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Rolle Marduk's bei der Weltschöpfung übertragen, wie aus einer fragmentarischen Tafel hervorgeht", auf welcher Ēšara (= Haus des Alls, Kosmos) von Anšar geschaffen? und die Stadt Aššur, die natürlich Mittelpunkt der Schöpfertätigkeit Ašur's ist, erwähnt wird 3.

Wenn die besonderen Eigenschaften der anderen Götter auch nicht in der Weise auf Ašur übertragen werden, wie wir es bei Marduk gesehen haben, der als ursprüngliche Naturgottheit für den Synkretismus geeigneter war, so usurpiert Ašur doch wenigstens die Attribute absoluter Hoheit und Herrschaft in einem Grade, daß man deutlich die Tendenz sieht, es solle sein Gegenstück Marduk von Babel noch übertrumpft werden. Wir sehen bei dieser Übertragung allerdings nicht die nachrechnende Reflexion wie bei Marduk, sondern sie ist der Ausfluß der nationalreligiösen Begeisterung, die sich in der Form der Huldigung an Ašur äußert.

So heißt es in einer hymnenartigen Votivinschrift Sanherib's 4: „An Aššur (An-šar), den König der Gesamtheit der Götter, der

sich selbst erschuf, den Vater der Götter, dessen Gestalt sich im Abgrund entfaltete, König Himmels und

der Erde, Herr der Götter insgesamt, Träger“ der Igig und Anunnak, Bildner des Himmels Anu's und der Unterwelt, Erbauer aller

Wohnstätten, Bewohner des glänzenden Sternenhimmels, Herr 6 der Götter, Be

stimmer der Geschicke, Bewohner von Ēšara in Aššur, den großen Herrn, seinen Herrn,

Sanherib,
König von Aššur, Stifter? des Bildes Aššur's.

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Der weitere unvollkommen erhaltene Text enthält die Bitte um langes Leben und glückliche Regierung, außerdem ist die Rede von Zeremonien und Votivgegenständen.

Also Ašur ist der Allherrscher; er nimmt den Rang Anu's und Enlil's ein, er ist der Herr aller Götter, und, was das Merkwürdigste ist, er hat sich selbst erschaffen, steht also nicht im Verhältnis der Abhängigkeit und Unterordnung zu irgend einem Gotte, wie es die Sohnschaft in sich schließt, sondern er ist der Vater der Götter. Der Vorzug Ašur's, keinen Vater zu haben, hat seinen Grund wohl darin, daß sich sein Kult nicht von dem eines älteren Gottes ableitete. Der Ausdruck erinnert an die Stelle des Hymnus an den Mondgott?, wo dieser, jedoch in anderem Sinne, die sich selbst erzeugende Frucht genannt wird. Ninib, sonst der Sohn Enlil's, ist gelegentlich auch der Sprößling eines unbekannten Vaters 2. Sanherib nennt Ašur auf seinem Tonprisma I, 10 ,den großen Berg“, ein Attribut, das sonst speziell Enlil zukommt.

Da die Göttergemahlinnen nur der Reflex der männlichen Gottheiten sind, so erhält Ašur als Götterherr mit anderen Eigenschaften Enlil's auch dessen Gemahlin Ninlil-Bēlit, die als Götternutter bezeichnet wird. „Bēlit (Ninlil), Königin von Ēšara, Gemahlin Ašur's, Schöpferin der großen Götter“ wird sie in einem Hymnus angeredet 3.

Wie man die ursprünglich anderen Göttern gebührenden Attribute auf Ašur häufte, möge der folgende Hymnus * exemplifizieren:

Hoher, Herrscher der Götter, Allwissender,
Mächtiger, herrlicher Enlil der Götter, Schicksalsbestimmer.
Aššur5, hoher Herr, Allwissender,
Mächtiger, herrlicher Enlil der Götter, Schicksalsbestimmer.
..... Aššur, allgewaltiger Herrscher der Götter, Herr der Länder.
Preisen will ich] seine Größe seine Erhabenheit hochrühmen!

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Aš]šur's Gedächtnis? will ich verherrlichen, groß machen seinen

Namen! Be]wohner von Ēharsaggalkurkura’, seine Erhabenheit will ich

hochrühmen“. Der Übergang des Titels ,,Enlil der Götter“ und die Gleichsetzung mit dem alten Götterherrn Enlil, dem ursprünglich auch die Benennung „Herr der Länder“ (Z. 5) und „Schicksalsbestimmer“ (Z. 2. 4) zukam, vollzog sich, wie es scheint, nicht direkt, sondern durch das Medium Marduk's und wohl auch im Gegensatz zu diesem, der ja die Weltregierung von Enlil übernommen hatte. Auf den „weisen“ Marduk spielt vielleicht auch das „Allwissender“ (Z. 1. 3) an, deutlich aber sind Z. 14 ff. mehrere Epitheta von dem babylonischen Hauptgotte entlehnt:

.... weitsinniger 3, Entscheider der Götter*, hocherhabener",
.... Schöpfer der Anuschaft, Bildner der Berge,
.... Schöpfer der Götter (?)?, Erzeuger der Göttinnen,
.... weiten (Herzens?], klugen Sinnes 8.

Die folgenden Lobsprüche enthalten weniger Charakteristisches. Die in den angeführten Zeilen vorkommenden Epitheta, die die Weisheit und Schöpfermacht Ašur's feiern, sind offenbar von Marduk entlehnt. An die Substituierung Ašur's an die Stelle Marduk's erinnert die Rückseite unseres Hymnus Z. 6f., wo gesagt ist, daß A]nu, Enlil, Ea, Bēlit, die Götter und Gö]ttinnen im Upšukanaku Ašur's Herrschaft verherrlichen. Hier hat also Ašur als das Haupt der Götter die Rolle der Schicksalsbestimmung, die einst von Enlil auf Marduk übertragen wurde, erhalten. Wie Jastrow mit Recht bemerkt,

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handelt es sich hier „um eine Zusammenstellung aus den literarischen Archiven Babels", die den assyrischen Verhältnissen einfach angepaßt ist.

4. Zusammenfassung. Es wurde am Eingang dieses Abschnittes darauf hingewiesen, daß die Babylonier in den sieben- und vierstufigen Türmen, die den Kosmos symbolisieren, sowie in der Siebengottheit zusammenfassende Ausdrucksformen für das Pantheon haben. Dabei ist besonders merkwürdig, daß die Siebengottheit d. h. die Universalgottheit zugleich als besondere Gottheit behandelt wurde.

Unsere Untersuchung hat gezeigt, daß die Frage, ob ein Gott etwa allein existenzberechtigt sei oder allein, wenn auch nur in einem bestimmten Kreise, Anspruch auf Verehrung habe, in Assyrien und Babylonien überhaupt nicht gestellt wurde, sondern alle Götter, auch die ausländischen, werden stets als zurecht bestehend anerkannt, aber ihre Rangstellung wechselt mit den politischen Verhältnissen. Wenn sich eine Stadt über die andere emporschwingt, so gewinnt auch deren Gottheit selbstverständlich den Vorrang vor der anderen. Die Wirkungsund Herrscherkreise der Götter bilden das getreue Abbild des bunten Ineinandergreifens, der Über- und Unterordnung und des Widerstreites der Naturkräfte und -Erscheinungen und der politischen Faktoren. Wenn nun auch die Frage nach der Alleinberechtigung eines Gottes in Babel überhaupt nicht gestellt werden konnte, so finden sich in der babylonischen Religionsentwicklung doch eine Reihe von Formen und Stimmungen, die wir als monotheistische Motive und Ansätze bezeichnen können.

Wir haben 1. die kosmische Suprematie Anu's. Anu ist theoretisch der höchste Gott, der Inbegriff der Gottheit, der Gott xar'ĚFO%. Anuschaft (anūtu) bezeichnet die Gottheit im höchsten Sinne.

2. Enlil verkörpert einen gewissen Monarchianismus, den Begriff der vollkommenen Herrschermacht auf der Welt; er ist der Länderherr, der die Welt regiert. Darum wird ellilūtu Bezeichnung für Herrschaft überhaupt.

3. Ea repräsentiert das Prinzip der weisheitsvollen Gestaltung und Schöpfermacht.

Ein vollkommenes Wesen sollte naturgemäß alle diese Gebiete in sich vereinigen, wie sie tatsächlich gelegentlich auch Marduk und Ašur zugeschrieben werden.

4. IVR 9 wird der Mondgott Nannar als Anu und Anšar angeredet, als ,,allein erhaben“ gepriesen und ihm die gesamte göttliche Wirkungsmacht beigelegt; er erscheint als die Universalgottheit, neben der die anderen Götter bedeutungslos sind. Das bringt auch die Benennung Sin's durch Nabuna’id „Götter der Götter" d. h. Pantheon über dem Pantheon zum Ausdruck. Es liegt hier unzweifelhaft der Versuch vor, Sin zur Übergottheit zu erheben.

5. Wir haben gesehen, daß eine Reihe von Göttern nicht streng geschieden ist, sondern ineinander übergeht. Das gilt insbesondere von den zahlreichen Vegetationsgottheiten, die chthonischen und solaren Charakter haben, und von den zahlreichen Göttinnen, insbesondere der älteren Zeit, die in Ištar zusammenfließen. Wie sie verschiedene gleichartige Göttinnen in sich vereinigt, so ist sie hinwiederum Trägerin ganz entgegengesetzter Eigenschaften. Wie wenig die babylonische Denkweise darauf bedacht war, die einzelnen Gottheiten nach Wesenheit und Erscheinung scharf zu scheiden, ersehen wir aus den auf den Kudurru's dargestellten Göttersymbolen, von denen in den meisten Fällen eines mehreren Göttern entspricht. Auf dem Kudurru des Nazimaruttaš? entsprechen 17 Symbole 17 Götternamen, dagegen z. B. auf dem Kudurru des Mardukaplam-iddina a entsprechen 45 Göttern nur 18 Symbole. Nur Anu, Enlil, Ea und Ninharsag haben besondere Symbole, die aber bei Anu und Enlil identisch sind (Thron mit Mütze), während sich die verschiedenen gleichartigen Götter gruppenweise auf die einzelnen Symbole verteilen. Sin und seine Gemahlin Ningal sind durch die Mondsichel vertreten, Šamaš,

?) De Morgan, Dél. en Perse II, 86 ss. Über die Identifizierung der Symbole s. Zimmern bei Frank, Bilder und Symbole 33 ff. F. Steinmetzer, Die Schenkungsurkunde des Königs Melišihu (BA VIII, Heft 2) 26 ff.

2) De Morgan, Dél. en Perse VII, 142 ss. Erklärung bei Steinmetzer a. a. O. 35 ff.

Hehn, Gottesidee.

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