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habe es insbesondere bei meiner Lehrtätigkeit immer als einen großen Mangel empfunden, daß es an einer Untersuchung fehlt, welche die Eigenart der israelitischen Religion und insbesondere des israelitischen Gottesgedankens gegenüber den Auffassungen der anderen Völker Vorderasiens nach allen Seiten hin klarstellt. Es ist ja schon so viel von der altorientalischen Kultur und ihrer Bedeutung für das A. T., insbesondere auch vom altorientalischen Monotheismus gesprochen und geschrieben worden – ich selbst habe beides auch schon getan -, allein es fehlte nach meiner Überzeugung eine scharfe Umgrenzung der hier und dort wirksamen Vorstellungen. Seit mehreren Jahren habe ich meine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt konzentriert, um einerseits den Wurzeln der alttestamentlichen Gottesidee im Boden des Alten Orients nachzugehen, anderseits die in Israel wirksamen besonderen Faktoren herauszustellen. So sehr Israel auch mit dem altorientalischen Kulturboden verwachsen ist, so schließt das doch nicht aus, daß sich auf diesem Boden eine ganz eigenartige, selbständige religiöse Bewegung Bahn bricht und entfaltet, die dann eben als besondere geschichtliche Erscheinung gewertet werden muß. Es ist selbstverständlich nicht angängig, daß man sie anders gearteten Entwicklungsformen durch einen gemeinsamen Terminus gleichsetzt oder mit solchen in ursächlichen Zusammenhang bringt. So sah ich bei der genauen Durchprüfung des Materials, daß weder in Babylonien und Assyrien noch sonstwo im Alten Orient eine einheitliche, bewußt auf den Monotheismus als solchen hingerichtete Anschauung vorhanden war, vielmehr zeigte sich die Notwendigkeit, die verschiedenen monotheistischen Ansätze und Motive scharf zu unterscheiden und in ihrer Eigenart zu erfassen.

Es geht bei einer geschichtlichen Würdigung auch nicht wohl an, die babylonische Religion allein mit der alttestamentlichen zu vergleichen. Allerdings beherrschte die babylonische Kultur Vorderasien, aber damit ist nicht gesagt, daß die religiösen Anschauungen überall dieselben gewesen seien, vielmehr sind die Formen mannigfaltig und müssen stets auf ihre Eigenart geprüft werden. Das babylonische Material ist einzigartig in seiner Fülle und bietet ein wirklich lebendiges Bild des religiösen Denkens der Bewohner des Zweistromlandes, während bei den anderen Semiten die Nachrichten doch verhältnismäßig spärlich oder spät sind, allein zur klaren Heraushebung der religiösen Stellung Israels mußte auch die Götterwelt der anderen semitischen Hauptvölker wenigstens zum Vergleiche beigezogen werden. Erst so konnte sich Israels Besonderheit scharf abheben. So ist auch der Untertitel dieses Buches in seinem Haupttitel begründet. Im Lichte des reichen babylonischen Materials gewinnen auch die Götter der anderen vorderasiatischen Völker, von denen wir ja oft nur die Namen kennen, Leben und Bedeutung. Die Vergleichung hat auch für das geschichtliche Verständnis der israelitischen Religion an sich eine Reihe wichtiger Gesichtspunkte ergeben, die der bloß dem A. T. zugewendeten Betrachtungsweise entgehen müssen. Erst im Rahmen der altorientalischen Umgebung tritt die Eigenart der israelitischen Religion klar heraus, und erst so wird ihre Sonderstellung in der Geschichte verständlich.

Die Darstellung des gesamten Stoffes erforderte mehrere Einzeluntersuchungen, bei denen sich mir der Gedanke nahe legte, sie gesondert zu publizieren und erst dann die zusammenfassende Darstellung folgen zu lassen. Man hätte sich auf der einen Seite in manche Einzelheit genauer einlassen, auf der andern auf verschiedene Details verzichten und der ganzen Darstellung eine populärere Form geben können. Ich habe aber nach reiflicher Überlegung von einer solchen Zerlegung des Stoffes abgesehen, weil es mir sehr wichtig zu sein scheint, daß man bei der Beurteilung der einzelnen Fragen das ganze Material kennt und im Auge behält. Mehrfach habe ich in den letzten Jahren die Beobachtung gemacht, daß Urteile besonders in Zeitschriften-Aufsätzen deshalb schief ausfielen, weil man sich von einem Gedanken zu sehr blenden ließ. Hier dagegen vereinigen sich die einzelnen Partien zu einem sich innerlich ergänzenden Gesamtbilde, das wiederum die verschiedenen Teile in eine besondere Beleuchtung rückt, die dem einzelnen Abschnitte an sich verloren ginge.

Vielleicht ist es nicht überflüssig zu bemerken, daß die vorliegende Frage nur als rein historische, ohne theologische Voraussetzungen, behandelt werden konnte. Die zur Erklärung des alttestamentlichen Schrifttums aufgestellten Hypothesen habe ich als solche in die Rechnung eingesetzt, ohne sie deshalb als absolute Lösungen zu betrachten. Sobald bessere Erklärungen gefunden sind, wird man natürlich die derzeitigen bereitwillig fallen lassen.

Berichtigend möchte ich hier noch bemerken, daß die S. 10 genannte Stadt Giš-hu semitisch Umma zu lesen ist, ferner daß nach den neuen Untersuchungen Thureau-Dangins in der RA IX (1912) p. 33-37 vgl. p. 81–83 Šarrukēn und Urumuš nicht, wie es S. 334 heißt, Könige von Kiš waren, sondern zur Dynastie von Agade gehörten. Würzburg, November 1912.

J. Hehn.

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