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die Zusammenfassung der Vielheit zur persönlichen Einheit dar. Wie die babylonische Siebengottheit Universalgottheit ist, so ist in dem Namen in eine universalistische Anschauung enthalten. Zugleich liegt darin auch ein Motiv für die Exklusivität Jahwes gegenüber anderen Gottheiten: Jahwe ist Elohim d. h. die Gesamtheit der Götter (zunächst für Israel), daher ist es verboten, andere Götter neben ihm zu haben.

Auf den in Boghaz-köi gefundenen Tafeln werden außer den SA. GAS-Leuten auch die SA. GAS-Götter genannt, wofür auch ilāni ha-bi-ri geschrieben wird? H. Greßmann 2 sieht darin den ersten urkundlichen Beweis, daß die Hebräer, die Vorfahren der Israeliten, Polytheisten waren. Aber die Identität der Habiri mit den Hebräern zugegeben, so bleibt doch noch sehr fraglich, in welchem Verhältnis das Volk Israel und seine Religion zu jenen Wanderstämmen und ihrer Religion stand. Den Hebräern wird ja auch im A. T. wiederholt vorgehalten, daß ihre Väter fremden Göttern gedient hätten, daher kommt jener Ausdruck gar nicht überraschend.

bx werden übrigens im A. T. auch die einzelnen Götter fremder Völker genannt: Astarte, die Gottheit (nb) der Sidonier i Kön. 11, 5, Kemoš, der Gott (bx) von Moab, Milkom, der Gott (bn) der 'Ammoniter (1 Kön. II, 3). Hier ist die pluralische Bedeutung des Wortes verblaßt, es dient einfach als Appellativum für ,,Gott“ oder ,,Gottheit". Immerhin ist zu beachten, daß es sich um die Hauptgottheiten der betreffenden Völker handelt, die als Repräsentanten des Pantheons aufgeführt sind.

Elohim hat auch die ganz allgemeine Bedeutung „göttliches Wesen" i Sam. 28, 13, wenn die Totenbeschwörerin von '(). Man übersetzt es bekanntlich mit Geist, Totengeist; es bedeutet etwa: „Gotteswesen". Der Plural hat hier wie so oft im Hebräischen abstrahierende Bedeutung.

.(אלהים ... עלִים) Endor einen Elohim aus der Erde aufsteigen sieht

1) Winckler, MDOG Nr. 35, 25 Anm.

2) Die Ausgrabungen in Palästina und das A. T. 5 (Religionsgesch. Volksbücher III, 10).

Diese allgemeine Bedeutung von elohim „göttliches, himmlisches Wesen“ liegt wohl auch in dem Ausdrucke ovx „Göttersöhne“ (Gen. 6, 2. 4; Job 1, 6; 2, 1; 38, 7) vor, die gleiche Bedeutung hat bis in case 92 Ps. 29, 1; 89, 7. Es wird durch

die Zugehörigkeit ausgedrückt: wie die sxia y die Moabiter sind, so sind die Göttersöhne diejenigen Wesen, die etwas Göttliches an sich haben, zu Gott, zu seiner Begleitung, in seinen Bereich gehören 1.

Die gleiche Anwendung begegnet uns im Aramäischen Dan. 3, 25: der Mann im Ofen gleicht je? „einem Göttersohne“, d. h. er sieht wie ein überirdisches Wesen aus. Sehr deutlich tritt diese im Plural liegende Verallgemeinerung des Begriffs hervor, wenn es heißt, daß Daniel vom „Geiste heiliger Götter“ erfüllt war Dan. 4, 5f. 15; 5, 11, d. h. er ist von heiligem, göttlichem Geiste erfüllt. Genau wie im Babylonischen dient hier der Plural zum Ausdrucke des Attributs „göttlich“.

Bei der Diskussion über ein und überhaupt über die alttestamentliche Religion darf man nicht übersehen, daß sich die israelitische Gottesidee nicht aus den primitiven Vorstellungen eines Wüstenvolkes plötzlich in wenigen Jahrhunderten zu ihrer einzigartigen Höhe entwickelt hat, sondern daß ihr die Errungenschaften einer alten, hohen Kultur als Substrat ihrer eigenen Grundauffassung dienten, nach der jene vorhandenen Elemente modifiziert wurden. 1773x war offenbar in den Augen des Begründers der israelitischen Religion, trotz seines Anklangs an den Polytheismus, ganz unverfänglich; das setzt aber voraus, daß ihm der Ausdruck im Sinne von „Gottheit“ geläufig war. Der von der Einzelgottheit abstrahierende Plural ist mit wohl überlegter Absicht gewählt, um die verschiedenen Stämme, aus denen sich Israel zusammensetzte, zur Einheit zu verbinden. Sowohl in der Amarnazeit wie zur Zeit Davids mischen sich in Juda die verschiedenartigsten Volkselemente 2. Die nördlichen

1) Vgl. dazu den im Assyr.-Babyl., Hebr. und Aramäischen herrschenden Sprachgebrauch, mit „Sohn“ die Zugehörigkeit zu einer Zunft zu bezeichnen.

2) Ich möchte hier einen Satz von B. Meißner anführen, den er gelegentlich der Besprechung der Schrift von Franz M. Th. Böhl, „Die

Stämme standen noch stärker unter fremdländischem Einfluß; hat man doch in Galiläa sogar Indogermanen nachweisen wollen. Die Vereinigung der heterogenen Elemente unter Jahwe verlangte, daß ihnen dieser nicht als ein einzelner sx, sondern als Zusammenfassung und höhere Einheit der Einzelgötter vorgestellt wurde. Dann ist aber nicht bloss, wie E. Meyer 1 meint, die Zusammenfassung der lokalen Numina zur Einheit, die allmählich zu einem singularischen Begriff und schließlich Eigenname ohne Artikel wurde, sondern Jahwe ist Elohim. Er stellt die höhere Einheit der Gesamtheit der Götter dar. Gerade die Anwendung von ilāni auf Einzelpersonen in der Amarnazeit ist geeignet, das richtige Verständnis von evaba zu erschließen. ovnbx wollte sagen, daß im Gegensatze zu den Einzelgöttern Jahwe das Pantheon für Israel sei. Von einer allmählichen Entwicklung zu einem singularischen Begriff ist demgemäß auch keine Rede, es handelt sich vielmehr um die Anlehnung an einen vorhandenen Sprachgebrauch. Eine Zusammenfassung der lokalen Numina konnte Elohim schon

Sprache der Amarnabriefe“, in der DLZ XXX (1909), 1949 schrieb: „Vielleicht wäre es bald einmal an der Zeit, sich an die Aufzählung und Beschreibung aller derjenigen Völker zu machen, aus denen dann die jüdische Rasse entstanden ist. Wie man schon jetzt beobachten kann, ist schon seit Urzeiten in Palästina eine große Masse verschiedener Völker zusammengeströmt, aus denen die jüdische Rasse hervorging. Von reinem Semitentum kann bei ihr nicht im Entferntesten die Rede sein“. Vgl. über die Rassenmischung in Juda P. Haupt OLZ XII, 162 f.; ZAW XXIX (1909), 285. Im Anschluß an obige Bemerkung von Meißner mag auf die inzwischen erschienene neue Studie von F. Böhl, „Kanaanäer und Hebräer, Untersuchungen zur Vorgeschichte des Volkstums und der Religion Israels auf dem Boden Kanaans“ (1911) verwiesen werden, wo es S. 98 heißt: „In diesen Ländern wohnte auch damals keine Volkseinheit, sondern ein Völkergewirr. Semiten von einer älteren Schicht mit einer großen Vergangenheit Semiten von einer jüngeren Schicht mit einer großen Zukunft Hethiter von wahrscheinlich zwei verschiedenen Schichten bis in den äußersten Süden des Landes hinunter

Arier von der iranischen Schicht das Land selbst ein Spielball in der Politik zwischen den Weltreichen der Ägypter und Hittiter bis anderthalb Jahrhunderte nach der Amarnazeit ein Ansturm der Indoeuropäer deren Macht bricht und der jungen Semitenschicht für einige Jahrhunderte den Weg zur Herrschaft bahnt“.

) Die Israeliten und ihre Nachbarstämme 211 Anm.

deshalb nicht sein, weil ja Jahwe im ständigen Gegensatz zu den Ba'alen stand. Die Ansicht Wincklers 1, man habe zum Beweise, „das gar kein Unterschied bestehe zwischen dem Gott des Ortes und Jahwe“ gesagt, „Jahwe sei in Wirklichkeit der Inbegriff aller dieser Götter, Jahwe sei alle Götter zusammen und zeige sich nur am einzelnen Orte in der jeweiligen Gestalt, kurz Jahwe sei , die Götter' = elohim", verkennt gleichfalls den Gegensatz zwischen den lokalen Ba'alen und Jahwe. Nicht Jahwe sollte durch die Identifikation mit den Ba'alen dem Volke plausibel gemacht werden, sondern das Volk suchte ständig den Unterschied zwischen Jahwe und den Baʻalen zu verwischen, um beide wenigstens praktisch gleichzusetzen; dagegen richtet sich der Kampf der Propheten.

Es läßt sich natürlich nicht mehr feststellen, wann der Name ex für ,,Gott" in den religiösen Sprachgebrauch Israels eingeführt wurde. Daß aber seine Anwendung auf Jahwe nicht aus der allmählichen Entwicklung volkstümlicher Anschauungen, sondern aus zielbewußter theologischer Reflexion hervorging, ersieht man noch klar aus den alttestamentlichen Schriften, die ihn besonders bevorzugen.

Es darf als anerkannt gelten, daß die sog. Elohimquelle, die ursprünglich den Namen bs wahrscheinlich durchgängig gebrauchte, mit diesem Namen Jahwe als Gott überhaupt, als Universalgottheit darstellen will 2. Elohim zeigt etwas Abstraktes, von den äußeren Erscheinungen Losgelöstes an, daher ist es nicht verwunderlich, daß die Gottesvorstellung dieser Quelle als ,,eine durchaus vergeistigte und geläuterte und gegenüber J sogar theologisch fortgeschrittene“ erscheint 3. Das Wort weist auf eine umfassende göttliche Macht hin, daher tritt Gott

') Gesch. Isr. I, 42.

2) Vgl. O. Procksch, Das nordhebräische Sagenbuch der Elohimquelle 198 f. 199: „Wir dürfen also im Gebrauch des Namens Elohim bei unserem Haupterzähler einen Beweis sehen, daß er überzeugter Monotheist war“. Vgl. ferner P. Volz, Mose 30f.; G. Westphal, Jahwes Wohnstätten 233: „Endlich scheint der konsequente Gebrauch des Gottes

den Gott Israels schon als den יהוה gegenüber von אלהים namens

Universalgott bezeichnen zu sollen“.

3) Holzinger, Hexateuch 204.

in dieser Quelle besonders als allwirksame Ursache hervor. „Bei E wird das Wirken Gottes so dargestellt, daß Gott hier in strengerer Weise als bei J alles in allem ist" 1. Die Ausgestaltung dieser Theologie wird man am besten der elohistischen Prophetenschule zurechnen, ohne daß jedoch dabei die grundlegende Bedeutung des Stifters der israelitischen Religion, über den später zu handeln sein wird, unterschätzt werden darf.

Die These B. D. Eerdmans', daß einzelne Stücke des A. T. Jahwe gar nicht kennen und noch auf ungetrübten Polytheismus der alttestamentlichen Erzählungen schließen lassen 3, während eine zweite Stufe Jahwe als einen unter den Göttern betrachtet und erst eine dritte Entwicklungsphase die polytheistischen Sagen auf Jahwe überträgt, die später monotheistisch gefaßt wurden, weil man den polytheistischen Klang von Jahwe nicht mehr hörte, verkennt durchaus die wahre Bedeutung des Namens Elohim gerade in seiner monotheistischen Abzielung. Übrigens ist es unzweifelhaft, daß auch die Elohimquelle Jahwe kennt und völlig unbefangen anerkennt. Wenn sie in der Anwendung des Namens zurückhaltend ist, so mögen dafür ähnliche Gründe maßgebend gewesen sein wie für die Nichtanwendung des Namens Jahwe in den Elohimpsalmen 4. Auch ihr ist Jahwe im vollen Umfange = Elohim.

Der Elohimquelle gehören die Stellen an, nach welchen die Vorfahren Israels „fremden Göttern" (Gen. 35, 2. 4) oder „anderen Göttern“ „jenseits des Stromes und in Ägypten“ gedient haben Jos. 24, 2. 14. Der Name soll also wohl den polytheistischen Neigungen und Anschauungen entgegentreten. Elias stellt in seinem Kampfe gegen Baʻal die Alternative zwischen Jahwe und Ba'al, entweder ist der eine oder der andere Gott i Kön. 18, 24: „der Gott, der mit Feuer antworten wird, der soll als der Gott gelten“.

In demselben allumfassenden Sinne, als Inbegriff der Gott

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1) Holzinger, a. a. 0. 205.
2) Alttestamentliche Studien I. Komposition der Genesis.

3) Eerdmans beruft sich hauptsächlich auf Gen. 1, 26; 5, 22 – 24; 6, 13; 9, 16; 28, 11-22; 35, 1—7.

4) Vgl. die Kritik Steuernagels über Eerdmans' „Studien“, Theol. Rundschau 1908, 232 f.

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