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sehr schwer urteilen. Diejenigen, die nur ganz konkrete und möglichst primitive Anschauungen für die israelitische Religion der älteren Zeit gelten lassen wollen, vergessen die kulturellen Voraussetzungen, unter denen diese Religion begründet wurde. Die früher allgemein vorhandene Vorstellung von den kulturlosen Nomaden wirkt zu stark nach. Die Namen Jahwe und Elohim setzen einen viel schwierigeren und eigenartigeren religiösen Gedankenprozeß voraus als die Beifügung des Sebāoth im universalistischen Sinne zu Jahwe. Wenn der Plural Elohīm eine höhere Einheit des Pantheons bezeichnet, so läßt sich leicht verstehen, daß der Gott, der als „die Götter", also gewissermaßen als Übergott, gedacht wurde, der Beherrscher der himmlischen und irdischen Wesen genannt werden konnte. Jahwe ist ja „der Gott der Götter, der Herr der Herrn, der große Gott, der Starke und Furchtbare“ Dt. 10, 17; Ps. 136, 2; Dan. II, 36. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Vielheit, von dem aus die israelitische Gottesidee orientiert ist, läßt sich auch Jahwe Șebāõth am besten verstehen als der Gott, der über Götter und Menschen Herr ist.

Ich erinnere hier auch an den Gebrauch der Siebenzahl im Babylonischen wie im A. T., die das abgeschlossene, vollkommene Ganze, die umfassende Fülle symbolisierte. Auch die Namen, die Gott als Sieben = Fülle bezeichnen, kommen hier in Betracht1. sav„sich besiebnen" = schwören bedeutet eigentlich: alle Mächte des Himmels und der Erde zu Zeugen anrufen. Vgl. dazu Jes. 1, 2; Dt. 32, 1; 4, 26; 31, 28; Ps. 50, 42. Jahwe der Gott der Scharen im allgemeinsten Sinne ist deshalb eine gerade der ältesten Zeit wohl entsprechende Ausdrucksweise.

3. Ēl 'Eljön. „Der Höchste" gibs ist eine naheliegende Bezeichnung der Gottheit, die durch den häufigen Gebrauch der späteren Zeit vielfach zum Eigennamen Gottes geworden ist ("Yyiotos, Altissimus, der Höchste) 3. Im A. T. erscheint der Name haupt

Hehn, Siebenzahl 3) Über den babyl. Anu, der eigentl. auch den Hohen oder den Höchsten bezeichnet, s. am Schluß dieses Absatzes.

*) S. oben 176 ff.

sächlich in poetisch gehobener Rede, so Num. 24, 16; Dt. 32 8, an zahlreichen Psalmenstellen und besonders in den jüngeren Schriften 1.

Spezielle Beachtung beansprucht Gen. 14, 18-22, die Perikope von Malkisedeq. Dieser, der König von Salem = Jerusalem, wird als Priester des 77933 bx bezeichnet und ruft den Segen „Ēl ‘Eljons, des Schöpfers des Himmels und der Erde" auf Abraham herab. Er preist Ēl ‘Eljön, daß er Abrahams Feinde in dessen Hand gegeben hat. Abraham hin wiederum erhebt seine Hand zu Jahwe?, „ēl 'eljön, dem Schöpfer des Himmels und der Erde“. „Schöpfer des Himmels und der Erde" erscheint hier als formelhaftes Beiwort dieses Namens.

Die Vermutung G. Westphals 3, der in 1933 wie in 1938 Gen. 16, 13, 70 71779 Ex. 17, 15, 39 3x Gen. 21, 33 einen auf Jahwe übertragenen altkanaanäischen Gottesnamen sehen möchte, scheint mir nicht der geeignete Weg zur Erklärung zu sein. Bei aller Wertschätzung geschichtlicher Zeugnisse bleibt auch Philo Byblius, der einen Gott Ελιουν καλούμενος Υψιστος kennt 4, eine sehr schwache Stütze für die Annahme eines kanaanäischen Gottes dieses Namens. Auch für Phönizien möchte ich seiner Nachricht, obwohl selbst Schürer darauf den Kult des Zeus Öylotos daselbst zurückführt", kein großes Gewicht beilegen.

Daß in 'Eljön eine besondere Gottheit steckt, „vermutlich ein Baal, der im Himmel wohnend gedacht wurde", der von den Israeliten „zur Bezeichnung der höchsten Rangstufe Jahwes als Herr über alle Götterwesen aufgenommen wurde" 6, scheint mir dem Ursprung und der Bedeutung des Namens nicht gerecht zu werden. Dieser geht zu weit über die von Westphal vorausgesetzte Stufe religiöser Vorstellungen hinaus.

Der Name soll vielmehr, wie es scheint, bei solchen, die nicht direkt als Jahweverehrer bezeichnet werden können, eine dem biblischen Monotheismus möglichst nahe Stufe der Gotteserkenntnis bezeichnen. Wir haben gefunden, daß in elohīm

.zu lesen עָיִים

-) 2 Sam. 22, 14 = Ps. 18, 14. i Kön. 9, 8; 2 Chr. 7, 21 ist dafür

. 2) Jahwe fehlt GAL und im Syr. 3) Jahwes Wohnstätten 261. 4) Eusebius, Praep. evang. I, 10; Müller, Frag. hist. gr. III, 566 s. 5) SBA 1897, 214 Anm. 1. ®) Westphal, a. a. O. 261.

die Zusammenfassung des Pantheons zu einer höheren Einheit, in Jahwe „der Gegenwärtige, Daseiende" die möglichste Loslösung der Gottesidee von den konkreten Naturerscheinungen, in Jahwe Șebāõth dessen Herrschaft über die irdischen und himmlischen Wesen ausgesprochen ist - auch by als „der Höchste“ wird am besten verständlich, wenn es in diese Gedankenreihe eingefügt wird. Der „höchste Gott“ zeigt nicht die Tendenz einer Zusammenfassung der Gottheit zur Einheit, äußert sich nicht über das Herrschaftsgebiet derselben, sagt auch nichts davon, ob sich die Gottheit in einer konkreten Naturerscheinung manifestiert oder nicht, sondern gibt bloß ganz allgemein und unbestimmt an, daß dieser Gott die oberste Rangstufe einnimmt. Der Ausdruck bedeutet ungefähr dasselbe wie das babylonische ilum ša ilāni oder das alttestamentliche ox x ,,Gott der Götter". Daß Malkisedeq als Verehrer dieses Gottes dargestellt wird, hat wohl seinen besonderen Grund: er sollte einerseits kein Götzendiener, anderseits konnte er auch kein Verehrer des Gottes Abrahams sein. Infolgedessen ist die von ihm verehrte Gottheit so bezeichnet, daß sie eine Art Zwischenstufe zwischen Judentum und Heidentum einnimmt. Der Name ēl eljön konnte für einen über die anderen Götter hinausgehobenen heidnischen Gott, aber auch für Jahwe ohne Anstoß gebraucht werden.

Die eigentümliche Vermittlungsrolle, in der der Name Gen. 14, 18—22 erscheint, hat ihr Pendant in der späteren Zeit, als das Heidentum vom Judentum nach der Richtung des Monotheismus hin stellenweise beeinflußt wurde.

Die sich dem Judentum in freier Form ohne Annahme des Gesetzes anschließenden Proselyten werden gesó quevou (φοβούμενοι) θεόν und σεβόμενοι (θεόν) ύψιστον genannt. Es gibt nun Inschriften", die dem Apòs úyiotos (=;733 3x) ravtozoátwo (= mx) súlóyntos (= 713) geweiht sind; während diese Epitheta jüdischen Ursprungs sind, werden auf diesen Inschriften auch Zeús, I ñ und "Hhos angerufen, sodaß hier „eine eigentümliche Mischung spezifisch jüdischer religiöser Begriffe mit ebenso spezifisch heidnischen“ vorliegta.

1) Schürer, SBA 1897, 204 ff.

2) Schürer, a. a. O. 206.

Es ist ferner zu beachten, daß in den griechischen Inschriften aus der römischen Kaiserzeit, wenn auch nicht gerade sehr häufig, ein Ζεύς ύψιστος, ein "Υψιστος und ein Θεός ύψιστος erwähnt werden. Eine allerdings erst aus d. J. 370 n. Chr. stammende Inschrift ist „Attis, dem Höchsten, Allumfassenden" 2 gewidmet. Cumont wirft im Zusammenhange damit die Frage auf, ob vielleicht der hebräische Monotheismus die Mysterien der großen Mutter irgendwie beeinflußt habe“3. Schürer 4 weist auf den auch von uns bereits charakterisierten Zug zum Monotheismus in der griechisch-römischen Welt, der namentlich durch den Einfluß der orientalischen Religionen gefördert wurde, als Erklärungsgrund dafür hin, daß „der individuelle Ζεύς ύψιστος Zum farblosen θεός ύψιστος verallgemeinert wird". Jedenfalls ist der Name Gylotos ein Bindeglied zwischen Judentum und Heidentum.

Interessant erscheint im Zusammenhang damit die Tatsache, daß gerade die späteren Bücher des A. T. Gott mit Vorliebe als ύψιστος, ο ύψιστος, ο θεός ο ύψιστος, θεός ύψιστος, κύριος ο ύψιστος (I Esra 2, 3 nach LΧΧ), κύριος ύψιστος bezeichnen. Charakteristisch ist diese Ausdrucksweise bei Jesus Sirach, auf den weitaus die meisten Stellen entfallen, nicht selten ist sie sodann in den Psalmen und verhältnismäßig häufig bei Daniel. Gott wird mit diesem Namen als der höchste Herr der Welt gekennzeichnet, und zweifellos darf „der Höchste" an vielen Stellen als Ausdruck besonderer Ehrfurcht vor Gott aufgefaßt werden. Der Name hat nicht den national-israelitischen Beigeschmack und lag deshalb denen besonders, denen die nationale Gottesidee fremd war, die in der Diaspora wohnend eine universalistische, philosophisch orientierte Gottesvorstellung hatten. In vielen Fällen ist der Name öylotos gewählt mit Rücksicht auf das Heidentum, dem der spezifisch israelitische Name Jahwe unverständlich gewesen wäre, dem aber unter diesem Namen der Gott Israels als überlegen an Macht und

1) Die Stellen bei Schürer, a. a. O. 209–13.
2) "Atrei úyloro ovvézovti to nāv, vgl. Cumont, Or. Rel. 75f.
3) A. a. O. 4) A. a. O. 214.

Rang dargestellt wurde, ohne daß die Existenz der heidnischen Götter sofort hätte geleugnet werden müssen. So werden (1 Esra 2, 3 = 3 Esra Vulg.) dem Cyrus die Worte in den Mund gelegt: ,,Mich hat der Herr Israels, der höchste Herr, zum König der Welt gemacht". Darius ordnet nach i Esra 6, 31 an, daß „dem höchsten Gott für den König und seine Söhne Opfer dargebracht werden", Artaxerxes nennt Esra nach 8, 19 „Priester und Vorleser des Gesetzes des höchsten Gottes". Vgl. auch 8, 21. Im Schreiben des Artaxerxes Esth. 8, 13 werden die Juden ,,Söhne des höchsten, größten, lebendigen Gottes“ (toŨ üyíotov usyiotov Fővros GEOū) genannt. Dan. 3, 26 redet Nebukadnezar die drei Jünglinge im Feuerofen als „Diener des höchsten Gottes" an, nach 3, 32 will er die Zeichen und Wunder bekannt machen, die der höchste Gott“ an ihm getan hat. Wenn das Heidentum da, wo es den Namen gebraucht, vielfach unter dem Einfluß des Judentums steht, so läßt sich anderseits nicht leugnen, daß auch das Judentum dem Heidentum mancherorts einen starken Schritt entgegengekommen ist. Der Name vylotos leugnet die heidnischen Götter nicht, sondern erhebt nur einen Gott über diese; er ist demgemäß etwas viel Allgemeineres und Unbestimmteres als der Volksgott Jahwe.

Der "Yylotos hat im Himmel seinen Sitz. Jes. 14, 13 f. wird dem König von Babel vorgehalten, daß er in seinem Herzen gesprochen habe: „Zum Himmel will ich emporsteigen, über den Sternen Gottes will ich meinen Thron aufrichten

über Wolkenhöhen will ich emporsteigen, dem Höchsten ( ůyioro) mich gleichstellen". Der Himmel ist die Wohnung und Repräsentation des höchsten Gottes. Daher steht ,,die Höhe“ το ύψιστον, τα ύψιστα fiür den Himmel und für Gott; Job 16, 20 (19) ist tà úylota parallel „Himmel“; 25, 2; 31, 2; Ps. 73 (LXX 72), 11 isso εν υψίστω kann sowohl „bei dem Höchsten" als in der Höhe" gedeutet werden, aus dem Parallelismus aber ergibt sich, daß gemeint ist: bei Gott. Sap. 9, 17; Jes. Sir. 26, 16: die Sonne geht auf šv ůyiotois κυρίου; die Sterne sind ein strahlender Schmuck εν υψίστοις xvgiov. Dan. 2, 18 f. hat das Aramäische und Griechische „Gott des Himmels", allein daneben existiert auch die LXX-Lesart

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