ilāni eine gewisse Einheit sah, und daß wir darum das Wort zuweilen am besten auch durch einen Singular, etwa Pantheon, übersetzen, ergibt sich aus den Fällen, wo der Plural mit dem Verbum im Singular verbunden ist.

So in Ilupl.-pi-i-u-şuri „Gott (Plur.) schütze mein Wort“ Dar. 362, 5; ilāni ist hier als Einheitsbegriff gefaßt.

In der altbabylonischen Zeit haben wir den Namen Idinilum? „Gott hat gegeben“, in der neubabylonischen Ilāni-iddin (MU) Nebuk. 452, 30; Camb. 146,6 in demselben Sinne: die vielen Götter fließen zusammen zur Einheit.

Dem bekannten Namen Ilu-ittia, den wir gleichfalls aus der Zeit Maništusu's kennen, entspricht Ilu pl.-ittia Camb. 85, 5 „Gott (kollekt.) ist mit mir“, nicht etwa „mein Gott ist mit mir".

In demselben Kontrakte (Z. 19) begegnet uns der Name Ilu pl.-um-mu ,,Gott (kollekt.) ist Mutter". Vgl. dazu Ummiil Šamši, Bēlit-ummi.

Hier möge auch erwähnt werden: Ilu pl.-a-di-nu 3 „Gott (Plur.) ist mächtig (?)“ Nerig. 66, 7; Ilu pl.-qa-nu-ú-a 4 „Gott (Plur.) ist mein Schöpfer“ V R 67 Nr. 3 Z. 2. 5. 85. Hierher gehört auch Mušallim-ilu pl. 6 Nebuk. Liv. 7,13 „Gott (Plur.) erhält unversehrt".

Man denkt hier naturgemäß auch an den Zusammenfluß der babylonischen Götter in Marduk, wie wir ihn oben (58 ff.) dargelegt haben.

Von hier aus ist wohl auch die babylonische Wiedergabe des westsemitischen 3x durch ilu mit Pluralzeichen (AN.MEŠ) zu erklären. Hilprecht hat dieses Pluralzeichen zuerst als Andeutung des Suffixums der ersten Person aufgefaßt und dem

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?אדון Verwandt mit (3

.אֶלְקָנָה (4

4) Auch geschrieben Ilu-pi-z-ŠEŠ.
2) Vgl. oben 163. 3) ? )
5) Ders. Text CIS II, 63.

6) Straßmaier, Wörterverzeichnis zu den babylonischen Inschriften zu Liverpool 39 hat bloß Mušallim-ilu.

gemäß ilî transskribiert", dann aber als eine Art Scriptio plena für ili erklärt? Mit Recht wendet Clay 3 dagegen ein, daß AN.MEŠ derselben Namen in den aramäischen Aufschriften jener Tafeln einfach durch 3x wiedergegeben wird. So Ra-hiim-ilu pl. durch 3827774, Ha-za-ilu pl. durch 387175, sodaß kein Zweifel besteht, daß die Babylonier wirklich sx lasen.

Aber eine andere, bisher noch nicht gelöste Frage ist, was die Babylonier mit der pluralischen Schreibung des ilu, wenn es für westsemitisches 3x steht, sagen wollten. Es liegt darin offenbar der Gedanke ausgesprochen, daß 3x in diesen Namen virtuell einem Plural entspricht, daß aber das Verbum trotzdem im Singular steht, zeigt an, daß in den Augen der Babylonier diese Vielheit eine Einheit war, d. h. 38 hat hier nach Ansicht der Babylonier allgemeinen, umfassenden, kollektiven Charakter. Natan-ilu pl. 38373 „Gott hat gegeben" meint nicht irgend einen bestimmten Gott, sondern die Gottheit überhaupt, ebenso Fadihu-ilu pl. „Gott kennt“ 38349 und die anderen 6. Clay 7 erklärt diese Schreibung aus dem Bestreben, „die Idee der Vielheit, wie sie durch das hebräische 513x dargestellt wird, anzudeuten". In der Tat liegt hier eine deutliche Analogie zu dem hebräischen en vor, das ursprünglich ebenfalls die Gottheit im umfassenden Sinne bezeichnet haben muß, wie wir unten näher auseinandersetzen werden. Allein es scheint mir nicht wahrscheinlich, daß die babylonischen Schreiber bei der Wiedergabe der hebräischen Namen bewußt von obx beeinflußt waren, sodaß sie die Absicht gehabt hätten, „to distinguish between ilu and the Hebrew 38“. Es handelt sich ja gar nicht um die Wiedergabe von ein, das in den Eigennamen nicht gebraucht wird, außerdem werden auch aramäische, palmyrenische und nabatäische Namen so geschrieben, deren

1) BE IX, 19; X, 37 n. I. 2) BE X

p.

IX ff. 3) BE X, 12.

Aramaic Indorsements on the documents of the Murašū Sons [Old Testament and semitic studies in memory of William Rainey Harper (1908) I, 316 ff.]

4) Aram. Indorsements Nr. 23 (p. 308). 5) A. a. O. Nr. 50 (p. 316).
6) Die Namen sind zusammengestellt bei Clay, BE X, 12.
3) BE X, 12. — Aramaic Indorsements 317.

aus

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Träger mit ons nichts zu tun hatten. Die Schreibung erklärt sich vielmehr

der späteren babylonischen Praxis, Gott im Allgemeinen durch ilu mit dem Pluralzeichen auszudrücken.

Nichtsdestoweniger ist diese babylonische Schreibweise für das Verständnis des hebräischen Einbx außerordentlich lehrreich, weshalb wir noch einige Parallelen zu ihr aufführen:

An den bereits erwähnten Ausdruck: ilāni ša ilāni, der den Gottesgedanken auf Sin konzentriert, muß hier wieder erinnert werden. Ein einzelner Gott wird als Pantheon über dem Pantheon bezeichnet!

Auf den sog. Chedorlaomer Tablets 1 aus der Zeit des Cyrus Sp. 158 + Sp. II, 962 heißt es, daß der Feind zu Marduk böswillig hindrängte, und dann Vs. Z. 22: ina pānišu ilāni (AN Pl.) illabiš nüri ,vor ihm der Gott (Plur.) kleidete sich in Licht“2 Z. 26f.: ki]-i ilāni (ANPl.) illabiš nūri, kima birqa ibriqma inūš ašrūti A]ls der Gott (Plur.) sich mit Licht bekleidete, blitzte er wie der Blitz", es schwankte der Schrein?)". Also auch hier ist ein einzelner Gott mit ilāni bezeichnet, während das Verbum im Singular steht 4.

Immerhin ist dies spätere Schreibweise, die aber für das Zusammenfließen der einzelnen Götter zu einer gewissen Einheit sehr charakteristisch ist. Um so wichtiger ist die Tatsache, daß auch in den Amarnabriefen der Plural von ilu mit

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1) Der Keilschrifttext ist veröffentlicht von Pinches im Journal of the Transactions of the Victoria Institute XXIX (1897) p. 43–90. [Das mir hier nicht zugängliche und auch von auswärts nicht zu erlangende Werk stellte mir Prof. Hommel in dankenswertester Weise zur Verfügung.] Dazu A. H. Sayce, PSBA XXVIII, 193ff.; 241 ff.; XXIX, 13 ff.

2) Lidzbarski, Eph. II, 88 f. bespricht eine in Pozzuoli gefundene griechische Inschrift, die sich jetzt im Michigan-Museum in Amerika befindet, aus d. J. 79 n. Chr., auf der Hɛlu =D>x „Götterbild“ vorkommt; s. auch unten.

3) leuchtete auf wie der Blitz.

4) CT XVI, 8, 289 lesen wir ilu pl. mu-šal-li-mu il Marduk. Thompson, Devils and evil Spirits I, 28 transskribiert ilāni, hält aber með für einen Schreibfehler. Eine genauere Prüfung des Keilschrifttextes ergibt jedoch, daß das vermeintliche meš ein schlecht ausgefallenes mu ist, welches das Suffix der ersten Person bezeichnet, also ist ili-zu lesen.

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war.

dem Singular des Verbums verbunden ist, sodaß für die Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. diese Ausdrucksweise in Palästina nachweislich vorhanden war. Knudtz. 961, 4ff.: ilu pl.nu šulumka šulum bītika lišal „die Gottheit (eig.: die Götter) möge dein Wohlbefinden (und) das Wohlbefinden deines Hauses erbitten“! 97, 32: (ilā]nu šulumka li[šal] „die Gott]heit (Plur.) möge dein Wohlbefinden er[bitten). 189 Rs. 14f.: „Und es kam (el-la-ak Sing.!) deine Götter (ilānu-ka) und deine Sonne“. 227, 12 u ilänu ippalšu ist nicht klar, möglicherweise aber liegt auch hier der Fall vor, daß das Verbum im Singular bei dem Plural ilānu steht.

Auf diese Einzelfälle weittragende Schlüsse zu bauen, würde wohl Bedenken erregen, allein es ist zu berücksichtigen, daß gerade in Phönizien und Palästina der Plural ilāni zur Bezeichnung einer einzelnen Person völlig geläufig

Das ersehen wir aus den aus Berut, Tyrus, Sidon, Megiddo, Lakiš, Askalon, Gezer, Jursa, Ahtirumna und anderen Städten stammenden Briefen, in welchen der König Pharao als ilānia „meine Götter“ angeredet wird. Vgl. Knudtz. 141, 2. 10. 13. 16. 32. 37 (Ammunira von Berut); 144, 2. 6. 8 (Zimriddi von Sidon); 147, 1; 148, 1; 149, 1; 151, 1; 152, 1. 4. 6. In den Briefen Aziri's heißt es regelmäßig ilia il Samši-ia ,,mein Gott, meine Sonne“. Bei anderen aber auch wiederholt „meine Götter, meine Sonne“ oder umgekehrt 192, 2. 8. 11. 24. So regelmäßig in den Briefen Milkili's 267, 2. 7. 10. 16; 268, (1). 6; 269, 2. 7; 270, 2.7; 271, 2. 7; in den Briefen Šuwardata's 278, 2; 279, (2). 7; 280, (2). 7; 281, 2 f.: ilānu [n]u-ia ù ilšamšē (Plur.) à šāria „meine Götter und die Sonnen und mein Lebenshauch“ vgl. 296, 2. 7; 282, 2; im Briefe Jabni-ilu's von Lakiš 328, 1. II.

Aus Assur ist mir vorläufig nur ein analoges Beispiel bekannt. In einem Briefe Ašurbanipal's an Belibni spricht der König vom Eisendolch „Ašur's, meiner Götter", Ašur ilēpl..

Man könnte ja vielleicht an eine absonderliche Schreibweise denken, allein im Zusammenhang unserer ganzen Dar

e-a.

1) Winckler-Abel, Der Tontafelfund von El-Amarna 82.
2) Bei Winckler-Abel 183 erscheint die Zeile noch schlechter erhalten.

3) K 938 Harper, Letters 292 (Vol. III); H. Figulla, Der Briefwechsel Bēlibni's MVAG 1912, 1, 80 f.

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