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des Königs Šamšī-Adad „meine Sonne ist Adad“ weist auf die enge Zusammengehörigkeit der beiden Götter hin. Sehr häufig wird Adad mit Šamaš zusammen als „Herr des Orakels“ in den von Zimmern bearbeiteten Ritualtafeln genannt. In dem Mythus von den „bösen Sieben“1 werden diese mit der Überschwemmung Adad's identifiziert, nach einer späteren Bemerkung desselben Textes 2 haben sie den Helden Šamaš und den Kämpfer Adad auf ihre Seite gebracht.

Was aber Šamaš und Adad einigt, ist ihr Zusammenwirken bei der Entwicklung der Vegetation, die vom Regen und von der Sonne in gleicher Weise abhängig ist. Hammurapi nennt Adad den bēl hegallim, den Herrn des Überflusses"}, und erbaut ihm in seinem 28. Jahre den Tempel Ē-nam-he, „das Haus des Überflusses“. Adad's Tätigkeit als Spender der Fruchtbarkeit deckt sich mit der Wirksamkeit der zahlreichen Flurengötter, die zugleich Sonnengötter sind, weil ihre verschiedenartige Wirksamkeit vom Sonnenlauf abhängig ist. Diesen komponierten Charakter Adad's bringt ein in Assyrien gefundenes Siegel zum Ausdruck, auf dem der Gott in assyrischer Tracht, das Haupt von einer Strahlenkrone umgeben, in der Rechten etwas wie eine Blume tragend, dargestellt ist 4. Erwähnt mag auch werden, daß Macrobius in seiner oft zitierten Notiz: ohne weiteres von Hadad, dem höchsten Gott der Assyrer (= Syrer) als einem Sonnengott spricht. Baudissin hält es auf Grund der Angaben des Macrobius 6 für wahrscheinlich, daß der Sonnenkult des syrischen Heliopolis aus dem ägyptischen Heliopolis (On ägyptisch An) gekommen sei und sich mit dem Kulte des altaramäischen Gewittergottes verschmolzen habe. Näher lag aber für die Syrer die Entlehnung, falls eine solche stattgefunden hat, aus Assyrien und Babylonien.

noch hinzugefügt werden Belser, Babylonische Kudurru-Inschriften BA II, 201 Col. VI, 3 KB III 1, 162.

1) IVR 5-CT XVI 19, 40/41. 2) Z. 150/1. 3) Cod. Rs. XXVII, 64. 4) Vgl. CIS II Nr. 75.

5) Saturn. I 23, 17f. — E. Meyer, ZDMG XXXI, 734; Baethgen, Beiträge 67; Baudissin, RPTHK 3 VII, 292.

6) Saturn. I 23, 10.

In neubabylonischer Zeit wird Adad auch Marduk als Spender der Regens gleichgesetzt“. Die Flurengötter gehören engstens zusammen mit Ea, dem Vater Marduk's, dem Gott der Quellen. Adad wird in der Inschrift Nebukadnezar's I.2 als ,,Herr der Quellen und des Regens" gepriesen. Das Ideogramm IM kennzeichnet Adad als Sturmgott; als solcher hat er eine gewisse Ähnlichkeit mit Ninib, der zugleich in hervorragendem Maße Vegetationsgott ist und dessen Name Ut-gal-lu als ,,Sonne des (Süd)sturmes" erklärt wird. Besonders in Assyrien wird auch Adad vielfach als Schlachtengott angerufen.

Der engen Verbindung Adad's mit Šamaš entspricht es, daß der Regengott in seinen moralischen Eigenschaften von dem Lichtgotte beeinflußt ist. Die Bezeichnung bēl biri „Herr des Gesichts" führt er mit Šamaš gemeinsam, aber dem Lichtgott dürfte die Offenbarung der göttlichen Geheimnisse von Natur aus eher zugehören als dem Regengott. In Verbindung mit Šamaš, dem Herrn der Gerechtigkeit, fällt diese Eigenschaft auch Adad zu. „Die Götter Šamaš und Adad, die Herren des Rechts“, werden als Rächer der Rechtsverletzung angerufen 4.

In den Hymnen hat der stürinische und kriegerische Adad, soweit sich nach den erhaltenen geringen Resten urteilen läßt, dieselben Vorzüge wie die anderen Götter. Er wird angerufen als „der barmherzige Herr unter den Göttern"5, als „Vernichter der Feinde“6, der insbesondere die bösen Zaubereien zu nichte macht. Daß auch seine Macht unbeschränkt ist, ist daraus ersichtlich, daß er als „Träger des Himmels, der Länder, der Meere" gepriesen wird?

Der Kult Adad's steht seit der Zeit der ersten Dynastie von Babel in hoher Blüte. Sumula-ilu erbaut ihm in seinem 7. Jahre einen Tempels, Samsu-iluna erneuert ihm zu Ehren die Festung Dūr-padda", Hammurapi erbaut ihm den schon erwähnten Tempel. In seinem Gesetzbuche (Vs. III, 64) erwähnt er

2) Vgl. oben 61 f.

2) V R 56, 41.

3) Jensen, Kosmologie 461 ff. 4) Grenzstein Nr. 103, VI, 9, veröff. von Belser, BA II, 187 ff. 5) King, Magic Nr. 21, 61. 6) Das. 64. 7) Das. Z. 8o. 8) King, Letters III, 214.

9) A. a. O. 201.

wenn

Adad's Tempel in Bīt-Karkara namens Ē-ud-gal-gal, was wohl „Haus des großen Lichtes" bedeutet. In den Eigennamen der ersten Dynastie von Babel findet sich Adad ziemlich häufig ?,

er auch nicht an erster Stelle steht. Dagegen stand Adad's Kult in der Kassitenzeit in besonders hoher Blüte 2. Nicht bloß, daß Adad Bestandteil des Namens verschiedener Herrscher ist, er erscheint auch in den sonstigen Eigennamen mit Prädikaten, die auf eine bevorzugte Stellung des Gottes hindeuten. So wird in dem Briefe des Hatti-Königs Hattusil an Kadašmanburiaš ein Gesandter des letzteren namens Adadšar-ilāni = „Adad ist der König der Götter" erwähnt? Derselbe Name kommt auch sonst wiederholt in der Kassitenzeit vor 4. Der Name Adad-bel-kala bezeichnet Adad als „Herrn des Alls“5, Adad-šamhi-ilāni als „den Glanz der Götter“ 6. Hammurapi gibt Adad in seinem Gesetzbuch? den Titel „Fürst Himmels und der Erde“ (gugal šamē u irșitim), Nebukadnezar I., der die hohe Verehrung der Kassiten für Adad teilt, nennt ihn ebenso 8. Nach der Monatsliste IV R 33, 11 a scheint es, daß dieser Titel für Adad feststehend geworden war.

In dem Mythus vom Raub der Schicksalstafeln 10 begegnet uns Adad in einer ähnlichen Szene wie Marduk vor dem Kampfe mit Tiāmat11. Der Sturmvogel Zū hat Enlil die Schicksalstafeln entrissen und damit die Weltherrschaft an sich gebracht. In einer ähnlichen Götterversammlung wie vor der Besiegung Tiāmat's durch Marduk wird die Frage aufgeworfen, wer Zū erschlagen und seinen Namen groß machen wolle.

[Den Für]sten 12 riefen sie, den Sohn Anu's, [Anu] spricht zu ihm den Befehl:

?) Vgl. Ranke, PN 206; Thureau - Dangin, LC 12. 59.
2) Vgl. auch Jastrow, Religion 148. 3) MDOG Nr. 35, 24.
4) S. das Verzeichnis BE XIV, 51; XV, 40.
5) BE XIV, 51; XV, 40. 6) BE XV, 40.
7) Rs. XXVII, 65 f. 8) V R 56, 41.

9) In einem Gebete an Sibzianna (King, Magic Nr. 50, 8) erscheint Adad nach Anu und Enlil auch mit diesem Titel.

19) Text und Übersetzung bei Jensen, KB VI 1, 46 ff.

11) Vgl. O. Weber, Literatur der Babylonier au ff.; A. Jeremias bei Roscher, Lexikon der Myth. IV, 37f. 12) gugalla.

[Du Mächti]ger, furchtbarer Adad! Dein Angriff soll nicht aufgehalten

werden! [Erschlage] den Zū mit deiner Waffe! (So) (soll dein Name] groß werden in der Versammlung der großen

Götter! Unter den Gö]ttern, deinen Brüdern, sollst du keinen Rivalen

haben. [Es sollen] Götterkammern [entstehen und) erbaut werden, [in den] vier [Weltgegenden] lege deine Städte an, [dei]ne [Städte) sollen nach Ekur hineinkommen, [sei du übergewaltig) vor den Göttern, und mächtig soll dein Name

sein!“ Adad hat allerdings Bedenken, den Kampf gegen Zū zu unternehmen und erhält schließlich von Anu den Befehl, nicht zu gehen.

zu gehen. Dasselbe Gespräch mit demselben Endresultat wird dann noch zwischen Anu und Ištar und zwischen Anu und Ištar's Kind, dem Gotte Bara geführt. Die in Babylon bei den deutschen Ausgrabungen gefundene LapislazuliStatue! stellt Adad dar, wie er in der erhobenen Rechten einen Blitzstrahl schwingt, während er in der vorgestreckten Linken einen zweiten gerade emporgerichtet trägt. Zu seinen Füßen liegen zwei drachenartige geflügelte Ungeheuer, die er gefesselt hält. Es sind offenbar die Symbole des Sturmes. Das Bild weist darauf hin, dass sich auch an diesen Gott ein Mythus von der Überwindung gewaltiger Ungeheuer, der wahrscheinlich in der Urzeit spielte, knüpfte.

Leichtverständlich ist das Sohnesverhältnis, in welchem der Wettergott Adad zum Himmelsgott Anu in Assyrien steht. In der Stadt Aššur hatten beide einen gemeinsamen Tempel, der von Ašur-rēš-iši begonnen, von Tiglatpilesar I. vollendet und später von Salmanassar II. neugebaut wurde? In den Inschriften handelt es sich immer nur um einen Tempel Anu's und Adad's, jedoch wird der Kult der beiden Götter charakteristisch verschieden gewesen sein: Der Wettergott Iškurri

1) MDOG Nr. 5, 13; Weißbach, Miscellen 17.

2) W. Andrae, Der Anu-Adad-Tempel in Assur, Leipzig 1902 (Ausgrabungen der DOG in Assur I) 2.

3) Vgl. die Texte bei Andrae 31. Prisma-Inschrift Tiglatpilesars I. Col. VII, 71 ff. (KB I, 42 ff.). Andrae 35 f. 41 ff. Der in Assur gefundene Goldblitz Adad's Taf. XXXIV.

wird schon in einem sumerischen Hymnus aus dem 3. Jahrtausend mehrmals nacheinander als ,,erhabener Stier" und einmal als „göttlicher Wildstier von Himmel und Erde" angeredet, ebenso heißt Adad in einem Hymnus aus der Hammurapizeit ,,Himmelsstier"?, sein Symbol auf den Grenzsteinen und sonstigen bildlichen Darstellungen ist der Stier. Anu, der Himmel, ist gleichfalls, wie bereits ausgeführt", das männliche, zeugende Prinzip, im Gegensatz zu Antu, der als sein Weib gedachten Erde. Es besteht also eine nahe Berührung zwischen Anu und Adad.

Adad erfreut sich eines sehr weit ausgedehnten Herrschaftsgebietes. In Syrien wird er als Hadad, bei den Hettitern unter dem Namen Tešub verehrt, dessen Emblem nach den in Sendschirli4 und in Babylon • gefundenen Reliefs der Doppelhammer und das Blitzbündel sind. 2 Kön. 5,18 ist er als aramäischer Gott unter dem Namen Rimmõn, entsprechend dem babylonischen Rammānu, ,,Donnerer", erwähnt. Besonderer Verehrung erfreute er sich auch in Phönizien und Kanaan, wie zahlreiche init Adad zusammengesetzte Eigennamen der Amarnabriefe beweisen. In einer Reihe von Fällen ist das Ideogramm für Adad ilIM wohl ba'lu, bahlu, sa gelesen worden, woraus deutlich hervorgeht, daß Adad der eigentliche ,Herr“ des Westlandes war 6. Aber er war nicht der alleinige „Herr“ des Westlandes. In den Briefen Tušratta's von Mitanni an Amenophis III. wird Tešub, „sein Herr“, gleichfalls il IM geschrieben, woraus die Gleichsetzung Tešub's mit Hadad ohne weiteres ersichtlich ist 7. Nach K 2100 Vs. I, 18 (CT XXV, 16) ist Tešub ein Name Adad's im Lande SU.KI. Akizzi von Qațna

) CT XV, 15f.; übersetzt von St. Langdon, Babyloniaca II, 162 ff.; Sumerian and Babylonian Psalms, Paris 1909, 280 ff.; Ungnad bei Greßmann, AOTB I, 83f.

2) šu-ur ša-ma-a-i Brit. Mus. 93828 (CT XV, 3f.).,
3) Vgl. oben 19.
*) Die Ausgrabungen von Sendschirli Taf. XLI.
5) Veröff. der DOG Heft 1 Taf. 2.

6) Hommel, Altisr. Überl. 220 f.; Knudtzon, BA IV, 320 f. Vgl. auch in seiner Ausgabe der Amarnabriefe Nr. 170, 2 Anm. a; 245, 44 Anm. f; 255, 3; 256 Anm. g.

1) Vgl. Knudtzon 17, 33; 19, 15. 75; 20, 61. 74.

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