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(oder ilí) 1 = „Ea ist das Bild der Götter" sind diese nach seinem Vorbilde geschaffen.

Ea ist der Schöpfer des klugen Urmenschen Adapa und wird als „der Herr der Menschheit, dessen Hände die Menschheit schufen"?, gepriesen. In der uns vorliegenden keilinschriftlichen Rezension von Enuma eliš ist der „allweise“ Ea auch an der Weltschöpfung, wenn auch nur in sekundärer Weise beteiligt: Nach der Empörung Tiāmats wird durch ihn Apsū und Mummu überwunden, der endgiltige Sieg über Tiāmat aber fällt Marduk zu. Damit ist gesagt, daß der jugendliche Held Marduk einen guten Teil seiner Rolle von seinem Vater Ea übernommen hat, der jedenfalls ursprünglich der Überwinder des Chaos und der Bildner des Kosmos war.

Unter den rühmenden Beinamen Ea's 3 ist hervorzuheben En-an-kit und Am-ma-an-ki5 = Ea ša šamē usirşitim] Ea als Herr Himmels und der Erde". Aber niemand denkt daran, ihn zum alleinigen Herrn Himmels und der Erde zu erheben. Er wird auch abi ilāni ,,Vater der Götter" genannt, ein Eigenname aus der Kassitenzeit: il Ēa-bēl-ilāni? erhebt ihn gar zum ,,Herrn der Götter", ohne das natürlich ein absoluter Vorrang Ea's daraus zu erschließen wäre.

Ea, der alles schaffende und bildende Gott, verkörpert ursprünglich die Leben erzeugende Kraft des Wassers und stellt eine höchst bedeutsame Seite der babylonischen Gottesidee dar. Ihm ist die schöpferische Tätigkeit von Natur aus eigen. Wenn er später nicht stärker hervortrat, so ist der Grund dafür darin zu suchen, daß er von seinem Sohne Marduk abgelöst wurde, dem er nach dem Weltschöpfungsepos (Taf. VII, 119 ff.) seine Vollmachten und sogar seinen Namen d. h.

1) Nebuk. 68, 8; Cyr. 177, 18; Dar. 400, 15. Auf die Bedeutung des Sing. und Plur. in beiden Namen werden wir später zurückkommen.

2) Šurpū IV, 70: bēl tenišēti, ša qātāšu ibnā amēlūtu.

3) Ea's zahlreiche Namen sind zusammengestellt in den Götterlisten CT XXIV, 14, 17 ff. (= II R 55, 17 c d ff.); CT XXV, 33, 6 ff.; pl. 43 K 4210; pl. 48 (= II R 58, 50 a-c ff.).

4) CT XXIV, 14, 18; Maqlū I, 124 (IV R 49, 36 b); IV R 57, 33 (King, Magic 12, 33).

b) CT XXV, 48, 2. 6) IV R 57 Rs. 18. 1) BE XV, 30.

sein Wesen übertrug. Wenn aber der Glanz Marduk's das Bild seines Vaters auch verdunkelt, so lebt Ea doch in Marduk fort und partizipiert an dessen Bedeutung.

d) Sin, der Mondgott. Daß eine astrale Gottheit ausschließliche Geltung erlangt, ist nicht wohl zu erwarten, weil sie sich in einer konkreten Gestalt manifestiert, neben der die zahlreichen anderen Himmelskörper gleichfalls als göttliche Wesen erscheinen müssen. Anderseits macht die herrliche Erscheinung der Himmelskörper und ihre augenfälligen und tiefgreifenden Wirkungen auf das irdische Leben einen unmittelbareren Eindruck auf den Menschen als die ihrem Wesen nach umfassenderen, aber mehr kosmische Begriffe, weniger Individuen darstellenden Gottheiten Anu, Enlil und Ea. In der Verehrung der Gestirne wird darum die babylonische Religion erst lebendig und findet die Motive zur höchsten religiösen Begeisterung. Der Gestirnkult hat für die religiöse Betätigung in Babel so zentrale Bedeutung, daß man diese selbst gerade vom praktischen Standpunkte aus eine Gestirnreligion nennen kann 1.

Die Städte des Mondkultes Ur und Harran haben in der uns bekannten Zeit meist keine beherrschende Rolle gespielt. Nur unter Ur-engur und Dungi wird Ur zeitweise die Hauptstadt von Babylonien, und Nannar?, wie der Mondgott in Ur genannt wurde, Reichsgott 3.

Die Stellen, die Nannar als ,,das starke Kalb des Himmels" (oder Anu's) und Enlil's, dessen vornehmster Sohn Nannar auch genannt wird, bezeichnen, wurden bereits angeführt 4. Gungunu, König von Larsa und Ur, erbaut ,,Babbar 5, dem Sproß Nannar's, dem Kinde des e-kiš-nu-gal, den Ningal geboren“ 6 einen präch

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1) Vgl. oben 5.

2) Ideogr. il Šeš-ki. Zur Deutung s. S. 4 Anm. 1. Der gewöhnliche Name des Mondgottes ist En-zu, der semitische Sin mit dem Ideogr. XXX findet sich nicht vor der ersten Dynastie von Babel. Vgl. Et. Combe, Histoire du culte de Sin iss. Sin ist möglicher Weise das semitisierte Enzu.

3) E. Meyer, GA I, 2 (2. Aufl.) 495. 4) Oben 24 Anm. 9 u. 10.
5) Sumerischer Name für den Sonnengott.
6) Tonnagel 1, i ff. (Th.-D. 206 f.).

tigen Tempel, Gudea erwähnt Enzu nach Anu, Enlil, Ninharsag und Enki als den Gott, „dessen Namen niemand erklärt“ 1.

Hammurapi ist von Sin geschaffen?, dieser ist, „der Herr des Himmels, der Gott, mein Schöpfer, dessen Glanz unter den Göttern erstrahlt“ 3. Als Herr der Krone bekleidet er mit königlicher Macht, aber er entreißt auch den Thron und die Tiara dem Unwürdigen 4. Samsu-iluna erbaut für Sin, „seinen Erzeuger“5 die Festung Dūr-lagaba und erlangt von den Göttern Leben, das „sich wie der Mondgott monatlich erneuert“ 6.

Das Enzu-Sin von den ältesten Zeiten an ein Hauptgott des sumerisch-babylonischen Pantheons war, bezeugen auch die Personennamen zu den verschiedensten Zeiten", allein wir ersehen aus den angeführten Attributen auch, daß bei ihm von einer einzigartigen Stellung über dem Pantheon keine Rede sein kann. So ist das auch später.

Wenn er nun an anderen Stellen als der höchste Gott, ja als die Universalgottheit gefeiert wird, so darf man aus diesen überschwänglichen Ergüssen nicht ohne weiteres lehrhafte Sätze herausdeuten. Den Gott, an den man sich wendet, muß man ja möglichst erheben, um ihn günstig zu stimmen. So ist wohl auch der berühmte an Nannar gerichtete zweisprachige Hymnus aus Ur8 zu verstehen, der isoliert betrachtet auf den Monarchianismus Sin's im Götterhimmel schließen ließe 9,

Der Hymnus beginnt: Herr, Herrscher der Götter, der im Himmel und auf Erden allein

erhaben ist!

1) Stat. B 8, 48 (Th.-D. 74 f.). 2) Cod. Vs. II, 14f.
3) Cod. Rs. XXVII, 41 ff. Zu šērtu „Glanz“ vgl. Ungnad, Hammu-

rabi 174.

4) Cod. Rs. XXVII, 45 f.; Brit. Mus. 90842 1,6—8 (King, Letters III, 172); Combe, Sin 29.

5) Bauinschr. II, 48–50 (King, Letters III, 201 f.).
6) Bauinschr. IV, 89-92 (King, Letters III, 204).

7) Vgl. Huber, PN 19 unter Enzu und Nannar, ferner 169; Ranke, PN 35. 207.

8) IV R 9. Der Hymnus wurde mehrfach übersetzt. Vgl. Perry, Hymnen und Gebete an Sin i ff., Literatur das. 7; Combe, Sin 94 ss.

9) A. Jeremias, Monoth. Strömungen 20f.; Baentsch, Monoth. 8f.

Vater, Nannar, Herr, (Gott) Anšar Herrscher der Götter, (der im

Himmel usw.) Vater, Nannar, großer (Gott) Anu Herrscher der Götter, (der im

Himmel usw.) Bis Z. 19 folgen mit „Vater, Nannar“ anhebende Lobpreisungen, die den Gott als Enzu-Sin, als Herrn von Ur, als Herrn seines Tempels Ēgišširgal, als Herrn der Königsmütze (13/14), als vollkommenen Besitzer der Herrschaft, als den Gott, „der in hehrem Gewande einherschreitet", feiern, wobei in jeder Zeile der Refrain „Herr der Götter, der im Himmel und auf Erden allein erhaben ist“, wiederholt wird.

Den Namen Anšar = „oberes All", der hier Sin beigelegt wird, haben wir bereits in Enuma eliš sowie unter den Erscheinungsformen Anu's gefunden". Ebenso ist Anu hier natürlich soviel als höchster Gott, Inhaber der Gottheit im höchsten Sinne. Dieselbe Benennung Sin's finden wir an einer anderen Stelle, wo Sin angeredet wird: „O Anu des Himmels, dessen Ratschluß niem[and] erlernt“. Anu und Anšar werden durch diese Erhebung Sin's zu ihrer Höhe weder in ihrer Existenz noch in ihrer Würde beeinträchtigt, sondern es soll gesagt werden: du stehst so hoch wie Anu und Ansary. Combe findet es unerklärlich, daß Sin auch dem Gotte Nudimmud-Ea gleichgesetzt werde. Allein an den von ihm zitierten Stellen 5 ist, wie schon aus der Übersetzung von Perry ersichtlich ist, von einer Gleichsetzung der Götter gar nicht die Rede, vielmehr ist gesagt, daß die Mondsichel, die einer am Himmel dahinfahrenden Barke verglichen wird, von Nudimmud, dem Künstler unter den Göttern, schön hergestellt sei.

1) Oben if. 20.
2) K 155,9 (King, Magic Nr. 1; Perry Nr. 2; Combe Nr. 2).

3) B. Baentsch, Monoth. 23 sucht nach A. Jeremias die Bezeichnung des Mondgottes als Anu aus dessen Stellung im Nordpunkte der Ekliptik, die sein eigentlicher Thron- und Herrscherpunkt sein soll, zu erklären: „Als Inhaber dieses Nordpunktes konnte er aber sehr wohl als Widerspiegelung des Anu bezeichnet und geradezu mit ihm identifiziert werden.“ Diese Erklärung entbehrt jedoch der inschriftlichen Grundlage. Ebenso verhält es sich mit der analogen Deutung bei anderen Göttern. 4) Sin 39.

5) p. 39 n. 8.

In dem oben genannten Hymnus von Z. 20 ab wird Nannar als die alles Leben schaffende Gottheit gepriesen. Er ist „ein kräftiger junger Stier mit starken Hörnern, vollkommenen Gliedmaßen, lasurfarbenem Barte voller üppigkeit und Fülle". Er trägt das Leben in sich selbst als „die Frucht, die aus sich selbst erzeugt wird, von voll entwickelter Gestalt, herrlich anzuschauen, an deren Fülle man sich sättigen kann". Er ist der alles gebärende Mutterleib, der bei den lebenden Wesen einen glänzenden Wohnsitz aufschlägt", ,,der barmherzige, gnädige Vater, in dessen Hand das Leben des ganzen Landes gehalten wird“. „Er hat das Land geschaffen, die Tempel gegründet, sie mit Namen benannt“, er ist „der Vater, Erzeuger der Götter und Menschen, der Wohnsitze aufsc gen ließ, Opfer einsetzte. Er beruft zum Königtum, verleiht das Zepter, bestimmt das Schicksal auf ferne Tage hinaus". Die folgende Strophe nennt ihn ,,den Herrn, der die Entscheidung für Himmel und Erde fällt, dessen Befehl niemand ändert". Er „hält Feuer und Wasser, leitet die Lebewesen“. Bei dieser Schöpfer- und Herrscherstellung Sin's kann der Dichter fragen: „Welcher Gott käme dir gleich"? Er antwortet nicht bloß „keiner“, sondern geht zum Schluß soweit für Sin ausschließliche Erhabenheit im Himmel und auf Erden in Anspruch zu nehmen:

Im Himmel, wer ist erhaben? Du, du allein bist erhaben,
Auf Erden, wer ist erhaben? Du, du allein bist erhaben!

Die vierte Strophe ist deshalb besonders bedeutsam, weil
sie das ehrfurchtgebietende, unergründliche, allmächtige Wort
Sin's preist:
Dein, dein Wort, wenn es im Himmel erschallt, werfen sich die

Igig auf ihr Antlitz nieder; Dein, dein Wort, wenn es auf Erden erschallt, küssen die Anunnak

den Boden. Dein, dein Wort, wenn es droben wie der Sturmwind dahinfährt,

läßt es Speise und Trank gedeihen; Dein, dein Wort, wenn es sich auf die Erde niederläßt, entsteht

das Grün. Dein, dein Wort macht Stall und Hürde fett, breitet aus die Lebe

wesen; Dein, dein Wort läßt Wahrheit und Gerechtigkeit entstehen, sodas

die Menschen die Wahrheit sprechen.

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