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zwischen der Übersetzung: „Anu ist mein Vater“ oder „(der) Gott ist mein Vater“. Nach unserer Erklärung des Zusammenhangs zwischen Anu und ilu ist hier Anu zu übersetzen, aber nicht im Sinne eines besonderen Gottes, sondern als Gott im allgemeinen. Darnach dürften auch die Namen Be-el-a-nu-um (Ranke, PN 72 f.) „Bēl ist Anu“ und Ili-a-nu-um (das. 99) „Gott 1 ist Anu“ erklärt sein. Der Name Enlil-ilum (das. 74) ist sehr nichtssagend, wenn wir aber lesen Enlil-Anum „Enlil ist Anu“, so liegt darin eine besondere Huldigung für Enlil 2.

Der Bedeutung von Anu = Gottheit im allgemeinen entspricht die Bedeutung des von diesem Namen gebildeten Abstraktums Anūtu = „Anuschaft“, das in späteren Texten die Gottheit im ganzen Umfange oder im vollkommensten Sinne bezeichnet 3. In einem Mythus von dem Gott Ninib sagt dieser: „Udkaninnū, die Waffe meiner Anuschaft (ila-nu-ti-ia = naman-na-mu) trage ich" 4. In demselben feierlichen Sinne ist Anuschaft = vollkommene Gottheit gebraucht VR 66, II, 8: „Wenn du, o Nebo, in Ezida, bit il A-nu-ti-ka, das Haus deiner Anuschaft einziehst“ usw. Ein Name aus der Zeit Darius II lautet A-ta-mar il A-nu-us-su „ich sah seine Anuschaft“ oder „seine Gottheit“ 5.

Hätte die Spekulation der Babylonier monotheistische Ziele verfolgt, so hätte Anu den Anforderungen eines höchsten Wesens am besten entsprochen. In Wirklichkeit war er aber eine inhaltleere Abstraktion, nicht die alles umfassende lebendige Macht. Ausgefüllt war diese kosmische Abstraktion durch die Menge der konkreten Einzelgottheiten.

b) Enlil-Bēl. Wie Anu die Gottheit im höchsten Sinne, so verkörpert Enlil-Bēl das absolute göttliche Herrschertum in der Welt,

2) Auf dieses ili = „Gott“ im Allgemeinen werde ich im IV. Kapitel zurückkommen.

2) Der Name findet sich auch in der Kassidenzeit BE XIV, 41. 3) Nach Del., HWB 94 a bedeutet Anūtu allgemein „Gottheit“.

4) K 38 Vs. 23/24; eine ähnliche Stelle Rs. 1/2 (II R 19, 57/58b; 1/2 b; Hrozný, MVAG 1903, 5, 12).

5) ,I saw his divinity', Clay, BE X, 41; dazu die Anmerkung, wo verschiedene Stellen angegeben sind, an denen der Name vorkommt.

dem auch die Götter unterworfen sind1. Schon Eannatum nennt ihn „König Himmels und der Erde“2, Entemena von Lagaš „König der Länder, Vater der Götter“3, seine Gemahlin Nin-lil heißt dem entsprechend „die Herrin Himmels und der Erde"¢ Der Hauptgott von Lagaš, Ningirsu ist „der Sohn Enlil's“5, er ist „geschaffen von dem großen Berge"6, womit Enlil gemeint ist. Ningirsu steht in seinem Dienste und führt deshalb den Beinamen ,,Krieger Enlil's“ 7 oder ,,der große Krieger des Ortes Enlil's“8. Selbst Enzu-Sin ist ihm untergeordnet; er ist,das starke Kalb Enlil's“9. Auf einer Inschrift Ur-engur's 10 ist Enzu „der junge kräftige Stier des Himmels, der erste Sohn Enlil's“.

Die Idee der göttlichen Weltregierung spricht der schon in ältester Zeit ihm zukommende Titel „König der Länder“ (lugal kur-kur-ra, semitisch bēl mātāti) aus 11

Hammurapi sieht in Enlil ebenfalls „den Herrn Himmels und der Erde“ (bēl šamē u irșitim)12, ebenso Samsu-iluna 13, auf einer Weihinschrift 14 nennt ihn Hammurapi „den großen Herrn des Himmels und der Erde, den König der Götter“.

Als dem Weltenherrn gebührt ihm vor allem die Bestimmung der Geschicke 15. Hammurapi, unter dem Marduk von

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Babel an die Spitze des Pantheons tritt, ist doch von Anu und Enlil berufen, aber auch Enlil allein hat ihn berufen?, ihm die Schwarzköpfigen geschenkt 3, ihm Land und Leute zur Herrschaft verliehen 4.

Wenn Enlil in späterer Zeit als „Herr, König aller Anunnak, Vater der Götter, Herr der Länder“ 5 gepriesen wird, so liegt in diesen Titeln eine Reminiszenz an seine einstige Suprematie, die an Marduk und Ašur übergegangen ist. Ersterem wird der Titel „Länderherr“ (bēl mātāti) von Enlil selbst feierlich übertragen. 6.

Wie von Anu, dem „Gott“ rat' ÈFOX. die Anuschaft, so ist von Enlil, dem „Herrn“ das Abstraktnomen illilūtum Ellilschaft = Herrschaft abgeleitet?. In dieser Bedeutung lesen wir das Wort schon im Codex Hammurapi 8. Wie wir Eigennamen haben, in denen Anu als Appellativum gebraucht wird, so haben wir auch solche, in denen Enlil die Bedeutung von bēl, „Herr“ hat, obwohl Enlil an sich das nicht bedeutet. il Šamaš-En-lil-ilí und Samas-il-li-il-ilē10 = „Šamaš ist der Enlil der Götter“ = „Šamaš ist der (oberste) Herr der Götter". Der Eigenname ist einfach als Appellativum für ,,Herr“ gebraucht. Auch außerhalb der Eigennamen findet sich dieser appellative Gebrauch von Enlil. So heißt es in der sog. Prunkinschrift Asurbanipals II, 32: Attāma ilenlil (geschrieben en-lil-) ilāni il Marduk „Du, o Herr der Götter Marduk“11. Ebenso wird Ašur als il Enlil ilāni bezeichnet 12.

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c) Ea. Wenn dem dritten Gott der obersten babylonischen Trias auch nicht die überragende Rangstellung Anu's und Enlil's zukommt, so deutet doch auch seine edle Gestalt auf die Entwicklung zur reinsten Höhe der Gottesauffassung hin, insofern in ihm die Gottheit als geistige Macht wirksam wird. Ea ist der Gott der Wasser- und Weisheitstiefe, insbesondere der Gott weisheitsvoller Gestaltungskraft und Schöpfermacht.

Seine Namen sind zahlreich wie die Seiten seines Wesens. Die sumerische Benennung Enki bezeichnet ihn als Herrn der Erde oder der unteren Welt, der Name Ea= Wasserhaus 1 oder Wasserreich als den Beherrscher der unterirdischen Wasser, lugal zu-ab oder semitisch šar apsī als den „König des Abgrundes“, BE = naqbu „Quelle" sieht in den Quellen seine Manifestation. Auf die Ideenassoziation zwischen „Tiefe“ im physischen und geistigen Sinne, die sich in zu-ab = „Haus des Wissens“ oder „Haus des Abgrundes und bēl nīmegi „Herr der Tiefe“ und „Herr der Weisheit“ kundgibt, wurde bereits hingewiesen?

Schon in den sumerischen Inschriften ist Ea nicht bloß selbst der Weise, er verleiht Weisheit und Klugheit auch den Königen. Eannatum, Entemena4 und Urbauð sind von Enki mit Verstand begabt. Auch Hammurapi hat von ihm seine Weisheit empfangen. Er ist Gudeas Orakelgott? und weiß insbesondere in Krankheiten Rat 8.

Ea ist aber vor allem der Künstler unter den Göttern.

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Er hat Gudeas Bauplan entworfen und ist der Protektor der Kunsthandwerke. Charakteristisch für die babylonische Denkweise ist, daß zahlreiche Namen in den Götterlisten ihn selbst als Vertreter dieser Handwerke bezeichnen. Er ist paharu „Töpfer“?, nappahu „Schmied“, itinnu „Baumeister“3, zammeru „Sänger“, kalū „Magier“, malahu ,,Fischer", addupu „Schiffbauer"?4, sasīnu „Steinschneider“ 5, kuddimu „Goldschmied“6. Er ist der große Zimmermann Anu's“ oder „des Himmels“ (nangargal an-na-)? Dem entspricht auch der Name Ēa-epešānu „Ea ist der Künstler“ 8. Den Namen des von Berosus erwähnten mit Ea wesensgleichen "Qávvns, der den Menschen die Kultur brachte, möchte Hilprecht nach dem Vorgange Jensens auf ummānu, uvvānu zurückführen.

Als Prinzip weisheitsvoller Gestaltung ist Ea auch der Schöpfergott. Als solcher heißt er Nu-dim-mud, was die Babylonier als Ēa ša nabnīti 10 „Ea der Schöpfung“ erklären. Er ist der mummu băn kala „die alles erschaffende Form“ 11, „der Schöpfer des Alls, der Herr der Gesamtheit“12. Ein neubabylonischer Eigenname Ea-epiš-ilāni (oder ilí) 13 „Ea ist der Schöpfer der Götter“, will wohl sagen, daß er die Götter geschaffen hat, nicht bloß daß er der Schöpfer unter den Göttern ist. Nach einem anderen Namen Ēa-şalam-ilāni

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5) Meißner, SAI 8429; 11454; Zimmern, BBR 143 Anm. n.

6) Die in der Liste noch weiter folgenden Berufsnamen sind größtenteils weggebrochen; für unseren Zweck mögen die angeführten genügen.

7) IV R 25, 33a vgl. Zimmern, ZA XXIII, 370.
8) Hilprecht, BE IX, 25. 9) A. a. O. 26 Anm. I.
10) CT XXV, 48, 4 (= II R 58, 54 a–c).
11) Merod.-Bal.-St. III, 5 (BA II, 261 vgl. BA V, 281).
12) băn kullati, bel gimri.
13) Nabon. 437, 9; Dar. 515, 16; Nebuk. 381,4 (Kurzform).

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