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nennt Amenophis III. addi-ia „mein Addu“, gebraucht also den Namen appellativ für „Gott“1, weil Addu der Hauptgott des Westlandes war.

Nach III R 67, 51cd ist Mar-tu der Name Adad's, insofern dieser der Gott der Sturmflut (ša abūbi) ist. Warum gerade dieses Ideogramm diese besondere Bedeutung haben soll, nachdem Adad überhaupt der Gott des Sturmes ist, ist nicht recht einzusehen; vielleicht liegt die Erklärung in der Ähnlichkeit des Klanges von A.MÁ. TU = abūbu und Mar-tu. In Wahrheit wird der Name il Mar-tu für Adad so zu erklären sein: il Mar-tu, zu lesen il Amurru, bedeutet: „Gott des Westlandes“, und dieser war eben Adad. Das ergibt sich deutlich aus CT XXIV, 16, 38f.:

il Pa-]te-si-gal-zu-ab = il il Mar-tu = „Gott von Martu (Amurru)“. Die Doppelsetzung des ilu erklärt sich daraus, daß il Martu (Amurru) als besonderer Gottesname erschien, dem man noch das Determinativ vorsetzte. Z. 39 der eben zitierten Liste steht bloß einmal ilu:

il Pa]-te-si-mah = il Mar-tu. Dagegen auf dem Paralleltexte CT XXIV, 29, 88 f. haben wir die Doppelsetzung des ilu gerade in umgekehrter Weise. Beide Schreibungen waren also im Gebrauch, die mit doppeltem ilu zeigt darauf hin, daß man sich bewußt war, daß Mar-tu ursprünglich Landesname ist und il Martu bedeutete „Gott von Amurru“. Adad ist der Gott des Westlandes.

Das Verhältnis Adad's zu Anu in Assyrien scheint im Westlande in dem Verhältnisse Hadad's zu Ba'al Samēm, dem „Himmelsherrn“, seine Entsprechung in dem Sinne zu haben, daß Adad, der in Assyrien und Babylonien mit Vorliebe den Beinamen „Fürst Himmels und der Erde“ führt, vielleicht teilweise mit dem Himmelsherrn identifiziert wurde.

Auch il KUR.GAL = „der große Berg“ ist, wie Clay und Peiser nachgewiesen haben?, Amurru zu lesen und mit Martu — Adad gleichzusetzen. Der Gott 3x auf der Inschrift Zakir's, den M. Hartmann il Wadd = der Gott Wadad, Adad lesen wollte 1, während ihn S. Schiffer 2 als il Amur[ru], Grimme 3 als Amar=Marduk analysierten, ist wohl besser mit P. Dhormet als i-lu-mi-ir, das ein häufig vorkommender Name für Adad ist, zu erklären. Dabei ist allerdings zu beachten, daß sowohl Mar-tu = abūbu „Sturmflut“ ist wie auch ìl Martu = Adad ša abūbi Adad der Sturmflut“; ebenso ist mer = „Wind, Sturm“6 und mermeri = ,,Stürme“. Auch die Lesung Hommels 7 illūru hat manches für sich.

1) Knudtzon 52, 4; beachte jedoch Anm. g bei Knudtzon.

2) Clay, BE X, 7f.; XIV, 8f. – Peiser, Urkunden aus der Zeit der dritten babylonischen Dynastie, Berlin 1905, S. VIII.

Der Kultus des Wettergottes ist nicht bloß wegen seiner weiten Verbreitung und seiner einzigartigen Betonung im Westlande für die Kenntnis des Alten Orients höchst wichtig, er zeigt auch, welches innige Band die Religion Assyriens und Babyloniens mit der des Westlandes verknüpfte und worauf der Hauptnachdruck gelegt wurde.

Übrigens mag im Anschluß hieran auch eine Vermutung über die Etymologie von Adad-Hadad beigefügt werden. Macrobius erklärt den Namen bekanntlich als unus unus aus dem syrischen hadhad. Er faßt es in dem Sinne, daß die Syrer Hadad als den „mächtigsten“ Gott verehrt hätten. 776 assyr. edēdu bedeutet nach meiner Erklärung 8 scharf, spitz sein, hervorragen. Gen. 49, 6 scheint die Bedeutung „hervorragen“ für 777 noch vorhanden zu sein. Adad, der auch Haddu, Addu, Dada heißt, wäre demgemäß der „hochragende“; dieser Name würde ohne Zweifel sehr gut dem Amurru=KUR.GAL „großer Berg“ entsprechen. Sicheres läßt sich darüber natürlich nicht ausmachen.

n) Ašur. Der oberste Gott des assyrischen Pantheons unterscheidet sich von den bisher behandelten Gottheiten sehr augenfällig

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dadurch, daß er nicht eine Naturerscheinung repräsentiert, sondern von Anfang an und wesentlich Nationalgott ist. Ašur's babylonisches Gegenstück, Marduk, ist Sonnen- und Weisheitsgott und steht in mannigfacher Hinsicht in Beziehung zum Naturleben. Seine Stellung als oberster Nationalgott ist mehr akzessorisch, wenn sie auch seine Entwicklung noch so stark beeinflußt hat. Marduk hätte Marduk sein können, auch wenn er nicht babylonischer Reichsgott geworden wäre. Ašur dagegen ist wesentlich das deifizierte Assyrertum, die zur Gottheit erhobenen Interessen und Ansprüche der assyrischen Herrscher und ihres Volkes. Speziell aber sind die Kämpfe und Schlachten der Assyrer die Kämpfe und Schlachten Ašur's. Darum erscheint dieser in der Hauptsache als der Kriegsgott eines kriegslustigen Volkes. Ašur ist es, der kämpft, und Ašur ist es, der siegt, König und Volk stehen im Dienste der assyrischen Idee. Ašur's Symbol ist ein kriegerisches Zeichen, die geflügelte Scheibe, in welcher er als Kriegsgott stehend beim Auszug in den Kampf seinen Pfeil gegen die Feinde richtet oder bei der Heimkehr aus der Schlacht seinen siegreichen Bogen gesenkt trägt".

Der Kult Ašur's stellt eine so intensive Konzentration des religiösen Empfindens auf die nationale Idee dar, daß er zum Monotheismus hätte führen können, wenn man daran gedacht hätte, zu sagen: Ašur ist für die Assyrer der einzige Gott, neben dem ein anderer nicht verehrt werden darf. Allein wer dachte in Assyrien bei aller Begeisterung für die in Ašur verkörperte nationale Idee daran, den Kult anderer Götter zu untersagen? Ein solches Verbot ist den Assyrern völlig fremd. Ihrer Anschauung entspricht es vielmehr, daß Ašur's Herrlichkeit um so größer sei, ein je größerer Troß von untergeordneten Gottheiten ihn begleite. Je mehr Gottheiten unterworfener Völker ihm als Untergebene zur Seite gestellt werden, desto glänzender ist sein Triumph.

Eigenartig ist Ašur's Verhältnis zur Sonnenverehrung. Er ist von Anfang an Nationalgott, und doch ist sein Symbol

1) Vgl. die Darstellungen bei Delitzsch, Babel und Bibel. 3. Vortrag 41f. Ders., Mehr Licht 38. Weitere Literatur bei Frank, Bilder und Symbole 26.

schließlich nichts anderes als die Sonne, wenn es sich auch von dem des Šamaš charakteristisch unterscheidet 1. Die Verwechslung der beiden Symbole erklärt sich aus der großen Ähnlichkeit derselben 2. Das Symbol Ašur's ist eine geflügelte Scheibe oder ein Ring genau wie bei Šamaš, nur daß der bogenschießende Ašur in dem Ring oder in der Scheibe steht. Ašur steht sonach inmitten der geflügelten Sonnenscheibe. Seinem Symbol ist das des höchsten persischen Gottes Ahuramazda sehr ähnlich 4. Er steht als bärtiger Mann in einem geflügelten Ringe. Lehmann-Haupt 5 bildet eine im Berliner Museum befindliche Henkelfigur ab, welche die geflügelte Sonnenscheibe mit chaldischer Göttin darstellt. Es scheint also, daß das ursprüngliche Symbol der Sonne ein ziemlich generelles Göttersymbol wurde, weil eben so die Götter am leichtesten als himmlische Lichtwesen versinnbildet werden konnten. Bemerkt sei noch, daß auf den assyrischen Standarten der im Ringe befindliche bogenschießende Ašur entweder auf einem Stiere steht oder über zwei nach verschiedenen Richtungen blickenden Stieren, zwischen zwei unten zusammenlaufenden Strahlenbündeln, schwebt 6. Auch da ist er als Lichtgott gedacht.

Die Darstellung Ašur's als Sonnengott steht außer allem Zweifel. Eine Identifikation dieses Gottes mit Samaš ist aber jedenfalls nicht beabsichtigt, vielmehr betrachtete man wohl das alles überstrahlende Tagesgestirn als den besten Ausdruck für den alles überstrahlenden Glanz Ašur's. Gottheit, Licht und Sonne gelten mehr und mehr als synonyme Begriffe.

Bezeichnend für das religiöse Denken in Assyrien ist es, daß man den Nationalgott Ašur an die Spitze des Pantheons

1) Frank, Bilder und Symbole 17 vgl. das. 26.

2) F. v. Luschan, Ausgrabungen von Sendschirli 19 erklärte das Symbol des Šamaš auf der Asarhaddonstele von Sendschirli als das Ašur's.

3) Darstellungen in: Die Ausgrabungen von Sendschirli 18. 20f., darnach Frank, Bilder und Symbole 8. 11. 14. 17.

4) z. B. auf dem Felsenrelief von Behistun (s. die Darstellung im Guide to the Bab. and Ass. Antiquities 2. Ausg. 1908 hinter p. 104 und 106 Abb. XXVIII f.).

5) Die historische Semiramis 56 f.
6) Delitzsch, Babel und Bibel. 3. Vortrag 43.

stellte und ihn zum Herrn der Götter machte. „Ašur, der große Herr, der Lenker der Gesamtheit der Götter“ beginnt die Prisma-Inschrift Tiglatpilesar's I., dann erst folgt „Enlil, der Herr, der König aller Anunnak, der Vater der Götter, der Herr der Länder", darauf Sin, Šamaš, Adad, Ninib und schließlich Ištar. Salmanassar II. stellt ihn zu Beginn seiner AnnalenInschrift 1 auch vor Anu: „Ašur, der große Herr der Gesamtheit der großen Götter, Anu, der König der Igig und Anunnak, der Herr der Länder", dann folgen Enlil, „der Vater der Götter“, Ea, Sin, Samaš, Ninib, Nergal, Nusku, Bēlit und Ištar. Auch auf der Monolith-Inschrift 2 steht Ašur vor Anu, Enlil und Ea. Allerdings zeigen die Aufzählungen auch manche Varianten, die den assyrischen Standpunkt nicht so einseitig hervorkehren, ja manche Könige bevorzugen sogar in höchst merkwürdiger Weise andere Götter: So zeichnen, wie wir gesehen haben, Ašurnasirpal und Samši-Adad den Kriegsgott Ninib mit den höchsten Attributen aus, während, wie ebenfalls bereits bemerkt wurde, Adadnirāri IV. dazu auffordert, auf keinen anderen Gott als auf Nebo zu vertrauen ?.

Wenn Tiglatpilesar I. und Salmanassar II. an den erwähnten Stellen ihren Nationalgott den übrigen Göttern vorausstellen, so unterlassen sie es doch nicht, auch die anderen Götter mit ihren speziellen Eigenschaften aufzuführen, sodaß sie eigentlich nur vom nationalen Standpunkt aus im Range gegen Ašur zurückstehen, als kosmische Mächte aber Ašur überragen. Allein ähnlich wie Marduk von Babel erleidet auch Ašur durch synkretistische Tendenzen eine solche Erweiterung seines Wesens, daß er zum kosmischen Oberherrn der Götter erhoben wird. Ašur bedeutet wohl ursprünglich „der Heilbringende“, weniger wahrscheinlich „der Aufseher“ sc. der Götter, die spätere Schreibung An-šár = „oberes All“ identifiziert ihn mit dem vorkosmischen Anšar, der auf der oben 4 behandelten Götterliste mit seinem Weibe Kišar=Anum und Antum gesetzt wird. Auch Sin wird in dem Hymnus IV R9 als Gott Ansar angeredet.

Allem Anschein nach wurde Ašur als Gott Anšar auch die

1) KB I, 128 ff.
3) Vgl. oben 68.

2) III R 7f. – KB I, 150 f.

4) S. i f. 20.

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