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Der mit Ninib nahe verwandte Nergal repräsentierte die Seuchen und Fieberkrankheiten erzeugende Sonnenglut, als Unterweltsgott ist er die im Totenreiche weilende Sonne. Er wird aber zugleich als lebenschaffende Macht gefeiert 1.

Girru 2 und Nusku, die beiden babylonischen Feuergottheiten, selbst einander so nahe verwandt, daß sich ein wesentlicher Unterschied zwischen ihnen nicht auffinden läßt, stehen ihrer Natur nach in naher Beziehung zum Licht- und Wärmezentrum der Welt. Sie werden zwar nicht direkt als Sonnengötter genannt, aber wenn der Monat Ab als der „Monat des Herabkommens des Bilgi"3 bezeichnet wird, so ist klar ersichtlich, daß sich der Feuergott in der Sonnenglut auswirkt.

Die mannigfachen Formen und Wirkungen des Feuers sind wohl der Grund, warum Nusku gleichzeitig Sohn Anu's, Enlil's und Ea's heißt4. Die enge Verbindung der Sonne und des Feuers legte insbesondere die Gleichartigkeit ihrer Wirksamkeit nahe; auch die physischen Wirkungen des Feuers werden, ähnlich wie bei der Sonne, Symbol der ethischen Eigenschaften des Feuergottes. Dieser schafft Ordnung in den von den Dämonen angerichteten Verwirrungen und Störungen. Er erscheint an zahlreichen Stellen der Beschwörungsliteratur, insbesondere der Serie Maqlū in Verbindung mit anderen Licht

1) J. Böllenrücher, Gebete und Hymnen an Nergal 4. Das Nähere unter Nergal.

2) Sumerisch Bil-gi, Giš-bar, semitisch Girru. Vgl. Jensen, KB VI 1,8 Anm. 2.

3) Cyl. Sarg. I R 36, 51. Der Monat Ab, der 5. babylonische Monat, entsprechend unserem August, wird im Babylonischen geschrieben NE.NE.GAR V R 29, 5a. NE ist das gewöhnliche Ideogramm für „Feuer“, NE.GAR ist nūru Licht (V R 29, 61 ef.; IV R 2, 42 a; DT 109 Vs. 15 vgl. BA V, 378). Auch daraus ist die Beziehung zwischen Sonnenglut und Feuergott ersichtlich.

4) Maqlū I, 121 ff. IV R 49, 35 b ff. Darauf, daß Nusku IV R 23, 2/3 als „Sohn des 30. Tages“ bezeichnet wird, lassen sich kaum Schlüsse bauen. Jensen, KB VI 1, 413, dem Zimmern, KAT: 416 folgt, wird deshalb kaum Recht haben, wenn er aus jener Stelle folgert, Nusku sei die Neumondsichel. Vgl. auch Jastrow, Religion 231 Anm. 4.

5) Maqlū II, 72: „Die Verwirrungen und Störungen bringst du in Ordnung“. Dasselbe wird von Šamaš und Marduk erbeten vgl

. Tallq., Maqlū 133 z. St.

gottheiten als der Überwinder der Finsternis und wird besonders gegen die bösen Dämonen und die mit ihnen verbündeten Hexen und Zauberer angerufen? Man darf also sagen, daß auch Girru-Nusku in gewissem Sinne mit Šamaš zu einer Einheit zusammenfließt, womit jedoch seine selbständige Existenz keineswegs berührt wird.

Auch die verschiedenen Ištarn als Vegetationsgöttinnen stehen naturgemäß in naher Beziehung zum Sonnenkult, ebenso die Tamūz-Gestalten und der Regen- und Gewittergott Adad, wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden. Selbst Ašur, der assyrische Nationalgott, wird auf den assyrischen Standarten im geflügelten Sonnenrade stehend dargestellt. Man darf sagen, daß dieses später geradezu Symbol für die Gottheit überhaupt war. So erscheint auch Ahuramazda unter diesem Symbol. Wie enge sich die Begriffe „Sonne“ und „Gott“ berührten, ersieht man aus der an den Pharao gerichteten Anrede „mein Gott, meine Sonne“ in den Eingängen der Amarna-Briefe. Auch der Plural kommt vor: „meine Götter und (meine] Sonnen"3. Der Name Šamaš wird geradezu appellativ gebraucht. Etakkama schreibt an den Pharao 4: „Es kam (Sing.!) deine Götter und dein Sonnengottó (ù il šamšu-ka) mir entgegen“. Diese Anrede mag nun allerdings zunächst der ägyptischen Anschauung, daß der König die Inkarnation des Sonnengottes sei, entsprechen, allein trotzdem ist nicht zu bezweifeln, dass die an den Pharao schreibenden Großen diese Ausdrucksweise im Einklang mit ihren eigenen Vorstellungen fanden. Auch im Sabäischen geht Sams „Sonne“ in die allgemeine Bedeutung „Göttin“ über, worüber später noch eingehender zu handeln sein wird.

Der ägyptische Sonnengott von Edfu 6 hat zwar seine eigene Form, aber auch er erscheint als geflügelte Scheibe und

1) Vgl. Tallquist, Maqlū bes. S. 28. 2) Das Nähere unter Ašur.

3) Knudtz. 281, 2: ilanu-ia ù il šamšē; 296, 2.7: ilāni-ia il šamšē-ia „meine Götter, meine Sonnen(götter)".

4) Knudtz. 189, Rs. 14f.

5) Auch Addu kommt appellativ vor, worauf wir noch zurückkommen.

6) A. Erman, Die ägyptische Religion, Berl. 1905, 10.

stimmt so im wesentlichen mit der in Vorderasien herrschenden Darstellung überein.

Daß die Vegetationsgottheiten sämtlich in engster Beziehung zum Sonnenkult stehen, liegt in der Natur der Sache. Der Mythus von Ištar's Höllenfahrt symbolisiert das Verschwinden der Vegetation und des geschlechtlichen Liebeslebens auf Erden; Šamaš ist es, der durch seine Tränen vor Sin und Ea die Zurückführung der Göttin der Fruchtbarkeit veranlaßt. Tamūz, eine gleichfalls in mannigfachen Formen auftretende Vegetationsgottheit, wird am Ende des Mythus erwähnt als „Buhle ihrer Jugend“, mit reinem Wasser gewaschen, mit gutem Öl gesalbt und mit einem Festkleide bekleidet; ein fröhliches Flötenspiel wird veranstaltet. Gilgameš wirft der Ištar · vor: „Tamūz, dem Buhlen deiner Jugend, Jahr für Jahr bestimmtest du Weinen“. In dem Götterverzeichnisse K 171 ? erscheint demgemäß Tamūz im Kreise des Šamaš, und zwar folgt auf Šamaš dessen Gemahlin A-a, seine Kinder Kettum und Mēšarum und darauf unmittelbar Dumu-zi (Tamūz) selbst. Dann verschiedene Göttinnen mit ihren alt- und neusumerischen Namensformen, die auch sonst mit ihm zusammen genannt werden: seine „Mutter“ Sirdu, neusumerisch Șirtur3, seine „Schwester“ Geštin oder Geštin-anna (neusum. Muti oder Mutianna) „der Weinstock“ oder „der himmlische Weinstock", assyrisch Bēlit-șēri ,,die Herrin der Steppe", deren Symbol der Pflug ist 4. Es folgt weiter Ištar (Ninni, Nin-girgilum, Gašan-anna 5, Gašangirbilum), deren Buhle Tamūz ist, und schließlich die Götterherrin Belit-ilē, die neusumerisch gleichfalls Ningirgilum, altsumerisch Gasan-Harsagkalama 6 und Gašan Ēturkalama? heißt.

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1) Gilg.-Epos VI, 46f. (KB VI 1, 168 f.).

2) II R 59, bearbeitet von Zimmern, Der babyl. Gott Tamūz, Abh. d. ph.-hist. Kl. d. K. sächs. Ges. d. W. Bd. XXVII (1909), 711, unter Hinzufügung eines wichtigen Stückes, dessen Kenntnis Zimmern einer Abschrift Jensens verdankt. Die näheren Erklärungen der Namen sind bereits von Zimmern beigefügt, worauf hier verwiesen werden muß.

3) Vgl. hierzu und zum Folgenden auch Zimmern, Tamūz 707.
4) Vgl. C. Frank in Hilprechts Anniversary Volume 164ff.
5) „Himmelsherrin“. ) „Herrin von Harsagkalama".
?) „Herrin von Ēturkalama.

Zimmern weist darauf hin, daß Tamūz in der Beschreibung des heiligen Baumes von Eridu mit Šamaš als Bewohner des daselbst befindlichen heiligen Hauses genannt wird1 und wohl als dessen Sohn gedacht ist. . Außerdem erinnert er daran, daß ihn Sin-iddinam auf einer Bauinschrift unmittelbar neben seinem Hauptgotte Babbar (Šamaš) anführt?.

Die mit Tamūz verwandten Vegetationsgötter Ningišzida, als dessen Sohn Tamūz ebenfalls gilt, und Ningirsu-Ninib sind zugleich Sonnengötter. Ningišzida ist nach Gud. Cyl. A 5, 19 f. ,,die Sonne, die sich von der Erde erhob: wie die Sonne geht er hervor aus der Erde“3.

Die Fahrten des il Giš, wie der Name Gišbilgameš = Gilgameš auf dem Fragment aus der Hammurapizeit geschrieben wird, hielt schon Rawlinson für einen Sonnenmythus *, eine Deutung, die bis heute trotz mancher Abweichungen im Einzelnen festgehalten wird. Auch Engidu", der Genosse des Gilgameš, den H. Schneider mit guten Gründen als ursprünglichen Doppelgänger desselben auffaßt, ist eine Personifikation der üppigen Vegetation und demnach als chthonische Gottheit zu betrachten, aber er trägt auch solare Züge an sich? Als Doppelgänger Engidu's hat wohl auch der Flurengott Gira zu gelten. Auch er wird als Sohn des Šamaš bezeichnet 9.

Es liegt in der Natur der Sache, daß sich der Kult der Vegetationsgottheiten an den Jahreslauf der Sonne anschloß, also im wesentlichen Sonnenkult war, auch wenn diese Gott

1) CT XVI, 46, 183ff. (= IV R 15*, 52 ff.), Zimmern, Tamūz 715.
2) Tonnagel A 2, 14 (Th.-D. 208 f.). 3) Th.-D. 94f.
4) Zimmern, KAT 3 580.

5) So ist wohl mit Ungnad, OLZ XIII, 306 f. der gewöhnlich Eabāni ausgesprochene Name zu lesen. Der Name kann, wie auch Ungnad annimmt, bedeuten: „Enki (Ea) ist Erzeuger“, vielleicht ist aber besser: „(Von) Enki erzeugt“, „Enki-Sohn“. Vgl. dazu den sumerischen Namen für Tamūz: Dumu-zi-abzu „der rechte (wahre) Sohn des Abgrundes“. Ea als der Herr des Abgrundes, aus dem die Wasser hervorquellen, ist der Vater der durch diese Wasser geweckten Vegetation.

6) Zwei Aufsätze zur Religionsgeschichte Vorderasiens (Leipzig 1909) 46. 63

7) H. Schneider, a. a. 0. 63, 8) Jensen, KB VI 1, 426.
9) CT XXIV, 32, 112 (Zimmern, Tamūz 715).

heiten selbst als Kinder der Erde galten. Die Einteilung des Gilgameš-Epos in zwölf Tafeln ist ohne Zweifel ebenfalls mit Rücksicht auf den Jahreslauf der Sonne durch den Tierkreis geschehen. Gerade aus der mannigfaltigen und einzigartigen Wirkung der Sonne auf das Leben der Erde erklärt sich ihre vielseitige Bedeutung in der Mythologie und im Kultus sowie die große Zahl der zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten entstandenen Göttergestalten, die mit der Sonne eine gewisse Einheit bilden.

f) Ištar. Auch die Göttin Ištar, die als Venusstern auf den bildlichen Darstellungen regelmäßig neben Sonne und Mond erscheint, zeigt die im babylonischen Götterwesen so vielfach sich findende Eigentümlichkeit, daß sie sich nach den verschiedenen Seiten ihres Wesens und nach ihren Kultstätten in eine Vielheit von Göttern zerlegt, unter der aber eine gewisse Einheit des Wesens deutlich durchblickt. In den alten sumerischen Inschriften treten mehrere Göttinnen mit besonderen Namen auf, die in der semitischen Zeit von Ištar absorbiert werden, deren Name' schon in der Hammurapizeit Appelativum

-Sondern auch den Namen des assyrischen National ,עשתרת ,אסתר und

1) Der Name wird verschieden erklärt. P. Haupt deutet ihn als „die Heilbringende“ JAOS XVIII (1907) 112—119. H. Zimmern (KAT: 420f.; 425, 1; 431) zieht die Ableitung von jo „versammeln“ vor und erklärt „der Musternde“, da ašāru wiederholt vom Mustern der Götter und speziell von dem Erscheinen derselben am Abendhimmel gebraucht wird. Ištar wäre also der seine Scharen musternde Abendstern. Von dem Stamm 70% „gnädig, gütig sein“ leitet Haupt nicht bloß wx, Ištar

, , gottes Ašur ab, der als ilu aširu, der gütige und gnädige Gott, zu erklären sei. Der Name wird ja auch wirklich Ašir geschrieben. Es ist höchst wahrscheinlich, daß man aus den Namen Ašur und Ištar das ašāru „Heil bringen“ heraushörte, allein damit ist nicht gesagt, daß dies die ursprüngliche Bedeutung des Namens ist. – Eine Etymologie des Namens aus dem Sumerischen bietet J. Theis im Memnon V (1911), 40f., die zu Ištar als ursprünglicher Vegetationsgottheit besonders gut paßt. Die Silbe iš ginge demnach auf giš „Baum“, „Holz“ zurück; derselbe Stamm liegt in il Giš, Gišbilgameš, Ningišzida vor. Die kanaanäische hown ist der kultische Pfahl oder Baumstamm. Sumerisches g entspricht auch in anderen Fällen kanaanäischem . Die Silbe tar wäre vielleicht in der Bedeutung „festsetzen, bestimmen“ zu fassen.

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