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k) Ningirsu-Ninib. An Marduk, Nebo und Tamūz möge sich hier NingirsuNinib anschließen, der zwar längst vor Marduk in Babylonien seine Blütezeit hatte, aber doch nicht dessen universelle Bedeutung erlangte, weil die politischen Voraussetzungen fehlten. Den verschiedenen Stadtkönigtümern der Zeit vor Hammurapi lag eine solche Konzentration des Pantheons völlig fern. Der Spezialgott ersetzt durch die Intensivität seiner Vergegenwärtigung sowie durch seine unmittelbar empfundene Kraft und Hoheit, was ihm an umfassender Fülle des Wesens mangelt.

Jastrow macht darauf aufmerksam", daß sich Marduk und Ninib nicht bloß als Erscheinungsformen der Morgensonne ähnlich sind, sondern daß auch das Verhältnis Ea's zu Marduk in dem Verhältnis Enlil's zu Ninib und Marduk's Kampf mit Tiāmat in Ninib's Kämpfen mit allerlei Ungeheuern eine gewisse Analogie findet. Besondere Beachtung verdient der Kampf, den Ninib unter dem Namen Tišpak gegen den Labbu führt, der Menschen und Städte schwer bedrängte. Enlil zeichnet das Bild des schlangenartigen Ungeheuers an den Himmel und fordert, wie es scheint in einer Götterversammlung, Tišpak auf, den Labbu zu töten und sich die „Königsherrschaft" zu erwerben?

Ningirsu und Ninib sind bloß dem Namen nach verschieden, im Wesen decken sie sich vollständig 3 Gudea, dessen Hauptgott Ningirsu ist, ruft ihn an als ,,Krieger, grimmiges Raubtier ohnegleichen“, „wie das Innere des Meeres bricht er hervor, wie der ušū-Baum steht er fest, wie sprudelndes Wasser braust er, wie Wirbelwind stürmt er aufs Feindesland los, wie das Innere des Himmels ist er unergründlich“5. In der Vision Gudea's erscheint Ningirsu als „der Mann, dessen Wuchs den Himmel erreichte, die Erde erreichte, der dem Kopfe nach ein Gott war, an dessen Seite der göttliche

1) Religion Babyloniens und Assyriens bes. 453. 459.
2) Rm 282 (KB VI 1, 44 ff.; Hrozný, Ninrag 108 ff.).

3) Vgl. den Art. von Dhorme, Nin-ib, in Hilprechts Anniversary Volume 367.

4) Gud. Cyl. A 2, 10 (Th.-D. 90f.) 5) Gud. Cyl. A 9, 1 ff. (Th.-D. 98f.).

Vogel Im-gig war, zu dessen Füßen der Sturm war, zu dessen Rechter und Linker ein Löwe gelagert war“1. Ähnliche von dem lebhaftesten Empfinden für Ningirsu's Macht und Furchtbarkeit zeugende Äußerungen finden sich nicht bloß vielfach bei Gudea, sondern auch in

in den Mythen

von Ninib's Kämpfen?

Ninib ist vor allem Kriegsgott und hat als solcher verschiedene Parallelgestalten, deren wichtigste Zamama ist. Es wurde bereits bemerkt, daß er ursprünglich eine Sonnengottheit, speziell die Morgensonne, ist. Zugleich wurde er unter den Tamūz-Gestalten erwähnt 3. Als Vegetationsgott führt er den Namen IB Uraš. IB und NIN. IB werden auf der oben besprochenen Tafel Marduk gleichgesetzt, insofern auch dieser Gott der Pflanzung ist (vgl. oben 58f.). Auch er wird als „der erstgeborene Sohn Nudimmud's (Ea's)“ bezeichnet“, er ist ebenso wie Marduk ,,Öffner der Quellen", der Herr der Quellen und Meere“6, also zugleich Frühlingsgott. Er verkündet Gudea: ,,Wenn die Grundlagen meines Tempels gelegt werden, soll der Überfluß kommen. Die großen Felder sollen dir (Frucht) hervorbringen, die Gräben und Kanäle sollen steigen. Aus Bodenspalten, aus denen das Wasser nicht mehr quoll, soll Wasser quellen. In Sumer soll das Öl im Überfluß ausgegossen werden, die Wolle im Überfluß abgewogen werden“1. Er sendet einen Wind, damit er den Hauch des Lebens dem Lande gebe?. Er ist demgemäß auch fruchtspendender Wettergott. Seine Gemahlin Bau, die übrigens auch als die Gemahlin Zamama's aufgeführt wird, ist ihrem wesentlichen Charakter nach Vegetationsgöttin. Neben ihr erscheint Ninib's Gemahlin Gula, ,,die große Ärztin“, und die mit Gula verwandte Heilgöttin Ninkarrana. Bau ist „Schwester der Ninā“, der Tochter Ea's.

1) Gud. Cyl. A 5,13 ff.
2) Hrozný, Mythen vom Gotte Ninrag, MVAG 1903, 5.

3) F. Hrozný, RS Juli 1908, 14 hält Ninib für eine ursprüngliche Naturgottheit, die erst sekundär die Eigenschaften des Sonnengottes angenommen habe. Nach unseren Darlegungen über das Verhältnis der Sonnengottheiten zu den Vegetationsgöttern ist die Frage nach der Priorität des Charakters eher nach der anderen Seite hin zu entscheiden. P. Dhorme, a. a. O. 366 glaubt, daß Ninib ursprünglich das Sternbild des Orion sei. Die Lokalisierung der Götter in den Sternbildern ist aber sicher sekundär. Erst mußte der Krieger da sein, ehe man ihn in einem Sternbild wiederfinden konnte. Aus den Andeutungen Jensens (Gilgamesch-Epos 87), auf die Dhorme Bezug nimmt, konnte ich nicht entnehmen, das dieser seine Auffassung über Ninib als ursprünglichen Sonnengott aufgegeben hat und ihn nun ursprünglich für den Orion hält. 4) IR 17, 2. 5) IR 17, 3.

6) IR 17, 6.

So tritt also Ninib aus der Beschränktheit eines Kriegsgottes heraus, um in sich die mannigfachsten Seiten des Kulturlebens zu vereinigen. Ašurnașirpal nennt ihn „das Licht Himmels und der Erde, den Erleuchter des Innern des Ozeans“, „Schenker des Lebens, den barmherzigen Gott" 4. Wie Samaš ist er „der Richter des Alls“5, „der Recht und Gerechtigkeit handhabt“6. „Wie Šamaš, das Licht der Götter, übersieht er die Weltgegenden"?. „Seiner Hand sind die Enden Himmels und der Erde übergeben“, ,,er hält das Band Himmels und der Erde, regiert alles“ 9. „Er hat einen umfassenden Sinn, klugen Verstand“10. So ist also auch Ninib der lebenspendende, kluge, weise, gerechte, unbeschränkte Herrscher der Welt. Die moralische Persönlicheit läßt die Naturmacht ganz in den Hintergrund treten.

Auch in den Hymnen werden diese Eigenschaften, die wir ja auch bei anderen Lichtgottheiten finden, als seine Vorzüge gepriesen. Es möge hier ein Spezimen folgen 11:

Mächtiger Sohn, Erstgeborener Enlil's,
Gewaltiger, Vollkommener, Sproß von Ešara!
Der mit Furcht angetan,

erfüllt ist von Schauer,
Utgallu, des Kampf nichts ebenbürtig ist!
Glänzender, Standort unter den großen Göttern,
In Ēkur, dem Hause der Wonne, ist hoch dein Haupt.
Fürwahr, gegeben hat dir Enlil, dein Vater,

1) Gud. Cyl. A 11, 10 ff. (Th.-D. 100 f.). 2) Das. Z 23f.
3) K 4349 F I, 7 (CT XXIV, 49 vgl. CT XXV 1, 18 f.).
4) I R 17, 8f.; K 128 Vs. 6; Jensen, Kosmologie 466 f. Anm. 2.
5) K 128 Vs. 2. 6) Das. 2. 7. *) I R 29, 11f. 8) IR 17, 5f.
9) IR 17, 2 f.; 29, 3f.
10) I R 29, 22. Zu zurru vgl. Jensen KB VI 1, 320.
11) King, Magic Nr. 2 Z. 11 ff.; Dupl. Nr. 3 Z. 10 ff.

Das Gebot aller Götter zu handhaben.
Du richtest das Gericht der Menschheit,
Du leitest den, der ohne Leitung ist, der von Drangsal bedrängt ist.
Du ergreifst die Hand des Schwachen, den Kraftlosen erhebst du.
Wer zur Unterwelt hinabgestiegen ist, den? bringst du zurück.
Wer Sünde hat, du lösest die Sünde.
Gegen wen sein Gott erzürnt ist, schnell bringst du ihn zurecht.
O Ninib, Fürst der Götter, ein Held bist du!

[Es folgen die Beschwörungsanrufungen.]

Wie das Götterpaar IB und NIN.IB, das Anum und Antum entspricht?, mit dem Kriegsgotte NIN.IB und dem Vegetationsgotte IB zusammenhängt, muß vorläufig fraglich bleiben. Zu Ninib's Lobpreis wird gesagt, daß er wie Anu und Enlil gebildet sei, womit wohl gemeint sein soll, daß er den (theoretisch) höchsten Göttern an Ehre und Würde nicht nachstehe, aber eine förmliche Gleichsetzung Ninib's mit Anu und Enlil wird schwerlich damit beabsichtigt sein. Ebenso ist die astrale Ausdeutung auf Ninib als den Inhaber des Nibiru-Punktes d. h. des Nordpunktes des Tierkreises oder des höchsten Punktes der Ekliptik* nicht berechtigt. Man darf den Ausdruck nicht pressen, wenn Ninib von sich sagt 5: „Udkaninnū, die Waffe meiner Anuschaft (il anūtia) trage ich“. Anūtu ist hier soviel wie Göttlichkeit im höchsten Sinne 6. In demselben Texte7 rühmt sich Ninib, daß er „die Zerstörerin des Gebirges, die schwere Waffe Anu's“ trage. Ebenso vergleicht er sich mit Anu an einer anderen Stelle 8: „Der König, der den Sturm gleich · Anu packt .... bin ich“. Auch sein furchtbarer Glanz

1) Wörtlich: seinen Leib. 2) Vgl. oben 19f.
3) „Gleichwie Anu [bist du?] gebildet [...

Ninib, der wie Enlil (gebildet ist..." K 2864 Vs. 1-4. Die Tafel gehört zur Serie Ana-gim gim-ma „Wie Anu gebildet“ — Hrozný, MVAG 1903, 5. B. Baentsch, Monotheismus 22 zitiert die ersten Zeilen nach Jastrow, Relig. Babyloniens und Ass. 454, wo jedoch die Beschaffenheit des Textes nicht ersichtlich ist.

*) Baentsch, Monotheismus 22f., der sich an A. Jeremias und Winckler hält. Vgl. oben 31 Anm. 3.

5) K 38 (II R 19, 57/58 b; Hrozný, a. a. O. 12; Jastrow 461).
6) Vgl. oben 23. 7) Z. 63f.
8) K 4829 Vs. 7/8 (Hrozný 14)

ist dem Anu's vergleichbar'. Er scheint sogar direkt als Anu angeredet zu werden: „Q Herr Anu, der die Erde geschaffen hat“ 2. Daraus ersieht man das Bestreben, Ninib in der Ästimation dem theoretisch höchsten Gott gleichzustellen, aber man darf dabei nicht vergessen, daß die Ausdrücke zur Verherrlichung des Gottes dienen sollen und daher sehr hochtrabend gewählt sind.

Die angebliche Aussage Ninib's, daß ihn sein Vater Enlil größer als er selbst ist, gemacht habe, beruht wohl auf einer nicht ganz zutreffenden Übersetzung; es wird vielmehr heißen müssen: „Ninib, König, Sohn, den Enlil aus freien Stücken übergewaltig gemacht hat“4. Wenn er auf der Rückseite derselben Tafel „Sprößling eines unbekannten Vaters“ genannt wird", so soll damit wohl nicht gesagt werden, daß er sich selbst erzeugt habe, wie es von Sin und Ašur behauptet wird.

A. T. Clay hat bekanntlich auf den aramäischen ,endorsements' der Kontrakttafeln aus den Archiven von Nippur als aramäische Wiedergabe des Namens NIN. IB die Legende PR gefunden. Er erklärt dieselbe als En-maštu = En-martu, (wobei er den Übergang des r zu š annimmt) Baʻal Amurru „the lord par excellence of the Westland"7 und glaubt, daß der Gott des Westlandes eine Sonnengottheit gewesen sei, die bei ihrer Einführung in Babylonien an einem bestimmten Zentrum von den Sumerern IB geschrieben wurde, während sie die Gemahlin dieses Gottes, die Ba'alat Amurru, durch NIN.IB bezeichneten. Jedenfalls ist es wichtig, daß Ninib im Westlande verschiedentlich nachweisbar ist 8. Die Gleichsetzung Ninibs mit Amurru entbehrt jedoch der inschrift

1) K 38 Vs. 9/10 (II R 19, 43/44b; Hrozný 12).
2) K 133 Rs. i (ASKT 79 ff.; Hrozný 40; Jastrow 464).
3) K 133 Vs. 5/6 (Hrozný 40 f.).

4) ša il Enlil ina ramānišu ušātirušu; Straßm. AV 6241 liest nur ramānišu ohne ina, das sich jedoch bei Haupt, ASKT 80 findet. „Über sich selbst“ wäre eli ramānišu. Jastrow's Übersetzung (Relig. 463): „Sohn des Enlil, der durch sich selbst hervorragend ist“, ist unmöglich wegen des Šaphel mit dem Suffix, das sich auf das Relativ ša zurückbezieht.

5) tarbit abi ul idi. 6) BE X, 5f. *) Amurru 197.

8) Vgl. die westsemitischen Namen Abdi-Ninib, alu Ninib und Bit-Ninib.

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