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vielen Tempelnamen auch schon der ältesten Zeit. Vgl. z. B. Gud. Cyl. A 11,1; 21, 19ff.; 22, 9f.; 24, 15 ff.; 25, 12 usw. In dem Ištarpsalm S 954 Rs. 18 heißt die Göttin „Herrin des Himmelshauses“, Z. 21: „Herrin des Berges des Alls“ (Harsagkalamma), Z. 22: „Herrin der Hürde des Alls“ (Eturkalamma).

Besonders bedeutungsvoll aber ist, daß der Gott des Westlandes MAR.TU – Amurru häufig KUR.GAL „der große Berg“ geschrieben wird?. Eine Reihe von Eigennamen besonders aus der Kassiden- und aus der neubabylonischen Zeit ist mit diesem Gottesnamen gebildet?. Öfter kommt auch der Name KUR vor, das wohl nur Verkürzung von KUR.GAL ist 3. Amurru ist der eigentliche Name, KUR.GAL der Beiname des Gottes. Der Name ist also mehr Appellativum als Eigenname; der große Berg d. i. der große Herr. Das wir damit dieses KUR.GAL richtig interpretieren, ersieht man aus Eigennamen wie Marduk-šadū-niši-šu „Marduk ist der Herr (eigentl. „Berg“) seines Volkes“ (BE XV, 29); ebenso Ninib-šadūni „N. ist unser Herr“ (BE XV, 38). So ist darum „der große Berg“ sicher, auch wenn Amurru damit bezeichnet wird, aufzufassen.

Damit aber ist das Verständnis des alttestamentlichen u erschlossen. Es ist ein ähnlicher allgemeiner Name wie 77933 und bezeichnet den Gott als den Höchsten, den Herrn der Seinigen. Die Vokalisation des hebräischen e

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darf natürlich nicht gegen die Kombination von 7w mit šadū ins Feld geführt werden. Dem assyrischen šadū Berg“ entspricht im Hebräischen tip „Feld“; der Wechsel vou iv und u bietet angesichts der kanaanäischen Glosse šatē in den Amarnabriefen keine Schwierigkeit. Die Verdoppelung des zweiten Radikals 7 ist jedenfalls nicht ursprünglich. Sie verdankt ihren Ursprung entweder falscher Etymologie (770) oder der Tendenz, den Namen schärfer von zu unterscheiden. In der alten Schrift war der dritte Radikal wohl gar nicht ausgedrückt. Es ist wohl möglich, daß der Name ursprünglichen oder wahrscheinlicher nach der Analogie von lautete?.

Die Bedeutung „Berg“ = „Höchster“, „Herr“ empfiehlt sich auch im Hinblick auf den parallelen Namen -13 „Fels“ für „Hort“2. Beide werden sogar in Eigennamen kombiniert 1704478 ,,mein Fels ist Saddaj“; man wird am besten übersetzen: „mein Hort ist der Höchste“ oder „der Herr“3. Den Gottesnamen 778 wird wohl auch der Name des Vaters des nordsyrischen Fürsten Panammu aus der Zeit Tiglatpilesars IV. 1393 (Pan.-Inschr. 1. 3. 15. 20) enthalten.

Übrigens wird Jahwe auch als j-x ,,Stein"=„Fels“ Gen.49, 244 und so „Fels“ Ps. 18, 3; 31, 4 etc. seines Volkes bezeichnet 5.

1) Vgl. die verschiedenen Gottesnamen mit Suff. d. 1. P. nya, Magvás (Nöldeke, MBA 1880, 775 Anm. 1), im Ass.-Babyl. šarratēa „meine Königin“ für Ištar. – Bei der Vokalisation and tritt auch die Jes. 13, 6 vorausgesetzte Alliteration deutlich hervor, zumal wenn man sådaj sprach.

2) Daß der Gottesname 773, wie Winckler, ZDMG LIV, 418 Anm. I meint, „wahrscheinlich nicht mit 773 „Fels“, sondern mit 77773 „Bild“ zusammengehört und gleichbedeutend mit der solaren Gottheit osx ist“ (s. oben S. 130), halte ich für ausgeschlossen. Wie tief der Name myy „Fels, Hort“ in der alttestamentlichen Denkweise wurzelt, erkennt man, wenn man nur die Psalmen einmal durchliest. In dem sog. Liede des Moses Dt. 32 wird Jahwe nicht weniger als 6 mal der „Fels“ seines Volkes genannt.

3) Wenn die mit "70 zusammengesetzten Eigennamen jüngere künstliche Bildungen sind, was mir nicht wahrscheinlich ist, so hat das auf das Alter des Namens " selbst keinen Einfluß. Vgl. Gray, Hebrew proper names 196 ff.

+) Der Text ist allerdings nicht sicher.
5) Vgl. Nestle, Eigennamen 48.

Wenn der Name 77 von P als Charakteristikum der Patriarchenzeit hingestellt wird, so ist aus dem Inhalt des Namens ein sicheres Argument gegen diese Überlieferung nicht zu gewinnen, er scheint vielmehr in der Tat als altes Erbgut ins A. T. gelangt und später unverstanden darin mitgeführt worden zu sein. Die Beziehung zu KUR.GAL „dem großen Berge“ spricht entschieden für hohes Alter. Es ist ja nicht zu verwundern, wenn der spezielle Sinn des Namens der israelitischen Überlieferung alsbald verloren ging und man nur noch ganz allgemeine Deutungen des Namens kannte, wie sich aus der LXX-Übersetzung klar ergibt, da im Hebräischen ngin und wie „Feld“ heißt, während das Wort für „Berg“ mo lautet. Es ist schwerlich anzunehmen, daß der Gottesname schon bei der Scheidung des Ursemitischen in seine verschiedenen Abzweigungen mit nach Kanaan gewandert sei, er ist wohl vielmehr später aus dem Euphratlande nach Kanaan übertragen. Wenn Abraham, wie es nach der alttestamentlichen Erzählung scheint, den Namen aus Babylonien mitgebracht hat, so würde das mit dem keilinschriftlichen Befunde nicht in Widerspruch stehen. Jedenfalls ist Ēl Saddaj im A. T. eine Versteinerung aus der Zeit, da die babylonische Kultur das Westland beherrschte. Der plastische Ausdruck „Berg“ für „Höchster“, „Herr“ entspricht ohne Zweifel einer uralten in Babylonien wie im Westlande vielfach vorhandenen Vorstellung von der Gottheit. Die mit 72 zusammengesetzten alttestamentlichen Namen gehören zwar alle dem Priesterkodex an, sind aber offenbar alt, schon deshalb, weil sie sonst nicht im Gebrauch sind 1. Daß 70 nicht der gewöhnlichen Sprache, sondern der archaisierenden und poetischen (besonders Job) angehört, erklärt sich aus diesem Ursprung und dieser Bedeutung des Namens ebenfalls aufs Einfachste. Auch das babylonische šadū ist poetisch.

Vielleicht darf auch daran erinnert werden, daß sich die Gottheit mit Vorliebe auf Bergen offenbart und auf Bergen verehrt wird. Der Höhenkult mag dadurch auch in eine neue Beleuchtung treten. Man vergleiche nur das babylonische

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Wort für Tempel e-kur mit den kanaanäischen Naturtempeln, den Höhen, auf denen der Gott verehrt wurde. Auch Jahwe hat seinen ältesten Sitz auf dem Berge Sinai und sein Tempel steht auf einem Berge. Noch im Buche Daniel wird das Reich des Messias einem Steinchen verglichen, das sich vom Berge loslöst und zum welterfüllenden Berge wird – das Symbol der universellen Herrschaft des Messias.

Auf die sonstigen Benennungen Jahwes wie 3xpira no „der Starke Israels“, bet up „der Heilige Israels“ u. ä., die nicht die programmatische Bedeutung der besprochenen Namen haben, die auch gar nicht eigentliche Eigennamen geworden und ihrer Bedeutung nach durchsichtig sind, werden wir gelegentlich im Zusammenhang zurückkommen.

VI. Kapitel.
Die Grundzüge der israelitischen Religion

gegenüber der babylonischen.

1. Der national-geschichtliche Charakter der israelitischen Religion als Grundlage der israelitischen

Gottesidee. Wir haben gesehen, daß sich die babylonischen Götter dem Menschenauge in den Naturerscheinungen darstellen: Es sind die in der Natur wirkenden, persönlich gedachten Kräfte. Es gibt darum keinen Zweifel an ihrer Existenz und keine scharf und dauernd durchzuführende individuelle Scheidung der einzelnen Göttergestalten, die vielmehr leicht in einander übergehen. Die Götter gehören nicht einem Volke speziell an, sie sind nicht ausschließlich national, sondern haben als kosmische Kategorien allgemeine Geltung. Die Namen wechseln, das zugrunde liegende Wesen aber ist bei den vorderasiatischen Religionen das gleiche. Die Götter vertragen sich aufs beste neben einander. Keiner konnte sich zur absoluten Alleinberechtigung erschwingen, weil im Grunde einer soviel Daseinsrecht hatte wie der andere: Trotz der Erhebung einzelner Götter über die anderen denkt doch niemand daran, einem Gotte ausschließliche Verehrung und Daseinsberechtigung zu vindizieren. Diese Frage konnte in Babel, wo alle Lebensformen vergöttlicht wurden, gar nicht gestellt werden. Einen eigentlichen Abfall von den Göttern gibt es nicht.

Bei der israelitischen Religion scheiden kosmologische Betrachtungen und philosophische Reflexionen aus. Daraus ergeben sich die grundlegenden Unterschiede zwischen Babel und Israel. Der Gott Israels ist eine feststehende, von jeder andern scharf zu unterscheidende Persönlichkeit, die sich im Laufe der Geschichte offenbart.

Die Religion ist nach dem A. T. fortschreitende Offenbarung dieses bestimmten Gottes. Der Gott Israels wählt sich gewisse Persönlichkeiten und ein bestimmtes Volk aus, uin sich diesen in Reden und Erscheinungen als Helfer kundzutun. Auf diesen Offenbarungen Gottes, die von Generation zu Generation überliefert werden und den Späteren die Kunde von den göttlichen Absichten vermitteln, basiert die ganze israelitische Religion. Die babylonische Religion ist Weltanschauung, Naturbeobachtung, Wissenschaft, Gegenwartsreligion, die israelitische dagegen Offenbarung einer bestimmten Gottheit im Laufe der Geschichte. Jahwe hat sich in der Vergangenheit den Stammvätern als hilfreicher Gott erwiesen, darum wurde er von ihnen verehrt.

Sehr charakteristisch ist das Gelübde Jakobs Gen. 28, 20 ff.: „Wenn Gott mit mir ist und mich behütet auf diesem Wege . . . . ., so soll mir Jahwe Gott sein und dieser Stein .... ein Gotteshaus werden, und alles, was du mir geben wirst, will ich getreulich verzehnten.“ Hos. 12, 5 wird gesagt, daß Jakob den Engel Jahwes in Bēth-ēl fand. Zu diesem charakteristischen Ausdruck 1, Gott „finden“ vgl. Dt. 4, 29; Ps. 32, 6. Man ,findet“ Gott, indem sich dieser offenbart und hilfreich erweist. Die Existenzfrage wird auch hier nicht aufgeworfen, es handelt

2) Vgl. oben 217.

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