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das Bestreben zu beobachten, dem Pantheon eine abschließende Spitze zu geben.

Die siebenstufigen Türme waren, wie ich nachgewiesen habe1, Abbilder des Universums. Der Stufenturm von Babel heißt E-temen-an-ki „Haus der Grundfeste Himmels und der Erde“, der von Kiš Te-an-ki-bi-da „Grundfeste Himmels und der Erde“, der von Borsippa Ē-ur-imin-an-ki, was nicht „Haus der sieben Planeten“, sondern „Haus der sieben Befehlshaber Himmels und der Erde“ bedeutet 2. Die sieben Herrscher aber sind alle Herrscher Himmels und der Erde. Sieben wird von den Babyloniern selbst als kiššatu „Gesamtheit“ erklärt. Es ist die Zahl des vollkominenen Ganzen, des Universums und erscheint als solche in den mannigfachsten Anwendungen. Die Tempeltürme versinnbilden die Räume des Kosmos mit den sie belebenden und beherrschenden göttlichen Mächten. In Babel steht Marduk, in Borsippa Nebo an der Spitze des Pantheons. Deshalb hat hier der eine, dort der andere seinen Sitz auf der Spitze des Turmes. Dieselbe Idee in anderer Form bringen die vierstufigen Türme zum Ausdruck, weil auch die vier Richtungen die Gesamtheit symbolisieren.

Der Ausdruck für die Gesamtheit der Götter, das Pantheon, ist bei den Babyloniern: Die sieben Göttery. Die Siebengottheit ist die Universalgottheit. Am Schlusse von Aufzählungen nennt man die sieben Götter, um alle Götter in die Aufzählung einzuschließen. Nanā z. B. wird gepriesen als die Göttin, die „vorausgeht den sieben Brüdern“ 4, womit gesagt sein soll, daß sie an der Spitze all ihrer Brüder, des gesamten Pantheons einherzieht. Aber in echt babylonischer Betrachtungsweise, der mit dem Namen auch das Wesen gegeben war, wird die Siebengottheit auch als besondere, für sich bestehende Gottheit aufgefaßt und behandelt. Man war also zu dem Begriff einer über den anderen Göttern stehenden Universalgottheit, die als höhere Einheit die anderen Götter in sich schloß, gekommen. Allein die Weiterführung dieses Gedankens nach der Richtung hin, daß die anderen Götter

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in dieser höheren Einheit aufgehoben wären, ist den Babyloniern nicht in den Sinn gekommen.

3. Die einzelnen Gottheiten und der Universalismus

und Monotheismus.

a) Anu. Wie man in der Siebengottheit einen die gesamte Götterwelt zusammenfassenden Begriff hat, so ist Anu in der Theorie der Babylonier der Inbegriff des göttlichen Wesens. Das illustrieren am besten die Götterlisten, die Anu den allgemeinsten Begriffen der Gottheit gleichsetzen. Er verkörpert den Begriff der Gottheit geradezu absolut. Darum lesen wir in der 1. Zeile, das Zeichen für „Gott“ überhaupt AN entspreche dem Gotte Anu. Anu zerfällt zunächst in ein männliches und weibliches Prinzip, letzteres ist Antu, die gleichfalls den Gottheitsbegriff umfassend in sich schließt, daher heißt es in der 2. Zeile: AN= An-tum. Anu, der personifizierte Himmel, ist der erste Repräsentant der Gottheit. Himmel und Erde bilden auch nach babylonischer Anschauung ein Götterpaar 2. Anu ist das himmlische, männliche, schaffende, Antu das irdische, weibliche, passive Prinzip. So finden wir in der 3. Zeile unserer Liste AN.Ki= il A-nu-um u An-tum, d. h. Himmel und Erde (KI) bilden zusammen das Götterpaar Anu und Antu, Gott und Göttin Anu.

Es folgt eine Reihe anderer Götterpaare, die alle Anu und Antu gleichgesetzt werden. Z. 4 wird il Uraš (IB), Z. 5 sein weibliches Komplement NIN-IB = Anum u Antum gesetzt. Wie schon bemerkt 3, haben wir hier wohl einen Raumgott

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2) Das ergibt sich auch aus anderen Stellen. Ut. lim. I, 23 (CT XVI, 12, I, 22/23) heißt es von den bösen Sieben: „Die als Zeugung Anu's entsprossen, Söhne, Sprößlinge der Erde sind sie“. VATh 258 Vs. 10-13 (Reisner, Hymnen S. 133). Die Anunnak sind Erzeugnis Anu's (An-na = il A-nim), aber auch Erzeugnis der Erde; letzterer entspricht in der sumerischen Zeile ki, in der babylonischen An-tum.

3) Oben 2.

und eine Raumgöttin als Erscheinungsformen Anu's und Antu's. Z. 6 und 7 nennen wieder ganz allgemeine Gottheiten: An-šárgal = „das obere große All“ als männliches, und il Ki-šár-gal = „das untere große All“ als weibliches Prinzip, die gleichfalls Anu und Antu entsprechen. An-šár-gal wird K 4338 B erklärt als Anum ša kiššat šamē irșiti = „Anu als Gesamtheit Himmels und der Erde“. Z. 8 und 9 decken sich inhaltlich mit den vorausgehenden: An-šár = „oberes All“ und Ki-šár = „unteres All“, die, wie erwähnt, nach Enuma eliš Taf. I, 12 die zweite Göttergeneration bilden. Z. 10 und 11 sind wiederum ganz allgemeine Begriffe: En-šár = „Herr des Alls“ und Nin-šár = „Herrin des Alls“, beide ebenfalls = Anu und Antu. In Z. 12 und 13 erscheint die Zeit als Gottheit; ilDU-ER und à DA-ER entspricht dem semitischen dūru „Dauer“, Ewigkeit 1. Es folgen Z. 14f. Lah-ma und la-ha-ma, die, wie S. i bemerkt, im Schöpfungsepos als Lahmu und Lahamu die erste Göttergeneration darstellen. Das folgende Götterpaar ist A-la-la und Be-li-li. A-la-la ist wohl zusammengesetzt aus a = „Wasser“ und la-la = lalū „Üppigkeit“, „Fülle“. Gemeint sind die oberen Leben und Fruchtbarkeit erzeugenden Wasser. Die Gemahlin Alala's ist Be-li-li ?, die Wasser der Tiefe 3, aus denen das Leben der Erde hervorgeht. Alala und Belili sind also etwa gleich Himmelsvater und Mutter Erde und ihre Gleichsetzung mit Anu und Antu leicht verständlich. In den beiden folgenden Gleichungen sind zwei besondere Formen Alala's und Belili's aufgeführt, Alala-alam und Belili-alam, Alala-,,Bild“ und Belili„Bild“. Z. 20 und 21 werden En-uru-ul-la = „Herr der glänzenden Stadt“ und sein weibliches Komplement Nin-uru-ul-la = „Herrin der glänzenden Stadt“ Anu und Antu gleichgesetzt.

Die Duplikate unserer Liste gruppieren übrigens verschiedentlich anders und fügen teilweise 4 noch einen Gott

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il Ē-kur = Berghaus, hohes Haus hinzu, K 4349 bietet auch das entsprechende Femininum il (?)-ra's. Trotzdem zählen die Listen übereinstimmend 21 „Vorfahren“ Anu's. Diese Zahl steht offenbar fest, weil sie 3X 7 ausmacht. In drei Reiche zerfällt das All, sieben Generationen aber sind alle Generationen? Wenn wir uns modern ausdrücken wollen, so können wir sagen: Anu repräsentiert die 21 allgemeinsten kosmischen Kategorien. Er ist demgemäß die alles umfassende, die Universalgottheit.

Wenn Anu auch theoretisch das göttliche Wesen uneingeschränkt in sich schließt, so hat man doch nie daran gedacht, daß er nun allein Himmel und Erde erfülle und für andere Götter kein Platz sei. Im Gegenteil gerade die Allgemeinheit seines Wesens drängt ihn bei dem konkrete Gestalten verlangenden religiösen Empfinden des Volkes praktisch ziemlich in den Hintergrund. Anu gilt zwar auch in den ältesten Zeiten als „König der Götter“ 3, Anu und Enlil bestimmen das Geschick von Lagaš“, Anu wird „der geliebte Vater Enlil's“ 5 und der „König der Länder“6 genannt, aber er gehört trotzdem nicht zu den hauptsächlich angerufenen Gottheiten?. Ob man mit Huber 8 daraus, daß der Gott in den Personennamen der Dynastie. von Ur und Isin häufig vorkommt, schließen darf, daß Anu einmal in vorgeschichtlicher Zeit auch in der praktisch. religiösen Verehrung die anderen Götter seiner theoretischen Stellung im Pantheon entsprechend übertraf, möchte ich bezweifeln. Das häufigste Bildungselement in den Eigennamen

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jener Zeit ist dingir-ilul, allein es bleibt auch Huber fraglich, ob ilu einmal in vorgeschichtlicher Zeit überhaupt eine göttliche Persönlichkeit gewesen ist? Ilu ist ebenso wie Anu ein ganz allgemeiner Begriff für „Gott“ und berührt sich in seiner Bedeutung sehr eng mit Anu, wie ja in der oben zitierten Liste ilu = Anu gesetzt wird. Anu wird nicht bloß in den oben angeführten Stellen aus den Inschriften der Könige von Sumer und Akkad, sondern auch im Codex Hammurapi3 regelmäßig einfach mit dem Zeichen AN = ilu geschrieben. An manchen Stellen ist es deshalb zweifelhaft, besonders auch in Eigennamen, ob der Name des Gottes oder das Appellativum für „Himmel“ 4 vorliegt oder ob dingir-ilu (Gott) zu lesen ist. Das Gottesdeterminativ fehlt, weil der Name selbst „Gott" bedeutet. Schon in assyrischer Zeit wird der Planet Mars mit Anu identifiziert (VR 46, 2 a) und besonders auf neubabylonischen, astronomischen Tafeln AN geschrieben.

Anu kommt auch als Gott im allgemeinsten und höchsten Sinne vor 6. Zu Marduk sagen die Götter vor seinem Kampfe gegen Tiāmat: „Du bist nun der geehrteste unter den großen Göttern, dein Geschick ist ohnegleichen, dein Wort ist Anu (seqarka il A-num)“ d. h. dein Gebot ist das höchste, gilt uneingeschränkt. Den Namen il A-nu-(KA)- il Nin-šah übersetzt Hilprecht?: „The word of N. is god“, aber Anu steht betont voraus, daher ist zu übersetzen: „Anu ist das Wort N.s“, d. h. das Wort Nin-šah's ist dem der Gottheit im höchsten Sinne gleich. Bei dem Namen An-nu-um-abī schwankt Ranke 8

1) Huber, a. a. O. 22 vgl. 169. 2) A. a. O. 23.

3) Vs. I, 1.45; Rs. XXIV, 64; XXVI, 45; Gen. AN. nim Vs. II, 46; Rs. XXVIII, 51. Ich zitiere hier und später nach der Ausgabe von Ungnad.

4) Vgl. Huber, PN 162; Ur-an-na Priester des Himmels oder Anu's (jedenfalls aber des letzteren), -an-na (164) Mann des Anu oder himmlischer Mensch, Gugal-anna (164) Machthaber des Himmels, Sib-an-ni (166) Himmelshirte.

5) Kugler, Sternkunde I, 12 f.

6) Ranke, Diss. 20, PN 197 erklärt, dieses Anu habe nur den Sinn „Gott“, „Gottheit“.

7) Bei Ranke, PN 66. Rankes Übersetzung: „N. is a god of the word' scheint weniger zutreffend.

8) PN 197 Nr. 5.

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