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heissen, nach ihnen hätten wir es uns zu denken, dass Lazarus mit Leib, Seele und Geist von den Engeln fortgetragen worden sei. Allein diese Ansicht kann sich nicht als den Volksglauben der Israeliten erweisen. Wenn, was die Heiden von ihren Verstorbenen ohne Unterschied glaubten, dass nämlich ihre Seelen durch höhere Wesen zu ihren Bleibestätten in dem Jenseits geführt würden – wie das nicht bloss Ajax bei Sophokles 810:

καλώ 9' άμα
Πομπαίον Ερμήν χθόνιον εύ με κομίσαι,
und Horatius in der Oden, Bch. 1,'10 in seiner Anrede an Mercurius
V. 17 ff. bezeugen:

tu pias laetis animas reponis
sedibus, virgaque levem coërces
aurea turbam, superis Deorum

gratus et imis,
sondern auch Philosophen, wie Plato im Phaedon 108, C. den Glauben
aussprechen: η δε καθαρώς τε και μετρίως τον βίον διεξελθούσα (ψυχή)
και ξυνεμπόρων και ηγεμόνων θεών τυχούσα, ώκησε τον αυτή, εκάστη τόπον
aposýrovta, cf. Hemsterhuis zu Lucianus Contempl. c. 1. - auch den späteren
Israeliten hinsichtlich der Gerechten feststand, dass dieselben nämlich von
Engeln hinübergeführt würden in das Land der Seligen, so lässt sich doch
nicht nachweisen, dass sie eine Einführung des ganzen Menschen mit Leib
und Geist sich gedacht hätten. Der Targum zum Hohenlied 4, 12 sagt
ausdrücklich: non possunt ingredi paradisum nisi iusti, quorum animae
eo ferunter per angelos: nach dieser näheren Bestimmung werden eben
solche Stellen wie Idra rabba. 1137 und 1138 auszulegen sein: antequam
egrederentur socii ex hac area, mortui sunt R. Jose, R. Chiscia et R. Jesa;
et viderunt angelos sanctos eos deportare intra velum expansum. Der arme
Lazarus, um welchen sich hier keine Menschenseele kümmerte, ist der
Gegenstand der Obhut, der Wachsamkeit, des Dienstes der himmlischen
Geister; denn nicht ein Engel kommt zu dem Armen, da er die Augen
schliesst, sondern mehrere, eine ganze Menge. Ein Wort des Rabbi Meir
in Bemidbar rabba, 11. sagt: wenn Gerechte sterben, so sind drei Engel-
heere sofort an der Stelle und schreiten vor ihnen einher, um sie in den
ewigen Frieden einzuführen: das erste sagt: veniat in pace, das zweite:
requiescat in cubilibus suis, das dritte endlich: ambulans coram eo. In
Abrahams Schoss tragen die Seele des armen Lazarus diese Engel; das
ist eine andere Ruhestätte als vordem, da er auf den Steinen lag in dem
Thore des Reichen. Ist das Bild noch weiter zu deuten über die Behag-
lichkeit der Ruhe hinaus etwa auf die Fülle, welche nun den Armen er-
freut, welcher sich vergebens zu sättigen begehrte von den Brosamen, die
von des Reichen Tische fielen? Grotius, Bengel, Michaelis, Kühnöl, Baum-
garten-Crusius denken an Matth. 8, 11 und fassen das Bild des grossen
Gastmahles in's Auge. Olshausen, Bleek u. A. erinnern an Joh. 1, 18 und
finden wie Meyer hier nur ausgesagt, dass Lazarus in Abrahams unmittel-
barste Nähe versetzt worden sei und wie ein heissgeliebter Sohn in seinem
Schosse geruht habe. Allein unsere Parabel ist so angelegt, dass sich die
gerechte Vergeltung auf das Genaueste zeigt: es bildet das Gemälde des
Jenseits den schärfsten Gegensatz zu dem Bilde des Diessseits. Lazarus
hatte in diesem Leben keine Freunde nunmehr sind die Engel Gottes
seine Freunde und Diener; die Menschen warfen ihn hin – die Engel

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tragen ihn auf ihren Händen und legen ihn in den weichen Schoss Abrahams; er lag hier und hungerte er liegt dort und geniesst und sättigt seine Seele mit Wohlgefallen. Luther hat diesen so tief erschütternden parallelismus membrorum ganz richtig erkannt, wie Gregor der Grosse vor ihm auch schon auf ihn in grossen Zügen hingedeutet hatte. „Der arme Lazarus; sagte er, liegt vor des Reichen Thür und ist Niemand, der sich seiner annimmt. Aber die lieben heiligen Engel sitzen da und sehen auf ihn, weil der reiche Mann nicht auf ihn sehen will. Der Text sagt, dass nicht einer, sondern viele Engel auf Lazarus gewartet haben, bis ihm die Seele ausführe. O wie übel ist dem Mann geschehen auf Erden, dass er Niemand hat, der sein wartet. Nun aber hat er viel Engel, die auf ihn warten. Er hat Niemand auf Erden, der ihn herrlich begräbt; aber er wird von den Engeln getragen in Abrahams Schoss. Solche Kindermägdlein möchte ich auch meine Seele gerne tragen lassen.“ Wie ist nun aber dieses Wort des Herrn zu fassen? Dienen diese Engel Gottes bloss zur Staffage, sind sie ein Schmuck der Rede? Oder ist es in Wirklichkeit so, dass die lieben Engel, mit Luther zu reden, „die Kindermägdlein" sind, welche dem Herrn die Kinder zutragen, die durch den Tod hinübergeboren werden zum ewigen Leben? Die heilige Schrift hat über solcherlei Dienste der Engel keinerlei Aussagen; unsere Stelle selbst wird nicht beweiskräftig sein, da der Schwerpunkt der Geschichte nicht darauf ruht, dass die Engel den armen Lazarus hinübertragen, sondern vielmehr darauf, dass sie ihn in Abrahams Schoss niederlegen. Zudem ist diese Erzählung nicht aus der Zeit und Anschauung des N. T. herausgewachsen, sondern sie wurzelt ganz in dem alttestamentlichen Grund und Boden. Es könnte desshalb möglich sein, dass das Werk, welches hier den Engeln zugewiesen wird, jetzt von Christus, dem Haupt des Leibes, vollzogen würde; wie unsere Hoffnung ja auch nicht darauf geht, dass wir in Abrahams Schoss ein Mal ruhen werden, sondern dass wir da sind, wo unser Herr ist, und an seinem Herzen die ewige Ruhe finden. Wir mögen solchen, welche sich der lieben Engel als der Seelenführer in das Land des Friedens getrösten, nicht ihre Freude stören, wir freuen uns des Wortes des sterbenden Rothe, dass an einem Sterbebette kein Geräusch sein soll, damit die Engel herzukönnen; wir glauben aber nicht, dass man einen bestimmten Schriftgrund für diese Ansichten beibringen kann. In Abrahams Schoss trugen die Engel den Geist des Lazarus; was haben wir uns unter diesem Schosse zu denken? Die alten Rabbinen reden häufig von dem Schossen Abrahams; in ihn werden die Seelen der Israeliten getragen. Bereschith rabba, 48, 7 sagt sogar nach Wetstein: in futuro Abrahamus sedebit ad portam Gehennae, nec sinet hominem circumcisum ex Israele eo descendere. Abraham weilt aber mit Isaak und Jakob in dem Garten Eden, in dem Paradiese, und so gilt den Rabbinen Abrahams Schoss für das Paradies selbst. Ist Abrahams Schoss, ist das Paradies nun in dem Himmel zu suchen, oder in der Unterwelt? Es ist jetzt darüber noch Streit, wie es schon in den ältesten Zeiten war. Marcion behauptete nach Tertullianus 4, 34, dass der Schoss Abrahams und der Ort der Qual apud inferos zu suchen sei. Der Karthager führte dagegen aus: apparet sapienti cuique, qui aliquando Elysios audierit, esse aliquam localem determinationem, quae sinus dicta sit Abrahae ad recipiendas animas filiorum eius, etiam ex nationibus; patris scilicet multarum nationum in Abrahae censum deputandarum et ex eadem fide, qua et Abraham Deo credidit: nullo sub iugo legis nec in signo circumcisionis. eam itaque regionem sinum Abrahae dico, etsi non coelestem, sublimiorem tamen inferis: interim refrigerium praebituram animabus iustorum, donec consummatio rerum resurrectionem omnium plenitudine mercedis expungat. Wir können die Antwort auf die aufgeworfene Frage nur aus der Schrift erheben und müssen desshalb kurz und bündig auf das, was die Schrift über den Zustand nach dem Tode mittheilt, eingehen.

Delitzsch hat es in seinem grösseren Psalmencommentare 1, 48 offen ausgesprochen: „die Vorstellungen der Hebräer hierüber waren keine andern, als die aller alten Völker.“ Es ist in der That so, Israel zeichnet sich vor den Heiden nicht durch eine klare, lebendige Erkenntniss von dem ewigen Leben aus. Die Heiden dachten sich die Unterwelt in zwei grosse Reiche geschieden: rechts das Elysium, das Land der Seligen, links der Tartarus, das Land der Verdammten, wie ein jeder weiss, der seinen Homerus und Virgilius gelesen hat. Nicht Willkür wirft das Loos über die Seelen, sondern ein strenges Gericht wird über sie abgehalten; nach ihren Werken werden sie gerichtet. Es ist aber dieses Land der Todten, welches sich die Alten in dem Schosse der Erde denken, ein Land, welchem das Licht und das Leben abgeht; es ist ein Schattenland, die Todten schweben als bleiche Schatten vorüber, ihr Leben ist selbst ein trübseliges Schattenleben; die Schatten aus diesem Leben fallen bis hierher, die Erinnerung ist trotz des Lethestromes nicht ganz ausgelöscht, aber es ist Alles wie ein Traum und gut, dass es wie ein Traum ist, denn wenn die Todten aus ihrem Traume erwachen, so ergreift selbst die Heroen eine solche Unbehaglichkeit, dass ein Achilleus lieber ein Tagelöhner sein möchte in dem Scheine der Sonne als ein Fürst in dem dunklen, stillen Reiche der Todten. Das alte Testament sucht auch die Wohnstätte der Entschlafenen in dem Innern der Erde. Der Scheol, denn diess ist der alttestamentliche Ausdruck für dieses Todtenreich, ist unter und in der Erde zu suchen. Diess würde schon aus dem Worte hervorgehen, wenn die von Scheid und Meier aufgestellte und von Hupfeld lebhaft vertretene Ableitung dieses Wortes richtig ist; während man sonst nämlich entweder mit se fordern in Verbindung brachte und in dem Scheol den Unersättlichen erblickte, welcher Alles, was auf Erden ist, ohne Gnade und Erbarmen verschlingt, oder von sei hohl sein derivirte und so der Scheol als eine Höhle sich darstellen würde, sind diese Theologen der Ansicht, dass au=bio mit 550, tu, bomo zu einer Sippschaft gehört und den Begriff des Losen, Schlaffen und Klaffenden in sich trägt. Hiernach wäre bi Versenkung, Abgrund, Tiefe. Doch die Etymologie bleibe dahin gestellt, der Scheol erscheint als unter der Erde befindlich Num. 16, 30. 33. 1 Sam. 28, 13. Ps. 63, 10. Ezech. 26, 20. 32, 18. Hiob 26, 5 u. m. Dieser Scheol nimmt nicht bloss die Rotte Korah (Num. 16, 30 ff.) lebendig in sich auf, auch Samuel ist in den Scheol hinabgesunken, denn die Hexe zu Endor citirt den Propheten von dorther. 1 Sam. 28, 14. Der Scheol nimmt Gute und Böse, Gerechte und Ungerechte unterschiedslos in sich auf. David weiss es nicht anders, als dass ihn der Scheol verschlingt, wenn er stirbt, . 6, 6 und auch die späteren Psalmen hegen keine bessere Hoffnung. Der Scheol ist ein trübseliger Aufenthalt. Dort ist kein Licht, sondern Finsterniss, Hiob 10, 21 und 22. Das Leben fehlt, Schatten (1897 von xnn schwach sein) sind die Verstorbenen. Es ist ein Land der Stille, Hiob 3, 17 ff. y 94, 17. Kein Gottespreis wird dort laut v. 6, 6. 115, 17. Hiskia schildert ergreifend das ganze Elend in seinem Klagegesang: nicht die Unterwelt preist, nicht der Tod lobt dich, nicht harren, die in die Grube steigen, deiner Treue; der Lebende, der Lebende preist dich wie ich heute, der Vater rühmt den Kindern deine Treue. Jesaj. 38, 18 f. Ein Schimmer von Hoffnung bricht aber auch schon in der alttestamentlichen Zeit durch diese Finsterniss und Schatten des Todes. Zu den Vätern werden die versammelt, welche in die Grube fahren; sie kommen nicht bloss an den Ort, wo die Leiber ihrer Väter ruhen, dass die Leichname sich begrüssen können, sondern gelangen zu der Stätte, wo sie vereinigt werden und bleiben. 1 Mos. 25, 17. 35, 29. 49, 33. 4. Mos. 27, 13. 31, 2. 5 Mos. 32, 50. Das sind die ersten Anfänge. Die Morgenröthe ist im Aufgange! Der Glaube thut einen kühnen Griff und erfasst Gott, den lebendigen Gott y. 16. 17. 49. 73. Die Reflexion begibt sich auf die rechten Bahnen, Proverb. 15, 24. 12, 28. Weisheit 6, 13–20. Pred. 3, 21. Die Prophetie schaut schon das Erwachen aus dem Todesschlummer, Jesaj. 26, 19, das Verschlungenwerden des Todes, ibid. 25, 8, eine Erlösung aus dem Scheol, eine Errettung von dem Tode, Hos. 13, 14.

Klare Aussprüche gibt es im A. T. nicht, dass in dem Scheol zwei abgetrennte Gebiete sich befinden; es darf aber sicher angenommen werden, dass je mehr der Unsterblichkeitsglaube unter den Israeliten Wurzel schlug, desto mehr auch erkannt wurde, dass es mit dem Glauben an einen gerechten Gott sich nicht reime, Gerechte und Ungerechte in einen gleichen Zustand nach dem Tode verfallen zu lassen. Das N. T., welches die Stätte der Todten auch unter der Erde sucht, Phil. 2, 10; Matth. 11, 23, unterscheidet schon sehr bestimmt zwei Bleibestätten der entschlafenen Seelen (wunai Apoc. 6, 9) oder Geister (rtvɛúuata 1 Petr. 3, 19. Ebr. 12, 23); es gibt einen Ort der Freude, in welchen der arme Lazarus getragen wurde und in den als das Paradies der Herr den Schächer einführte (Luc. 23, 43 vgl. 2 Cor. 12, 4 und Apoc. 2, 7), aber zugleich auch einen Ort der Qual, welchen der reiche Mann kennen lernte, welcher als ein Gefängniss gedacht (2 Petr. 2, 9. Eph. 4, 8 u. ö.) und selbst quhanń (1 Petr. 3, 19) genannt wird. Beide Orte sind aber in dem Hades zu suchen, dessen Schlüssel Jesus Christus, Apoc. 1, 18, in der Hand hat, in welchen er selbst nach seinem Tode hinabgestiegen ist, Act. 2, 27 und 31; denn der Herr, welcher in den Hades hinabfuhr, weilte sowohl mit dem Schächer im Paradiese, Luc. 23, 43, als auch bei den Geistern im Gefängniss, 1 Petr. 3, 19. Die alten Väter haben diese Anschauung ganz entschieden festgehalten: Justinus, Irenäus sprechen sich gerade so aus, wie Tertullianus: nemo, peregrinatus a corpore, statim immoratur penes dominum, nisi ex martyrii praerogativa - ein eigenthümlicher Gedanke Tertullianus — scilicet paradiso, non inferis deversurus. de resurr. C. 43, und Lactantius, der instit. 7, 21 lehrt: omnes in una communique custodia detinentur, donec tempus adveniat, quo maximus iudex meritorum faciat examen. Der Hades ist so das allgemeine receptaculum animarum, oder wie Gregor von Nyssa sagt tò dozelov; aber es gibt hier verschiedene Lokalitäten, zwei im Anfange nur, 1) das Paradies, so sagt Tertullianus, apol. 47: nominamus locum divinae amoenitatis sanctorum spiritibus destinatum, von welchem aber einige Väter den Schoss Abrahams unterscheiden, in welchen der Herr die alttestamentlichen Gerechten schon verpflanzt habe, so Clemens, während Origenes das Paradies und den Schoss des Erzvaters für ein und dasselbe erklärt, und 2) den Ort der Qual. Diese Zweitheilung des Hades erlitt aber bald einen mächtigen Stoss. Origenes Gedanke von einer fortschreitenden Entwicklung der Seelen in der Heiligung sprengte die Pforten des Hades und schuf ein Mittelreich zwischen dem Paradiese und der Hölle, in welchem das ignis purgatorius sein Werk treibt. Augustinus (enchir. ad Laur. c. 67, de civ. Dei 20, 18) pflanzte diesen Gedanken dem Abendlande ein, Gregor der Grosse gab ihm dial. 4, 39, 57 seinen kirchlichen Abschluss. Die Scholastiker gingen weiter vor, sie legten zwischen die Hölle, den infernus, und zwischen das Fegefeuer, das purgatorium, den limbus infantum, in welchem die ungetauft verstorbenen Kinder sich befinden, und den limbus patrum, welcher nun aber entleert ist. Die Reformation verwarf das Fegefeuer; Luther konnte dem Zwischenstadium zwischen Tod und Auferstehung kein Interesse abgewinnen: diese ganze Zwischenzeit ist ihm nur ein Moment, denn die Todten sind ihm ausserhalb aller Zeit, Stunde, Jahr und Stelle. Nur das ist ihm ohne Zweifel, dass die Seelen der Gerechten nach diesem Leben in Gottes Hand sind. Die Dogmatiker des 17. Jahrhunderts bestimmten über die Bleibestätten der Todten mit Gerhard: talia receptacula scriptura enumerat tantum duo, quorum unum vocatur coelum, alterum infernus und liessen unmittelbar nach dem Tod das Gericht vor sich gehen. So sagt Baier: piorum mimas statim, postquam a corporibus sunt separatae, essentialem consequi beatitudinem, impiorum vero animas damnationem suam subire, credimus. Das vergangene Jahrhundert erschütterte gewaltig diesen allgemeinen Glauben in der evangelischen Kirche und in unseren Tagen steht es also, dass die Einen behaupten, wie der Baum fällt, so bleibt er liegen; es findet sofort nach diesem Leben das Alles entscheidende Gericht für den Einzelnen statt, während die Andern sagen, es gibt einen Zwischenzustand mit reicher Entwicklung. Unsere Stelle scheint die altdogmatische Auffassung durchaus zu bestätigen: bemerkt doch Vater Abraham, dass eine unübersteigliche Kluft zwischen hüben und drüben befestigt sei; die paulinische Stelle (2 Cor. 5, 10) scheint ebenfalls keine Frage mehr übrig zu lassen; es heisst ja: wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhle Christi, auf dass ein jeglicher empfange, nachdem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei gut oder böse. Allein man beachte, Abraham redet zu seinem Sohne, d. h. er redet zu einem, welcher dem Volke Gottes angehört, welcher Mosen und die Propheten gehabt hat, also die Gnadenmittel in seiner Hand hatte; der reiche Mann ist ewig verloren, weil er sich der Gnade Gottes entschieden verschlossen hat. Ebenso redet der Apostel zu Christen insbesondere und nicht zu Menschen im Allgemeinen; diese Christen werden gerichtet nach ihrem Leben, denn in ihrem Leben ist Jesus Christus ihnen nicht bloss vor die Augen gemalt worden, sondern selbst persönlich entgegengetreten, damit sie sich entscheiden. Wenn Jesus der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Todten ist, wenn zugleich nach der Stellung, welche das Menschenkind zu ihm dem Menschenheilande genommen hat, gerichtet wird, so ist klar, dass Niemand gerichtet werden kann, welchem der Herr auf seinem Lebenswege noch nicht persönlich begegnet ist, dass es sich für oder wider ihn entscheide. Es gibt für diese, welche sich hienieden nicht entscheiden konnten, noch nach dem Tod gewiss Raum und Zeit, da sie sich entscheiden können und sollen; nur für

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